Gesundheitsrisiken im American Football umfassen eine Vielzahl von Verletzungen, die infolge der Ausübung des Sports auftreten können. Als Vollkontaktsportart gehen mit der Teilnahme erhebliche Risiken einher. Neben Muskel- und Knochenverletzungen erlangen in jüngerer Vergangenheit auch Risiken durch Kopfverletzungen vermehrt Aufmerksamkeit.

Überblick Die Spieler haben oft eine Masse von über 100 kg und können mit Geschwindigkeiten von ca. 30 km/h rennen. Trotz wattierter Uniformen und Schutzhelmen entstehen große Gefährdungen für betroffene Körperteile. Bei einer Gesamtmasse von 250 kg, die zwei kollidierende Spieler gemeinsam haben, und einer Relativgeschwindigkeit von 16 m/s beträgt die Kraftwirkung (der Impuls) 250 kg*16 m/s = 4000 kg*m/s = 4000 Newtonsekunden. Wenn die Aufprallzeit (Bremszeit) 100 ms beträgt, ergibt sich eine Kraft von 40000 Newton (4000 Ns/0,1 s).

Regelmäßig kommt es zu Verletzungen mit Todesfolge. Zwischen 1931, als entsprechende Untersuchungen in den USA begannen, und 1990 gab es kein einziges Jahr, in dem kein Footballspieler beim Ausüben des Sportes zu Tode kam. Fünf Spieler starben im Jahr 2014, unter anderem durch Genickbruch bei einem Punt-Return. Auch 2015 wurden mehrere Todesfälle gemeldet, und es betraf Spieler auf unterschiedlichen Positionen.

Eine bedeutende Rolle bei den Risiken spielen Kopfverletzungen, die unterschiedliche Folgen hervorrufen können.

Kopfverletzungen In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde ein Zusammenhang zwischen den immer wieder sehr harten Kopfstößen im American Football und Krankheiten wie Alzheimer, chronisch-traumatischer Enzephalopathie, Depressionen und Demenz gefunden, die durch Gehirnerschütterungen und zahlreiche Hirntraumata bedingt sein sollen.Désirée Karge: Erschütterte Sportlergehirne. Bild der Wissenschaft, Heft 3-2014. Seiten 94–99. Diese Krankheiten sind oft Spätfolgen und treten erst zehn bis 20 Jahre nach Karriereende auf. Eine zunehmende Zahl von Wissenschaftlern geht davon aus, dass die Hirntraumata durchaus auch Folge suberschütternder Stöße sein können. Auch das aggressive Verhalten, durch welches einige Football-Spieler im Privatleben auffällig und straffällig werden, kann durch Gehirnverletzungen begründet sein.

Eine Untersuchung von 42 ehemaligen NFL-Spielern im Alter von 42–65 Jahren, die kognitive Probleme für mindestens 6 Monate aufwiesen, ergab, dass diejenige Hälfte, die in einem Alter von 12 Jahren mit Tackle Football angefangen hatte, größere Gedächtnis- und Denkprobleme hatte als die andere Hälfte. Beide Gruppen lagen unterhalb der Durchschnittswerte in vielen Tests, und der Unterschied zwischen beiden Gruppen betrug ungefähr 20 % in einigen Tests. Robert Stern, der verantwortliche Autor der Studie, meinte dazu:

Gehirnerschütterungen Keine Sportart verzeichnet mehr Gehirnverletzungen (Gehirnerschütterungen) als American Football. Zwischen 1989 und 1993 hatten die 28 NFL-Teams 445 Gehirnerschütterungen bei 341 Spielern gemeldet, das entspricht vier pro Wochenende oder 2,5 pro 1.000 Spielzügen.

Die NFL veröffentlichte folgende Zahlen für alle Spiele der regulären Saison: 173 im Jahr 2012, 148 im Jahr 2013, 115 im Jahr 2014, 183 im Jahr 2015, 166 im Jahr 2016, 178 im Jahr 2017, 127 im Jahr 2018 und 136 im Jahr 2019. Inklusive Training und Vorsaison lauten die Zahlen der NFL: 261 im Jahr 2012, 229 im Jahr 2013, 206 im Jahr 2014, 275 im Jahr 2015, 243 im Jahr 2016, 281 im Jahr 2017, 214 im Jahr 2018 und 224 im Jahr 2019. Die nichtkommerzielle US-amerikanische Fernsehsenderkette Public Broadcasting Service stellte in den Jahren 2012 bis 2015 die gemeldeten Gehirnerschütterungen in der NFL in einem ‚Concussion Watch‘ zusammen. Demnach gab es 171 Gehirnerschütterungen im Jahr 2012, 152 im Jahr 2013, 123 im Jahr 2014 und 199 im Jahr 2015 (Stand 15. Januar 2016). In jeder der vier Spielzeiten traten die meisten bei den Cornerbacks auf (26, 23, 24, 41).

