T 23 war ein Flottentorpedoboot der Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg. Es wurde als zweites Boot dieser Klasse im Sommer 1942 in Dienst gestellt und dann nach Westfrankreich verlegt. Am 23. Oktober 1943 versenkte T 23 mit dem Schwesterboot T 27 bei der Sicherung eines deutschen Geleits vor der nordbretonischen Küste den britischen Kreuzer Charybdis durch mehrere Torpedotreffer. Ende 1943 überstand T 23 ein Gefecht von fünf deutschen Zerstörern und sechs Flottentorpedobooten gegen zwei britische Leichte Kreuzer, wobei ein Zerstörer und zwei Torpedoboote verloren gingen.
Ab August 1944 bis zum Kriegsende war T 23 in der Ostsee an den Rückzugskämpfen der Wehrmacht beteiligt. Dabei überstand das Boot unbeschädigt zwei Vorstöße im Finnischen Meerbusen, bei denen fünf beteiligte Einheiten unter großen Personalverlusten sanken.
Nach Kriegsende wurde T 23 über Großbritannien als Kriegsbeute an Frankreich ausgeliefert und wurde dann als L’Alsacien ab 1949 bis 1955 mit dem Schwesterboot Le Lorrain (ex T 28) von der französischen Marine eingesetzt.
Baugeschichte T 23 war das zweite Boot vom Typ „Flottentorpedoboot 1939“. Die Boote wurden wegen ihrer Größe und der einzigen Bauwerft von den Briten als „Elbing destroyer“ bezeichnet. Die ersten nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland gebauten Torpedoboote waren die nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages gebauten zwölf Boote der Raubtier- und Raubvogel-Klasse, die in den 1920er Jahren für die Reichsmarine entstanden. Offiziell hatten sie eine Verdrängung von 800 ts, tatsächlich aber von über 900 ts, und waren mit drei 10,5-cm-Kanonen bewaffnet. Zehn Jahre später begannen umfangreichere Bauprogramme der Kriegsmarine, die auch weitere Torpedoboote der Klassen „1935“ (T 1 bis T 12) und „1937“ (T 13 bis T 21) umfassten. Diese Boote sollten mit ihrer Standardverdrängung unter die 600-ts-Grenze fallen, wodurch ihre Tonnage bei den damals geltenden Rüstungsabkommen nicht zur Anrechnung kam. Tatsächlich verdrängten aber auch diese Boote mehr als 800 ts. Mit sechs Torpedorohren und nur einem 10,5-cm-Geschütz waren sie vorrangig Torpedoträger und entsprachen nicht den später an sie gestellten Anforderungen. Die Kriegsmarine verzichtete daher auf den Bau weiterer Boote diese Art und entwickelte das wesentlich größere „Flottentorpedoboot 1939“. Waren vom Typ 1935 noch je sechs Boote bei der Deschimag in Bremen und bei den Schichau-Werken entstanden, baute Schichau in Elbing alle neun Boote vom Typ 1937 und auch alle Flottentorpedoboote.
Bei der Auftragsvergabe spielten dann die Flottenverträge keine Rolle mehr und die endgültige Konstruktion hatte eine Typverdrängung von 1294 ts bzw. eine Einsatzverdrängung von 1755 ts, eine international durchaus übliche Zerstörergröße. Die Boote waren eine Weiterentwicklung der bisherigen Torpedoboote als Glattdecker mit dem ausgeprägten Sichelbug, starkem Deckssprung und Knickspanten im Vorschiff von der Achterkante der Brücke bis etwa zu den Ankerklüsen. Die Aufbauten unterschieden sich von den Zerstörern durch den über die gesamte Decksbreite reichenden, weit vorne liegenden Aufbau mit Brücke. Die Artilleriebewaffnung umfasste vier 10,5-cm-Geschütze: eines am Bug, das zweite zwischen den weit auseinanderstehenden Schornsteinen und zwei weitere am Heck. Die Flugabwehr-Bewaffnung entsprach fast den Zerstörern. Dazu kamen zwei Drillingstorpedorohrsätze.
Die Antriebsanlage bestand aus zwei Kesseln und direkt dahinter installiertem Turbinensatz unter jedem Schornstein. Die Höchstgeschwindigkeit betrug nur 28 kn im Dauerbetrieb unter Einsatzbedingungen und war damit deutlich langsamer als bei den großen Zerstörern, aber die Boote waren sehr seetüchtig. Zwischen Februar 1942 und Dezember 1944 lieferte die Elbinger Werft fünfzehn Flottentorpedoboote ab.
