Die Enzianhütte ist eine bewirtschaftete Schutzhütte der Sektion Fulda des Deutschen Alpenvereins in der Rhön. Sie steht in einer Höhenlage von DAV-Fulda.de: Enzianhütte, abgerufen am 19. Dezember 2023. auf dem bewaldeten Nordhang des Weiherbergs bei Dietges, einem Ortsteil von Hilders im Landkreis Fulda. Sie ist die am weitesten nördlich gelegene bewirtschaftete Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins außerhalb der Alpen.

Die Hütte ist ganzjährig geöffnet (Montag und Dienstag Ruhetage). Das Gasthaus bietet bis zu 100 Sitzgelegenheiten und 58 Schlafplätze. Von Dietges aus führt ein Fahrweg direkt bis zur Hütte mit Parkmöglichkeiten. Zu Fuß lässt sich die Enzianhütte am schnellsten vom Grabenhöfchen (), einem Gebirgspass an der Bundesstraße 458, auf einem Pfad in 10 Minuten erreichen. Von Abtsroda oder Sieblos führen knapp einstündige Wanderungen über den Weiherberg zur Enzianhütte. Auf markierten Wanderwegen des Rhönklubs umfassen die Tourenmöglichkeiten neben dem nahen Weiherberg unter anderem auch Wasserkuppe, Milseburg, Teufelstein, Steinwand und das Fuldaer Haus.Enzianhuette-Rhoen.de: Enzianhütte Rhön, abgerufen am 19. Dezember 2023. Die Hütte ist Stützpunkt an einer Variante des Hochrhöners und der Europäischen Fernwanderwege E3 und E6.

Geschichte Anfänge nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren Reisen in die Alpen für Bergsportler aus Hessen kaum möglich, da Verkehrswege zerstört und Grenzen blockiert waren. Um den Mitgliedern der 1886 gegründeten Sektion Fulda des Deutschen Alpenvereins (DAV) dennoch eine Heimat zu bieten, trieb unmittelbar nach dem Krieg insbesondere eine „Dreierseilschaft“ aus Dr. med. Heinrich Sebald, Georg Steyer und Dr. Hommens den Wiederaufbau der Sektion und die Idee einer vereinseigenen Hütte im heimischen Mittelgebirge voran. Vor allem Dr. Sebald fungierte hierbei als treibende Kraft.

Zunächst pachtete die Sektion eine kleine Hütte auf der „Erika-Alm“ unweit des Bahnhofs Milseburg. Da diese jedoch nur Platz für sechs Personen bot, suchte der Verein nach einem besseren Standort und wurde auf dem hohen Weiherberg bei Dietges fündig. Im Jahr 1949 errichteten die Sektionsmitglieder dort in Eigenleistung eine kleine, gebrauchte Holzhütte (eine ehemalige Baubude). Sie bot Platz für etwa 20 Personen, besaß eine mit Holz und Kohle beheizte Küche und wurde aufgrund von Enzianfunden am Standort „Enzianalm-Hütte“ getauft. Im Jahr 1950 folgte, ebenfalls in mühseliger Handarbeit, der Bau einer 350 Meter langen Wasserleitung mit einem Widder-Pumpwerk, um die Wasserversorgung des Standorts zu sichern.

Bau der heutigen Steinhütte (1951–1956) Aufgrund der stark steigenden Besucherzahlen stieß das Holzprovisorium schnell an seine Grenzen. Der Startschuss für den Massivbau fiel am 3. Juni 1951. Der Entwurf für die Hütte stammte von einem Sektionsmitglied, dem Architekten Dipl.-Ing. Lothar Mai, der das Bauprojekt intensiv begleitete und dokumentierte. Da es zu dieser Zeit noch keine Zufahrtsstraße auf den Weiherberg gab, mussten sämtliche Baumaterialien von den Mitgliedern mühsam zu Fuß auf den Berg getragen werden. Die Erdarbeiten für die Fundamente waren im felsigen Boden derart beschwerlich, dass teilweise Sprengungen erforderlich wurden. Vor allem die Vereinsjugend leistete mit Schippen und Hacken erhebliche Handarbeit – allein im ersten Baujahr 1951 erbrachten 63 Sektionsmitglieder 1.228 ehrenamtliche Arbeitsstunden.

