mini|Der Platz vor dem Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs Köln (links), nördlich vom Kölner Dom (2010) In der Nacht vom 31. Dezember 2015 auf den 1. Januar 2016 kam es in Köln und anderen Orten zu sexuellen Übergriffen, die auch große nationale und internationale Beachtung erfuhren.

Das galt insbesondere für Übergriffe auf Frauen im Bereich des Kölner Hauptbahnhofs und des Kölner Doms durch Gruppen junger Männer vornehmlich aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum. In vielen Fällen wurden sowohl Sexual- als auch Eigentums- und Körperverletzungsdelikte verübt. Es wurden in der folgenden Zeit ca. 1200 Strafanzeigen erstattet. Etwa die Hälfte betraf auch Sexualdelikte. 290 Verdächtige konnten ermittelt werden, von denen 37 verurteilt wurden, davon zwei wegen sexueller Nötigung und einer wegen Grabschens.

Der Polizei und der Bundespolizei wurde vorgeworfen, sie habe die Lage nicht unter Kontrolle gehabt und in ersten Berichten beschönigend dargestellt. Bemängelt wurde auch eine späte und zunächst zurückhaltende mediale Berichterstattung.

Allgemein wird bei den Ereignissen des Jahreswechsels 2015/16 in der Stadt Köln von der Kölner Silvesternacht gesprochen.

Da der Begriff sexueller Übergriff erst am 10. November 2016 ins Strafgesetzbuch eingefügt wurde (vgl. unten), wird dieser Begriff hier nicht im heutigen juristischen Sinn verwendet; er kann sich sowohl auf andere Tatbestände des Sexualstrafrechts beziehen, als auch auf sexuelle Beleidigungen oder damals straflose Handlungen einschließlich sexueller Belästigung.

Ereignisse in Köln Chronologie Silvesternacht Nach Polizeiangaben hatten sich beim Kölner Hauptbahnhof „auf dem Bahnhofsvorplatz sowie der angrenzenden Treppe zur Domplatte“ vor der Nordseite des Doms in den letzten Stunden des 31. Dezember 2015 „zeitweise mehr als 1000 Personen angesammelt. Dabei handelte es sich überwiegend um männliche Personen im Alter zwischen ca. 15 und 35 Jahren, die dem äußeren Eindruck nach aus dem nordafrikanischen/arabischen Raum stammten.“ (PDF) – Bericht des Ministeriums für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen (MIK NRW) über die Übergriffe am Hauptbahnhof Köln zum Jahreswechsel für die Sondersitzung des Innenausschusses am 11. Januar 2016. Abgerufen am 21. Januar 2016, S. 1. Die Personen (im Jargon der Polizei Nordrhein-Westfalen „Nafris“ genannt) wurden von den Einsatzkräften als zum Großteil „stark alkoholisiert“ und „völlig enthemmt und aggressiv“ beschrieben. Schon vor Mitternacht hatte die Polizei den Bahnhofsvorplatz zeitweise geräumt, weil in der Menge Feuerwerkskörper gezündet wurden und nach polizeilicher Einschätzung eine Massenpanik drohte. (PDF) – Bericht des Ministeriums für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen (MIK NRW) über die Übergriffe am Hauptbahnhof Köln zum Jahreswechsel für die Sondersitzung des Innenausschusses am 11. Januar 2016. Abgerufen am 21. Januar 2016, S. 1. Auf dem Vorplatz sowie im Innenbereich des Hauptbahnhofs und rund um den südlich an den Bahnhofsvorplatz angrenzenden Kölner Dom wurden überwiegend Frauen von unterschiedlich großen Gruppen von Männern umringt und dabei massiv sexuell belästigt, beleidigt oder sexuell genötigt und ausgeraubt. Die Opfer beschrieben später in Interviews, wie sie immer wieder und überall am Körper, vor allem zwischen den Beinen, angefasst worden seien und wie man versucht habe, ihnen die Kleidung auszuziehen, während die Täter gleichzeitig in die Taschen gegriffen hätten. Versuche, in dieser Situation Hilfe von der Polizei zu bekommen, seien gescheitert.

