Das Kölner Bankwesen entwickelte sich während der bereits im Mittelalter blühenden Wirtschaftsmetropole Köln und machte die Stadt in der Gründerzeit zu einem der führenden deutschen Bankplätze. Als Mittelpunkt des Bankenstandorts fungiert die Straße Unter Sachsenhausen. Kölner Finanziers und Bankiers unterstützten bereits im Mittelalter über die Stadt hinaus englische Könige, in der Gründerzeit beteiligten sie sich maßgeblich an der Industrialisierung und dem Eisenbahnbau in Köln und im Ruhrgebiet.
Römerzeit Bereits während der Römerzeit im 3. Jahrhundert suchten sich erste Bankiers Köln als Standort,Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Das große Köln-Lexikon, 2008, S. 47. weil das Bankwesen eng mit dem Münzwesen verbunden ist. Das Kölner Münzwesen begann, als Gallienus 257 n. Chr. eine Reichsmünzstätte von Viminacium nach Köln verlegte.Karl Christ, Geschichte der römischen Kaiserzeit: von Augustus bis zu Konstantin, 2009, S. 670. Die Verlegung erfolgte wohl, weil infolge der Truppenmassierung an der Rheingrenze auch ein größerer Bedarf an Münzgeld für Soldzahlungen vorhanden war.
Mittelalter Das ehemals königliche Münzregal gelangte bereits in den Besitz des Kölner Erzbischofs Bruno I., der erzbischöfliche Pfennige prägen ließ.Friedrich Lau, Das Kölner Patriziat bis zum Jahre 1325, 1898, S. 62. Seit 1027 liegt das Münzregal offiziell in erzbischöflicher Gewalt, ab 1142 ist die Kölner Münzprägestätte am Heumarkt belegt. Konrad von Hochstaden ließ 1251 Kölner Denare und andere Münzen prägen,Leonard Ennen, Geschichte der Stadt Köln, Band 5, 1880, S. 65 die in der mittel- und niederrheinischen Region ein großes Umlaufgebiet erlangten. Von etwa 1160 herrscht der Kölner Denar am Mittelrhein vor und ist um 1250 im ganzen Rheinland die gängige Münze.Dieter Strauch, Der große Schied von 1258, 2008, S. 143 Am 26. November 1385 erfolgte durch die Gründung des Rheinischen Münzvereins eine grundlegende Neuregelung des rheinischen Münzwesens, der für das Geldwesen im spätmittelalterlichen Reich von enormer Bedeutung geworden war.Hendrik Mäkeler, Reichsmünzwesen im späten Mittelalter, Band 1, 2010, S. 248 Der Münzverein entstand durch vier rheinische Kurfürsten aus der Kurpfalz, Kurmainz, Kurtrier und Kurköln und hatte über die umlaufenden Münzen der kölnischen Mark zu wachen. Die als der Münzprägung zugrunde liegende Gewichtseinheit Kölner Mark () wird 1166 erstmals erwähnt,Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Das große Köln-Lexikon, 2008, S. 269. die um 1170 in der Stadt eingeführte Münze wog 233,8123 Gramm, verbreitete sich über das Rheinland schnell in anderen Regionen des ReichsWalter Hävernick, Der Kölner Pfennig im 12. und 13. Jahrhundert, 1984, S. 49. und wurde 1524 zum allgemeinen deutschen Reichsmünzgewicht erhoben.