Am 1. November 1952 sicherte sich die Sektion das Gelände formal durch einen 99-jährigen Erbbau-Pachtvertrag mit der Gemeinde Dietges. Am 2. August 1953 wurde der Grundstein für das heutige, massiv gemauerte Steingebäude gelegt. Kurze Zeit später, am 26. September 1953, feierte die Sektion das erste Richtfest. Im Januar 1954 erlitt das Projekt jedoch einen schweren Rückschlag, als ein Orkan das frisch gedeckte Dach wegriss und das Giebelmauerwerk beschädigte. Nach der raschen Beseitigung der Trümmer konnte am 10. April 1954 bereits ein zweites Richtfest gefeiert werden.

Am 18. Dezember 1955 wurde das Bauwerk weitgehend fertiggestellt und schließlich am 1. Juli 1956 im Rahmen eines großen Bergfests bei bestem Sommerwetter feierlich eingeweiht. Der Initiator Dr. Heinrich Sebald erlebte als Ehrenvorsitzender die Vollendung der Enzianhütte bei einem Besuch am 22. September 1956 noch selbst, kurz bevor er verstarb. Prägend für den Erhalt in den folgenden Jahren war zudem Dr. med. Werner Blümel, der dem Vorstand über viele Jahre als engagierter Hüttenwart angehörte, bis er dieses Amt aus gesundheitlichen Gründen erst kurz vor seinem Tod im Januar 1960 abgeben musste.

Entwicklung und Modernisierung In den folgenden Jahrzehnten wurde die Hütte fortlaufend erweitert. Die Vereinsjugend gestaltete in Eigenleistung Kellerräume zu eigenen Jugendräumen aus. Nach einer Phase der Bewirtschaftungsprobleme in den 1970er-Jahren stabilisierte sich der Betrieb ab 1981 unter dem Pächterpaar Böge. Im Jahr 1987 erhielt die Enzianhütte schließlich die offizielle Anerkennung als Mittelgebirgshütte durch den DAV-Hauptverband in München. Von September 1988 bis 2022 wurde die Hütte über 34 Jahre lang sehr erfolgreich von der Familie Koch bewirtschaftet, was den Ruf der Enzianhütte als eines der beliebtesten Ausflugsziele der Rhön festigte. Seit 2023 wird die Hütte von dem neuen Pächterduo Maximilian Harth und René Stolz betrieben.

Heute verfügt die ganzjährig bewirtschaftete Hütte über einen Gastraum für rund 100 bis 120 Besucher sowie eine großzügige Aussichtsterrasse mit Blick auf die Milseburg und das Fuldaer Land.

Bewirtschaftung und Pächterhistorie Die Enzianhütte wurde in ihrer Geschichte teils in Eigenbewirtschaftung der Sektionsmitglieder, teils durch verpachtete Hüttenwirte geführt. Insbesondere in den 1970er-Anfangsjahren gab es häufige Pächterwechsel und Probleme mit den Auflagen, was die Sektion Fulda 1981 sogar kurzzeitig über einen Verkauf abstimmen ließ. Die darauffolgenden Jahrzehnte zeichneten sich jedoch durch eine bemerkenswerte personelle Konstanz aus:

1956–1981: Wechselnde Bewirtschaftung (darunter Phasen der Eigenbewirtschaftung und verschiedene Pächter). 1982–1988: Ehepaar Adolf und Renate Böge. Sie stabilisierten den Betrieb nach der Sanierungskrise der Hütte ab dem 1. April 1982 und richteten unter anderem einen Holzschuppen im Hof ein. Sie mussten die Bewirtschaftung 1988 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. 1988–2022: Ehepaar Birgit und Georg Koch (formell zunächst gepachtet von Peter Koch). Mit einer über 34-jährigen Dienstzeit prägten sie die längste Ära der Hütte. In dieser Zeit entwickelte sich die Enzianhütte zu einem überregional bekannten Ausflugsziel mit festen Angestellten und umfangreichen Modernisierungen. Seit 2023: Pächtergemeinschaft um Maximilian Harth und René Stolz. Sie übernahmen die Hütte zum 1. Februar 2023 mit einem Fokus auf regionale Rhöner Küche und alpenländische Traditionsgerichte.

Literatur Christopher Pfaff: Hüttenführer Rhön. Die 65 schönsten Wanderhütten, Skihütten und Berggasthöfe in der Bayerischen, Hessischen und Thüringischen Rhön. 2. Auflage. Books on Demand, Norderstedt 2013, ISBN 978-3-7322-4098-2, S. 34–37.

Weblinks Offizielle Website der Enzianhütte Enzianhütte. In: DAV-Fulda.de Enzianhütte. In: Bergwelten.com

Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk in der Rhön Kategorie:Bauwerk in Hilders Kategorie:Schutzhütte in Deutschland Kategorie:Erbaut 1956