Die Nördlichen Ostalpen oder einfach Nordalpen sind ein Teil der Ostalpen, der dem Alpenhauptkamm parallel vorgelagert ist. Sie erstrecken sich über etwa 500 km vom Vorarlberger Rheintal bis Wien und sind bis zu 50 km breit. Sie sind einer von vier Hauptteilen der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE) und einer von drei Sektoren der Ostalpen in der internationalen vereinheitlichten orographischen Einteilung der Alpen (SOIUSA) nach Sergio Marazzi.
Begriffsklärung
Die Definition und Umgrenzung der Nördlichen Ostalpen orientiert sich sowohl nach geologischen als auch geografischen Kriterien. Außer den Nordalpen umfassen die Ostalpen gemäß der üblichen Dreiteilung noch die Zentralen Ostalpen (Zentralalpen) und die Südlichen Ostalpen (Südalpen). In Deutschland, wo der Alpenanteil überwiegend aus Kalken besteht, werden die Begriffe „Kalkalpen“ und „Nordalpen“ weitgehend synonym verwendet, generell sind die Nördlichen Kalkalpen aber nur ein Teil der Nordalpen.
Einteilung der Nördlichen Ostalpen
Die Einteilung der Ostalpen parallel zum Verlauf des Hauptkamms in der Längsrichtung ist geografisch und geologisch sinnvoll. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Gebirgen der Welt werden die Ostalpen durch eine Reihe von Längstälern geprägt. Dazu gehören das Inntal, das Salzachtal, das Ennstal und das Murtal. Die geologische Grenze zwischen den Nördlichen Kalkalpen und den Zentralalpen folgt auf weiten Strecken diesen Längstälern, daher wird auch die orographische und touristische Grenze zwischen den Nördlichen Ostalpen und den Zentralen Ostalpen entlang dieser Linie gelegt.
Verlauf der Gebirgszüge
Die Nördlichen Ostalpen erstrecken sich vom Alpenrheintal in einer Breite von 25 bis 45 km durch Vorarlberg, Tirol, die bayerischen Bezirke Schwaben und Oberbayern, durch Salzburg, die nördliche Steiermark, Ober- und Niederösterreich.
Die Gipfelhöhen der Nördlichen Ostalpen sind zwischen Alpenrhein und Steiermark im Wesentlichen bei etwa 2700–3000 m konstant und nehmen dann ostwärts gegen das Wiener Becken bis auf rund 2000 m ab. Die hohen Ketten der Nördlichen Kalkalpen werden nördlich von den niedrigeren, bewaldeten, etwa 1700 m hohen Voralpen begleitet.
Territoriale Gliederung
Anteil an den Nördlichen Ostalpen haben vor allem Österreich, aber auch Deutschland.
In Österreich haben die Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich, Steiermark, Niederösterreich und Wien Anteil an den Nördlichen Ostalpen.
In Deutschland hat nur der Freistaat Bayern Anteil an den Nördlichen Ostalpen. Bayern ist das einzige deutsche Bundesland, das Anteil an den Alpen insgesamt hat. Das Bundesland Baden-Württemberg hat nur dann einen kleinen Anteil an den Nördlichen Ostalpen, wenn die Nordgrenze der Allgäuer Alpen nicht im engeren Sinne (also zwischen Immenstadt und Oberstaufen), sondern in einem weiteren Sinne gezogen wird und die Erhebung des Adelegg bei Isny mit einschließt.
In Vorarlberg befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Ostalpen: Bregenzerwaldgebirge (ganz), Allgäuer Alpen (teilweise), Lechquellengebirge (ganz), Lechtaler Alpen (teilweise).
In Tirol befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Ostalpen: Allgäuer Alpen (teilweise), Lechtaler Alpen (teilweise), Wettersteingebirge (teilweise), Mieminger Kette (ganz), Karwendel (teilweise), Rofangebirge (ganz), Ammergauer Alpen (teilweise), Bayerische Voralpen (teilweise), Kaisergebirge (ganz), Loferer und Leoganger Steinberge (teilweise), Chiemgauer Alpen (teilweise).
In Salzburg befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Ostalpen: Loferer und Leoganger Steinberge (teilweise), Berchtesgadener Alpen (teilweise), Chiemgauer Alpen (teilweise), Salzburger Schieferalpen (teilweise), Tennengebirge (ganz), Dachsteingebirge (teilweise), Salzkammergut-Berge (teilweise).
In Oberösterreich befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Ostalpen: Dachsteingebirge (teilweise), Totes Gebirge (teilweise), Ennstaler Alpen (teilweise), Salzkammergut-Berge (teilweise), Oberösterreichische Voralpen (teilweise), Ybbstaler Alpen (teilweise).
In der Steiermark befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Ostalpen: Salzburger Schieferalpen (teilweise), Dachsteingebirge (teilweise), Totes Gebirge (teilweise), Ennstaler Alpen (teilweise), Hochschwab-Gruppe (ganz), Mürzsteger Alpen (teilweise), Rax-Schneeberg-Gruppe (teilweise), Ybbstaler Alpen (teilweise), Türnitzer Alpen (teilweise).
