Allan Robert Phillips (* 25. Oktober 1914 in New York City; † 26. Januar 1996 in San Nicolás de los Garza) war ein US-amerikanischer Ornithologe.

Leben und Wirken Sein Vater Robert W. Phillips (1891–1943) war Geschäftsmann in New York. Er heiratete im Jahr 1913 Alma Josephi, eine Konzertpianistin, die sehr aktiv in der Kulturszene der Stadt war. Aus der Ehe gingen neben Allan zwei weitere Kinder hervor. Sein Bruder hieß George (1918-), seine Schwester Ruth (1922-). Die Ehe wurde geschieden und die Mutter heiratete den ersten Geiger der New York Symphony Orchestra William X. Foster. Aus dieser Ehe hatte er eine Halbschwester namens Marjorie (1929-).Robert William Dickerman (1997a), S. 1.

Philipps besuchte von 1920 bis 1931 die Horace Mann School. Im Jahr 1932 schrieb er sich an der Cornell University ein, wechselte von 1933 bis 1934 auf die University of Arizona, bevor er nach Cornell zurückkehrte und im Februar 1936 schließlich mit dem Bachelor of Arts abschloss. Wie sehr er schon in jungen Jahren geschätzt wurde, zeigte sich darin, dass er trotz seines undergraduated Status von Arthur Augustus Allen (1885–1964) zu einem Treffen mit graduated Studenten eingeladen wurde.Robert William Dickerman (1997a), S. 3. Im Jahr 1936 kehrte er nach Tucson zurück, um seinen Master of Science im Juni 1939 an der University of Arizona zu machen. Seine Master-Arbeit trug den Titel The Faunal Areas of Arizona Based on Bird Distribution.

Im Jahr 1940 ging es zurück an die Universität von Cornell, an der er im September 1946 trotz seines Militärdienstes während des Zweiten Weltkriegs seinen Ph.D. erwarb. Seine Dissertation trug den Titel The Birds of Arizona.Titel in der Cornell Bibliothek

1957 kaufte er ein Haus im Stadtteil Colonia Las Águilas im Westen von Mexiko-Stadt. Hier wurde ihm die Haushälterin Juana Farfan Bautista (1928–2019) empfohlen, die als Mutter vierer Kinder mit Namen Nilo, Alejandro, Mela und Anita bei ihm einzog. Phillips heiratete sie und am 12. November 1961 wurde sein erster Sohn Robert (1961-) geboren. Es folgten am 19. August 1963 der Sohn Edward und schließlich am 28. Oktober 1968 der Sohn Edward. Die Witwe, seine Stiefkinder und seine Söhne überlebten den Vater.Robert William Dickerman (1997a), S. 7.

Ornithologische Karriere In den Sommern seiner frühen Jugend verbrachte Phillips seine Zeit auf einem Familiengrundstück nahe Jackman, Maine. Hier führte ihn seine Mutter in die Vogel- und Tierwelt ein. Schon als 5-Jährigen faszinierte ihn das so sehr, dass er begann, Listen über das Gesehene zu führen. Im Alter von 16 Jahren wurde er wegen seines Asthmas an die Fresnal Ranch School in den Baboquivari-Bergen geschickt. Hier lernte er Randolph Jenks (1912–2011) kennen, der ihn für die Avifauna des Südwestens der USA begeisterte.

In den Jahren 1942 bis 1945 diente er in der Armee. Nachdem er einen Offizier beleidigte, wurde er vor ein Militärgericht gestellt. Er verlor seinen Rang als Unteroffizier und landete im Gefängnis. Hier schrieb er nur aus dem Gedächtnis den ersten Teil seiner Doktorarbeit. Die Stellen, an die er sich nicht erinnern konnte, ließ er zunächst frei. Er schickte das Manuskript an seine Mutter, die es mit Hilfe von Lyndon Lane Hagrave (1896–1978) abtippte. Der Entwurf umfasste bereits 392 Seiten und so konnte er die Lücken nach seiner Rückkehr nach Cornell innerhalb eines Jahres mit Bibliotheksmaterial schließen. Während der Militärzeit war er auch mit Cornell-Studenten wie dem Ornithologen Ralph Simon Palmer (1914–2003), der ihn am 8. Juni 1944 am Omaha Beach fotografierte, oder Frank Cassell in der Präfektur Okinawa in Kontakt.

Er führte einen Katalog über die Vögel seiner eigenen Sammlung, dessen Pflege er aufgab, als er seine Bälge dem Museum of Northern Arizona übergab. Die Liste seiner Sammler oder Präparatoren liest sich wie das Wer ist wer? der Ornithologen von Cornell, dem Südwesten der USA und später von Mexiko. Neben Gale Wendell Monson (1912–2012), Adriaan Joseph van Rossem (1892–1949), Kenneth Carroll Parkes (1922–2007) finden sich auch viele andere Koryphäen. Der Ornithologe und Illustrator George Miksch Sutton (1898–1982) wurde z. B. am 10. Juni 1940 aufgenommen, da er ihm seine Zeichnungen von einer Forschungsreise für sein Buch The Birds of Arizona zur Verfügung stellte.Robert William Dickerman (1997a), S. 5.

