mini|hochkant|Wappen derer von Benckendorff (Estland). mini|hochkant|Wappen der Grafen von Benckendorff. Benckendorff ist der Name eines deutsch-estländisch-schwedischen Adelsgeschlechts, dessen Herkunft in der Hansestadt Salzwedel (Altmark) lag. Die Benckendorffs wurden im 18. Jahrhundert in die Baltischen Ritterschaften aufgenommen. Sie lebten als Deutsche in Estland, wurden mit dem schwedischen Adelstitel „von Benckendorff“ geehrt, erhielten einen Grafentitel und zeichneten sich durch Geschick und Können am russischen Zarenhof aus. Sie stellten mehrere angesehene Bürgermeister, Ratsherren, Burggrafen in Riga, Generäle in der Kaiserlich Russischen Armee und prägten die Entwicklung im Baltikum entscheidend mit. Das estländische Geschlecht der von Benckendorff gehört noch heute zu den 179 lebenden estländischen Adelsfamilien.Walter von Hueck, Hauptsachbearbeiter der Genealogischen Handbücher des Adels (GHdA) im Deutschen Adelsarchiv, Genealoge der Estländischen Ritterschaft (19. Benckendorff) Baltische-Ritterschaften-de. Digitalisat.
Es gab und gibt weitere Familien gleichen oder ähnlichen Namens, so zum Beispiel Benkendorf, Benckendorf, von BenckendorffVon denen Herren von Benckendorff: „Die Herren von Benckendorff haben ihren Ursprung bei den ältesten Adel in der alten Mark Brandenburg zu suchen. Der in der Historie und Genealogie gar berühmt gewesene und schon anno 1598 verstorbene Superintendent zu Staußberg in der Mittel Mark, Andreas Angelus, hat bereits zu seiner Zeit, in der von ihm herausgegebenen Märkischen Chronica bezeuget, daß sie unter die dasig ältest und besten Häuser zu zählen sein. Gewiß ist es, daß sie vor vier hundert Jahren in der Gegend der alten Märkischen Stadt Salzwedel verschiedene confiderable Ritter Güter besessen…Das Stamm Register der Herren von Benckendorff ist nun also authentisch aufgesetzet: Andreas I. von Benckendorff auf Parching, Kur Brandenburgischer Rath und Amtmann zu Salzwedel, welcher um das Jahr 1390 gelebet, ist sichern Nachrichten zu Folge, der wahre Stamm Vater unserer Vogtländischen und obern Pfälzer Linie gewesen.“Vgl. Johann Gottfried Biedermann: Geschlechts-Register der löblichen Ritterschafft im Voigtlande. Verlag Spindler, 1752, Digitalisat. oder Von Beneckendorff und von Hindenburg.
Geschichte Die Benckendorffs tragen ihren Namen ebenso wie die märkische Juristenfamilie des Martin Benckendorff nach dem Ort Benkendorf. Ihr Stammhaus lag in Salzwedel in der Altmark. Da die Stadt in Folge der Reformation (1517–1648) und der sich anschließenden kriegerischen Auseinandersetzungen wirtschaftlich ruiniert war, wurde sie von vielen Bürgern verlassen. Zu ihnen gehörte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, etwa um 1550–1590, auch Andreas Benckendorff, der sich als polnischer Kriegskommissar in Riga.Anmerkung: 1581 erkannte die Stadt Riga König Stephan Báthory (1533–1586) als das gewähltes Staatsoberhaupt von Polen-Litauen an. Es folgte eine 40-jährige polnisch-litauische Herrschaft, die mit der Eroberung durch den schwedischen König Gustav II. Adolf 1621 endet. niederließ. Sein Sohn Johann I. Benckendorff wurde 1606 Ratsherr in Riga, dessen Enkel Johann III. Benckendorff war Bürgermeister und Abgesandter am Hof in Stockholm. Er wurde am 17. November 1674 in den schwedischen Adelsstand erhoben.
Johann IV. von Benckendorff war ebenfalls Bürgermeister und 1702 Gesandter für König Karl XII. in Warschau. Fürst Alexander Danilowitsch Menschikow empfahl ihn an Zar Peter d. Großen, und somit begleitete Johann IV. den Zaren nach Reval und Sankt Petersburg. 1712 wurde er vom Zaren zum Bürgermeister von Sankt Petersburg ernannt. Zum Abschluss seiner politischen Tätigkeiten war er Burggraf von Riga.
Sein Sohn Johann Michael von Benckendorff war Generalleutnant in der Kaiserlich Russischen Armee und Oberbefehlshaber von Reval. Er kaufte die Güter Aß-SchlossSchloß Aß in Kirchspiel Klein-St. Marien, Wierland mois.ee. Digitalisat. und SternhofSternhof: Beigut des Gutes Kiltsi/Schloß Aß: mois.ee. Digitalisat. in Estland, wurde 1765 in die Livländische Ritterschaft und 1773 in die Estländische Ritterschaft aufgenommen.