Die Kiellegung von T 23 erfolgte im August 1940 und am 14. Juni 1941 lief es vom Stapel. Am 14. Juni 1942 wurde das Boot von Kapitänleutnant Friedrich-Karl Paul in Dienst gestellt. Fast gleichzeitig wurden mit T 20 am 5. Juni und T 21 am 11. Juli auch die letzten Torpedoboote vom Typ 1937 noch ausgeliefert.
Einsatzgeschichte T 23 wurde für die Ausbildungszeit der 5. Torpedoboots-Flottille zugeteilt. Es folgten Ausbildungs- und Erprobungsfahrten in der Ostsee und Übungen mit der Flotte vor Bornholm. Am 11. November verließ T 23 Gotenhafen, um nach Frankreich zu verlegen. Ab dem 14. November wurde der Marsch gemeinsam mit dem alten Torpedoboot Kondor von Kiel durch den Nord-Ostsee-Kanal fortgesetzt. Am 15. November gegen 2 Uhr morgens kam es zu einem Gefecht mit zwei britischen MTBs, bei dem weder die MTBs noch die Torpedoboote beschädigt wurden. Am 18. November erreichten beide Torpedoboote Le Havre und am 21. November 1942 La Pallice, wo sie auf die bereits dort liegenden Boote der 5. Torpedoboots-Flottille (Raubvogel- und Raubtier-Klasse) trafen. Am 22. November 1942 wechselte der Flottillenchef von T 22 auf T 23.
Als erste Aufgabe sicherten T 23 mit den Torpedobooten Kondor, Falke und T 22 das Auslaufen des italienischen Blockadebrechers Cortellazzo, der von Bordeaux nach Japan laufen wollte. Nachdem die T-Boote das Schiff verlassen hatten, wurde es am 30. November von einem Sunderland-Flugboot entdeckt und am 1. Dezember durch zwei von einem Konvoi detachierte Zerstörer gestellt und versenkt. Bis zum Jahresende folgten weitere Einsätze von T 23 zur Sicherung von deutschen Schiffsbewegungen zwischen La Pallice und Le Verdon an der Girondemündung mit den genannten Torpedobooten sowie T 14, T 17 und T 18.
Einsätze 1943 Während im Küstenverkehr die Geleite meist erfolgreich waren, führten Einsätze zur Aufnahme von aus dem Atlantik kommenden Schiffen nicht immer zum Erfolg. Der Einsatz von T 23 mit fünf weiteren Torpedobooten am 1. Januar 1943 aus La Pallice in die Biskaya zur Aufnahme der Rhakotis war vergeblich, da der aus Japan kommende Blockadebrecher am gleichen Tag noch westlich von Spanien von einem britischen Kreuzer versenkt wurde. Die sechs Boote kehrten am 2. Januar nach La Pallice zurück. Kleinere Reparaturarbeiten wurden an den Booten auf französischen Werften durchgeführt. Am 1. Februar 1943 wurde T 23 der neu aufgestellten 4. Torpedoboots-Flottille zugeteilt. T 23 verlegte Anfang Mai kurz in den Ärmelkanal, verblieb aber überwiegend an der Biskaya, wo nunmehr auch häufiger heimkehrende U-Boote aufgenommen wurden.
