mini|Das Königreich beider Sizilien 1843
Die Schweizer Truppen in neapolitanischen Diensten umfassten elf Truppenkörper aus den Schweizer Kantonen, welche von 1734 bis 1859 für die spanische Dynastie Bourbon-Sizilien militärischen Dienst leisteten.
Sie dienten dem Herrscherhaus im 18. Jahrhundert, die in Personalunion verbundenen Königreiche Neapel und Sizilien gegen den Anspruch Österreichs zu behaupten. Im 19. Jahrhundert wurden sie zur Stützung der absolutistischen Machtausübung der Herrscher und zur Niederschlagung der republikanischen Freiheitsbestrebungen im inzwischen (ab 1816) staatsrechtlich vereinigten Königreich beider Sizilien eingesetzt. Dies stärkte in der Schweiz die liberale Gegenbewegung zum Solddienst, die 1859 die Abschaffung der Schweizer Truppen in fremden Diensten durchsetzte.
Schweizer Truppen in fremden Diensten hiess der von Behörden der Schweizer Eidgenossenschaft mit Staatsverträgen geregelte Solddienst von geführten, ganzen Truppenkörpern im Ausland. Diese Verträge enthielten ein Kapitel, das die militärischen Angelegenheiten regelte: die sogenannte Kapitulation (oder Privatkapitulation, wenn einer der Vertragspartner ein privater Militärunternehmer war). Übersicht über die Schweizer Truppen in neapolitanischen Diensten vor der Abdankung des Hauses Bourbon-Sizilien 1806#BezeichnungJahrKönig Karl VII. 1735–17591Schweizer Regiment Tschudi 1734–17892Schweizer Regiment Jauch 1734–17893Schweizer Gardebataillon 1734–17544Schweizer Regiment Nideröst/Wirz 1748–17895Schweizer Garderegiment 1754–1789 nach der Wiedereinsetzung des Hauses Bourbon-Sizilien 1815#BezeichnungJahrKönig Franz I. 1825–183061. Schweizer Regiment(Luzerner Regiment) 1825–185972. Schweizer Regiment(Freiburger Regiment) 1825–185983. Schweizer Regiment(Bündner Regiment) 1825–185994. Schweizer Regiment(Berner Regiment) 1829–1859König Ferdinand II. 1830–185910Jägerbataillon 13 1850–1859König Franz II. 1859–186111Schweizer Fremdenbrigade 1860–1861
Die Sekundogenitur der spanischen Bourbonen in Neapel 1734 Mit einer Militärabteilung seines Vaters, König Philipp V. von Spanien, und Detachementen der Schweizer Regimenter Bessler und Nideröst, in spanischen Diensten an vorderster Front, eroberte der Infant Don Carlos Sebastián de Borbón y Farnesio, der spätere spanische König Karl III., 1734/35 das Königreich Neapel und Sizilien und proklamierte sich zu dessen König. Für Kaiser Karl VI. war der Verlust dieses Königreichs das kleinere Übel als das Risiko des Aussterbens seiner Habsburger Dynastie. Er suchte, ohne männlichen Nachwuchs und auf die Einsetzung seiner Tochter Maria Theresia als Thronerbin bedacht, die Zustimmung Frankreichs für seine Pragmatische Sanktion zu gewinnen und willigte deshalb 1735 im Wiener Präliminarfrieden in eine Sekundogenitur der spanischen Bourbonen in Neapel ein. Don Carlos wurde daraufhin 1735 als Karl VII. zum König von Neapel und Sizilien gekrönt.
Schweizer Truppen bis zur Abdankung des Hauses Bourbon-Sizilien 1806 Karl VII. bemühte sich umgehend um die Anwerbung eigener Schweizer Truppen in neapolitanische Dienste. Er wandte sich zu diesem Zweck an Josef Anton Tschudi und Karl Franz Jauch, Offiziere seiner Schweizer Truppen in spanischen Diensten.
Jauch und Tschudi lösten die Aufgabe umgehend und begründeten je ein Regiment. Noch 1734 wurde aus dem Regiment Tschudi ein Bataillon als Schweizer Gardebataillon ausgegliedert, das sich später zum Schweizer Garderegiment entwickelte. Das spanische Schweizer Regiment Nideröst wechselte 1748, bis dann in spanischem Sold, aber seit 1735 mit dem neuen Besitzer Wirz, in neapolitanische Dienste.
Bezeichnung, Einsatzdauer (1nea) Schweizer Regiment TschudiRobert-Peter Eyer: Die Schweizer Regimenter in Neapel im 18. Jahrhundert (1734–1789), Internationaler Verlag der Wissenschaften Peter Lang AG, Bern 2008. 1734–1789Jahr, Vertragspartner1734: Privatkapitulation von Josef Anton Tschudi aus Glarus, Grenadierhauptmann im spanischen Regiment Nideröst, mit dem spanischen Infanten Don Carlos, Herzog von Parma, Piacenza und Guastalla, ab 1735 König Karl VII. von Neapel und Sizilien.
