mini|Großajatollah Hossein Ali Montazeri (rechts) und Ali Chamenei (links), 1979 Hossein Ali Montazeri (auch Hussein-Ali Montazeri, []; * 1922 in Nadschafabad, Provinz Isfahan; † 19. Dezember 2009 in Ghom) war ein iranischer schiitischer Geistlicher und Großajatollah. Unter dem Regime Schah Mohammad Reza Pahlavis war er einer der bekanntesten iranischen Regimekritiker. Nach der Islamischen Revolution 1979 war er ein enger Mitarbeiter des Revolutionsführers Ruhollah Chomeini und galt 1985–1989 als dessen designierter Nachfolger.
Seine öffentliche Kritik an Menschenrechtsverletzungen der iranischen Regierung führte 1989 zu einem Zerwürfnis mit Chomeini, der ihn dann kurz vor seinem Tod entmachtete. Montazeri blieb jedoch eine der wichtigsten religiösen Autoritäten der iranischen Schiiten und Unterstützer der Reformer.
Leben Montazeri studierte in Isfahan und besuchte anschließend das Seminar in Ghom. Ruhollah Chomeini war sein Lehrer.Christopher de Bellaigue: Im Rosengarten der Märtyrer. Ein Porträt des Iran. Aus dem Englischen von Sigrid Langhaeuser, Verlag C. H. Beck, München 2006 (engl. Originalausgabe: London 2004), S. 122
miniatur|Hossein Ali Montazeri im Evin-Gefängnis
Bis kurz vor der iranischen Revolution 1978/79 inhaftiert, berief der Revolutionsführer Chomeini nach seiner Rückkehr Ajatollah Montazeri in den neu formierten Revolutionsrat. Er wurde einer der engsten Mitarbeiter Chomeinis, der „die Ansichten seines Vorbildes voll und ganz teilte“. Hans-Georg Ebert, Henner Fürtig, Hans-Georg Müller: Die Islamische Republik Iran. Akademie-Verlag Berlin 1987. Seite 418 Nach dem Tode Mahmud Taleghanis im September 1979 wählte die Expertenversammlung Montazeri zu deren Präsidenten, Vizepräsident wurde Mohammad Beheschti.
Wenige Monate vor der Ermordung Anwar as-Sadats am 6. Oktober 1981 äußerte Montazeri:
Den angeblichen Putschversuch des Großajatollahs Mohammad Kazem Schariatmadari kommentierte Montazeri mit der Aberkennung jeglicher religiöser Titel. Er bezeichnete ihn am 16. April 1982 als „pseudoreligiöse Persönlichkeit“.
Im Jahre 1985 bestimmte der Expertenrat, der laut iranischer Verfassung beauftragt ist, den obersten Rechtsgelehrten zu wählen, ihn zum Nachfolger Chomeinis. Kurz vor Chomeinis Tod setzte dieser Montazeri in einem Brief vom 26. März 1989 als Nachfolger ab. Der Brief erklärte, Montazeri würde als Machthaber die iranischen Muslime den „Liberalen“ überlassen. Ferner verwies er auf den Einsatz Montazeris gegen die Hinrichtung von Mehdi Haschemi. Vorausgegangen war Montazeris Einsatz für Bürgerrechte und Frauenrechte im Iran sowie seine Kritik an Misswirtschaft und Menschenrechtsverletzungen, so auch an der Verfolgung der Bahai und an den Massenhinrichtungen 1988.Moin, S. 279.
Nach Chomeinis Tod wandelte Montazeri seine politischen Ansichten in Richtung Regimekritik, die von Ali Chamenei von 1997 bis 2003 mit Hausarrest beantwortet wurde. 2002 schlug er für den Nahostkonflikt um Israel und Pälastina sogar eine Zweistaatenlösung vor.Christopher de Bellaigue: Im Rosengarten der Märtyrer. Ein Porträt des Iran. Aus dem Englischen von Sigrid Langhaeuser. Verlag C. H. Beck, München 2006 (engl. Originalausgabe: London 2004), S. 181 f. mini|Montazeri (links) und Mohsen Kadivar, 2005 Nach den iranischen Präsidentschaftswahlen 2009 teilte Montazeri auf seiner Webseite mit, das herrschende islamische System habe wegen Betrugs keine politische und religiöse Legitimation mehr. Das von der Regierung präsentierte Ergebnis mit dem Erdrutschsieg von Amtsinhaber Mahmud Ahmadineschad könne „niemand bei vollem Verstand“ akzeptieren. Am 12. Juli 2009 erließ Montazeri eine Fatwa in Bezug auf die iranischen Präsidentschaftswahlen und deren Fälschung:
Hossein Ali Montazeri genoss bis zu seinem Tod im Jahr 2009 große Anerkennung in der iranischen Bevölkerung. Zu seinen Befürwortern zählten überwiegend junge, reformorientierte Studenten, aber auch viele religiös-konservative Iraner. Neben dem Führer der irakischen Schiiten, dem persisch-gebürtigen Großajatollah Ali as-Sistani, und dem im Haft befindlichen Regimekritiker Ajatollah Hossein Kazemeyni Borudscherdi hatte er die höchste religiöse Reputation im Iran.
miniatur|Begräbnis von Montazeri in Ghom miniatur|Begräbnis von Montazeri in Ghom Im Anschluss an die wochenlangen Proteste nach der iranischen Präsidentschaftswahl 2009 kam es nach Montazeris Tod bei der Trauerfeier in Ghom am 21. Dezember 2009, an der bis zu 500.000 Personen teilnahmen, zu Kundgebungen gegen Ali Chamenei und zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. In den darauffolgenden Tagen wurden auch Gedenkversammlungen in Isfahan und in Montazeris Heimatstadt Nadschafabad von der Polizei gewaltsam aufgelöst und ausländischen Reportern die Berichterstattung verboten.
Literatur Hans-Georg Ebert, Henner Fürtig, Hans-Georg Müller: Die Islamische Republik Iran. Akademie-Verlag Berlin 1987, ISBN 3-05-000079-1. Hans-Peter Drögemüller: Iranisches Tagebuch. 5 Jahre Revolution. Hamburg 1983, ISBN 3-922611-51-6. Bahman Nirumand: Iran – hinter den Gittern verdorren die Blumen. Rowohlt Hamburg 1985, ISBN 3-499-15735-7.
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