mini|Lieferinger Kulturwanderweg (Salzburg) Übersicht der Standorte der Tafeln 1–55 mini|Tafel 9 Römerzeitl. und frühmittelalterl. Gräber als Beispiel einer Schautafel des Lieferinger Kulturwanderwegs
Der Lieferinger Kultur-Wanderweg ist kein Weg von A nach B, sondern er führt, vernetzt über den gesamten Salzburger Stadtteil Liefering, zu archäologisch, historisch, volkskundlich und entwicklungsgeschichtlich bedeutsamen Plätzen und Objekten. Dabei wird auf 55 Tafeln jeweils ein Einblick auf historische Hintergründe im ehemaligen Bauern- und Fischerdorf geboten.
Geschichte 1996/1997 entstand bei der Erarbeitung und Gestaltung einer umfangreichen Lieferinger Chronik, herausgegeben von der Peter-Pfenninger-Schenkung Liefering, die Idee zur Errichtung eines Stadtteilmuseums.Der Lieferinger Kulturwanderweg. hrsg. vom Verein Stadtteilmuseum Salzburg-Liefering. Salzburg 2006, S. 17. Bei dem Buch handelt es sich um: Liefering. Das Dorf in der Stadt. hrsg. vom Kuratorium der Peter-Pfenninger-Schenkung Liefering. Salzburg 1997, Als idealer Standort war das nächst der Kirche gelegene, historische Mesnerhaus vorgesehen. Doch dem im Herbst 2000 fertig konzipierten Projekt, das nach umfassender Renovierung des Gebäudes darin Platz finden sollte, wurde im Mai 2001 aufgrund der angespannten Finanzlage der Stadt Salzburg eine Absage erteilt., abgerufen am 9. Oktober 2015.
Daraufhin wurde vom initiierenden „Verein Stadtteilmuseum Liefering“ ein weiteres geplantes Vorhaben umgesetzt – die Realisierung eines Kulturwanderwegs. Mit anfangs 34 vorgesehenen Tafeln war der Gedanke verbunden, Lieferinger Bewohnern historische Hintergründe in örtlichen Bezügen nahezubringen. Am 20. Oktober 2001 wurden die ersten acht Tafeln in festlichem Rahmen der Öffentlichkeit präsentiert. Bei jährlich folgenden Festen an verschiedenen Örtlichkeiten im Stadtteil wurden etappenweise letztlich 52 Tafeln vorgestellt. Beim Abschlussfest am 1. Oktober 2006 wurde darüber hinaus das mit zusätzlichen Beiträgen und weiterem Bildmaterial versehen Begleitbuch „Der Lieferinger Kultur-Wanderweg“ präsentiert. 2007 erhielt der Verein für das Projekt den Förderpreis der Salzburger Volkskultur.
Der Kulturwanderweg galt auch als Beitrag zur Stadtteilerneuerung Liefering 1997 bis 2007 und wurde von der Gemeindeentwicklung des Landes Salzburg und vom Salzburger Bildungswerk bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Die Finanzierung der Herstellung und Installation der Tafeln als auch der Druck des Begleitbuches erfolgten durch Vereinsbeiträge und private Förderer, Firmen und Institutionen sowie durch die Stadt Salzburg und die Gemeinde Wals-Siezenheim. Zusätzlich arbeiteten alle 32 Textautoren, darunter namhafte Archivare, Historiker und Archäologen, und die Gestalter honorarfrei., abgerufen am 8. Oktober 2015.
2014 wurde das Bestreben einer Museumsgründung endgültig aufgegeben und der Verein „Stadtteilmuseum Liefering“ in Verein „Lieferinger Kultur-Wanderweg“ umbenannt. Dessen Hauptaufgabe besteht nun darin, diese Einrichtung zu erhalten und gegebenenfalls zu aktualisieren.