In der Nacht zum 10. April sicherte T 23 mit den Torpedobooten Kondor, T 2, T 5 und T 22 sowie den Zerstörern Z 23, Z 24 und Z 32 einen erneuten Auslaufversuch des italienischen Blockadebrechers Himalaya. Durch teilweise Entschlüsselung des deutschen Funkverkehrs (siehe Ultra) kannten die Briten die deutschen Pläne und griffen den Verband mit Beaufort-Torpedoflugzeugen an. Fünf Flugzeuge wurden von der deutschen Sicherung abgeschossen. Auf Z 24 fielen fünf Mann und 31 wurden verwundet. Der deutsche Verband brach sein Vorhaben ab und kehrte mit der Himalaya am 11. in die Gironde zurück
Anfang Mai 1943 war T 23 von Le Havre aus an drei Minenlegeunternehmungen im Ärmelkanal beteiligt, an denen zum Teil auch T 22, T 2, T 5, T 18 und die Kondor mitwirkten. Eine vierte Operation aus Cherbourg heraus wurde am 13. Mai abgebrochen. Bis Ende Juli führte T 23 verschiedene Reparaturen in Werften in Brest und La Pallice durch. Ab Mitte August nahm das Boot von Brest aus an Flotillenübungen in die Biskaya mit den Schwesterbooten T 22, T 24 und T 25 teil. Über St. Nazaire gingen die Boote nach Nantes, wo die Flottille am 25. August 1943 von Großadmiral Dönitz besichtigt wurde. mini|Die Nordvard Anfang Oktober 1943 wurde die zu einem U-Boot-Versorger (Z-Schiff) umgebaute norwegische Prise Nordvard,Nordvard, 1925 in Schweden gebautes Motorschiff, 4.111 BRT, am 16. September 1940 vom Hilfskreuzer Pinguin aufgebracht, lief am 3. Dezember 1940 in Bordeaux mit 179 Gefangenen ein; ab November 1941 Umbau zum Z-Schiff; am 28. Dezember 1944 in Moss durch einen britischen Luftangriff versenkt; das noch vorhandene Wrack gilt wegen seiner Munitionsladung als gefährlich. gesichert durch sechs Boote der 2. Minensuchflottille, von Nantes durch den Ärmelkanal nach Norwegen verlegt. Am 3. Oktober 1943 lief die 4. T-Flottille unter Korvettenkapitän Franz KohlaufKorvettenkapitän Franz Kohlauf 1910–1944. mit T 23, T 22, T 25 und T 27 aus Brest aus, um die Verlegung im westlichen Kanal zu sichern. Kurz vor Mitternacht kam es bei Les Sept Îles zu einem Gefecht der Torpedoboote mit den britischen Zerstörern Grenville und Ulster, die beide getroffen wurden, sowie den Geleitzerstörern Limbourne (leicht beschädigt), Tanatside und Wensleydale der Hunt-Klasse. Unter den deutschen Booten wurde T 27 getroffen und hatte Verwundete zu beklagen. Die Deutschen liefen am Morgen St. Malo an und sicherten in der folgenden Nacht den Weitermarsch des Z-Schiffes nach Cherbourg. mini|HMS Charybdis Am 22. Oktober lief die 4. T-Flottille mit T 23, T 26, T 27, T 22 und T 25 erneut zur Fernsicherung eines deutschen Geleits mit dem Blockadebrecher Münsterland aus Brest aus. Gegen den Blockadebrecher setzten die Briten den Kreuzer Charybdis, die Zerstörer Grenville und Rocket sowie die Hunt-Zerstörer Limbourne, Wensleydale, Talybont und Stevenstone aus Plymouth in Marsch. Kurz nach Mitternacht am 23. Oktober orteten T 22 und T 23 erstmals mit ihren Funkmessgeräten die feindliche Einheiten. Der Flottillenchef Kohlauf hielt die britischen Angreifer für überlegen, ließ seine Boote einen Torpedoangriff fahren und dann abdrehen. T 23 setzte Charybdis mit einem Torpedotreffer außer Gefecht; ein weiterer Torpedotreffer von T 27 machte die Rettung des Kreuzers, auf dem 426 Mann ihr Leben ließen, aussichtslos. Dazu versenkte T 22 mit einem Torpedo noch den Geleitzerstörer Limbourne mit weiteren 42 Toten. 107 Mann der Charybdis und 100 Mann der Limbourne konnten von den britischen Booten gerettet werden; die Deutschen griffen die Briten nicht weiter an. Nach dem Gefecht liefen die Torpedoboote am Vormittag vor St. Malo auf die Reede von Dinard ein. Im Laufe des Tages wurden die Boote dort von britischen Jagdbombern angegriffen, ohne dass sie beschädigt wurden. In der folgenden Nacht waren die Boote wieder als Fernsicherung für die Münsterland im Einsatz, und alle kehrten am 24. Oktober nach Brest zurück.
In der Nacht vom 26. zum 27. November 1943 führte T 23 mit T 22, T 27, Möwe, Kondor und Falke von Le Havre zwei Minenlegeunternehmen im Kanal und vor der bretonischen Küste aus. Auf dem Rückmarsch vom zweiten Einsatz wurden die Boote erfolglos von britischen MTBs angegriffen. In der folgenden Nacht erfolgte ein weiterer Minenlegeeinsatz, und nach drei Nächten Pause erfolgten am späten Abend des 1. und des 2. Dezember zwei weitere Einsätze, wobei T 23 keine Minen übernahm, sondern als Sicherungsboot diente. Nach dem zweiten Einsatz liefen die Boote nach Brest, um von dort am 4. Dezember noch einen weiteren Einsatz als Minenleger durchzuführen.
Im Dezember 1943 wurde auf T 23 ein Naxos-Gerät eingebaut.
Aufnahme von Blockadebrechern aus Ostasien