Die AfD Sachsen-Anhalt ist der Landesverband der rechtspopulistischenFrank Decker: Kurz und bündig: Die AfD. In: Bundeszentrale für politische Bildung, 26. Oktober 2020, abgerufen am 29. Januar 2022. und rechtsextremenInstitut für Menschenrechte: Rassistisch und rechtsextrem: Klare Abgrenzung von der AfD geboten (7. Juni 2021); eingesehen am 7. September 2021 Partei Alternative für Deutschland (AfD) im Land Sachsen-Anhalt. Der Landesverband wird vom Bundestagsabgeordneten Martin Reichardt als Landesvorsitzenden geführt. Mit André Poggenburg als Spitzenkandidaten trat die AfD Sachsen-Anhalt im Jahr 2016 erstmals zu einer Landtagswahl an und stellte anschließend die zweitstärkste Fraktion im siebenten Landtag von Sachsen-Anhalt. Bei der Landtagswahl 2026 unter ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund gewann sie deutlich die meisten Stimmen und kam auf ein vorläufiges Endergebnis von 43,8 Prozent. Damit verdoppelte der Landesverband sein Ergebnis und erreichte den besten Wert für die AfD bei einer Landtagswahl überhaupt.AfD holt Wahlsieg - aber keine absolute Mehrheit. In: tagesschau.de, 7. September 2026 (abgerufen am 7. September 2026).
Das Landesamt für Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt stufte den Landesverband im Januar 2021 als rechtsextremen Verdachtsfall ein,Verfassungsschutz stuft AfD als rechtsextremen Verdachtsfall einVG Magdeburg, Beschluss vom 7. März 2022, Az. (rechtskräftig). im November 2023 schließlich als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“.AfD Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft auf mdr.de, abgerufen am 7. November 2023
Geschichte Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wurde im April 2013 gegründet. Erster Landesvorsitzender wurde Michael Heendorf, der bereits im Dezember wieder zurücktrat. Heendorf war zuvor Stadtratsmitglied für PDS und CDU. Zum neuen Landesvorsitzenden wurde auf einem Parteitag am 21. Dezember Arndt Klapproth aus Dessau-Roßlau gewählt. Klapproth trat bereits im März 2014 zurück, nachdem ihm vorgeworfen wurde, entgegen der Parteisatzung Mitglieder aufgenommen zu haben, Gelder aus der Parteikasse entwendet zu haben und nicht in der Lage zu sein, Wahlkämpfe vorzubereiten. Er wies alle Vorwürfe zurück. Eine unter den Kreisvorsitzenden initiierte Vertrauensabstimmung hatte er verloren. Der Vorsitz wurde übergangsweise durch Tobias Rausch übernommen. Im Juni 2014 wurde André Poggenburg zum Landesvorsitzenden gewählt.
Im Mai 2014 konnte die AfD bei den Kommunalwahlen mit einem landesweiten Ergebnis von 2,3 Prozent der Stimmen insgesamt 16 Sitze auf Kreisebene und weitere 34 Sitze in den Gemeinden und Ortschaften besetzen. Vor der Stadtratswahl in Magdeburg wurde bekannt, dass acht AfD-Kandidaten wegen Nötigung, Bedrohung sowie Körperverletzung aufgefallen waren und sich der Magdeburger AfD-Kreisvorsitzende Ronny Kumpf als Pornodarsteller betätigt hatte.
Im Sommer 2015 kam es im Rahmen eines Machtkampfes in der Gesamtpartei und schließlich der Abspaltung der Allianz für Fortschritt und Aufbruch um Bernd Lucke auch in der AfD Sachsen-Anhalt verstärkt zu Austritten, darunter zahlreiche kommunale Mandatsträger und Funktionäre der Kreis- und Landesebene. Aufgrund „fehlende[r] Distanzierung gegenüber Rechtsextremisten“ forderte der Vorsitzende des Kreisverbands Harz, Michael Möller, den Rücktritt des Landesvorsitzenden André Poggenburg. Möller verließ die Partei später.
Während der Flüchtlingskrise in Deutschland führte die AfD Sachsen-Anhalt Ende 2015 wie einige andere AfD-Landesverbände Demonstrationen gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung durch. Größere Demonstrationen gegen Flüchtlinge fanden jeweils in Magdeburg und Halle statt, an denen in Magdeburg im Oktober rund 2000 und im Dezember noch circa 750 Personen teilnahmen, in Halle rund 500. Dabei kam es auch zu Übergriffen von Teilnehmern dieser AfD-Demonstrationen auf Journalisten.