Der Einsatz der Polizei dauerte von 21:45 Uhr bis 7:30 Uhr. Dabei waren bis zu 143 Kölner Landespolizeibeamte und 70 Bundespolizisten im Einsatz.Wo war die Polizei? In: Sächsische Zeitung. 7. Januar 2016, S. 2. Erste Hinweise auf eine große Zahl schwerer Straftaten erhielt die Kölner Polizei nach eigenen Angaben gegen 1:00 Uhr. (PDF) – Bericht des Ministeriums für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen (MIK NRW) über die Übergriffe am Hauptbahnhof Köln zum Jahreswechsel für die Sondersitzung des Innenausschusses am 11. Januar 2016. Abgerufen am 21. Januar 2016, S. 4.zeit.de vom 5. Januar 2016: Die Polizei stellte in 71 Fällen die Personalien fest. Dabei wies sich der Großteil der Personen aus dem nordafrikanischen/arabischen Raum durch eine Meldebescheinigung des Bundesamts für Migration als Asylsuchender aus. Es gab zehn Platzverweise, fünf Festnahmen und elf Ingewahrsamnahmen. (PDF) – Bericht des Ministeriums für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen (MIK NRW) über die Übergriffe am Hauptbahnhof Köln zum Jahreswechsel für die Sondersitzung des Innenausschusses am 11. Januar 2016. Abgerufen am 21. Januar 2016 von der Onlinepräsenz des MIK, S. 5.

Örtliche Situation

Pressemitteilungen der Polizei und Reaktionen von Opfern und Presse mini|hochkant=1.3|Tweet der Kölner Polizei vom Neujahrstag Eine erste Pressemitteilung der Polizei Köln vom Neujahrsmorgen trug den Titel „Ausgelassene Stimmung – Feiern weitgehend friedlich“.

Gegen Mittag meldeten sich in der Facebook-Gruppe „Nett-Werk Köln“ erste Opfer und Augenzeugen der Übergriffe. Eine Journalistin des Kölner Stadt-Anzeigers nahm Kontakt zu einem der Opfer auf, das ihr von den Zuständen am Hauptbahnhof berichtete. Eine Polizeisprecherin erklärte dagegen auf Rückfrage, im Dienstcomputer nur eine einzige Straftat mit sexuellem Hintergrund finden zu können. Um 13:21 Uhr berichtete die Zeitung als erste über die Ereignisse: „Sexuelle Belästigung in der Silvesternacht – Frauen im Kölner Hauptbahnhof massiv bedrängt“. Im Laufe des Tages gingen bei der Redaktion weitere E-Mails von Zeugen und Opfern ein, die Polizei bestätigte die Darstellungen jedoch auch weiterhin nicht.

Am Vormittag des 2. Januar erhielt der Polizeireporter des Stadt-Anzeigers den Anruf eines hochrangigen Behörden-Mitarbeiters, der berichtete, die Polizei gehe intern, anders als öffentlich dargestellt, längst von gravierenden Straftaten aus. Mehr als 30 Opfer hätten bereits Anzeige erstattet, man gehe von mehr als 40 Tätern aus. Die Zeitung veröffentlichte die Informationen zeitnah. Am Nachmittag bestätigte die Polizei die neuen Informationen in einer Pressemitteilung, die über eine Serie von Übergriffen auf Frauen berichtete.Joachim Frank: Die Nacht, die alles veränderte: Wie „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Express“ die Geschehnisse an Silvester 2015 aufgearbeitet haben., Kölner Stadt-Anzeiger, Juni 2017 (Archiv).dpa: ++

Presseerklärungen von Oberbürgermeisterin und Polizeipräsident mini|hochkant=1.3|Pressekonferenz in Köln am 5. Januar, Oberbürgermeisterin Henriette Reker (links), Polizeipräsident Wolfgang Albers (Mitte) Am 5. Januar fand eine gemeinsame Pressekonferenz der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und des Kölner Polizeipräsidenten Wolfgang Albers statt. Dabei sagte Reker, die Behörden hätten keinerlei Hinweise darüber, dass es sich bei den Tätern um Flüchtlinge, die in Köln eine Unterkunft beziehen, handele. Entsprechende Vermutungen halte sie für „absolut unzulässig“. Über die tatsächliche Zahl der Täter und ihre Identitäten sei nichts bekannt. Albers erklärte, der Umstand von (zum damaligen Zeitpunkt) 90 Strafanzeigen bedeute nicht automatisch auch 90 Täter. Man habe derzeit keine Erkenntnisse über die Täter. Er räumte zudem Fehler ein. Die erste Auskunft am Neujahrstag sei falsch gewesen.„Ausgelassene Stimmung – Feiern weitgehend friedlich“ auf sueddeutsche.de vom 5. Januar 2016, abgerufen am 5. Januar 2016.

