mini|Meißner Fummel mini|Einblick in eine Meißner Fummel Die Meißner Fummel g.g.A. ist ein Feingebäck mit geschützter Herkunftsbezeichnung aus Meißen. Seine urkundlich erste Erwähnung liegt im Jahr 1747, in dem aus der Stadt Meißen ein Gebäck mit dem Namen Fommel niedergelegt ist. Auch heute werden in Meißen in verschiedenen Bäckereien Fummeln angeboten.

Form und Inhalt mini|hochkant|Das EU-Siegel geschützte geografische Angabe gemäß Verordnung (EWG) Nr. 628/2008 der Europäischen Kommission

Es handelt sich um einen Hohlkörper aus sehr dünnem, einfachem Nudelteig. Die Form entspricht der eines unregelmäßigen runden „Ballons“. Das Gebäck ist äußerst spröde und daher zerbrechlich. Meißner Fummeln haben keinen besonderen Geschmack und wegen der nur hauchdünnen Teigschale um die innen befindliche Luft besitzen sie keinen nennenswerten Nährwert: Sie ist ein Backwerk mit enormen Ausmaßen und ohne Inhalt. Hier wird nicht gefummelt! Kein Hohlkörper. n-tv, 9. März 2006

Herstellung Die Fummel wird aus einem einfachen Teig aus Mehl, Zucker, Salz und wenig Butter hergestellt, der hauchdünn ausgerollt wird. Eine Teigplatte wird mit Eigelb bestrichen und die zweite darauf gelegt und damit verklebt. Nach dem Zusammenschlagen wird das Innere aufgeblasen und anschließend bei mittlerer Hitze etwas bräunlich ausgebacken.

Bekanntester Anbieter im Verkauf vor Ort ist (wohl) die Meißner Bäckerei Zieger, die für das zerbrechliche Gebäck auch einen „Fummel-Versand“ anbietet. Sie habe „Pustel auf der Außenhaut“, sei „groß wie ein Handball“ und habe „zwei Liter Luft im Innern“ erklärte die Konditormeisterin: ; das zugehörige Rezept halte die Familie seit Generationen geheim.Stephan Orth: Kult-Gebäck aus Meißen Fummeln in der Altstadt. In: Spiegel, 4. Oktober 2013

Herkunft Zum Alter und zur Herkunft gibt es mehrere Belege und Ansichten, eine eindeutige Quellenlage existiert nicht.

Eine (populäre) Legende besagt, dass die Meißner Fummel von einem sächsischen Kurfürsten in der Stadt Meißen in Auftrag gegeben wurde: Die vom Kurfürsten verschickten Boten, die, meist auf Pferden, die Nachrichten in andere Städte, teilweise auch andere Staaten überbringen sollten, ließen sich oftmals dazu hinreißen, eine Pause in Meißen einzulegen und sich in Gasthäusern zu stärken, aber auch, um sich zu betrinken. Da der Kurfürst durch diese Zwischenstopps länger auf gewisse Nachrichten und Antworten warten musste, und ihm dies, selbstverständlich, nicht gefiel, gab er den Meißner Gasthäusern den Auftrag, ein sehr fragiles Gebäck zu erfinden und jedem Reiter, der eine Pause in einem Gasthaus einlegte, selbiges mit auf den Weg zu geben. Jeder Reiter hatte die Aufgabe, den somit erfundenen Fummel heil vorzulegen, sobald er bei Hofe eintraf. Ein betrunkener Bote würde das zerbrechliche Gebäck nicht heil vorzeigen können, nur nüchterne Männer konnten diese Aufgabe erfüllen: Eckhard Bahr: Dresden: mit Meißen, Radebeul und Sächsischer Schweiz. Trescher Verlag, Berlin 2010, , ISBN 978-3-89794-156-4.

Der Meißner Geschichtsforscher Wilhelm Loose schrieb 1891 in den „Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen“ Der Rat von Meißen spendete der zur Hochzeit reisenden Prinzessin das „gewöhnliche Gebäck“, welches man „Fommel“ oder „Fummel“ nannte. Loose zitiert die „Fommel/Fummel“ mit der lateinischen Formulierung „vulgo“ als ein „gemeinhin“, „gewöhnlich“ und „allenthalben bekannt“ hiesiges Backwerk. Zu jener Zeit sprach man am sächsischen Hof ein sächsisch geprägtes Französisch,Das ist aus Forschungen bekannt. „Fummel“ könnte sich so vom französischen „fumèe“ (Rauch, Dampf, Qualm) ableiten.

Eine weitere mögliche Deutung ist die Fummel als Vexiergestalt. Die „Fummel“ sieht einem Schinken mit leichtem Belag ähnlich.

Unklarheit herrscht gleichfalls über das Alter des Fummel-Rezepts. Einige Quellen sprechen von einer Rezeptur, die seit dem 14. Jahrhundert in Meißen bekannt sei. Das würde der Kurierreiter-Legende um das Gebäck widersprechen, die in Meißen immer wieder zu hören ist. Die Manufaktur wurde jedoch erst Anfang des 18. Jahrhunderts gegründet. Die Geschichte ist also amüsant, basiert aber eher nicht auf historischen Fakten.

Seinen Ursprung könnte das Fummel-Gebäck in der orientalischen Küche haben, wo ballonartig gebackenes Brot bekannt ist. Türkische Kultur und Lebensweise sowie orientalische Pracht wurden im 18. Jahrhundert am sächsischen Hof wertgeschätzt. Deshalb liebte man türkischen Kaffee, Stoffmuster und Kleidungsstücke „a la turc“, orientalische Gerichte und Süßigkeiten, das Tabakrauchen mit der Wasserpfeife, orientalische Zelte, Lederwaren, Parfüms und Pflanzen.Heftige Kommentare zur Fummel-Theorie. In: Sächsische.de (DDV Mediengruppe GmbH & Co. KG), 26. Januar 2018

Sonstiges Jedes Paar, das in Meißen heiratet, bekommt eine Fummel: als Symbol für die Zerbrechlichkeit der Liebe.Süß und Zart Köstlichkeiten aus Dresden und Elbland. In: Dresden Magazin 2. August 2018 Gewohnheit oder Erzählung: Insbesondere Dresdner, die ihren Ausflug am Herrentag in die Weingegend von Meißen machten, waren angehalten, eine Fummel zu besorgen, um mit einer unzerbrochenen Fummel bei der zu Hause gebliebenen Gattin den Nachweis zu führen, dass der Weingenuss in Maßen geblieben war. Dagegen, dass Meißner Männern die Gattin eine Fummel mitgab, mag der geringere Transportaufwand sprechen.

Literatur Otto Eduard Schmidt: Kursächsische Streifzüge. Baensch, Dresden 1924. Band III: Meißen und Lommatzscher Pflege. Hans Sonntag: Die Fummel mal ohne Porzellan-Legende. In: Meißner Tageblatt, 29. Dezember 2017

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Feine Backware Kategorie:Lebensmittel mit geschützter geographischer Angabe Kategorie:Sächsische Küche Kategorie:Kultur (Meißen) Kategorie:Hochzeitsbrauch Kategorie:Ersterwähnung 1747