Im August 1963 kam Amadeo Michael Rea (* 1939), ein ehemaliger Franziskaner, an der St. Johns Indian School im Gila River Indian Reservation, um dort zu lehren. Er sammelte dort Bälge und bekam den Rat, Phillips wegen dieser zu kontaktieren. Drei der Exemplare wurden sofort in The Birds of Arizona aufgenommen und es entstand eine lebenslange Freundschaft zwischen beiden. Rea galt ohne Zweifel in vielerlei Hinsicht als sein würdiger Nachfolger.

Vom 20. April bis 7. Mai 1947 ging er zusammen mit van Rossem zu seinem ersten Streifzug durch Mexiko. Es folgten 1951, 1952 und 1953 weitere Reisen nach Sonora. Seine erste längere Exkursion führte ihn mit seinem Freund Lewis D. Jaeger vom 5. November bis 2. Dezember 1952 nach Nayarit.

Als ihn Dwain Willard Warner (1917–2005) im März 1954 nach einem Heimatbesuch in Tucson nach Mexiko-Stadt einlud, nahm er diese Einladung dankend an. Zwischen 11. Mai und 5. Juli brachen beide zu einer Reise in das westliche und zentrale Mexiko auf.

Wohl eine seiner wichtigsten Begegnungen war die mit dem mexikanischen Mammologen Bernardo Villa Ramírez (1911–2006). Dieser arbeitete am Instituto de Biología der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko und lud Phillips dazu ein am Institut seine akademische Laufbahn fortzusetzen. Er entschied sich schließlich dorthin zu ziehen. Die Sammlung, die er mitbrachte war größer, als die institutseigene. Am Institut arbeitete er von 1957 bis 1974. Als sich die Lage am Institut aus politischen Gründen verschlechterte und er außerdem Probleme mit der Kälte und Luftverschmutzung in Mexiko-Stadt hatte, zog er nach San Nicolás de los Garza, wo er 1973 in Kontakt mit der Universidad Autónoma de Nuevo León und dem lokalen Ornithologen Salvador Contreras-Balderas (1936–2009) kam. Außerdem lehrte er an der Universidad Michoacana de San Nicolás de Hidalgo. Weitere wichtige Freunde aus dieser Zeit wurden der Geschäftsmann und Umweltschützer Andrés Marcelo Sada Zambrano (* 1930), sowie Aldegundo Garza de León (* 1939), der Gründer des Vogelmuseums in Saltillo.Robert William Dickerman (1997a), S. 8.

Phillips galt als relativ unabhängiger Forscher, der nur geringe Unterstützung durch andere Ressourcen bekam. In der Zeit zwischen 1933 und 1945 publizierte er 195 Artikel und 4 Bücher. 1964 erschien The Birds of Arizona, ein Buch, das er zusammen mit Joe Truesdell Marshall, Jr. (1918–2015) und Monson publizierte. Sutton steuerte die Illustrationen bei und Eliot Furness Porter (1901–1990) die Fotografien. Auch bei Annotated Checklist of the Birds of Arizona aus dem Jahr 1981 arbeitete er mit Monson zusammen. 1986 erschien der erste, 1991 der zweite Band von The known birds of North and Middle America. In seinen Publikationen beschrieb er 160 neue wissenschaftliche Namen.Robert William Dickerman (1997b), S. 496. Phillips war ein typischer Alpha-Taxonomist, d. h. sein Schwerpunkt lag in der Beschreibung neuer Arten und deren vorläufige Gruppierung zu Sammelgattungen, der sich aber auch mit den unmittelbaren Verzweigungen, wie Verlust von Lebensraum und Biodiversität befasste.Amadeo Michael Rea, S. 497.

Dedikationsnamen John Patrick Hubbard und Richard Stanley Crossin widmeten ihm 1974 eine Unterart der Rostscheitelammer (Aimophila ruficeps phillipsi)John Patrick Hubbard u. a., S. 56., Adriaan Joseph van Rossem 1947 eine Unterart der Brillenmeise (Baeolophus wollweberi phillipsi)Adriaan Joseph van Rossem, S. 88., Mario Alberto Ramos Olmos 1991 eine Unterart der Cayenneralle (Aramides cajaneus vanrossemi), Zwergdrossel (Catharus ustulatus phillipsi)Mario Alberto Ramos Olmos, S. 92., Robert William Dickerman 1973 eine Unterart des Kahnschnabels (Cochlearius cochlearius phillipsi)Robert William Dickerman (1973), S. 113., Dickerman und Dwain Willard Warner 1962 eine Unterart des Gartentrupials (Icterus spurius phillipsi)Robert William Dickerman u. a. (1962), S. 312., Marvin Ralph Browning 1993 eine Unterart des Diademhähers (Cyanocitta stelleri phillipsi)Marvin Ralph Browning (1993), S. 37. und 1994 eine Unterart des Goldwaldsängers (Setophaga petechia phillipsi)Marvin Ralph Browning (1994), S. 45., Gary Russell Graves und John Seddon Weske 1987 die Siratangare (Tangara phillipsi)Gary Russell Graves, S. 2., Philip Unitt und Amadeo Michael Rea 1997 eine Unterart des Andenbaumläufers (Certhia americana phillipsi), Kenneth Carroll Parkes 1991 eine Unterart des Graukappenvireos (Hylophilus decurtatus phillipsi)Kenneth Carroll Parkes (1991), S. 170. und 1997 eine Unterart des Rotkardinal (Cardinalis cardinalis phillipsi).Kenneth Carroll Parkes (1997), S. 133.

