Wallfahrtskirche Kleinheiligkreuz 400px Die Wallfahrtskirche mit Dachreiter auf dem KirchenschiffOrt KleinlüderKonfession römisch-katholischDiözese FuldaPatrozinium Heiliges KreuzBaujahr 1692 Bautyp Saalkirche mit ehem. Einsiedelei an der Giebelseite Funktion Wallfahrtskirche und Filialkirche
mini|300px|Innenansicht zum Hl. Kreuz mini|Altarraum zum Hl. Kreuz mini|300px|Innenansicht zur toskanischen Empore
Kleinheiligkreuz ist eine römisch-katholische Wallfahrtskapelle bei Kleinlüder, einem Ortsteil der Gemeinde Großenlüder im Landkreis Fulda in Hessen an der Bonifatius-Route.
Geographische Lage Das Kapellengebäude, das nach einer in ihm aufbewahrten Kreuzpartikel Hl. Kreuz benannt ist, befindet sich unweit der Landesstraße L 3139 an der Gemeindestraße: Kleinheiligkreuz 1 und wird von der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer Kleinlüder verwaltet. Die Kapelle liegt im abgelegenen Tal der Kalten Lüder unterhalb des Naturschutzgebiets Himmelsberg im „Gieseler Forst“ zwischen Kleinlüder und Giesel unweit der Wohnplätze Schlagberg und Hessenmühle 4 km südöstlich von Kleinlüder.
Geschichte
Am 7. Juli 754 rastete der Leichenzug des Hl. Bonifatius zum letzten Mal auf dem Weg von Mainz nach Fulda dem späteren Guntherskirchen. Im 8. Jahrhundert war hier der Kreuzungspunkt der alten Handelswege Antsantvia und Ortesweg. Am 19. Dezember 1012 schenkte König Heinrich II. das Waldgebiet „Zundernhard“ (Zunderhart) dem Kloster Fulda, in dem das Gebiet lag. Im Jahr 1235 wird „Gunther von Gunterskirchen“ als Zeuge für eine auf die Fürsprache der Hl. Elisabeth geschehene Heilung in Marburg genannt. mini|links| Unter dem heutigen Basaltschotter kommt wieder die frühere Pflasterung des Ortswegs bei Kleinheiligkreuz zum Vorschein
Im Jahr 1348, als der Benediktinermönch „Hermann von Hammelburg“ vom Kloster Johannesberg die Kapelle im Ende des 13. Jahrhunderts zerstörten und aufgegebenen „in loco, qui olim vocabatur Guntherskirche“ „Guntherskirche“ (Wüstung) errichtete, wurde sie erstmals in einer Urkunde erwähnt. Mit dem 7. Juli 1348 ist die Urkunde datiert in der Benediktinermönch als Erbauer der Kirche „S. Cruz.“ genannt wird. Zu Ehren der heiligsten Gottesmutter Maria, des hl. Benedikt, der hl. Katharina und aller Heiligen sollte sie geweiht werden.
Die Gründung der Kapelle wurde von dem damaligen Fuldaer Fürstabt Heinrich VI. von Hohenberg 1315–1353 bestätigt. Mit der Bestätigung erhielt sie Ländereien aus der Umgebung. An der neuen Kapelle bildete sich ein Hof.
links|mini|300px|Lage von Kleinheiligkreuz (S. Cru.) zwischen Giesel (Geisen) und Kleinlüder (Clein Lijder) auf einer Karte des Hochstifts Fulda von 1574
Am 7. Februar 1441 erwirkte Propst Arnold vom Kloster Johannesberg einen Ablass zur Erneuerung der Kapelle. Bereits 17 Jahre später, 1458, erwirkte wiederum Propst Arnold einen weiteren Ablass und gleichzeitig wird ihm die Verantwortung für die Kapelle übertragen. Die Kapelle und die Einsiedelei waren in den Besitz des Klosters St. Andreas in Neuenberg übergegangen. Im Jahr 1507 erhielt die Kapelle unter dem Fürstabt Johann II. von Henneberg-Schleusingen (1472–1513) einen Altar. Am 10. April 1507 weihte der Mainzer Weihbischof Johannes Bonemilch (1434–1510) aus Erfurt die erweiterte Kapelle zu Ehren der hl. Gottesmutter. 1574, in der Zeit des Fürstabtes Balthasar von Dernbach (1570–1606), erscheint Kleinheiligkreuz unter „S. Cru.“ an der „Kalten Lüder“ erstmals in einer Karte des Hochstifts Fulda. 1594 zählt die Wallfahrtskirche zur Pfarrei Haimbach.
Während der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges kamen die Kapelle und die Wallfahrten herunter und gerieten in Vergessenheit. 1655 erwirkte auf Veranlassung des Neuenberger Propstes Matthias Benedikt (Benedictus) von Rindtorff (Rindorff) bei Papst Alexander VII. (1655–1667) einen Ablass für die Kirche. Daraufhin verstärkten sich wieder die Zahlen der Pilger und der Wallfahrten.