Die Schautafeln Der „Wanderweg“ durch den Stadtteil ist nicht gekennzeichnet und es gibt für die Inhalte der Tafeln keine inhaltlich notwendige Abfolge. Einige der Tafeln stehen auch außerhalb der Grenzen des heutigen Salzburger Stadtteils Liefering – im Stadtteil Taxham (11, 12, 33, 40, 49) und im Gemeindegebiet von Wals-Siezenheim (10, 39, 52), weil Liefering bis Ende 1938 Teil der damaligen Gemeinde Siezenheim war. Die Standorte sind nur in den Plänen nummeriert, nicht aber die Tafeln selbst. Die Themen der Tafeln sind jeweils einzelstehend und brauchen für die Betrachtung keine inhaltliche Abfolge. Die Abbildungen auf den Schautafeln stehen im jeweiligen historischen Kontext; darüber hinaus wurden eigens gestaltete Illustrationen und Kartengrafiken ausgearbeitet.
Die Tafeln haben eine Größe von 100 × 60 cm, ihre rechte Spalte ist einheitlich konzipiert – unter dem Logo befinden sich der Standortplan der Tafeln, das Impressum sowie die Nennung des Stifters.
Die Tafel 20 wurde entfernt, nachdem das beschriebene Objekt aufgelassen wurde, Tafel 45 fiel wiederholtem Vandalismus zum Opfer und die Positionen 42 und 51 wurden wegen Bautätigkeiten vorübergehend demontiert. Bis August 2018 folgten den 53 Tafeln zwei weitere. Elf Tafeln wurden im Herbst 2018 erneuert. Tafel 9 an der Lexengasse bei einem frühmittelalterlichen Gräberfeld wurde aktualisiert, da vor der Bebauung des Areals 2013 darin weitere 110 Gräber archäologisch erkundet und teils sensationelle Funde von europäischem Rang zutage gebracht wurden. Des Weiteren wurden drei Tafeln, 2001 als zu groß bemessen, auf das übliche Maß umgestaltet. Die Tafeln 34 und 36 im geschützten Landschaftsgebiet am Salzachtreppelweg am Saalachspitz mussten Radständern weichen und wurden in der Folge erneuert und versetzt.
Zuletzt gab man einen Prospekt mit Lageplan und Kurzerläuterungen zu den Tafeln heraus, der online abrufbar und an verschiedenen Stellen im Stadtteil sowie im Salzburger Landesarchiv zu erhalten ist (Stand Ende 2018).
+ Die Schautafeln des Lieferinger Kulturwanderwegs Nr. Titel / Thema Standort der Tafel Positionierung Kurzbeschreibung 1 Die Peter-Pfenninger-Schenkung Am Peter-Pfenninger-Haus, Törringstraße 2 rahmenlos|180px Die 1877 beurkundete Peter-Pfenninger-Schenkung ist das Vermächtnis des letzten hauptberuflichen Fischers der Lieferinger Fischerinnung, welche im Dienst der Salzburger Erzbischöfe gestanden war. Zu den Aufgaben des heutigen aus 10 Lieferinger Persönlichkeiten bestehenden Kuratoriums der Schenkung zählt im Besonderen die Betreuung der örtlichen Fischereigewässer wie etwa die an den Salzachseen. 2 Lieferinger Pfarrkirche hll. Petrus und Paulus Im Eingangsbereich der Alten Lieferinger Pfarrkirche, Lieferinger Hauptstraße 87rahmenlos|180px Erstmals 790 urkundlich erwähnt, fiel der erste Kirchenbau einer Brandkatastrophe um 1100 zum Opfer. Der nachfolgende romanische Bau, der heute in Teilen noch erhalten ist, wurde spätgotisch umgebaut (geweiht 1561). Aus dem späten 17. Jahrhundert stammen der barockisierte Altar und die Turmhaube. Ebenfalls zu dieser Zeit erfolgten Anbauten an der Außenseite der Kirche, die bei Renovierungsarbeiten um 1980 abgebrochen wurden. Vom ehemaligen gotischen Altar erhalten blieben acht kleine Altartafeln von ca. 1465. 