Die Badische Bauernschule, zuletzt Ländliche Heimvolkshochschule, in Tiengen war bis 2004 eine landwirtschaftliche Ausbildungsstätte des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV)., 29. September 2004
Geschichte
Gründung der Schule Am 22. November 1931 wurde die Badische Bauernschule durch mehrere Verbandszusammenschlüsse unter Lambert Schill im Schloss Ittendorf gegründet . Das Schloss bot Unterkunft für 30 Personen, „die gemeinsam mit dem Schulleiter, seinen Angehörigen und den übrigen Lehrkräften eine große Familie bilden“.vgl. Verein Bad. Bauernschule e. V., Prospekt 1931 Mahlzeiten wurden am „gemeinsamen Kosttisch“ eingenommen, die Hausordnung wurde mit den Teilnehmern erstellt. Durch die wechselnde Beschäftigung im Viehstall, im Gartenbau und der Geflügelhaltung sollte eine Entfremdung von der Praxis verhindert werden.
Der Verein Badische Bauernschule e. V. bildete die wirtschaftliche und finanzielle Grundlage der Arbeitvgl. Freise, 1961 Zum Trägerverein gehörten: Die Vereinigung der Deutschen Bauernvereine e. V. in Berlin, der Badische Bauernverein e. V. in Freiburg, der Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften in Baden e. V., Die Badische Landwirtschaftsbank, Karlsruhe, die Badische landwirtschaftliche Zentralgenossenschaft in Karlsruhe, die Badische Landwirtschaftskammer in Karlsruhe, zahlreiche weitere landwirtschaftliche Organisationen, mehrere badische Landkreise und Einzelpersonen. Im Jahre 1932 schloss sich dem Trägerverein noch die evangelische Landvolkshochschule Markendorf unter der Leitung von Pfarrer Bornhauser an. Der Selbstanteil für die Lehrgänge betrug 1,80 RM/Tag. Stipendien konnten Minderbemittelten den Besuch ermöglichen.
Auflösung der Schule Der Schulbetrieb konnten nicht lange aufrechterhalten werden. Die Schule verhielt sich zwar neutral in politischen Auseinandersetzungen, doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten war das Ende gekommen.vgl. BLHV 1955, S. 12 Die Schule wurde beschlagnahmt, der Verein Badische Bauernschule wurde aufgelöst und das Eigentum konfisziert. Als neuer Schulleiter wurde Dr. Rohrbacher eingesetzt. Die Schule sollte eine „reine Gesinnungsschule“ sein. Der Lehrplan wurde von landwirtschaftlichen, technischen, organisatorieschen und genossenschaftlichen Themen weitestgehend befreit. Der Unterricht basierte „auf der Grundlage einer völligen Lebensgemeinschaft“. Mit Vorträgen, und vor allem Aussprache- und Arbeitskreisen, sollte ein Führernachwuchs herangebildet werden, „der weltanschaulich so vorbereitet und geschult ist, dass er dereinst in der Lage ist, für Freiheit und Zukunft von Volk und Nation und für die Lebensrechte seines Standes einzutreten und zu kämpfen“. Zur körperlichen Ertüchtigung wurde, neben allgemeinem Sport, Schießübungen und Wehrsport betrieben. Die Aufnahmebedingungen wurden durch Forderungen, wie „arische Abstammung, Unbbescholtenheit, leibliche und geistige Gesundheit“ (ebd.) ergänzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb auf Initiative von Oberlandwirtschaftsrat Schwörer „die Kreisverwaltung Waldshut in Schwerzen das Barackenlager des RAD (Reichsarbeitsdienst) für Mädchen […] und richtete unter dem damaligen Landrat Joachim Straub im Herbst 1945 eine Mädchenklasse als Außenstelle der Landwirtschaftsschule Waldshut ein. […] Mit Hilfe des BLHV […] konnte der Schulbeginn im Januar 1947 auf einfache Art beginnen.“Ursula Albiker: Bauernschule Schwerzen 1945–1954, Eigenverlag, Schwerzen 2010, S. 1.
Zur Wiederherstellung der Baracken, die in einem sehr verwahrlosten Zustand waren, und für die Errichtung zweier Wohnungen für Lehrkräfte erließ der BLHV einen erfolgreichen Aufruf an die Bauern im Kreis Waldshut, Naturalien für diesen Zweck zu spenden. Auch Schüler der Landwirtschaftsschule halfen durch Holzeinschlag am Ausbau der Bauernschule mit. Der erste Lehrgang für Jungbauern begann am 15. November 1948 und am 4. Januar 1949 „wurden die Baracken vom Landwirtschaftsrat Dr. Schwörer vom Landwirtschaftsamt Waldshut übernommen.“ Die Mädchenklasse der Landwirtschaftsschule bestand in Schwerzen bis 1952 und zog im November des Jahres in den Neubau der Landwirtschaftsschule in Waldshut um. „Von 1948 bis 1955 besuchten 239 Jungbauern und 95 Jungbäuerinnen die Bauernschule in Schwerzen.“U. Albiker: Bauernschule Schwerzen, S. 33. Die Autorin entnahm nach eigenen Angaben Informationen aus den Jahresberichten der Bauernschule 1950/51, 1951/52, 1952/53 und der Festschrift 1955. Das reich bebilderte Buch inkl. Aufnahmen von Treffen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Klassen von 1984 bis 2010 ist bei der Gemeindeverwaltung Wutöschingen erhältlich.
Mit dem 7. Hauptlehrgang 1955 erfolgte der Umzug der Bauernschule in einen Neubau auf dem Vitibuck in Tiengen .
Die in den 1990er Jahren in Ländliche Heimvolkshochschule umbenannte Anstalt beendete 2004 die Tätigkeit als Ausbildungsstätte des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV).
Literatur Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband e. V., Freiburg (Hrsg.): Der Weg der Bauernhochschule. Festschrift zur Eröffnung der Badischen Bauernschule Tiengen. 1955. Ursula Albiker: Bauernschule Schwerzen 1945–1954, Eigenverlag, Schwerzen 2010.
Einzelnachweise
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