Die iranisch-saudi-arabischen Beziehungen waren lange von einer strategischen Rivalität um die regionale Vorherrschaft im nahen und mittleren Osten geprägt. Sie wurden auch von wechselseitigem Misstrauen und einer religiös-ideologischen Feindschaft zwischen sunnitischem und zwölfer-schiitischem Islam beeinflusst.
Geschichte
Bis zum Zweiten Weltkrieg
Auf iranischem Boden hatten im Laufe der Geschichte zahlreiche Staaten existiert, die mit ihren Nachbarn politische Beziehungen unterhielten. Auf der arabischen Halbinsel verhinderten die geographischen und klimatischen Bedingungen jedoch die Bildung einer nationalen Einheit und Identität. Bis zum Ersten Weltkrieg betrieb die zentrale arabische Halbinsel deshalb keine Außenpolitik. Die Beziehungen zwischen Persien und den Bewohnern der arabischen Halbinsel beschränkten sich aus diesem Grund auf die persischen Teilnehmer am Haddsch.
Die erste Aufnahme beiderseitiger Beziehungen gestaltete sich entsprechend langwierig. Ende 1925 hatte Reza Khan die Pahlavi-Dynastie gegründet, während im Hedschas Abd Al-Aziz dabei war, sich als König zu etablieren. Nach der Krönung von Reza Khan zum Schah beglückwünschte Abd Al-Aziz Reza Schah und versprach, persische Pilger im Hedschas zu schützen. Bereits im Jahr 1926 kam es jedoch zu einem Zwischenfall, bei dem Truppen der Ichwān schiitische Pilger in Mekka angriffen, die gerade ein Aschura-Ritual abhielten. Persien sandte ein Protestschreiben mit einer scharfen Verurteilung des Wahhabismus. Es zögerte in der Folge, den Hedschas anzuerkennen.
Im Jahre 1928 schlug Abd Al-Aziz Persien vor, ein gemeinsames Sicherheitsabkommen zu unterschreiben und diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Im Gegenzug würde der König des Hedschas die heiligen Stätten der Schiiten schützen und seinen Sohn mit reichen Geschenken nach Persien senden. Reza Schah wollte jedoch keine Allianz mit Hedschas gegen die Ichwān, auch sonst gab es keine gemeinsamen Interessen der beiden Länder. Die Forderungen von Persien wie die persische Gerichtsbarkeit über persische Pilger lehnte Hedschas jedoch ab. Somit unterschrieb man lediglich eine nicht bindende Nichtangriffserklärung. Im Jahre 1930 wurde Habibollah Hoveyda erster Botschafter Persiens im Hedschas, Rashid Pasha wurde zum Botschafter für Persien und den Irak ernannt. Im Jahre 1932 besuchte Prinz Faisal auf seiner Rückreise von Russland auch Persien. Reza Schah hatte aber an einem Gegenbesuch in Saudi-Arabien kein Interesse, auch auf die Teilnahme am Haddsch verzichtete er. Somit blieben bis zum Zweiten Weltkrieg die bilateralen Beziehungen auf die Verwaltung des Haddsch und etwas Handel beschränkt; einige Perser siedelten sich in Dschidda an. Zwar gab es Grenzstreitigkeiten zwischen den beiden Staaten, aber aufgrund der internen Instabilität beider Staaten ruhten sie.
Die Beziehungen zwischen den beiden Staaten wurden jedoch immer wieder von Krisen um persische Pilger, die mit ihren Ritualen wiederholt die wahhabitischen Saudis gegen sich aufbrachten, belastet.
Zweiter Weltkrieg bis zur Islamischen Revolution (1979)
Im Jahre 1948 nahmen Saudi-Arabien und Iran ihre diplomatischen Beziehungen wieder auf. In der Dekade nach Ende des Zweiten Weltkrieges war Saudi-Arabien relativ stabil. Es verbesserte seine Beziehungen zu den USA, die ihrerseits Interesse an Saudi-Arabien als Erdöllieferant hatten und mit dem Land deshalb einen Verteidigungsvertrag verhandelten und militärisches Training sowie Kredite zur Verfügung stellten. In Iran hingegen hatte als Nachwirkung der Besetzung während des Zweiten Weltkrieges ein großer Teil der Gesellschaft Vorbehalte gegen ausländische Einflussnahme. Es gab Spannungen zwischen dem Schah, der marxistischen Tudeh-Partei, der Nationalen Front und der islamistischen Fedāʾiyān-e Eslām. Man forderte die Nationalisierung der Anglo-Iranian Oil Company, deren Verstaatlichung führte zum britischen Boykott gegen iranisches Erdöl und zum Staatsstreich gegen Premierminister Mohammad Mossadegh. Die Forderung nach Nationalisierung der Erdölvorkommen und der Erdölindustrie griff von Iran aus auf die arabischen Staaten über, einschließlich auf Saudi-Arabien. Dort wurde Aramco bis 1988 schrittweise in saudischen Besitz überführt.
In der Israel-Frage verfolgten die beiden Länder vordergründig eine gegensätzliche Politik. Iran erkannte Israel faktisch an, nicht zuletzt wegen der starken wirtschaftlichen Vernetzung der iranischen Juden. Saudi-Arabien beteiligte sich hingegen mit ein paar Verbänden am Krieg gegen Israel im Jahre 1948, trotzdem wollte es eine von der Palästinafrage unabhängige Außenpolitik betreiben.
Nach dem Militärputsch in Ägypten 1952 rückte der neue Machthaber Nasser sein Land näher an Moskau. Im Auftrag der amerikanischen Regierung bereiste John Foster Dulles die Region, um zu untersuchen, wie man eine regionale Allianz gegen sozialistisch orientierte Regierungen bilden könne. Seine Schlussfolgerung war, dass die arabischen Staaten zu schwach seien und dass die USA ihre Bemühungen auf die nördlichen Staaten der Region konzentrieren sollten, das heißt die Türkei, der Irak und Iran. In der Folge betrieben die USA die Gründung des Bagdad-Paktes. Saudi-Arabien war nicht als Teil dieser Organisation vorgesehen und stand entsprechend im Abseits. Trotzdem verstand die saudische Herrscherfamilie, dass sie sich mit den USA arrangieren müsse und setzte limitierte Reformen im Land um; vor allem aber investierten sie in die Ölindustrie. Die Gründung des Bagdad-Paktes polarisierte den Nahen Osten in einen pro-westlichen und einen pro-östlichen Block. Saudi-Arabien fürchtete dabei auch ein Erstarken der Haschimiten und verhinderte aus diesem Grund den Beitritt Jordaniens und später Syriens zu diesem Pakt. Es bekämpfte den Bagdadpakt als Einmischung der USA in die Region und schloss trilateriale Verträge mit Ägypten und Jemen, später auch mit Ägypten und Syrien. Zwischen den Partnern dieser Verträge herrschte Misstrauen; vor allem aber verdächtigte Saudi-Arabien iranische Kleriker, die antikolonialistische Stimmung der frühen 1950er Jahre zu ihren Zwecken zu politisieren.
In dieser Phase kam es zum ersten persönlichen Treffen zwischen den Monarchen Irans und Saudi-Arabiens in Teheran. Man einigte sich zwar in Detailfragen, bezüglich des Bagdad-Paktes blieb man jedoch im Dissens. Iran trat am 11. Oktober 1955 schließlich dem Bagdad-Pakt bei.
Ab 1957 unterstützten Saudi-Arabien und Iran die USA bei der Umsetzung der Eisenhower-Doktrin, die Aggressionen von kommunistisch dominierten Ländern vorbeugen sollte. Bei Krisen in anderen Nahost-Staaten, wie in Jordanien, dem Libanon oder Jemen konnten beide Staaten jedoch nur symbolische Hilfe bieten. Nach dem Putsch im Irak 1958 brachte Abd al-Karim Qasim sein Land auf pro-sowjetischen Kurs und trat im März 1959 aus dem Bagdad-Pakt aus; fast gleichzeitig unterzeichnete Iran mit den USA einen Vertrag über militärische Zusammenarbeit. Saudi-Arabien, dem die starke amerikanische Präsenz am persischen Golf missfiel, verlängerte hingegen das amerikanische Nutzungsrecht für das Flugfeld von Dhahran nicht. Die USA ihrerseits verfolgten gegenüber den beiden Staaten eine sehr unterschiedliche Politik. Sie forderten in Saudi-Arabien zwar Reformen in geringem Umfang, respektierten davon abgesehen die traditionelle Gesellschaft weitgehend. In Iran, wo der Schah mit autoritären Mitteln die Modernisierung durchsetzen wollte, drängten sie auf tiefgreifende und schnelle Reformen, was die iranische Opposition gegen den Schah befeuerte. Dies führte zum Aufstieg von Ayatollah Chomeini, der in den 1960er Jahren die Annäherung von Sunniten und Schiiten befürwortete, um die westliche Einmischung in der muslimischen Welt zu vermindern.
Im Jahre 1964 kam König Faisal auf den saudischen Thron und trat in der Folge stark für die islamische Einheit ein. Der Schah unterstützte dies, solange er der Meinung war, dass es mit den Anforderungen der modernen Zeiten vereinbar war. Die Beziehungen zwischen Iran und Saudi-Arabien verbesserten sich, der Handel verdreifachte sich zwischen 1964 und 1966 und eine Zusammenarbeit im Bildungsbereich begann. Im Zuge der Krise nach der Spaltung des Jemen kam es zu südjemenitischen Angriffen auf saudische Städte, zu einem Putschversuch in Saudi-Arabien und politischen Säuberungen. Iran gewährte in dieser Phase Saudi-Arabien militärische Hilfe, auch in der Niederschlagung des Dhofar-Aufstandes bis 1975 waren iranische Truppen involviert. Versuche, mit saudischer Vermittlung den irakisch-iranischen Grenzkonflikt am Schatt al-Arab beizulegen, scheiterten 1968 am Putsch der irakischen Baath-Partei und dem folgenden Aufstieg von Saddam Hussein. Im Rahmen von freundschaftlichen offiziellen Treffen von Schah Mohammad Reza Pahlavi und König Faisal ibn Abd al-Aziz im Jahre 1966 konnten strittige Punkte bezüglich der Grenzziehung zwischen Saudi-Arabien und Iran im Persischen Golf gelöst werden. Ein am 24. Oktober 1968 geschlossener Vertrag schlug die Insel Farsi Iran und die Insel Arabia Saudi-Arabien zu. Eine 138,7 Kilometer lange Seegrenze wurde gezogen und man einigte sich, auf Bohrungen mit weniger als 500 Metern Abstand zur Grenze sowie auf in Richtung Nachbarland geneigte Bohrungen zu verzichten.
Die zu Beginn der 1970er Jahre von den USA entwickelte Nixon-Doktrin mit seiner Zwei-Säulen-Strategie wies Iran und Saudi-Arabien die Hauptverantwortung für die Sicherheit am persischen Golf zu. Nachdem der Irak einen Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion unterzeichnet hatte, versprach US-Präsident Nixon Iran alle notwendige Unterstützung. Die USA sahen in Iran mit seiner größeren Bevölkerung, seiner stärkeren Wirtschaft und seiner unmittelbaren Nachbarschaft für die Sowjetunion das größere Potential, die Ausdehnung des sowjetischen Einflusses einzudämmen. Somit baute Iran die mit Abstand größten und modernsten Streitkräfte in der Region auf. Dies bereitete Saudi-Arabien Unbehagen; andererseits war man in Riad über die Eindämmung der irakischen Gefahr zufrieden und war sich auch bewusst, Iran notfalls nicht hoffnungslos unterlegen zu sein. Die Staatseinnahmen Saudi-Arabiens lagen zu der Zeit bereits deutlich über jenen Irans. Obwohl die USA beide Staaten unterstützten, um einer aggressiven Golfpolitik der Sowjetunion vorzubeugen und um die Liefersicherheit von Erdöl zu gewährleisten, blieben die Beziehungen zwischen den beiden Monarchien kühl. Besonders im Rahmen der OPEC kam es immer wieder zu Konflikten um die richtige Strategie bei der Ölförderung und -bepreisung.
Die Bedeutung der Erdöleinnahmen stieg erheblich nach der Ölkrise von 1973. In den 1950er bis 1970er Jahren war Iran unter Schah Mohammad Reza Pahlavi die unangefochtene Vormacht am Persischen Golf.
Ausdruck der Rivalität zwischen Iran und der arabischen Welt war auch der Disput um den Namen des Persischen Golfs seit den 1960er Jahren.
Islamische Revolution hochkant|mini|Der iranische Revolutionsführer Chomeini mini|Haddsch Memorial (1987), Iran
Die Verhältnisse änderten sich mit der sogenannten Islamischen Revolution und dem Sturz des Schahs in Iran 1979. Der schiitische Staat Iran wurde zur Islamischen Republik. Die iranische Führung versuchte, einen Revolutionsexport zu betreiben. Beabsichtigt war die Ausweitung der Islamischen Revolution nach iranischem Vorbild in Länder mit hoher schiitischer Bevölkerungszahl, den Irak, Nordjemen und später den Libanon.
Nach dem Fall der Pahlavi-Dynastie machte sich die junge islamische Republik das saudische Königshaus zum Feind, indem es die Forderungen der schiitischen Minderheit der Hasa in Saudi-Arabien unterstützte (Revolutionsexport) und den verkommenen islamischen Regimes die Legitimität absprach.
Irak-Iran-Krieg