Zwei Familienmitglieder wurden Ritterschaftshauptmänner:Ritterschaftshauptmann: Vorsitzender der estnischen und der livländischen Ritterschaft (II), auch als Landgerichtsvorsitzender. Digitalisat. Paul Friedrich von Benckendorff auf WarrangWarrang im Kirchspiel St. Marien-Magdalenen, Jerwen: mois.ee. Digitalisat. von 1824 bis 1827, er war auch von 1833 bis 1841 Generalgouverneur von Estland, und sein Sohn Hermann von Benckendorff von 1851 bis 1854.
Johann Michaels Großsohn Alexander von Benckendorff war in Russland der mächtige Chef der Gendarmerie; er wurde am 8. November 1832 in den Grafenstand erhoben. Er kaufte 1827 Schloss Fall bei Keila-Joa in der Nähe von RevalEine kurze Chronik zu Schloss Fall Digitalisat. und stiftete den Besitz für seine mit dem Fürsten Grigori Petrowitsch Wolkonski (1808–1882) verheiratete Tochter Maria. Der Grafentitel ging auf seinen Neffen Konstantin über, der 1856 russischer Gesandter am württembergischen Hof war.
Mit Konstantin gründete sich auch ein württembergischer Zweig der Familie. Die estnische Familie von Benckendorff besaß in Estland Aß, Sternhof, Schloss Fall, Merremois,Merremois. In: Hans Feldmann, Gertrud Westermann: Baltisches historisches Ortslexikon: Estland (einschliesslich Nordlivland). Digitalisat. Kechtel, Kappel,Kappel (Kabala). In: Hans Feldmann, Gertrud Westermann: Baltisches historisches Ortslexikon: Estland (einschliesslich Nordlivland). Digitalisat. Warrang, Löwenwolde und Jendel. Darüber hinaus hatte sie in Russland große Landbesitze, die dem späteren russischen Zweig zufielen. mini|hochkant=0.6|Allianzwappen/Sandsteinplatte (1726) Portal d. Neuen Schlosses in Schlottenhof m. d. Heraldik von Benckendorff und von Niclot.Erich-Christoph Freiherr von Plotho: Ritter, Domherren und Obristen – Familienchronik der Edlen Herren und Freiherrn von Plotho. C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2007, ISBN 978-3-7980-0579-2, S. 191-Tafel XIV, (u. fehlerhaft) S. 193. In Franken besaß die Familie mit Rittergut Schlottenhof bereits Anfang des 18. Jahrhunderts ein Anwesen. Der dortige Gutsherr war Adam Christoph Sigmund von Benckendorff, Geheimer Rat, Konsist.-Präsident und Amtshauptmann zu Bayreuth.
Stammlinie
Liste der Grafen von Benckendorff Da Constantin Alexander keine männlichen Nachkommen hatte, ging die gräfliche Erbfolge über an den Sohn seines BrudersGrafen und Gräfinnen von Benckendorff BrigittegastelAncestry.com. Digitalisat.:
Wappen Das Stammwappen zeigt in Gold einen blauen Pfahl, belegt mit drei roten Rosen. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken eine rote Rose schwebend zwischen dem gold-blau übereck geteiltem offenen Flug.
Siehe auch Benckendorff Benkendorff
Literatur Arthur Kleinschmidt: Russland’s Geschichte und Politik. Kassel 1877, S. 255–259. Maximilian Gritzner: J. Siebmacher’s grosses und allgemeines Wappenbuch, III. Band, 11. Abteilung, 1. Teil: Der Adel der Russischen Ostseeprovinzen: Die Ritterschaft, Bauer & Raspe E. Küster, Nürnberg 1898, S. 32–33.; u. Tafel 8. Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, Teil 2, 3: Estland, C. A. Starke, Görlitz 1930, S. 28. Genealogisches Handbuch der Baltischen Ritterschaften (Neue Folge), Band XI, Hamburg 2023, S. 1–41. Genealogisches Handbuch des Adels, Gräfliche Häuser, Band VIII, Stammbaum und ältere Genealogie, Band 63 der Gesamtreihe, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1976, S. 28–31 Adelslexikon Band I, Band 53 der Gesamtreihe, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2003, S. 303
Einzelnachweise/Anmerkungen
Kategorie:Baltisches Adelsgeschlecht Kategorie:Estnische Geschichte Kategorie:Schwedisches Adelsgeschlecht Kategorie:Russisches Adelsgeschlecht Kategorie:Person (Livland)