Am 8. Januar äußerte Reker in einer Presseerklärung, sie habe „Informationen insbesondere zur Herkunft von ermittelten Beteiligten aus der Gruppe der Täter“ erst aus der Presse erhalten, und kündigte Albers das Vertrauen auf, der kurz darauf in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde. Das nordrhein-westfälische Innenministerium widersprach dieser Darstellung: Albers habe Reker bereits am 2. Januar telefonisch über die bis dahin vorhandenen Erkenntnisse unterrichtet. Bei einer Pressekonferenz am 4. Januar habe die Polizei erklärt, „dass es sich bei der alkoholisierten Menschenmenge vornehmlich um Personen aus dem nordafrikanisch-arabischen Raum handelte“. Am 5. Januar habe Albers Reker dann erneut über den Stand der Erkenntnisse informiert. Ferner habe er öffentlich berichtet, dass sich unter den rund 70 von der Polizei kontrollierten Störern zwischen den etwa tausend Personen am Bahnhofsvorplatz viele mit einer „Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender“ ausgewiesen hatten. Rekers Angaben seien nicht nachvollziehbar.Übergriffe in Köln:Innenministerium weist Rekers Vorwürfe an Polizei zurück, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Januar 2016.Schwerer Vorwurf nach Silvesternacht: NRW-Innenministerium: Reker wusste schon früher über Täter Bescheid, Focus, 28. Januar 2016.Silvester-Exzesse in Köln. Innenministerium belastet Kölner OB Reker, Die Welt, 18. Januar 2016.

Verzögerte Berichterstattung Regional und national Erste Berichte über einzelne sexuelle Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof gab es am 1. Januar 2016 in den Onlineausgaben der Kölnischen Rundschau,Stefan Sommer: Unruhige Silvesternacht in Köln. Frauen am Hauptbahnhof belästigt – Beinahe Massenpanik am Dom. In: Kölnische Rundschau (online), 1. Januar 2016. des Express,Oliver Meyer: Silvesternacht Hauptbahnhof – Junge Frauen sexuell belästigt. In: Express (Online), 1. Januar 2016. des Kölner StadtanzeigersJanine Grosch: Sexuelle Belästigung in der Silvesternacht. Frauen im Kölner Hauptbahnhof massiv bedrängt. In: Kölner Stadtanzeiger (Online), 1. Januar 2016. und in dem Regionalteil von Focus Online.In der Silvesternacht: Frauen am Kölner Hauptbahnhof sexuell belästigt. In: Focus Online, 1. Januar 2016. Am 2. Januar folgte eine Meldung der Nachrichtenagentur dpa mit der Prioritätsstufe vier, die unter anderem von den Onlineausgaben der Süddeutschen ZeitungEtliche Übergriffe auf Frauen zu Silvester in Köln. In: Süddeutsche Zeitung (Online), 2. Januar 2016. und RTLKöln: Gruppe von 40 Tätern belästigte Frauen in der Silvesternacht. In: RTL Next, 2. Januar 2016. aufgegriffen wurde.

Eine breite überregionale Berichterstattung setzte dagegen erst am 4. Januar ein. Diese Verzögerung wird zum Teil damit begründet, dass während des verlängerten Neujahrswochenendes nur reduzierte „Feiertagsschichten“ in den Redaktionen tätig gewesen seien.Jan Bielicki: Warum die Medien so spät über Köln berichteten. Süddeutsche Zeitung (Online), 7. Januar 2016.Ana Maria Michel, Valerie Schönian, Frida Thurm, Tilman Steffen: Übergriffe an Silvester – Was geschah in Köln? Zeit Online, 5. Januar 2016. Am 4. Januar thematisierte die Tagesschau (ARD) um 20 Uhr die Übergriffe,tagesschau 4. Januar 2016 20:00 Uhr ARD Mediathek. im Gegensatz zu Heute (ZDF). Der stellvertretende Chefredakteur Elmar Theveßen bezeichnete dies tags darauf als Fehler: „Die Nachrichtenlage war klar genug. Es war ein Versäumnis, dass die 19-Uhr-heute-Sendung die Vorfälle nicht wenigstens gemeldet hat.“ Man habe auf das Krisentreffen am Dienstag warten wollen, um Zeit für ergänzende Interviews zu gewinnen. Dies sei jedoch „eine klare Fehleinschätzung“ gewesen.Ursula Scheer: Eine Männergruppe und ihr Hintergrund. faz.net, 5. Januar 2016. Am 5. Januar um 19:20 Uhr gab es ein ZDF spezial mit dem Thema „Was geschah in der Silvesternacht?“zdf.de Am gleichen Tag um 23:05 Uhr brachte das Erste die Sondersendung „Gewaltexzesse in Köln“.ARD Mediathek: Gewaltexzesse in Köln. Beitrag vom 6. Januar 2016.

Einige Medien berichteten zunächst fälschlich, die Taten seien von 1000 Männern begangen worden.Bitte bei den Fakten bleiben. Tatsächlich wurden die Taten aus einer mehr als 1000-köpfigen, fast ausschließlich aus jungen Männern bestehenden Menge heraus begangen;Das wissen wir bisher über die Täter. die Zahl der Täter war kleiner.

Entschließung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates