mini|Drehbrücke von 1895 mini|Doppeldrehbrücke von 1912 Die Rendsburger Drehbrücken waren zwei zeitlich aufeinander folgende Bauwerke, die von 1895 bis 1964 den Kaiser-Wilhelm-Kanal (Nord-Ostsee-Kanal) in Rendsburg überbrückten.
Zusätzlich zu Straßen- und Fußgängerverkehr dienten sie bis 1957 auch der 1901 eröffneten Rendsburger Kreisbahn zur Kanalüberquerung. Von 1895 bis 1913 gab es weiter östlich auch eine Drehbrücke für die Bahnstrecke Neumünster–Flensburg, die durch die Rendsburger Hochbrücke ersetzt wurde.
Bau Rendsburgs erste Drehbrücke über den Kaiser-Wilhelm-Kanal wurde 1895 gebaut. Sie war bald zu klein. Im Zuge der Kanalerweiterung wurde sie 1912 durch den Neubau einer Doppeldrehbrücke ersetzt. Konzipiert wurde sie von Friedrich Voß.
Betrieb Die Doppeldrehbrücke bestand aus zwei Drehelementen, die jeweils auf einem Brückenpfeiler erbaut waren und gedreht werden konnten. Die Steuerung des Brückenbetriebs erfolgte durch einen Brückenwärter aus einem auf der Brücke eingerichteten Kontrollraum.
Laut einem Radio-Interview aus dem Jahr 1951 passierten bereits 150 bis 200 Schiffe pro Tag den Kanal, die höchste Zahl lag bei 248 Schiffen an einem Tag. Die über die Brücken querende Landstraße, damals noch Teil der Europastraße 3 (E 3) von Lissabon nach Stockholm, wurde von ca. 3.000 Fahrzeugen täglich befahren. Bereits dieses Verkehrsaufkommen wurde als „Problem erster Ordnung“ eingestuft. Die Schifffahrt hatte Vorrang, was zu 50 bis 60 Schwenkungen pro Tag führte. Allein das Schwenken der Brückenkörper dauerte ca. 100 Sekunden. Die jeweils maximal geplanten 20 Minuten pro Brückenöffnung zum Passieren der Schiffe konnte bei Durchfahrt von mehreren und größeren Schiffen sowie bei widrigen Bedingungen wie Nebel nicht immer eingehalten werden, um die Sicherheit zu gewährleisten. Verkehrszählungen ergaben, dass sich ca. 40 bis 50 Fahrzeuge pro Brückenschließung aufstauten.
Bau und Inbetriebnahme von Ersatzbauwerken Die steigende Zahl von Schiffsbewegungen führte Ende der 1950er Jahre zu immer längeren Staus auf den Straßen vor der Brücke.
Am 25. Juli 1961 wurde für den Straßenverkehr der Kanaltunnel Rendsburg im Zuge der Bundesstraße 77 eröffnet. Die Rader Hochbrücke wurde erst 1972 fertiggestellt.
Am 28. Mai 1965 wurde der Fußgängertunnel Rendsburg eröffnet. Bekannt ist er durch die Rolltreppen, damals die längsten in Europa.
Stilllegung und Demontage der Drehbrücke Am 24. Juli 1961 wurde die Drehbrücke stillgelegt.
Für Fußgänger standen bis zur Eröffnung des Fußgängertunnels 1965 nur die bestehende Schwebefähre der Hochbrücke und eine interimistisch eingerichtete Fähre nahe der stillgelegten Drehbrücke zur Verfügung.
Die Drehbrücke wurde 1964 demontiert. Die Kosten für die Demontage beliefen sich auf 167.000 D-Mark, wovon 145.000 D-Mark durch den Verkauf des Stahls wieder erlöst werden konnten. Der Rückbau der Brückenpfeiler erfolgte durch Sprengungen und Abtragung, dafür wurden Testsprengungen im Jahr 1965 durchgeführt.
Das Widerlager und eine Gedenktafel sind in der Nähe des Fußgängertunnels noch zu sehen. Die große Uhr an Scholler’s Hotel auf der Südseite des Kanals zeigte damals die Zeit der Brückenschließung an.Drehbrücke Rendsburg. brueckenweb.de
Siehe auch Nord-Ostsee-Kanal#Querungen
Literatur Wilhelm Dietz: Bewegliche Brücken. W. Engelmann, Leipzig 1897, S. 9; .
Kurt Peter Tabbert: Eiserne Giganten. Die Eisenbahn-Hochbrücke und die Straßen-Drehbrücke in Rendsburg. Rendsburg 1953.
Weblinks
Einzelnachweise
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