In Niederösterreich befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Ostalpen: Oberösterreichische Voralpen (teilweise), Rax-Schneeberg-Gruppe (teilweise), Ybbstaler Alpen (teilweise), Mürzsteger Alpen (teilweise), Türnitzer Alpen (teilweise), Gutensteiner Alpen (ganz), Wienerwald (ganz).
Das Bundesland Wien hat nur Anteil am Wienerwald und teilt diese Untergruppe mit Niederösterreich.
In Bayern befinden sich die folgenden Untergruppen der Nördlichen Ostalpen: Allgäuer Alpen (teilweise), Wettersteingebirge (teilweise), Karwendel (teilweise), Ammergauer Alpen (teilweise), Bayerische Voralpen (teilweise), Berchtesgadener Alpen (teilweise), Chiemgauer Alpen (teilweise)
Gebirgsgruppen nach der AVE
Eine Definition der Nördlichen Ostalpen und ihrer Unterteilung in einzelne Gebirgsgruppen erfolgt nach Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE).
Nach dieser werden die Nördlichen Ostalpen in die folgenden Untergruppen unterteilt (die Reihenfolge und Nummerierung der Untergruppen verläuft von West nach Ost):
mini|500px|Übersichtskarte der Ostalpen mit der Alpenvereinseinteilung und -nummerierung Die Nummerierung entspricht der Liste der Gebirgsgruppen in den Ostalpen (nach AVE).
Nr. Untergruppe höchster Berg Höhe (m) 1 Bregenzerwaldgebirge Glatthorn (Flyschzone) 2133 2 Allgäuer Alpen Großer Krottenkopf 2657 3a Lechquellengebirge Untere Wildgrubenspitze 2753 3b Lechtaler Alpen Parseierspitze 3036 4 Wettersteingebirge und Mieminger Kette Zugspitze 2962 5 Karwendel Birkkarspitze 2749 6 Brandenberger Alpen oder Rofangebirge Hochiss 2299 7a Ammergauer Alpen Daniel 2340 7b Bayerische Voralpen Krottenkopf im Estergebirge 2086 8 Kaisergebirge Ellmauer Halt 2344 9 Loferer und Leoganger Steinberge Birnhorn 2634 10 Berchtesgadener Alpen Hochkönig 2941 11 Chiemgauer Alpen Sonntagshorn 1960 12 Salzburger Schieferalpen Hundstein (Grauwackenzone) 2117 13 Tennengebirge Raucheck 2431 14 Dachsteingebirge Hoher Dachstein 2995 15 Totes Gebirge Großer Priel 2513 16 Ennstaler Alpen Hochtor 2365 17a Salzkammergut-Berge Gamsfeld 2028 17b Oberösterreichische Voralpen Hoher Nock 1963 18 Hochschwab-Gruppe Hochschwab 2277 19 Mürzsteger Alpen Hohe Veitsch 1982 20 Rax-Schneeberg-Gruppe Schneeberg 2076 21 Ybbstaler Alpen Hochstadl 1919 22 Türnitzer Alpen Großer Sulzberg 1400 23 Gutensteiner Alpen Reisalpe 1399 24 Wienerwald Schöpfl (Flyschzone) 893
Abschnitte nach SOIUSA
mini|300px|Übersichtskarte der Ostalpen mit der Einteilung und Nummerierung nach SOIUSA.
Die internationalen vereinheitlichten orographischen Einteilung der Alpen (SOIUSA) teilt die Nördlichen Ostalpen in sieben Abschnitte ein:
Nummer Name 21 Nordtiroler Kalkalpen 22 Bayerische Alpen 23 Tiroler Schieferalpen 24 Salzburger Nordalpen 25 Oberösterreichisch Salzkammerguter Alpen 26 Steirische Nordalpen 27 Niederösterreichische Nordalpen
Die Tiroler Schieferalpen werden nur nach SOIUSA zu den Nördlichen Ostalpen gezählt, bei der AVE sind sie Teil der Zentralen Ostalpen.
Gipfel
Der höchste Gipfel der Nördlichen Ostalpen ist die Parseierspitze, , in den Lechtaler Alpen.
Die prominentesten Gipfel der Nördlichen Ostalpen
Trotz ihrer im Vergleich zu den zentralen Ostalpen, Südalpen und Westalpen deutlich geringeren Maximalhöhen befinden sich unter den Gipfeln der Nördlichen Kalkalpen viele besonders prominente Berge mit bedeutenden Schartenhöhen, darunter neun sog. , deren Schartenhöhe mindestens 1500 Meter beträgt. Der Hochkönig ist der sechstprominenteste Berg der Alpen und der prominenteste außerhalb der Zentralalpen.
Die folgende Liste führt die 20 prominentesten Berge der Nördlichen Ostalpen auf.Siehe auch Liste der prominentesten Berge der Alpen Der höchste Gipfel der Nördlichen Ostalpen, die Parseierspitze, bekleidet in dieser Aufstellung lediglich den 19. Rang.