Die Kapitulation wurde von den katholischen Behörden des konfessionell koexistierenden Kantons Glarus rasch und gegen die Haltung der Tagsatzung, die auf den fehlenden Staatsvertrag mit Neapel, die unübliche freie Verwendbarkeit des Regiments und das nicht vorhandene Rückrufsrecht verwies, anerkannt und 1754 von Karl VII. sowie 1776 von König Ferdinand IV., seinem Sohn und Nachfolger, erneuert.
Sie enthielt u. a. folgende BestimmungenOskar Erismann: Die Schweizer in neapolitanischen Diensten, Blätter für bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde, Band 14, Heft 1, 1918.:
Diese erbliche Nachfolge auf Stufe Regiment (Bruder) und Kompanie (Erbe des Verstorbenen) war ein Novum und einige dieser Bestimmungen sollten später Schwierigkeiten bereiten.
Weitere Festlegungen:
Das Regiment konnte überall und nach dem Wunsch seines Auftraggebers eingesetzt werden (auch auf dem Meer).
Die rekrutierten Schweizer mussten eine Körperlänge von wenigstens 5 Schuh und 2 Zoll (ca. 1,55 m) und die ausländischen deutschen Freiwilligen 5 Fuss (ca. 1,50 m) aufweisen. Bestand, Formation 1 Linienregiment in 4 Bataillonen mit je 3 Infanterie-(Füsilier-)Kompanien zu je 220 Mann und 1 Grenadierkompanie mit 110 Mann inklusive Offiziere.
Truppenstärke insgesamt: im Bataillon 770 und im Regiment 3'080 Mann.
Der Regimentsstab wurde im 1. Bataillon eingegliedert. Jedes der 3 anderen Bataillone hatte einen eigenen Bataillonsstab.
Truppenbestand total: 3'142 Personen.
Sollbestand der Einheiten:
Infanteriekompanie Grenadierkompanie Regimentsstab Bataillonsstab1Hauptmann1 Hauptmann1Oberst1Kommandant1Kapitänleutnant1Kapitänleutnant1Oberstleutnant1Adjutant1Leutnant1Leutnant1Major mit Kommandantenpatent1Feldkaplan1Zweiter Leutnant1Unterleutnant1Aide-Major6Trabanten1Fähnrich4Wachtmeister1Feldkaplan9Mann8Wachtmeister2Tambouren1Grossrichter1Schreiber2Pfeifer1Regimentsfeldscher1Feldscher4Trabanten1Regimentsprevost4Tambouren94Grenadiere1Brigadewachtmeister1Pfeifer110Mann1Tambourmajor4Trabanten 8Trabanten1Marketender12Musikanten1Prevost30194Soldaten220Mann
Bereits 1734 wurde ein Bataillon wieder ausgegliedert und zum Schweizer Gardebataillon befördert.
1754 bei der Vertragserneuerung war das Regiment bereits auf 1'400 Mann in 2 Bataillonen von je 700 Mann reduziert, mit 3 Infanteriekompanien à 200 Mann und 1 Grenadierkompanie von 100 Mann pro Bataillon.
Vor der Auflösung 1789 zählte das Regiment 1'425 Mann und wies die praktisch gleiche Einteilung und Bewaffnung wie das Garderegiment auf.
Die Fahne trug die Farben des Königs und des Obersten. Besitzer, Kommandant, Namensgeber Ausgehoben von Josef Anton Tschudi, Oberstleutnant ex Regiment Nideröst, kommandiert von seinem älteren Bruder Oberst Leonhard Ludwig Tschudi, beide aus Glarus.
Als Leonhard Ludwig 1747 auf das Kommando verzichtete und als Oberstleutnant ins Schweizer Gardebataillon übertrat, übernahm wieder Josef Anton das Regiment. Ob er es möglicherweise bis 1771 in Stellvertretung (Ignaz Alfons Weber, Rudolf Betschart, beide aus Schwyz, Jakob Franz Gallati aus Glarus) führen liess, ist aus den Quellen nicht eindeutig eruierbar.
1771 wurde sein zweiter Sohn Carl Ludwig Sebastian Tschudi Regimentsbesitzer.Herkunft Kader, Truppe nominell ausgehoben in den katholischen KantonenEinsatz, Ereignisse 1742 und 1744–1746 bei Kämpfen in Mittel- und Oberitalien gegen Österreich sowie 1768 gegen die päpstliche Enklave Benevent im Einsatz.
1789 entlassen.
Bezeichnung, Einsatzdauer(2nea) Schweizer Regiment Jauch 1734–1789Jahr, Vertragspartner1734: Privatkapitulation von Karl Franz Jauch aus Uri, Oberstleutnant im spanischen Schweizer Regiment Bessler, mit dem spanischen Infanten Don Carlos, Herzog von Parma, Piacenza und Guastalla, ab 1735 König Karl VII. von Neapel und Sizilien.