3 Das Mesnerhaus Am Mesnerhaus, Lieferinger Hauptstraße 106rahmenlos|180px Das Mesnerhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert und diente bis 1900 als Grundschule. Im 20. Jahrhundert fungierte es unter anderem als Pfarrhof (bis 1993). Nach einer Generalsanierung beherbergt es seit 2002 einen örtlichen Stadtteilverein. 4 Alte Lieferinger Volksschule An der Stützmauer vor der Volksschule Liefering 1, Törringstraße 4 rahmenlos|180px Schulunterricht in Liefering ist seit 1661 bezeugt. Nachdem im Mesnerhaus und im Schlossbauerngut unterrichtet worden war, wurde das Gebäude der jetzigen Volksschule Liefering 1 im Jahr 1900 in Betrieb genommen. Das Haus wurde im 20. Jahrhundert erweitert, die Wandmalerei stammt von Wilhelm Kaufmann aus dem Jahr 1967. 5 Das Dorf in der Stadt Auf der Überdachung des Lieferinger Tunnelsrahmenlos|180px Liefering war seit jeher und bis zu seiner Eingemeindung nach Salzburg (1939) ein Dorf, dessen landwirtschaftlichen Erträge in erster Linie dem Eigenbedarf dienten. Grundeigentümer waren bis 1848/49 die Salzburger Fürsterzbischöfe. Seit dem frühen 20. Jahrhundert nahm die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe stetig ab. Eine Identität als Dorf hat sich Liefering bis heute bewahrt, und es propagiert sich selbst als „das Dorf in der Stadt“. 6 Die Teilung Lieferings durch die Reichsautobahn 1938 Auf der Überdachung des Lieferinger Tunnels beim Kinderspielplatzrahmenlos|180px Die Fortsetzung des Baus der Reichsautobahn von München nach Wien begann nach Fertigstellung des Teilstücks bis zum Grenzübergang Walserberg und unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs mit einer Spatenstichfeier am 7. April 1938. Die Autobahntrasse zerteilte das Siedlungsgebiet Lieferings, mehrere Bauten mussten der Autostraße weichen. Auf dem vorerst unvollendet gebliebenen Bau fanden von 1947 bis 1965 publikumsträchtige Motorradrennen statt. Als eine Art Wiedervereinigung empfand man die Errichtung des Lieferinger Tunnels über die heutige Westautobahn (A1), der als Emissionsschutz gegen Lärm und Abgase 1999 bis 2001 errichtet wurde.Siehe auch Lieferinger Tunnel 7 Das Schlossbauerngut mit der St.-Anna-Kapelle An der Lieferinger Hauptstraße – Einmündungen Zufahrt Nr. 86 und Preßlweg rahmenlos|180px Siehe Schlossbauerngut 8 Der Baldehof Auf der Zufahrt zum Baldehofrahmenlos|180px Der Vorgängerbau des jetzigen barocken Baldehofs wurde um 1700 zu einem Landsitz erweitert, der später in adeligem Besitz war. Namensgeber des Hauses war der Lederhändler Wilhelm Balde, der das Anwesen 1864 kaufte. 1889 kam es in den Besitz der Kongregation der Barmherzigen Schwestern. Seit 1990 beherbergt das Gut den Pfarrhof der katholischen Pfarre Liefering. 9 Spätantike und frühmittelalterliche Gräber an der Lexengasse Lexengasse – Einmündung Baldehofstraßerahmenlos|180px Auf einem weitläufigen Feld, sowie in dessen unmittelbarer Umgebung, fanden sich ab den 1920er-Jahren beim Aushub etliche Gräber, von denen das älteste ein Kindergrab um 100 n. Chr. war. Dieses Gebiet wurde bis zur Gründung der Lieferinger Kirche im 8. Jh. als Friedhof genutzt.