Brójce ( Brätz) ist ein Dorf in der Gemeinde Trzciel (Tirschtiegel) im Powiat Międzyrzecki (Kreis Meseritz) der polnischen Woiwodschaft Lebus.
Geographische Lage Die Ortschaft liegt in Niederschlesien an der Faulen Obra, rund hundert Kilometer östlich von Frankfurt (Oder) bzw. Küstrin und etwa zwanzig Kilometer südöstlich der Stadt Meseritz (Międzyrzecz).
Geschichte mini|Brätz an der Faulen Obra westlich der Stadt Posen und südöstlich der Stadt Meseritz auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung). mini|hochkant|Dorfkirche (bis 1945 evangelische Stadtkirche) Die Ortschaft Brätz gehörte zu einem Distrikt, der im 13. Jahrhundert an Herzog Heinrich von Glogau gekommen war, der ihn dann 1298 oder etwas später an den Brandenburger Markgrafen Konrad I. († 1304) verpfändete.Karl Friedrich Klöden: Diplomatische Geschichte des Markgrafen Waldemar, S. 296 online. Die Ortschaft erhielt 1428 Stadtrecht.
Die Grundpfeiler der Wirtschaft der Stadt bildeten der Gemüseanbau, die Viehzucht, das Brauereigewerbe und später auch das Tuchmachergewerbe.Wuttke (1864), S. 274 online.
Nachdem sich fast alle Stadtbewohner der Reformation angeschlossen hatten, übernahmen sie die Pfarrkirche auf dem Marktplatz, mussten sie jedoch bald wieder zurückgeben. Da es kaum noch Katholiken in der Stadt gab, blieb die Kirche seit 1604 ungenutzt und verfiel; sie stürzte im 18. Jahrhundert ein.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war die Stadt dem Lukas von Brunski mit 311 Talern zinspflichtig. 1657 brannte ein großer Teil der Stadt ab. Die Stadt hatte 1797 ein Rathaus, 160 Feuerstellen und 979 Bewohner, darunter zehn Judenfamilien. 1911 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Bis 1922 gehörte die Stadt Brätz zum Landkreis Meseritz im Regierungsbezirk Posen der Provinz Posen, von 1922 bis 1939 in der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und seit 1939 im Regierungsbezirk Frankfurt der Provinz Brandenburg. 1940 wurde nördlich des Ortes ein Arbeitslager eingerichtet. In diesem wurden bis Mitte 1942 Juden zur Zwangsarbeit für den Autobahnbau eingesetzt, anschließend wurde es ein Arbeitserziehungslager für Häftlinge verschiedener Nationalitäten. Zunächst waren 400 bis 700, später bis 1.200 Menschen hier inhaftiert. Von den insgesamt etwa 10.000 Häftlingen starben mindestens 2646. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. In der Folge wurde der Ort Teil Polens, in Brójce umbenannt und verlor das Stadtrecht.
Einwohnerzahlen 1797: 979, darunter zehn jüdische Familien 1837: 1475 in 200 Häusern 1861: 1602 1885: 1625 1925: 1998 1933: 1146 1939: 1058 1961: 1011 Joachim Stephan, Städtebuch Historisches Ostbrandenburg, 2022 (Open Access) 1988: 983 2002: 999 2011: 996Statistische Daten zu Brójce (polnisch) 2021: 969 Główny Urząd Statystyczny, Narodowy Spis Powszechny Ludności i Mieszkań 2021, abgerufen am 17. Juli 2026
Persönlichkeiten Konrad Seiffert (1895–1969), deutscher Schriftsteller und Zeitungsredakteur
Siehe auch Jüdischer Friedhof (Brójce) Liste der Städte in Ostbrandenburg Liste der Städte in der Grenzmark Posen-Westpreußen
Literatur Walther Hämpel: Heimatbuch von Brätz 1428–1928. Zur Jubelfeier des 500jährigen Bestehens des Orts. Brätz 1928. Städtebuch Historisches Ostbrandenburg, 2022 (Open Access).
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Lebus Kategorie:Gmina Trzciel