Im Vorfeld der Landtagswahl 2016 wurde Landesvorsitzender André Poggenburg mit 88 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten gewählt. Bei den Wahlen wurde die AfD Sachsen-Anhalt mit einem Zweitstimmenanteil von 24,3 % zweitstärkste Partei und erreichte 25 Landtagssitze. Zunächst waren der Partei aufgrund einer falschen Zuordnung von Wahlzetteln nur 24 Sitze zugeteilt worden. In: Spiegel Online
Innerparteiliche Konflikte ab 2016 Im Mai 2016 wurde AfD-Landesschatzmeister Alexander Raue wegen fehlender Unterlagen die Entlastung durch den Landesparteitag verweigert. Seine Nachfolgerin Yvonne Sturm legte bereits nach einem Monat das Amt als Landesschatzmeisterin nieder, laut eigener Aussage, da sie weder eine Kontovollmacht noch Sitzungsprotokolle des Vorstands erhalten habe.Hagen Eichler: Untreue-Vorwurf in der AfD
In: Mitteldeutsche Zeitung vom 07.01.2017, Seite 2 / SA
Im Juni 2016 organisierte und veröffentlichte der damalige Parlamentarische Geschäftsführer Daniel Roi das Thesenpapier „Ruf der Vernunft aus Sachsen-Anhalt“, das die AfD Sachsen-Anhalt vor einer Annäherung an Rechtsextremisten warnte. Das Papier entstand ohne Kenntnis des Parteivorstands, was aber vielen Erstunterzeichnern nicht bewusst war. Poggenburg sah dies als parteischädigendes Verhalten Rois, unterstützte aber später das Thesenpapier. Der Parteivorstand erteilte Roi eine Rüge. Im November 2016 verlor Roi in einer vorgezogenen Vorstandswahl sein Amt an Robert Farle. Auch Rois Lebensgefährtin Sarah Sauermann verließ den Fraktionsvorstand. Poggenburg bezeichnete die Abwahl Rois als direkte Folge des Thesenpapiers. Auch sprach Poggenburg darüber, den Fraktionsaustritt einiger Abgeordneten abgewendet zu haben.
Ende Dezember 2016 wurde eine Mitarbeiterin Rois entlassen, nachdem sie zehn Tage vorher den Abgeordneten Matthias Büttner eines sexuellen Übergriffs bezichtigt hatte. Nachdem Roi intern kritische Fragen zur Entlassung seiner Mitarbeiterin stellen wollte, empfand er hingegen, dass der Vorstand allen Abgeordneten der Fraktion die Anerkennung des offiziellen Ablaufs aufzwingen wollte. Mit dieser Begründung machte Roi den Vorfall öffentlich. Darauf beantragte man den Ausschluss des Abgeordneten Roi, da er Interna nach außen weitergegeben habe. Fraktionschef Poggenburg empfand sein Vertrauen zu Roi als sehr beschädigt und wies die Vorwürfe Rois zurück.
Im Januar 2017 erstattete ein Parteimitglied Anzeige gegen Poggenburg und Landesschatzmeister Frank Pasemann wegen Veruntreuung von Parteigeldern. Während des AfD-Parteitages im März 2017 wurden Chatdiskussionen unzufriedener AfD-Mitglieder bekannt, die die derzeitige Parteispitze in Sachsen-Anhalt ablösen wollten. Darunter gehörten auch hochrangige Parteimitglieder. Poggenburg forderte die Drahtzieher dazu auf, ihre Ämter niederzulegen, da ansonsten der Landesvorstand durchgreifen würde. Vor einem zweiten AfD-Parteitag im April 2017 kündigte Poggenburg in einer E-Mail nochmals an, gegen parteiinterne Kritiker vorzugehen. Nachdem keiner der Beteiligten zurückgetreten war, wurden im Mai Roi, Jens Diederichs und Gottfried Backhaus ihre Posten in Ausschüssen entzogen.
Im Juni 2017 trafen sich Poggenburg und seine Stellvertreter Oliver Kirchner und Tobias Rausch mit Daniel Roi, Lydia Funke und Hannes Loth, um weitere Austritte aus der AfD-Fraktion zu verhindern. Dennoch kündigte Funke ihren Rücktritt als AfD-Kreischefin im Juli 2017 an. Die meisten Austritte wurden mit einem Rechtsruck der AfD-Fraktion in Verbindung gesetzt.
Kritiker von Poggenburg schlossen sich im Juli 2017 zu einer innerparteilichen Interessengemeinschaft „Alternative Mitte“ zusammen. Zu den fünf Sprechern gehört auch Dirk Hoffmann, dem bereits ein Amtsenthebungsverfahren als Kreisvorsitzender durch den Landesvorstand angekündigt wurde. Poggenburg kritisierte die Gruppe, da zahlreiche Mitglieder sich an „Umsturzplänen“ gegen den Landesvorstand beteiligt hätten. Im Januar 2018 trat das Landesschiedsgericht nach einem Streit mit dem Landesvorstand geschlossen zurück. Laut dem Präsident des Schiedsgericht habe Poggenburg dessen Unparteilichkeit angezweifelt.
Im März 2018 trat Poggenburg nach einem Misstrauensvotum der Landtagsfraktion vom Landes- und Fraktionsvorsitz zurück. 17 von 19 anwesenden Fraktionsmitgliedern sprachen sich für den Rücktritt aus. Auslöser war der Zeit zufolge eine Rede im sächsischen Nentmannsdorf, in der Poggenburg sich abwertend über Deutschtürken geäußert hatte, sowie seine Liaison mit Lisa Lehmann, Tochter des Fraktionsvorstandsmitglied Mario Lehmann, welche als Vetternwirtschaft betrachtet wurde.
Auf dem Landesparteitag im Juni 2018 verweigerten die Parteimitglieder dem Landesvorstand die Entlastung für die Haushaltsführung, da Landesschatzmeister Frank Pasemann nötige Unterlagen nicht vorgelegt haben soll, darunter der Jahresfinanzabschluss 2017. Zum neuen Landesvorsitzenden wurde Martin Reichardt gewählt, Poggenburg trat nicht erneut an.
Zur Landtagswahl 2021 trat die AfD mit dem Spitzenkandidaten Oliver Kirchner an, sie erhielt 20,8 % der Zweitstimmen.
Im Dezember 2024 wurde Daniel Roi aus der Fraktion ausgeschlossen und ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet, erneut aufgrund des Vorwurfes, durch das Verbreiten von internen Informationen der Partei Schaden zugefügt zu haben. Roi selbst vermutete seine Kritik an der Landtagskandidatur von Philipp Rau als Grund. Im Mai 2025 wurde Roi wieder in die Fraktion aufgenommen und das Ausschlussverfahren beendet.
Vetternwirtschaftsaffäre
Kurz vor Weihnachten 2025 beantragte der Landesvorstand der AfD Sachsen-Anhalt den Ausschluss des Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt aus der Partei, was vom Landesschiedsgericht bestätigt wurde. Schmidt soll unter anderem Mitarbeiter seiner eigenen Firma auf Staatskosten in seinem Bundestagsbüro beschäftigt sowie den Kauf von Aktien einer weiteren Tabakfirma inkorrekt angezeigt haben. Weiterhin wird ihm vorgeworfen, gemeinsam mit einem wegen Spionage verurteilten Mitarbeiter von Maximilian Krah versucht zu haben, einen Handel mit künstlichen Diamanten aufzubauen. Ausgeschlossen wurde auch Landesschatzmeister Matthias Lieschke, da dieser ein Kreisspitzentreffen der AfD mitgeschnitten und Schmidt zugespielt haben soll.
Als Reaktion erhob Schmidt noch im Dezember 2025 in einem Brief an den Landesvorstand weitere Vorwürfe gegen führende Politiker der Sachsen-Anhalter AfD. Laut Schmidt rechneten führende Abgeordnete Dienstreisen falsch ab und beschäftigten Familienangehörige auf Kosten der Steuerzahler in Büros von Fraktionskollegen. Eine „Pokerrunde“, die das Machtzentrum der Landes-AfD sei, gehe gegen ihn seit Monaten gezielt vor.
Medienberichten zufolge gab es mehrere Fälle sogenannter Über-Kreuz-Anstellungen von Verwandten bei AfD-Abgeordneten aus Sachsen-Anhalt. Drei Geschwister des Parlamentarischen Geschäftsführers der AfD-Fraktion im Landtag, Tobias Rausch, arbeiten laut ZDF bei der Bundestagsabgeordneten Claudia Weiss. Deren Tochter arbeitet laut dem MDR wiederum für die AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt. Der Vater des AfD-Fraktionschefs und Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund arbeitete von 2017 bis 2021 beim Landtagsabgeordneten Matthias Büttner und mittlerweile für ein Gehalt von monatlich 7725 Euro für den Bundestagsabgeordneten Thomas Korell. Die Eltern von Büttner arbeiten für monatlich je 556 Euro ebenfalls für Korell. Der Landesvorsitzende Martin Reichardt beschäftigte zwei Familienmitglieder bei Jan Wenzel Schmidt für monatlich 520 respektive 800 Euro. Der aus Sachsen-Anhalt stammende Europaabgeordnete Arno Bausemer, welcher gemeinsam mit Siegmund und Büttner im Kreisvorstand Stendal sitzt, beschäftigt den Kreisvorsitzenden und die Lebensgefährtin eines AfD-Abgeordneten. Ulrich Siegmund äußerte, er sehe in den Anstellungen von Familienmitgliedern kein Problem.