mini|Brabanter Hof des Gerhard Unmaze – Am Hof 20–22 (aquarellierte Federzeichnung von Johann Jakob Merlo, 1874) Gerhard Unmaze („unmäßig, unbescheiden“; *vor 1145, † 21. Januar 1198) war im 12. Jahrhundert einer der am besten dokumentierten und daher bekannteste Bürger KölnsAnne Schulz, Essen und Trinken im Mittelalter (1000-1300), 2011, S. 283 und ein international tätiger Großkaufmann und Finanzier.Hiltrud Kier/Ulrich Krings, Stadtspuren: Denkmäler in Köln, Band 21, 1996, S. 435 Seine Familie war der größte Grundbesitzer in Köln. Sein geerbtes Vermögen versetzte den seit 1169 im Amt befindlichen obersten städtischen Zollmeister in die Lage, Fernhandel und Geldverleih zu betreiben. Unmazes Kerngeschäft war die Geldleihe, wobei ihm die Schuldner oftmals ihren Grundbesitz verpfändeten, was häufig seinen Immobilienbesitz vergrößerte. Im Jahre 1174 gewährte er ein Darlehen an den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg in Höhe von 650 Mark für dessen Teilnahme am fünften Italienzug von Friedrich Barbarossa. Zur Sicherheit verpfändete der Erzbischof seinem Kreditgeber Unmaze die städtischen Zollrechte und sein Haus Am Hof 20–22,Wolfgang von Stromer, Venedig und die Weltwirtschaft um 1200, 1999, S. 40 das spätestens 1182 in den Besitz Unmazes überging.Hans-Jürgen Schnitzler, Der Gůte Gêrhart Rudolfs von Ems: Geistliches und Bürgerliches, Religiosität und Geschichte, 1972, S. 263 Unmaze legte es mit dem ihm gehörenden benachbarten Haus zusammen und residierte nun im „Brabanter Hof“ (auch „Haus zur Krone“) Am Hof 20–22, weshalb er seinen Namen Unmaze ablegte und sich Gerhard vom Hof (Gerardus de Curia) nannte.Erwin Seitz, Kunst der Gastlichkeit: 22 Anregungen aus der deutschen Geschichte und Gegenwart, 2015, o. S. Sein Amt als Zollmeister hatte er bis 1196 inne. Er gehörte neben den Münzmeistern Constantin und Lambert zur Führung des Konsortiums von 1197/1198, das 1197 der englischen Krone unter Richard I. Geld lieh.Sonja Zöller, Kaiser, Kaufmann und die Macht des Geldes: Gerhard Unmaze von Köln als Finanzier der Reichspolitik. In: Forschungen zur Geschichte der älteren deutschen Literatur, Band 16, 1993, S. 109 ff. Nach dem Tode Gerhards gelangte sein großes Haus in den Besitz Theoderichs des Vogts und Winemar des Schenks.
Im Mittelalter bildete sich eine Kölner Kreditwirtschaft heraus, die zuerst von Juden und dann auch von lombardischen Bankiers betrieben wurde, weil beide nicht dem Zinsverbot unterlagen.Jürgen Wilhelm, Köln-Lexikon, 2008, S. 47 Der Florentiner Bankier Aringus Abadinghi lieh bereits Erzbischof Konrad von Hochstaden Geld, was aus einer Rückzahlungsaufforderung des Papstes Innozenz IV. vom 4. Oktober 1250 hervorgeht.Hanna Vollrath/Stefan Weinfurter/Odilo Engels, Köln: Stadt und Bistum in Kirche und Reich des Mittelalters, 1993, S. 559 Die ältesten Kölner Bankiers waren Juden, deren monopolartige Stellung um 1266 verbrieft wurde. Denn im Jahre 1266 setzte Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg durch, dass „Kawertschen“abwertender mittelalterlicher Ausdruck für Geldverleiher und Geldwechsler, die ursprünglich in der provenzalischen Stadt Cahors lebten und andere Christen, die verzinsliche Kredite verliehen und damit die Juden störten, sich nicht in der Stadt aufhalten durften.Alfred Heit, Zur Geschichte der Juden im Deutschland des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, 1981, S. 132 Am 27. September 1296 schloss die Stadt jedoch ein Abkommen mit lombardischen Geldhändlern, wonach sie sich 25 Jahre lang in Köln aufhalten und als Gegenleistung nur den üblichen Zins bei Geldleihen verlangen durften.Chronik-Verlag, Chronik Köln, 1997, S. 102 Die früheste Niederlassung von Lombarden auf deutschem Boden ist für Köln bezeugt, wo sie schon gegen Ende des 12. Jahrhunderts im Schreinsbuch der Laurentiuspfarre sowie in den Gilde- und Bürgerlisten vereinzelt vorkommen, häufiger erst ab 1296.Institut für Bankhistorische Forschung/Ernst Klein, Deutsche Bankengeschichte: Von den Anfängen bis zum Ende des alten Reiches (1806), Band 1, 1982, S. 51 Ihre Glanzzeit begann mit Opicinus Grasverdi und Sohn Hennekinus Rotarius, denen Erzbischof Heinrich II. von Virneburg ab 10. April 1306 erlaubte, Geldleihgeschäfte in Kempen zu betreiben.Alfred Heit, Zur Geschichte der Juden im Deutschland des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, 1981, S. 134
Kölner Kaufleute gründeten 1157 in London eine Gildehalle als Kölner Hanse, die König Heinrich II. 1176 in Schutz nahm. Es handelte sich um eine der Urzellen der späteren Hanse, die der Stadt einen enormen Zuwachs an überregionalem Handel brachte, der auch das Bankwesen beflügelte. Auf dem ersten Hansetag im Februar 1356 in Lübeck mit 80 anwesenden Hansestädten war Köln noch nicht vertreten, erstmals – und auch letztmals – richtete die Stadt einen Hansetag zwischen dem 11. und 22. November 1367 im heutigen „Hansasaal“ des Rathauses aus. Mit der hier am 19. November 1367 beschlossenen Kölner Konföderation entstand ein Militärbündnis für den Krieg gegen Dänemark und Norwegen zwecks Erzwingung der Sunddurchfahrt.
Die ersten Kölner Bankunternehmen entstanden im 13. Jahrhundert, als die Stadt 40.000 Einwohner zählte. Damals kam Köln als Umschlagplatz im Güteraustausch zwischen den Staaten Nordwesteuropas und dem Süden große Bedeutung zu, was ein reges Wechselgeschäft mit sich brachte. Ihre zentrale Lage am Rhein mit den großen Rheinhäfen und ihre Nachbarschaft zu Belgien und den Niederlanden förderten den Handel und damit die Handelsfinanzierung durch Wechselgeschäft und Geldwechsel. Die Stadt Köln nahm ihre erste bekannte Anleihe 1321 beim Rheinbacher Juden Joseph von Ahrweiler und Salomon von Basel (Salman Unkel) auf,Walter Stein, Akten zur Geschichte der Verfassung und Verwaltung der Stadt Köln im 14. und 15. Jahrhundert, Band 1, 1993, S. XI denen dafür der Zoll am Bayenturm zugestanden wurde.Jan A. van Houtte (Hrsg.): Europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte im Mittelalter, Band 2, 1980, S. 587 Beide waren Hauseigentümer im Kölner Judenviertel.
Den ersten großen internationalen Kredit gewährte der Kölner Patrizier Heinrich Scherfgin am 11. August 1338 an Eduard III., der seit dem 5. September 1338 Reichsstatthalter am linken Niederrhein war. Scherfgin hatte sich lange Zeit in England aufgehalten und war deshalb dem König bekannt. Eduard III. quartierte sich auf Scherfgins „Hof Polene“ im August/September 1338 ein.Brigitte Corley, Painting and Patronage in Cologne, 1300-1500, 2000, S. 18 Am 29. Januar 1339 nahm Eduard III. für den Hundertjährigen Krieg mit Frankreich von den Kölner Patriziern Heinrich Quattermarkt, Everhard Hardevust, Hilger von Stave und anderen weitere Kredite in Höhe von 5.000 Gulden auf, wofür er Kostbarkeiten zu verpfänden hatte.Breker-Druck, 100 Jahre Kölner Bank von 1867, 1867–1967, 1967, S. 90 Auch die Kölner Patrizierfamilien Jabach und Hackeney werden mit dem Bankwesen in Verbindung gebracht, obwohl sie nachweislich in Köln keine reinen Bankhäuser führten. Vielmehr fielen Finanzgeschäfte bei ihrer regen internationalen Handelstätigkeit an, die jedoch nicht die Bezeichnung als Bankgeschäfte rechtfertigten. Der Kölner Vertreter der Medici-Bank, Simon Sassolini, lieh der Stadt 1415 insgesamt 40.000 Gulden;Alfred Heit, Zur Geschichte der Juden im Deutschland des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, 1981, S. 139 ihm folgte 1448–1450 Bankier Abel Kalthof. Seit der Wende zum 15. Jahrhundert gewann Köln als Finanzplatz an Bedeutung.Böhlau Verlag (Hrsg.): Hansische Geschichtsblätter, Band 114, 1996, S. 184
Einen neuen Aufschwung erlebte das Kölner Bankwesen nach dem Dreißigjährigen Krieg.Breker-Druck, 100 Jahre Kölner Bank von 1867, 1867–1967, 1967, S. 90 Als Johann Wolter de Beche 1636 nach Köln kam, gründete er eine Speditionsfirma und eine Wechselbank. Es folgten Johann Jakob von Wittgenstein, Hubert Fechter und Josef Wilhelm Wecus, die spätestens seit 1797 das Speditions- und Kommissionsgeschäft betrieben. Als erster Hoffaktor unter Erzbischof Joseph Clemens von Bayern erscheint im Jahre 1696 Meyer zum Goldstein (Meir Katz), der bis 1701 den Tribut an die kurfürstliche Hofkammer abzuführen hatte.Heinrich Schnee, Die Hoffinanz und der moderne Staat: Geschichte und System der Hoffaktoren an deutschen Fürstenhöfen im Zeitalter des Absolutismus, Band 3, 1953, S. 14 Während des 18. Jahrhunderts spielte das Kölner Bankwesen nach Frankfurt, Wien, Augsburg, Berlin und Hamburg nur eine untergeordnete Rolle.F. Steiner Verlag, Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, Bände 27–28, 1982, S. 82