Die Kapitulation wurde von den Behörden von Uri nachträglich und wegen der Haltung der Tagsatzung, die auf den fehlenden Staatsvertrag mit Neapel, die unübliche freie Verwendbarkeit des Regiments und das nicht vorhandene Rückrufsrecht verwies, zögerlich anerkannt und 1754 von Karl VII. sowie 1776 von König Ferdinand IV., seinem Sohn und Nachfolger, erneuert. Bestand, Formation mini|Das Schweizer Regiment Jauchin Neapel 1 Linienregiment mit einer Einteilung und Bewaffnung wie das Regiment Tschudi, jedoch mit 3 Bataillonen und der erblichen Nachfolge durch den Sohn.
Truppenstärke insgesamt: im Bataillon 770 und im Regiment 2'310 Mann.
Truppenbestand total: 2'362 Personen.
1754 bei der Vertragserneuerung war das Regiment bereits auf 1'400 Mann in 2 Bataillonen von je 700 Mann reduziert, mit 3 Infanteriekompanien à 200 Mann und 1 Grenadierkompanie von 100 Mann pro Bataillon.
1789 vor der Auflösung zählte das Regiment 1'425 Mann und wies die praktisch gleiche Einteilung und Bewaffnung wie das Garderegiment auf.
Die Fahne führte die Farben des Königs und des Obersten. Besitzer, Kommandant, Namensgeber Ausgehoben und kommandiert von Oberst Karl Franz Jauch aus Uri (1739 Brigadier), 1743 übergeben an seinen dritten Sohn Karl Florian Jauch und 1781 an dessen Sohn Karl Eduard Jauch.Herkunft Kader, Truppe Nominell ausgehoben in den katholischen Kantonen.Einsatz, Ereignisse 1742 und 1744–1746 Kämpfe in Mittel- und Oberitalien gegen Österreich sowie 1768 ein Feldzug gegen die päpstliche Enklave Benevent.
1753 wurde das Regiment in Messina durch die Pest stark reduziert, und
1789 entlassen.
Bezeichnung, Einsatzdauer (3nea) Schweizer Gardebataillon 1734–1754Jahr, Vertragspartner1734 Privatkapitulation von Josef Anton von Tschudi aus Glarus mit dem spanischen Infanten Don Carlos, Herzog von Parma, Piacenza und Guastalla, ab 1735 König Karl VII. von Neapel und Sizilien.
Die Kapitulation wurde von den katholischen Behörden des konfessionell koexistierenden Kantons Glarus rasch und gegen die Haltung der Tagsatzung, die auf den fehlenden Staatsvertrag mit Neapel, die unübliche freie Verwendbarkeit des Regiments und das nicht vorhandene Rückrufsrecht verwies, anerkannt und 1754 von Karl VII. sowie 1776 von König Ferdinand IV., seinem Sohn und Nachfolger, erneuert. Bestand, Formation Noch 1734 wurde ein Bataillon des Regiments Tschudi zum Schweizer Gardebataillon befördert. Es bestand aus 6 Infanterie-(Füsilier-)Kompanien zu je 120 Mann und 1 Grenadierkompanie mit 110 Mann inklusive Offiziere.
Truppenstärke des Schweizer Gardebataillons 1734: 830 Personen.
1738 wurde es um 3 Infanteriekompanien à 120 Mann auf 1'190 Personen erhöht.
Sollbestand der Einheiten:
Infanteriekompanie Grenadierkompanie Bataillonsstab 1 Hauptmann 1 Hauptmann 1 Oberst 1 Leutnant 1 Kapitänleutnant 1 Oberstleutnant 1 Fähnrich 1 Leutnant 1 Major 4 Wachtmeister 4 Wachtmeister 1 Aide-Major 1 Schreiber 1 Unterleutnant 1 Feldkaplan 1 Feldscher2 Tambouren 1 Grossrichter 3 Tambouren 2 Pfeifer 1 Regimentsfeldscher 1 Pfeifer 4Trabanten 1 Regimentsprevost 4 Trabanten 94Grenadiere 1 Brigadewachtmeister 1 Marketender 110Mann 1 Tambourmajor 1 Prevost 8 Musikanten 101 Soldaten 8 Trabanten 120 Mann 26 Mann Besitzer, Kommandant, Namensgeber Kommandiert von Josef Anton von Tschudi.Herkunft Kader, Truppe Als komplettes Bataillon ausgegliedert aus dem Schweizer Regiment Tschudi.Einsatz, Ereignisse Garnisonsdienst in Neapel.
Bezeichnung, Einsatzdauer (4nea)Schweizer Regiment Nideröst/Wirz 1748–1789 Jahr, Vertragspartner1724: Kapitulation von König Philipp V. von Spanien mit den katholischen Kantonen und dem Fürstabt von Sankt Gallen, 1744 verlängert um 20 Jahre.
1735 wurde der Schwyzer Besitzer und Kommandant Karl Ignaz Nideröst bei der Belagerung von Syrakus getötet und der Obwaldner Josef Ignaz Wirz sein Nachfolger. Er suchte in Schwyz, das das Regiment für sich beanspruchte, um Bestätigung nach und erklärte, dass: