mini|Franz Anton Mai Franz Anton Mai, latinisiert Franciscus Antonius May (* 16. Dezember 1742 in Heidelberg; † 20. April 1814 ebenda), war ein deutscher Arzt, Medizinalrat, Professor der Arzneiwissenschaft, Medizin und Geburtshilfe, sowie Rektor der Universität Heidelberg, Sozialreformer und Pionier der Arbeitsmedizin.
Biographie „Einfach am Krankenbett sitzenzubleiben, nachzudenken, die wahre Heilart zu wählen“
Schule und Studium in Heidelberg Franz Anton wurde als Sohn des kurfürstlichen, aus Italien stammenden, Kaminfegers Maggio geboren, der seinen Namen in „May“ hat umändern lassen. Sein jüngerer Bruder war der spätere Apotheker in Ladenburg und Professor für Pharmazie und Experimentalchemie in Heidelberg Johannes Wilhelm Mai. Franz Anton Mai besuchte, nach den niederen Klassen, das Gymnasium in Heidelberg und schloss 1760 ein Philosophiestudium an der Universität seiner Heimatstadt an. Er befasste sich mit den Ideen der Aufklärung und wurde am 7. September 1762 zum Doktor der Philosophie promoviert. Danach widmete er sich den Studien der Arzneiwissenschaft und erhielt im Jahr 1765 die ärztliche Lizenz. Der medizinische Doktortitel wurde ihm gemeinsam mit Johann Peter Frank, Franz Karl Zuccarini (1727–1809) und anderen von seinem Lehrer Georg Matthäus Gattenhoff (1722–1788) verliehen.Todten-Feyer bey dem Begräbnis des Herrn Franz Anton Mai: Großherzoglichem Badischen Geheimen Rath, ordentl. öffentl. Lehrer der Arzneywissenschaft und Senior der medizinischen Fakultät und der Universität zu Heidelberg am 21. April 1814. Mit einer in lateinischer Sprache abgehaltenen Prüfung über Jean Jacques Rousseau wurde Mai am 7. August 1769 mit dem Ehrenzeichen eines Doktors der Arzneiwissenschaft ausgezeichnet.Eigenschaften und Wirkungen des Zaißenhäuser Bades sammt zwoen nützen Fragen II. Ob sich das gemeine Wesen einigen Nutzen von der Kindererziehung des berühmtem Rousseau zu versprechen, oder aber vielmehr Schaden zu befürchten habe? auf Latein beantwortet von Franz Anton Mai, da er auf hohen und ältesten Universität zu Heidelberg den siebten Tag des Augustmonaths im Jahre 1769 mit dem höchsten Ehrenzeichen eines Doktors der Arzneywissenschaft ausgezieret wurde, nunmehro zum Besten des gemeinen Wesens ins Deutsche übersetzt, Heidelberg im Jahre 1770, mit Schriften Johann Jakob Häners, Hof=und Universitäts=Buchdruckers. Eigenschaften und Wirkungen des Zaißenhäuser Bades, Online Ressource
Brownianismus Franz Anton Mai und Franz Karl Zuccarini schlossen sich später unter gewissem Vorbehalt dem medizinischen Krankheitskonzept des schottischen Arztes John Brown (1735–1788), also dem Brownianismus, an.Eberhard Stübler: Geschichte der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg, 1386–1925, Carl Winters Universitätsbuchhandlung Heidelberg 1926, S. 227. Eberhard Stübler: Geschichte Med. Fak. Uni HD. Mai sprach von John Brown als dem „Meister Brown“, er sprach von ihm als dem „großen medizinischen Kirchenlicht“ oder auch dem „Reformator der praktischen Heilkunde.“in: Stolpertus, 2. Aufl. 1802, Theil 3, S. 21; S. 129+136, mit Titelvignette: Arzt fühlt Puls am Krankenbett.
Verdienste um das Gemeinwohl in Mannheim und Heidelberg Mai wurde am 23. Oktober 1766 zum Korrepetitor der Hebammenschule in Mannheim ernannt, wo er die Ausbildung von Acchoucheur, Hebamme und Feldscher reformierte. Hier folgte er einem Anliegen Johann Peter Franks, der den elenden Zustand des Hebammenwesens beschrieben und einen Plan für den geburtshilflichen Unterricht der Hebammen und Wundärzte entworfen hatte, um diese Missstände zu verbessern.Peter Schneck: Geschichte der Medizin: Johann Peter Frank (1745–1821) und das Hebammenwesen im 18. Jahrhundert, in: Heilberufe – das Pflegemagazin, Fortbildung für Pflege- und Assistenzberufe im stationären und ambulanten Bereich, Heft 3, 1973, 25. Jahrgang, Springer Medizin, S. 85–88. Das Mannheimer Entbindungshaus bot ledigen Schwangeren die Möglichkeit der straffreien Entbindung.Patrizia Nava: Hebammen, Accoucheure und Man-midwives. Ein deutsch-amerikanischer Vergleich (1750–1850). Neuere Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, Hrsg. Wolfgang U. Eckart, Centaurus Herbolzheim 2003, S. 48 u. 50. Sie wurden auch klinisch untersucht. Allerdings waren die räumlichen Verhältnisse im Mannheimer Entbindungshaus sehr beengt und unwirtlich.Mannheimer Hebammenschule und Entbindungshaus im 18. Jahrhundert Mai stellte fest, dass etliche der ledigen Schwangeren an der „Lustseuche“, also an Syphilis, litten. Er suchte nach Möglichkeiten, eine weitere Verbreitung zu verhindern. So sollten diese Frauen beispielsweise in einer separaten Abteilung im Gebärhaus untergebracht werden und nach der Geburt nicht als Amme arbeiten dürfen. Gleichzeitig forderte Mai aber auch mehr Schutz für misshandelte Frauen. Junge und ledige Schwangere waren zum damaligen Zeitpunkt keine Seltenheit, da die Möglichkeiten der Empfängnisverhütung wenig ausgereift waren.Robert Jütte: Lust ohne Last. Geschichte der Empfängnisverhütung, C. H. Beck München, S. 89–90. ISBN 3-406-49430-7. Mai plädierte angesichts der ledigen jungen Mütter vehement für die Einhaltung sittlicher Standards im Eheleben.
Mai befasste sich engagiert mit der sozialen Not seiner Zeit. Er prangerte in vielfältigen Vorträgen und Publikationen den schlechten Standard der Gesundheitsverhältnisse und der Arbeitsbedingungen in Mannheim an. Im Jahr 1768 wurde er Physicus am Mannheimer Zucht- und Waisenhaus, 1769 Medizinalrat mit Sitz und Stimme im Kurfürstlichen Collegium Medicum, 1770 Physikus in Oggersheim. Er gründete Armenkassen, eine Verpflegungsanstalt für Arme und erwies sich als hilfsbereit gegenüber armen Handwerkern und Schulkindern gleichermaßen. In Mannheim war er zudem Theaterarzt und beriet gelegentlich Friedrich Schiller bei medizinischen Problemen.