Außerdem findet sich sein Name in den Fossilien Rhynchopsitta phillipsi , 1997Amadeo Michael Rea (1991), S. 169. und Rallus phillipsi , 1957.Alexander Wetmore, S. 267.

Seine Frau kam in einer Unterart des Fleckenkauz (Strix occidentalis juanaphillipsae , 1997) zu Ehren.Robert William Dickerman (1997c), S. 47.

Erstbeschreibungen durch Allan Robert Phillips Phillips hat zahlreiche Arten bzw. Unterarten, die neu für die Wissenschaft waren, beschrieben. Zu den Arten und Unterarten gehören chronologisch u. a.:

Arten Buschland-Schnäppertyrann (Empidonax oberholseri , 1939) Zimtflankenamazilie (Amazilia wagneri , 1966)

Unterarten Kiefernschnäppertyrann (Empidonax affinis vigensis , 1942) Botteriammer (Peucaea botterii goldmani (, 1943)) Botteriammer (Peucaea botterii texana (, 1943)) Bindenlaufhühnchen (Turnix suscitator okinavensis , 1947) Dickichtwaldsänger (Geothlypis tolmiei monticola (, 1947)) Weidenschnäppertyrann (Empidonax traillii extimus , 1948) Dohlengrackel (Quiscalus mexicanus monsoni (, 1950)) Singammer (Melospiza melodia villai & , 1957) Singammer (Melospiza melodia yuriria & , 1957) Helmwachtel (Callipepla gambelii stephensi , 1959) Arizonawaldsänger (Setophaga graciae yaegeri ( & , 1961)) Mexikoschattenkolibri (Phaëthornis mexicanus griseoventer , 1962) Schwarzkinn-Grundammer (Kieneria aberti vorhiesi (, 1962)) Gelbschultertrupial (Icterus prosthemelas praecox & , 1965) Tropfenbrust-Musendrossel (Catharus dryas harrisoni &, 1965) Diademhäher (Cyanocitta stelleri restricta , 1966) Dohlengrackel (Quiscalus mexicanus loweryi ( & , 1966)) Einsiedlerzaunkönig (Henicorhina leucophrys minuscula , 1966) Finkenbuschtangare (Chlorospingus flavopectus persimilis , 1966) Gelbbauch-Schnäppertyrann (Mitrephanes phaeocercus burleighi , 1966) Gilbdrossel (Turdus grayi linnaei , 1966) Graubauchsegler (Chaetura vauxi warneri , 1966) Grauwasseramsel (Cinclus mexicanus dickermani , 1966) Grünhäher (Cyanocorax luxuosus confusus , 1966) Huttonvireo (Vireo huttoni pacificus , 1966) Langschwanzwachtel (Dendrortyx macroura inesperatus , 1966) Montezumawachtel (Cyrtonyx montezumae rowleyi , 1966) Orangebrust-Schnäppertyrann (Empidonax fulvifrons brodkorbi , 1966) Brasilzwergkauz (Glaucidium ridgwayi intermedium , 1966) Rostscheitelammer (Aimophila ruficeps extima , 1966) Rostscheitelammer (Aimophila ruficeps pallidissima , 1966) Rotkehlnymphe (Lampornis amethystinus circumventus (, 1966)) Rotscheitel-Maskentyrann (Myiozetetes similis hesperis , 1966) Schluchtenzaunkönig (Catherpes mexicanus cantator , 1966) Schwalbenorganist (Euphonia hirundinacea caribbaea , 1966) Schwalbenorganist (Euphonia hirundinacea suttoni , 1966) Schwarzkehltrupial (Icterus gularis flavescens , 1966) Schwarzrückenbekarde (Pachyramphus major matudai , 1966) Wüstenspottdrossel (Toxostoma lecontei macmillanorum , 1966) Yucatanschopftyrann (Myiarchus yucatanensis lanyoni & , 1967) Bergmusendrossel (Catharus frantzii chiapensis , 1969) Bergmusendrossel (Catharus frantzii waldroni , 1969)