Bonifatiusbuche Um das Jahr 1670 wurde die sogenannte „Bonifatiusbuche“ hinter der Kapelle am Standort des früheren Bonifatiuskreuzes gepflänzt. Es ist der Platz, der als letzter Rast auf dem Leichenzuges des Bonifatius gilt.
Hof Kleinheiligkreuz
Am 10. April 1682 wird der Hof Kleinheiligkreuz samt Grundbesitz, mit Ausnahme der Kapelle und des kleinen Kirchhofes mit strengen Auflagen an Paul Klingenberger verkauft. 1708 erwarb die Familie Wehner den Hof Kleinheiligkreuz.
Neubau der Kapelle Im Jahr 1692 wurde die alte Kapelle abgerissen und unter dem Neuenberger Propst Adalbert von Schleifras neu errichtet. Nach vier Jahren Bauzeit wurde sie 1696 eingeweiht. Der Wappenstein über den Eingangsportalen und an der Decke im Chorraum zeugen hiervon. Die Baupläne sollen von dem Franziskanerbruder Antonius Peyer aus Fulda stammen. Sie gilt als einer der ersten barocken Kirchenbauten im Fuldaer Land und wurde im „toskanischen“ Barock errichtet. Dies zeigt die von vier Säulen getragene geschwungene Empore. Das Bauwerk wurde 1701 von dem damaligen Weihbischof Amand von Buseck zu Ehren des hl. Kreuzes geweiht. Seit dieser Zeit diente Kleinheiligkreuz wieder als Wallfahrtsort. Wallfahrten zu den beiden Kreuzfesten (Kreuz Auffindung) 3. Mai und (Kreuz Erhöhung) 14. September nach Kleinheiligkreuz erfolgten mit dem Neubau der Wallfahrtskirche in den Jahren von 1692 bis 1802 von den Pfarreien Giesel, Bimbach, Großenlüder, Blankenau, Hosenfeld und Hauswurz. 1731 wurde sie unter Fürstabt Adolf von Dalberg der neu gebildeten Pfarrei Giesel zugeordnet und blieb mit Ausnahme der Säkularisation unter deren Verwaltung und Gottesdiensten. 1787 war Kleinheiligkreuz der Fürstabtei Fulda, Centoberamt Fulda (Propstei Neuenberg) zugeordnet.
Säkularisation Mit der Säkularisation erfolgten die Verhandlungen wegen der Aufhebung des Gottesdienstes und der Niederlegung (Abriss) der Kapelle zwischen dem Kurfürstlichen Konsistorium beziehungsweise dem Oberfinanzkollegium und dem Bischöflichen Vikariate. Am 1. Oktober 1804 erfolgte seitens der Oberfinanzbehörde (Oberfinanzkollegium) eine Anfrage beim Bischöflichen Vikariat wegen der Einstellung der Gottesdienste. Am 10. Dezember 1804 erklärt Johannes Wehner als Hofbesitzer dem Vikariat gegenüber, dass die Kapelle in gutem Zustand sei und die Hofbewohner „verschiedene Gerechtsame Forderungen wegen der Taufen, Kopulationen (Heirat) und Begräbnisse zu fordern hätten“. Das Vikariat erklärte daraufhin gegenüber dem Oberfinanzkollegium, dass der Gottesdienst in der Kapelle eingehen könne, doch sei es durch nichts geboten, die Kapelle einzulegen (Abriss). Ferner sei das Recht des Hofbauern auf Taufen, Kopulationen (Eheschließungen) und Begräbnisse aufrechtzuerhalten.
Am 9. März 1805 beschloss jedoch die Geheime Konferenz Kommission den Abriss der Kapelle. Bereits am 18. Mai 1805 wurde Wehner seitens der Finanzbehörde vorgeladen und machte seine Rechte geltend. Zwischenzeitlich teilte das Bischöfliche Generalvikariat Fulda dem Pfarrer Johann Bettinger (Böttinger) von Giesel mit, dass die Kapelle abgerissen werde und die Gottesdienste und Wallfahrten einzustellen seien. Johannes Wehner erklärt sich am 29. Juli 1805 mit den getroffenen Maßnahmen einverstanden.
Umpfarrung und Profanierung Am 8. August 1805 genehmigt der Bischof Adalbert III. von Harstall den Vorschlag des Vikariates, dass die Hofbewohner in den Pfarrverband von Giesel aufgenommen werden. Um diese Zeit erfolgte auch die Profanierung.
Mit dem Abschluss der Verhandlungen folgte der Versteigerungstermin im Centamt Johannesberg am 14. November 1805 mit dem Mindestpreis von 750 Florint für die Kapelle. Johannes Wehner als Hofbesitzer erhielt wegen fehlender höherer Angebote den Zuschlag für 500 Florint. Die Kirche St. Vitus in Salzschlirf erhielt den Zuschlag für den Haupt- und die zwei Seitenaltäre, der Landdechant Constantin Zwenger von Haimbach den Zuschlag für die große Glocke. Die kleine Glocke ging an Erhard Repp nach Radmühl. Für die Kanzel fand sich kein Käufer, diese wurde zum Pfarrer nach Giesel transportiert. Der Kreuzpartikel gehörte der Kirche Neuenberg, kam aber nach Giesel. Der Kapellenfonds und die Verkaufserlöse wurden am 17. Juni 1806 an Pfarrei Giesel überwiesen. Am 17. September 1806 kam der Kreuzpartikel wieder nach Neuenberg zurück, die Pfarrei Giesel erhielt ihn vom Kloster Holzkirchen.
