mini|Polens Vermählung mit dem Meer von 1920 (Gemälde von Wojciech Kossak) mini|Die Zeremonie in Kolberg 2010 Die Vermählung mit dem Meer ist der Name für zwei Ereignisse in der Geschichte Polens im 20. Jahrhundert, die sich auf die Wiederherstellung des souveränen Zugangs des polnischen Staates zur Ostsee beziehen.

1920 Am 10. Februar 1920 kam General Józef Haller mit Vertretern der Regierung, Offizieren, katholischen Geistliche und Künstlern in die Stadt Puck (auch Putzig), die nach dem Versailler Vertrag nun Polen zugesprochen worden war. Als ein Zeichen der Verbundenheit Polens mit dem Meer warf er einen Ring aus Platin in die Ostsee. Mit dem Zugang zum Meer sah sich das 1918 wiedererrichtete Polen als unabhängiger Staat. In den 1930ern entstand eine eigene „Meeresideologie“, verbunden mit wirtschaftlichen Hoffnungen durch den Meereszugang, kolonialen Phantasien und dem Ziel geringerer Abhängigkeit von den mächtigen Nachbarn Deutschland und der Sowjetunion.Stephanie Zloch: Polnischer Nationalismus. Politik und Gesellschaft zwischen den beiden Weltkriegen. Böhlau, Wien/Köln 2010, ISBN 978-3-412-20543-0, S. 541.

1945 Nach der Eroberung am 18. März 1945 fanden in der Nähe des heutigen Leuchtturms die Feierlichkeiten der Vermählung mit dem Meer statt, bei denen der einen Ring in die Wellen als Zeichen der Zugehörigkeit der Ostsee zu Polen warf.

Unmittelbar nach der Einnahme Kolbergs durch polnische und sowjetische Soldaten zelebrierten Soldaten der 1. und 2. Polnischen Armee am 18. März 1945 neben dem zerstörten Leuchtturm an der Hafeneinfahrt die „Vermählung mit dem Meer“: Symbolisch wurde ein junger polnischer Soldat mit dem Meer verheiratet, damit die Verbindung zwischen Polen und der Ostsee ewig halten möge. Vier Soldaten liefen dazu mit einer polnischen Flagge in die Ostsee und ein polnischer Unteroffizier, Korporal Niewidziajło, warf einen Ring mit den Worten „Indem ich diesen Ring in deine Wellen werfe, vermähle ich mich mit dir, denn du warst unser und wirst es immer sein“ ins Meer. Diese Zeremonie wird jedes Jahr an dem besagten Datum wiederholt, um daran zu erinnern, dass Polen den Zugang zum Meer wiedergewonnen hat. An das Ereignis erinnert das 1963 hier enthüllte Denkmal der Vermählung Polens mit dem Meer – etwa 100 m östlich vom Kolberger Leuchtturm – des polnischen Bildhauers Wiktor Tołkin (1922–2013).

Literatur Norman Davies: Im Herzen Europas. Geschichte Polens. München 2006, ISBN 3406467091.

Weblinks

Matthias Kneip: Polens Vermählung mit dem Meer. In: Spiegel Online am 3. April 2015, abgerufen am 1. Juni 2017.

Einzelnachweise

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