Stolpertus, Hebammen- und Krankenpflegeausbildung In „Stolpertus“, einem viel gelesenen von Mai verfassten Büchlein,Wolfgang U. Eckart und Christoph Gradmann: Ärztelexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. Beck, München 1995; hier: Eintrag F. A. Mai, S. 242; 2. Auflage ebenda 2001, S. 210, ISBN 978-3-540-67529-7, 3. Auflage ebenda 2006 (UB HD online verfügbar), Biografie F.A. Mai, geschrieben von , Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung. schlüpfte Mai in die Rolle eines jungen Arztes, der sich am Krankenbette nicht sofort geschickt anstellte. Es müssen neun Schwierigkeiten gemeistert werden, bevor aus dem „Stolpertus“ ein „Expertus“, also ein erfahrener Arzt, werden kann.Heinrich Schipperges: Ärzte in Heidelberg. Eine Chronik vom „Homo Heidelbergensis“ bis zur „Medizin in Bewegung“, Edition Braus Heidelberg 1995, hier ausführlich zu Franz Anton Mai in Kapitel 2: Franz Anton Mai und die Heidelberger Ärzteschaft, S. 108–120, mit einem Einlegeblatt von Wolfgang U. Eckart 2006, ISBN 3-89466-125-9. Ein junger Arzt müsse beispielsweise erst lernen, so Mai, mit dem Geruch am Krankenbett zu fragen, wohingegen die Nase einer geübten Krankenwärterin mit Gewissheit in der Lage sei zu erkennen, dass das kranke Kind die Blattern bekommt.Franz Anton Mai: Stolpertus, ein junger Arzt am Krankenbette. Von einem patriotischen Pfälzer. Zweiter Theil Mannheim bei Schwan und Götz 1800. Dem wohlgebornen grundgelehrten Herrn der Hallischen gelehrten Zeitung ehrenvesten Mitarbeiter, ehrfurchtsvoll gewidmet, S. 23. Mai gründete am 30. Juni 1781 in Mannheim eine „Schule zur Erziehung wohl unterrichteter Krankenwärter“, die später nach Heidelberg verlegt wurde. Ähnliche Bemühungen hatte es hundert Jahre zuvor schon durch Georg Detharding in Stralsund sowie bei Johann Storch in Gotha (1746)Pagel, Deutsche Biographie: Johann Storch gegeben, allerdings mit anderem Tenor. Der aufklärerisch tätige Arzt Franz Anton Mai sprach sich für akademisch gebildetes Gesundheits- und Krankenpflegepersonal, für „gute hippokratische Beobachter am Krankenbett“Eduard Seidler: Geschichte der Pflege des kranken Menschen. 3. Auflage 1966 Kohlhammer Verlag Stuttgart, S. 114–116.Karin Wittneben und Maria Mischo-Kelling: Pflegebildung und Pflegetheorien, Urban & Schwarzenberg, München, Wien, Baltimore, 1. Auflage 1995, mit einem Vorwort von Hildegard Peplau, S. 217a. aus, um die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Mit dieser Auffassung war er seiner Zeit voraus.Christoph Schweikardt: Die Entwicklung der Krankenpflege zur staatlich anerkannten Tätigkeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Martin Meidenbauer München 2008, S. 50.Christine R. Auer: Geschichte der Pflegeberufe als Fach: die Curricular-Entwicklung in der pflegerischen Aus- und Weiterbildung. Diss. Institut Geschichte und Ethik Medizin (vormals: Geschichte der Medizin) Universität HD bei Wolfgang U. Eckart, Eigenverlag 2008, Franz Anton Mai, S. 73. Erst ab den Jahren 1832 und 1837 sollten sich die Berlin Mediziner Johann Friedrich Dieffenbach und Carl Emil Gedike, gefolgt von dem sächsischen Arzt Ewald Christian Victorin Dietrich (1785–1832),Volker Klimpel: Ewald Christian Victorin Dietrich. In: Hubert Kolling (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte - Who was Who in Nursing History, Band neun, Hpsmedia GmbH Nidda, 2020, S. 39 f. wieder mit der Frage der Krankenwartung befassen.Johann Friedrich Dieffenbach: Anleitung zur Krankenwartung. Hirschwald Berlin 1832.Carl Emil Gedike: Handbuch der Krankenwartung. 1. Auflage Berlin 1837. Auch der Dresdner Sozialmediziner Friedrich August Röber (1766–1827) orientierte sich in seinen Forderungen nach einer Krankenpflege- und Hebammenausbildung an den Vorstellungen von Franz Anton Mai.Volker Klimpel: Friedrich August Röber. In: Hubert Kolling (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who was who in Nursing history“, Band sieben, hpsmedia Hungen 2015, S. 226 f.