Nr. Gipfel Gebirgsgruppe Höhe (m)Schartenhöhe (m) BezugsscharteProminence MasterIsland Parent 1 Hochkönig Berchtesgadener Alpen 2941 2181 Bei Zell am See (760 m) Großglockner Mont Blanc 2 Hoher Dachstein Dachsteingebirge 2995 2136 Eben im Pongau (859 m) Großglockner Mont Blanc 3 Zugspitze Wettersteingebirge 2962 1750 Westl. vom Fernpass (1212 m) Finsteraarhorn Mont Blanc 4 Großer Priel Totes Gebirge 2515 1705 beim Knoppenmoos (810 m) Hoher Dachstein Mont Blanc 5 Birnhorn Leoganger Steinberge 2634 1665 Hochfilzen (969 m) Großglockner Mont Blanc 6 Birkkarspitze Karwendel 2749 1564 Seefelder Sattel (1185 m) Zugspitze Mont Blanc 7 Ellmauer Halt Kaisergebirge 2344 1551 Östl. von Ellmau (793 m) Großglockner Mont Blanc 8 Hochtor Ennstaler Alpen 2369 1520 Schoberpass (849 m) Großglockner Mont Blanc 9 Grimming Dachsteingebirge 2351 1518 bei Schrödis (833 m) Großer Priel Großer Priel 10 Raucheck Tennengebirge 2430 1463 St. Martin (967 m) Hoher Dachstein 11 Großer Buchstein Ennstaler Alpen 2224 1363 Buchauer Sattel (861 m) Großer Priel 12 Hochiss Brandenberger Alpen 2299 1359 „Lärchenwiese“ (940 m) Birkkarspitze 13 Klosterwappen Rax-Schneeberg-Gruppe 2076 1348 Kalte Kuchl (728 m) Hochtor 14 Großes Ochsenhorn Loferer Steinberge 2511 1309 Römersattel (1202 m) Birnhorn 15 Großer Höllkogel Höllengebirge 1862 1294 Stehrerau (568 m) Hoher Dachstein 16 Großer Pyhrgas Ennstaler Alpen 2244 1290 Pyhrnpass (954 m) Großer Priel 17 Berchtesgadener Hochthron Berchtesgadener Alpen 1972 1279 Hallthurm (693 m) Hochkönig 18 Tschirgant Mieminger Gebirge 2370 1263 nördl. Holzleitensattel (1107 m) Zugspitze 19 Parseierspitze Lechtaler Alpen 3036 1243 Arlbergpass (1793 m) Hoher Riffler 20 Daniel Ammergauer Alpen 2340 1233 Lähn (1107 m) Hoher Riffler
Geologie
Die Nördlichen Kalkalpen machen einen großen Teil der Nördlichen Ostalpen aus. Diesen vorgelagert sind die Flyschzone, das Helvetische System und die Subalpine Molasse.
Die Kalkalpen sind mächtige Sedimente des Tethys aus dem Perm, hauptsächlich Trias, und Jura, sie gehören von der Entstehungsgeschichte her schon zur Afrikanischen Platte. Die helvetischen Gesteine zählen zum alten europäischen Kontinentalrand der Kreidezeit und des Paläogen (Alttertiär), liegen überwiegend nördlich der Flyschzone und treten vor allem in den Westalpen auf, reichen aber auch nach Vorarlberg und in das Allgäu hinein, vereinzelt auch bis Wien. Die Flyschzone entstand aus Ablagerungen einer Tiefseerinne, die sich beim Vorschub der Alpen nach Norden gleichzeitig zu den Gosau-Sedimenten (innerhalb der Kalkalpen) und dem Helvetikum bildete. Dabei wurden die Kalkalpen über den Flysch geschoben, und das Helvetikum von Kristallingrund abgeschert und ganz nach Norden verfrachtet. Die Subalpine Molasse besteht aus Sedimenten, die beim Auffalten der Alpen während des Paläogens und des unteren Neogens in das damalige Vorland geschüttet wurden und später noch in die Alpenbildung einbezogen und verfestigt wurden. Auch sie reicht von der Schweiz über Vorarlberg ins Allgäu und nur vereinzelt ostwärts bis Niederösterreich.
Im Süden der Nördlichen Ostalpen vermittelt die Grauwackenzone zu den Zentralen Ostalpen, wobei Teile der Grauwackenzone (vor allem im Westen) auch schon zu den Zentralen Ostalpen gerechnet werden.
Schutzgebiete
Nationalparks
mini|Gämse am Friederspitz in den Ammergauer Alpen In den Nördlichen Ostalpen befinden sich drei Nationalparks.
Der Nationalpark Berchtesgaden liegt südlich des gleichnamigen Orts in Deutschland im Freistaat Bayern in den Berchtesgadener Alpen. Er wurde im Jahr 1978 gegründet und hat eine Fläche von 20.808 ha.