Das Unternehmen Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbHHoppenstedt: Firmendatenbank – Groß- und Mittelständische Unternehmen 2007 wurde am 13. Juli 1709 als G. B. Farina in Köln gegründet und ist heute die älteste bestehende Eau-de-Cologne- und Parfüm-Fabrik der Welt. Ihr Zeichen ist eine rote Tulpe. Die Firmenbezeichnung wurde lange Zeit auch in französischer Sprache – „Jean Marie Farina vis-à-vis de la place Juliers depuis 1709“ – verwendet und oft als Farina Gegenüber abgekürzt.
Farina war privilegierter Lieferant vieler Höfe in Europa. Die Parfümfabrik wird heute von den Nachkommen des Gründers in der achten und neunten Generation fortgeführt. Stammsitz und Geburtshaus des Eau de Cologne ist das „Farina-Haus“. Dort befindet sich das Kölner Duftmuseum.
Geschichte Ursprünge bis zum Tod Johann Maria Farinas (I), 1709–1766 Anfänge mini|hochkant|Beginn der Buchhaltung am 13. Juli im Hauptjournal 1709 mini|hochkant|Farina-Haus mini|Eau de Cologne aus drei Jahrhunderten Die Familie Farina war ab Mitte des 15. Jahrhunderts in der kleinen italienischen Gemeinde Santa Maria Maggiore beheimatet. Die tiefe Verbundenheit mit dem von ihnen mitgegründeten Ort zeigt sich u. a. im Familiensiegel, das einen Adler und einen Mehlsack mit Ähren darstellt und noch heute den alten Wohnsitz der Familie in Santa Maria Maggiore ziert.
Im Juni 1709 kam Johann Baptist Farina (1683–1732) nach Köln, wo sein jüngerer Bruder Johann Maria Farina (1685–1766) bereits seit 1706 als Repräsentant seines Onkels in der Großen Budengasse wohnte. Köln eignete sich als Handelsstadt mit Bürgerrechten zur Niederlassung und war im damaligen, internationalen Netzwerk italienischer Händler noch nicht belegt. Am 13. Juli 1709 gründete Johann Baptist Farina (italienisch Giovanni Battista Farina) das Unternehmen G.B.Farina mit Wareneinkäufen und Beginn der Buchführung, welche fortlaufend ohne Unterbrechung bis heute fortgeführt wird. Die ersten Journaleintragungen betreffen ausschließlich Einkäufe. Am 24. Juli 1709 qualifizierte sich Johann Baptist Farina als sogenannter „Außerstädtischer“ beim Rat der Stadt Köln, dieses sogenannte kleine Bürgerrecht war die Voraussetzung, um sich als Kaufmann in Köln selbständig machen zu dürfen (Ratsprotokoll Nr. 156 mit Erlegung von 20 Reichsthalern).
Am 1. August 1709 mietete Johann Baptist Farina (II)Die Nummerierung der Namen folgt Mönckmeier: Die Geschichte des Hauses Johann Maria Farina. Anhang, Anlage 3. Die Benennungen auf der im Web wiedergegebenen weichen von denen Mönckmeiers ab. mit Unterstützung seines Onkels, des Maastrichter Ratsherren und Kaufmanns und seines gleichnamigen jüngeren Bruders, Johann Maria Farina (italienisch Giovanni Maria Farina), auf die Zeit von zwölf Jahren Räume „in der großen bottengassen und Goldschmidts orth“ (heute: Unter Goldschmied) in Köln. Der Verkauf begann erst nach Anmietung des Ladenlokals nach dem 1. August 1709. Das Unternehmen G.B.Farina wurde dann im Laufe des Jahres 1709 nach Aufnahme des Teilhabers und Schwagers Franz Balthasar Borgnis in „Farina & Compagnie“ umbenannt, das in den Jahren 1714 und 1716 durch den Hinzutritt seiner Brüder Johann Maria Farina (I) und Carl Hieronymus Farina in „Gebrüder Farina & Comp.“ umfirmiert wurde. Am 29. Juli 1711 erwarb Johann Baptist Farina das Große Bürgerrecht (Bürgeraufnahmebuch C658). Er qualifizierte sich als Mitglied in der Gaffel Schwartzhauß.Einwohnerverzeichnis von Köln aus dem Jahre 1715, Nachdruck: Veröffentlichung der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Neue Folge Nr. 17, Köln 1981. Da Farina ein zunftfreies Gewerbe ausübte, war er nicht Mitglied einer Kölner Zunft. Die Farinas betrieben ein Geschäft mit sogenanntem „französischem Kram“ (Galanterie- und Seidenwaren wie goldene und silberne Schnüre, Bänder und Borte, seidene Strümpfe und Taschentücher, Tabaksdosen, Siegellack, Federn, Perücken, Puder und ähnliches). Sie betätigten sich damit in einer für italienische Kaufleute in Deutschland seit dem Mittelalter typischen Handelssparte. Nach dem Eintritt von Johann Maria Farina begann 1714 der Einkauf von ätherischen Ölen und anderen Duftstoffen zur Parfumherstellung, welches Johann Maria Farina vorher schon gefertigt hatte, wie seine Korrespondenz beweist.