Privatkapelle 1850 wurde von Johann Adam Wehner der Chorraum wieder als Privatkapelle abgetrennt und mit Genehmigung der bischöflichen Behörde zur Hauskapelle. Am 4. September 1850 weihte Landdechant Bernhard Mehler aus Neuhof die Hauskapelle und zwei Glocken zu Ehren des hl. Bonifatius und des hl. Sturmius. Die Benedizierung des Altares erfolgte zu Ehren der hl. Gottesmutter und des hl. Laurentius. 1900 stiftet Pfarrer Scheich 1300 Mark zum Wiedererwerb der Kapelle. 1909 wurden das Gebäude und der Kirchplatz durch den Bischof von Fulda wieder zurückgekauft.
Erneute Kirchweihe Nach der Renovierung unter der Leitung des Fuldaer Architekten Hermann Mahr wurde sie am 12. Oktober 1913 von Bischof Joseph Damian Schmitt erneut zu Ehren des hl. Kreuzes und des hl. Rabanus Maurus geweiht und ihrer ursprünglichen Widmung als Wallfahrtskirche wieder zugeführt.
Glockenweihe 1914
Die Wallfahrtskirche hat ein Zweigeläut im Dachreiter mit den Schlagtönen „c“ und „dis“. Von den beiden Glocken wurde die größere 1740 vom Glockengießer Johann Heusler in Elbing und die kleinere Heinrichsglocke wurde 1914 von der Glockengießerei Petit & Gebrüder Edelbrock in Gescher gegossen.
Am Ostermontag, 13. April 1914 erfolgte die Glockenweihe durch Bischof Josef Damian Schmitt. Die beiden Glocken sind zu Ehren der schmerzhaften Mutter Gottes „Dolorosaglocke“ und des hl. Kaisers Heinrich II. „Heinrichglocke“ geweiht worden.
Beschlagnahme für Rüstungsmaterial
Bereits am 26. Juni 1917 erfolgte die Beschlagnahme der kleineren Heinrichsglocke für die Herstellung von Rüstungsmaterial für den Ersten Weltkrieg.
Umpfarrung und Neuzeit Bereits im Jahre 1925 startete am 15. März der Landkaplan Baier den Versuch einer Umgemeindung und scheiterte.
1959 erhielt die Kapelle eine Ersatzglocke vom Glockenfriedhof Hamburg. Am 13. September 1959 erfolgte nach gründlicher Renovierung nach den Plänen von Martin Berg und dem Gieseler Pfarrer Josef Mönninger die kirchliche Weihe durch Domkapitular Ludwig Pralle, Päpstlicher Ehrenprälat und Baureferent der Diözese Fulda. Am 1. Januar 1961 erfolgte die politische Umgemeindung von Schlagberg, Hessenmühle und Kleinheiligkreuz unter Bürgermeister Leonhard Glozbach, Giesel, in die Gemeinde Kleinlüder. Die kirchliche Umpfarrung der Wallfahrtskirche sowie der Wohnplätze Schlagberg, Hessenmühle und Kleinheiligkreuz unter Pfarrer Josef Mönninger, Giesel, durch den Fuldaer Bischof Adolf Bolte erfolgte zum 1. Januar 1962. Seither wird auch die Verwaltung und seelsorgerische Betreuung der Wallfahrtskirche von der Pfarrei St. Johannes der Täufer in Kleinlüder wahrgenommen.
Am Sonntag, 13. September 1970 wurde die renovierte Wallfahrtskirche durch Domkapitular Ludwig Pralle eingeweiht. Der bisherige Altar sowie die Ausstattung von 1913 wurde ausgetauscht gegen einen barocken Altar aus der Kirche St. Peter und Paul in Wirtheim. Die alte Altarplatte wurde für einen neuen freistehenden Zelebrationsaltar aus Sandstein mitverwendet. Mehrere Fenster erhielten einheitlich eine sechseckige Wabenverglasung aus Antikglas. Zuvor war eine bauliche Sanierung notwendig, so die Herstellung einer Be- und Entwässerungsanlage und der Ausbau der Wohnräume der nicht mehr benutzungsfähigen ehemaligen Einsiedelei. Diese drei Wohnräume mit 4 Bettstellen werden seither für Familien, Jugendgruppen sowie Pilger genutzt. Die Renovierungsarbeiten leitete Diözesanoberbaurat Rudolf Schick. Der Altar wurde vom Kunstmaler und Restaurator Willy Kiel, Fulda restauriert. Die damaligen Sanierungskosten beliefen sich auf etwa 40.000 DM.
Bonifatiusbuche mini|Die neue Bonifatiusbuche von 1992 in Kleinheiligkreuz