Das NFL Head, Neck, and Spine Committee verfasste einige Protokolle zur Diagnose von und für den Umgang mit Gehirnerschütterungen (Protocols Regarding Diagnosis and Management of Concussion). Demzufolge muss ein Spieler, der auf dem Feld Anzeichen für eine Gehirnerschütterung zeigt, vom Feld genommen und vom medizinischen Team des Clubs untersucht werden. Der Madden-Regel zufolge muss ein Spieler mit einer diagnostizierten Gehirnerschütterung von qualifiziertem medizinischem Personal in den Umkleideräumen beobachtet werden, um ihm Regenerationszeit ohne Ablenkung zu geben. Nach positiver Diagnose darf er keinen Kontakt zu Pressevertretern haben, bis er wieder medizinisch gesundgesprochen wird. Eine Umfrage der Zeitschrift The Sporting News im Jahr 2012 unter 103 NFL-Spielern aus 27 Teams ergab, dass 56 (54 %) eine Gehirnerschütterung verschweigen würden, aus Angst, man würde sie vom Spielfeld nehmen und dass sie dadurch ihre Mannschaft im Stich lassen würden („I feel like I’m letting my team down“). Wenn ein Kontakt-Sportler nach erlittener Gehirnerschütterung seinen Sport unmittelbar weiter ausübt, so vergeht doppelt so viel Zeit für die Rückbildung seiner Symptome, als wenn er sofort vom Spielfeld genommen wird (44 vs. 22 Tage).

Demenz und Depressionen Aus einer 2007 veröffentlichten Studie an 2.552 ehemaligen NFL-Spielern, die am Center for the Study of Retired Athletes an der University of North Carolina durchgeführt wurde, ergab sich ein sehr starker Zusammenhang zwischen der Anzahl der Gehirnerschütterungen und der Rate diagnostizierter Depressionen. Es zeigte sich, dass von 595 ehemaligen NFL-Spielern, die drei oder mehr Gehirnerschütterungen während ihrer aktiven Laufbahn hatten, 20,2 % an Depression litten. Darüber hinaus wurde bei den 2.552 Untersuchten ein 37 % höheres Risiko festgestellt, an Alzheimer zu erkranken, als bei anderen Männern gleichen Alters.

Depressiv und/oder dement wurden nachgewiesenermaßen folgende ehemalige Football-Profis: Gene Atkins, 1987–1996 Safety bei den New Orleans Saints und den Miami Dolphins Jerry Eckwood, 1979–1981 Running Back bei den Tampa Bay Buccaneers Ted Johnson, 1995–2004 Linebacker bei den New England Patriots und dreifacher Super Bowl Gewinner (XXXVI, XXXVIII, XXXIX), entwickelte Alzheimer-ähnliche Symptome Terry Long, 1984–1991 Offensive Lineman bei den Pittsburgh Steelers John Mackey, 1963–1971 Tight End bei den Baltimore Colts und Super Bowl V-Gewinner 1970, Mackey litt unter der Pick-Krankheit Ollie Matson, 1952–1966 Halfback und Flanker bei vier NFL-Teams Fred McNeill, 1974–1985 Linebacker bei den Minnesota Vikings und zweimaliger Super Bowl Teilnehmer (IX, XI) Mel Renfro, 1964–1977 Cornerback bei den Dallas Cowboys und zweifacher Super Bowl Gewinner (VI, XII) Justin Strzelczyk, 1990–1998 Offensive Lineman bei den Pittsburgh Steelers Andre Waters, 1984–1993 Safety bei den Philadelphia Eagles Mike Webster, 1974–1988 Center bei den Pittsburgh Steelers und vierfacher Super Bowl Gewinner (IX, X, XIII, XIV) Ralph Wenzel, 1966–1970 Guard bei den Pittsburgh Steelers Willie Wood, 1960–1971 Safety bei den Green Bay Packers und zweifacher Super Bowl Gewinner (I, II) Rayfield Wright, 1967–1980 Offensive Tackle bei den Dallas Cowboys, fünfmaliger Teilnehmer an einem Super Bowl (V, VI, X, XII, XIII) und zweifacher Gewinner (VI, XII)

Chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE) / Dementia pugilistica Chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE) ist eine neurodegenerative Krankheit, die auf frühere wiederholte Schläge oder Stöße an den Kopf zurückgeführt wird.