mini|hochkant|Johann Maria Farina (I), 1685–1766, zeitgenössisches Ölgemälde Nachdem das Unternehmen „Gebrüder Farina & Comp.“ in den Jahren nach 1716 mehrfach in Zahlungsschwierigkeiten geraten war, traten Franz Balthasar Borgnis und Carl Hieronymus Farina aus dem Geschäft aus und Johann Baptist (II) und Johann Maria Farina (I) führten es unter der Bezeichnung „Fratelli Farina“ oder „les frères Farina“ (dt. Gebrüder Farina) weiter.Mönckmeier: Die Geschichte des Hauses Johann Maria Farina. S. 9. Als Datum für die Trennung nennt Mönckmeier das Jahr 1717, ebd., S. 81. 1718 schlossen die beiden Brüder einen Vergleich mit ihren Gläubigern. In den folgenden Jahren war das Kommissions- und Speditionsgeschäft neben dem Eigenhandel und Eigenproduktion sehr dominant, insgesamt schritt die geschäftliche Entwicklung aber kaum voran.Dazu Mönckmeier: Die Geschichte des Hauses Johann Maria Farina, S. 12f.
mini|Brief von Johann Maria Farina an Ferrari, 20. März 1733 mini|links|Visitenkarte von Johann Maria Farina
Unternehmen als „Johann Maria Farina“, ab 1. März 1733 Am 24. April 1732 starb Johann Baptist Farina (II). In den folgenden Monaten machte Johann Maria (I) eine Inventur. Er führte das Geschäft ab 1733 unter der noch heute bestehenden Bezeichnung „Johann Maria Farina“ weiter. Am 20. März 1733 schrieb er in einem Brief an Ferrari in Antwerpen:
Die Lage des Unternehmens scheint sich sehr bald nach dieser Übernahme gebessert zu haben. In einem auf den 31. Mai 1733 datierten Brief an seinen Vetter Francesco Barbieri in Santa Maria Maggiore schrieb Johann Maria (I):
Zwei Jahre nachdem Johann Maria Farina (I) die alleinige Führung der Geschäfte übernommen hatte, erwarb er das große Bürgerrecht der Stadt Köln. Aus dem entsprechenden Eintrag im BürgeraufnahmebuchBürgeraufnahmebuch der Stadt Köln: „Dezember 10 Johann Maria Farina, frantz. krahm, Obenmarktportz“. Hier zitiert nach Mönckmeier: Die Geschichte des Hauses Johann Maria Farina. S. 18. geht dabei auch hervor, dass Farina das Geschäft in der Zwischenzeit an die Ecke Obenmarspforten / Jülichsplatz (ab 1815 umbenannt in Gülichsplatz) verlegt hatte, wo das Unternehmen bis heute seinen Sitz hat.
Insgesamt nahm das Unternehmen in den 1730er und 1740er Jahren einen kräftigen Aufschwung. Dieser beruhte in erster Linie auf dem von Farina betriebenen Speditionsgeschäft, während der Handel mit Duftwasser erst in den 1760er Jahren in den Vordergrund trat.
„Eau admirable Farina“ mini|Historischer Eau-de-Cologne-Flacon des Hauses Farina; im Hintergrund ein französischsprachiger Gebrauchszettel zur Beilage von Warenlieferungen (vom 1. Januar 1811). Bei dem Behältnis handelt es sich um den „Rosoliflacon“: eine grüne, schmale und mit Korkverschluss versehene Flasche. Bis ins Jahr 1832 wurde das Eau de Cologne aus dem Hause Farina nur in diesen Rosolien vertrieben. mini|Produktionsstätte um 1800 mini|hochkant|Geheimbuch von Johann Maria Farina Schon vor seinem im Jahr 1714 erfolgten Eintritt in das Unternehmen „Farina & Compagnie“ hatte Johann Maria Farina (I) ein Duftwasser mit der Bezeichnung „Eau admirable“ hergestellt. Der Historiker Wilhelm Mönckmeier vermutet, dass das Rezept und die Fabrikation dieser Ware Johann Marias Einlage in das Geschäft seines Bruders und dessen Kompagnon war.Mönckmeier: Die Geschichte des Hauses Johann Maria Farina. S. 6. Während der Begriff „Eau admirable“ (auch lat. „Aqua (ad)mirabilis“) ursprünglich als Oberbegriff für diverse, mit Hilfe des Destillationsverfahrens hergestellte „Wunderwässer“ diente, bediente sich Farina eines neuartigen Herstellungsverfahrens, bei dem eine Mixtur aus ätherischen Ölen in hochprozentigem Weingeist gelöst wurde. Diese Verwendung von Duftstoffen in alkoholischer Lösung war eine Innovation, die von italienischen Familien wie derjenigen Farinas nach Deutschland gebracht wurde.
Ein weiteres Novum war der Duft selbst, dessen Frische und Leichtigkeit sich deutlich von den bis dahin häufig verwendeten schweren Duftessenzen wie Zimt, Sandelholz oder Moschus abhob. Johann Maria Farina (I) schrieb 1708 an seinen Bruder Johann Baptist (II):
Für die Kopfnote aus Bergamotte wurden die Zitrusfrüchte grün geerntet, bevor aus ihren Schalen die Duftessenz extrahiert wurde. Die besondere Schwierigkeit bei der späteren Herstellung des Duftes lag darin, dass die Ernte jedes Jahres – wie beim Wein – je nach den klimatischen Bedingungen unterschiedliche Aromenausprägungen hervorbrachte. Der Parfümeur stand deshalb vor der Herausforderung, durch das Mischen verschiedener Essenzen für eine gleichbleibende Komposition zu sorgen. Um eine exakte Wiederholung des Duftes zu garantieren, legte Farina Rückstellproben an, von denen einige bis heute erhalten blieben.Eckstein: Eau de Cologne. S. 14f.
„Eau de Cologne“ erobert den europäischen Markt Johann Maria Farinas (I) Handel mit Eau admirable beschränkte sich zunächst auf den Ladenhandel in Köln und den Verkauf auf den Messen in Frankfurt am Main. Eine Versendung der Ware nach auswärts ist erstmals für das Jahr 1716 in den Briefkopierbüchern des Unternehmens belegt, als Farina zwölf Flaschen zu jeweils vier Livres an eine Madame Billy nach Aachen schickte.Mönckmeier: Die Geschichte des Hauses Johann Maria Farina. S. 58. In den 1720er Jahren blieb der Versand mengenmäßig noch gering, die Verbreitung erstreckte sich aber bereits bis nach Paris, wohin Farina im November 1721 die erste Lieferung von 24 Flaschen schickte. In den 1730er Jahren erweiterte sich der Kundenkreis. In der Firmenhistorie registrierte Mönckemeier für die Jahre zwischen 1730 und 1739 den Versand von rund 3.700 Flaschen an insgesamt 39 Adressen. Farina selbst erwähnte in einem Brief vom 9. August 1737 Sendungen nach Frankreich, Spanien, Portugal, England, die Niederlande, Deutschland und Italien.Mönckmeier: Die Geschichte des Hauses Johann Maria Farina. S. 59. Insbesondere beim Adel erfreute sich das Eau admirable wachsender Beliebtheit. In einem Schreiben vom 31. August 1734 berichtete Farina dem Berliner Kaufmann Fromerey, er habe auch den preußischen König Friedrich Wilhelm beliefert.Mönckmeier: Die Geschichte des Hauses Johann Maria Farina. S. 60. Offiziere der französischen Armee, die nach dem Ende des Polnischen Thronfolgekriegs aus dem Rheinland in ihre Heimat zurückkehrten, schufen der Ware einen Markt in Frankreich. Aus dieser Zeit datiert auch die Bezeichnung als „Eau de Cologne“, die in den Unternehmenspapieren erstmals in einem Brief Farinas an den Baron von Laxfeld in Münster vom 22. Juni 1742 auftaucht:
In den 1740er Jahren stieg der Umsatz stetig. Regelmäßige Sendungen gingen nach Rouen, Paris, Straßburg, Magdeburg, Trier, Wesel, Kleve, Lyon und Wien. Darüber hinaus verschickte Farina die Ware nach Amsterdam, Den Haag, Lüttich, Lille, Aachen, Düsseldorf, Bonn, Braunschweig, Frankfurt am Main, Leipzig, Augsburg, Stuttgart, Bamberg, Mainz und Koblenz. In einem Brief vom 9. April 1747 resümierte Farina, Eau de Cologne sei jetzt „in ganz Europa bekannt“.Hier zitiert nach Mönckmeier: Die Geschichte des Hauses Johann Maria Farina. S. 62.