Der erste wissenschaftliche Bericht über CTE bei einem ehemaligen NFL-Spieler („Iron“ Mike Webster) erschien im Jahr 2005. Federführend bei der Obduktion, die bereits 2002 durchgeführt wurde, war der Neuropathologe Bennet Omalu an der University of Pittsburgh. Webster, 16 Jahre in der NFL aktiv gewesener 4-facher Superbowl-Gewinner, war 2002 50-jährig nach einem Herzinfarkt verstorben. Zuvor hatte er die NFL auf Pensionszahlungen verklagt, die er für die erlittenen geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen als Entschädigung erhalten wollte. Der zweite wissenschaftliche Bericht zu CTE bei einem American-Football-Spieler erschien 2006 und wurde erneut von Bennet Omalu und seinen Kollegen veröffentlicht. Der darin beschriebene Spieler (Terry Long) hatte 14 Jahre lang Football gespielt, litt nach seinem Karriereende an schweren Depressionen und starb im Jahr 2005, 12 Jahre nach seinem Karriereende, mit 45 Jahren durch Suizid. Auch der dritte Bericht, 2010 veröffentlicht, kam von Omalu. Er betraf den Spieler Andre Waters, der im Jahr 2006 mit 44 Jahren Selbstmord beging.

Ein weiterer Fall von CTE im American Football, ebenfalls diagnostiziert durch Omalu, betraf den früheren NFL-Spieler Justin Strzelczyk, der 2004 36-jährig bei einem Autounfall starb und bei dessen Gehirnautopsie Degenerationen wie bei dementen Boxern oder bei 80-Jährigen festgestellt wurden. 2015 wurde diese Geschichte und die anderer Football-Profis, insbesondere die Mike Websters und Dave Duersons, im Film Erschütternde Wahrheit (Concussion) bearbeitet, in dem Will Smith die Rolle des Arztes Omalu spielt.

Allerdings wurde bisher kein direkter kausaler Zusammenhang zwischen CTE und einem erhöhten Selbstmordrisiko bei ehemaligen Athleten nachgewiesen.

Wissenschaftler am Center for the Study of Traumatic Encephalopathy der Boston University (BU CTE Center) haben unter Federführung der Neuropathologin Ann McKee und Robert Cantu post mortem CTE bei 68 von 85 untersuchten ehemaligen Sportlern festgestellt (Stand: 2012), die sich wiederholt ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen hatten, darunter bei 34 von 35 untersuchten Football-Profis. Einer dieser Sportler war der ehemalige Boston College Linebacker Ronald Anthony Perryman, der 2011 43-jährig an Atmungsversagen starb. Im Jahr 2015 wurden die Zahlen auf 87 von 91 NFL-Spielern (96 %) aktualisiert und weitere 33 CTE-Fälle gemeldet, wo die Betroffenen College oder High School Football gespielt hatten. Aktualisierte Daten im November 2016 nennen CTE-Diagnosen in 90 von 94 untersuchten Gehirnen (97 %) ehemaliger NFL-Spieler. Eine noch höhere Zahl, nämlich 110 Fälle von CTE in 111 untersuchten Gehirnen ehemaliger NFL-Spieler, ergab sich in einer im Juli 2017 herausgebrachten Veröffentlichung. Es ist jedoch anzumerken, dass nur Spieler mit vorherigen Anzeichen für CTE untersucht worden waren.

In Deutschland berichtete am 8. April 2017 erstmals die Süddeutsche Zeitung vom Zusammenhang zwischen American Football und CTE in Europa. Der erste Quarterback der deutschen Nationalmannschaft, der Ansbacher Erich Grau, zeigt seit fast zwanzig Jahren Symptome, wie sie für CTE typisch sind.

Dennoch hieß es im Consensus statement on concussion in sport — the 5th international conference on concussion in sport held in Berlin, October 2016: „The potential for developing chronic traumatic encephalopathy (CTE) must be a consideration, as this condition appears to represent a distinct tauopathy with an unknown incidence in athletic populations. A cause-and-effect relationship has not yet been demonstrated between CTE and SRCs or exposure to contact sports. As such, the notion that repeated concussion or subconcussive impacts cause CTE remains unknown“.

Fälle von CTE bei NFL-Spielern

Jim McMahon, ehemals langjähriger Quarterback der Chicago Bears, führt einige Symptome, an denen er leidet, auf seine Football-Karriere zurück: „My short-term memory seems to be hampered. Every once in a while I go through this period where I just don’t remember things. Laurie (Navon, seine Freundin) has told me a lot of things that I don’t remember doing. It’s frustrating at times.“ Auch McMahon will sein Gehirn dem CTE Center der Boston University zu Forschungszwecken überlassen.

Da CTE zweifelsfrei nur post mortem durch eine Autopsie festgestellt werden kann, sind Diagnosen bei noch Lebenden, wie zum Beispiel dem NFL-Spieler Brett Favre, spekulativ.