|} Locomore ist seit 2022 Namensbestandteil der Zugflotte Locomore ExtraZug des Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) Berliner Bahnservice (haftungsbeschränkt), dessen Geschäftsführer Derek Ladewig ist. Das Unternehmen bietet unter dem Namen Locomore ExtraZug Eventfahrten an. Der Name Locomore war zuvor bereits unter dem Geschäftsführer Derek Ladewig durch das EVU Locomore GmbH & Co. KG mit Sitz in Berlin verwendet worden, das im Dezember 2016 auf der Strecke Berlin – Stuttgart den Betrieb im Schienenpersonenfernverkehr aufgenommen hatte. Dieses frühere Unternehmen musste im Mai 2017 Insolvenz anmelden und stellte in der Folge den Betrieb ein. Im August 2017 kam es zur Wiederaufnahme des Fahrbetriebs durch das tschechische Eisenbahnunternehmen Leo Express, das die nötigen Aktiva in Partnerschaft mit dem für den Vertrieb zuständigen Fernbusunternehmen Flixmobility aus der Insolvenz übernommen hatte. Der Markenname Locomore (Kürzel: LOC) wurde für den Zug bis April 2018 beibehalten; seither erfolgt die Vermarktung unter der Marke Flixtrain.

Bis zur Insolvenz

Positionierung

Der Locomore fuhr überwiegend auf Hochgeschwindigkeitsstrecken und dort mit 200 km/h. Trotz der mit dem Intercity vergleichbaren Reisegeschwindigkeit war der Zug nach Angaben des Fahrgastverbandes Pro Bahn eher als Konkurrenz zum Fernbus denn zu den Fernzügen der Deutschen Bahn zu sehen.Start-up will mit nur einem Zug die Bahn überholen. In: Handelsblatt, Datum 13. November 2016, abgerufen am 7. April 2017. Mit einem dazu passenden Kundenkonzept sollte der Locomore unter anderem Ähnliches bewirken wie der Fernbus, der bei seinem Start neue Kundenschichten erschloss, die vorher keine öffentlichen (Fern-)Verkehrsmittel nutzten, sondern mit PKW oder über Mitfahrzentralen reisten.„Häufig sind wir schneller als unser Fahrplan“ – Locomore-Chef Ladewig im Interview. In: Allianz Pro Schiene. 2. Februar 2017, abgerufen am 10. April 2017.

Locomore operierte nach eigenem Bekunden – um als kleiner Anbieter sowohl gegen Fernbusse als auch gegen die Deutsche Bahn als Quasimonopolist im deutschen Schienenpersonenfernverkehr bestehen zu können – möglichst mit einem Fernbuspreisniveau auf der SchieneLocomore startet auf der Strecke Stuttgart–Berlin. In: spiegel.de, Spiegel Online, 3. November 2016, abgerufen am 23. Dezember 2016. und verknüpfte dies mit einem guten Service am Platz. Das sollte mit einer Reisegeschwindigkeit und einem Komfort kombiniert werden, der mit dem Fernbus nicht möglich wäre. Als eine der möglichen Zielgruppen benannte Locomore ökologisch denkende, preisbewusst handelnde und für Neuerungen offene Menschen, zum Beispiel Studenten, auch junge Familien. Der Fernzug bediente hierbei bewusst Universitätsstädte.Orangenfarbene Revolution In: taz.de. 13. Dezember 2016, abgerufen am 12. April 2017.

In den modernisierten Locomore-Wagen waren entgeltfreie Internetverbindungen über WLAN und Steckdosen am Sitzplatz vorhanden, ebenso mehrere Fahrrad- und Kinderwagenstellplätze. Weiterhin gab es Themenabteile,Stefan Mayr: Zug-Zwerg fordert Deutsche Bahn heraus. In: sueddeutsche.de, Süddeutsche Zeitung, 14. Dezember 2016, abgerufen am 23. Dezember 2016. für Reisende mit gleichen Interessen sowie Abteile für Familien mit Kindern. Der Service beinhaltete Kalt- und Warmgetränke sowie kleine Speisen wie z. B. Salate und Sandwiches. Hierbei handelte es sich bevorzugt um Öko-Produkte und solche aus fairem Handel.Locomore – wirklich besser als die Bahn? In: swr.de, Südwestrundfunk, 14. Dezember 2016, abgerufen am 23. Dezember 2016. Der Locomore fuhr ausschließlich mit Ökostrom. Pressemitteilung Naturstrom AG. In: naturstrom.de, abgerufen am 8. Dezember 2016.

Fahrkarten

Fahrkarten waren online (direkt und über einige Fernbusportale), per Telefon oder im Zug erhältlich. Es existierten aufgrund der privatwirtschaftlichen Konkurrenz keine Kooperation mit Verkaufsstellen und Buchungssystemen der Deutschen Bahn, analog zum Hamburg-Köln-Express, dem Thalys und dem ehemaligen InterConnex. Bei Buchungen griff ein Ticketsystem, wie es von Fluggesellschaften und vom Thalys bekannt ist: Frühbucher erhielten niedrigere Preise und konnten zwischen mehreren Service-Klassen wählen, jedes Ticket wurde namentlich gebucht und enthielt eine Reservierung. Kinder bis zum Alter von 14 Jahren konnten kostenlos mitreisen; die unentgeltliche Beförderung von Schwerbehinderten war jedoch ausgeschlossen, sofern sie aber begleitet werden mussten, reiste diese Person gratis. Locomore warb damit, dass selbst die teuersten Fahrkarten für Kurzentschlossene, die im Zug selber gelöst werden, für Reisende billiger waren als normale Flexpreis-Fahrkarten der Deutschen Bahn mit BahnCard-50-Rabatt auf derselben Strecke. Der Fahrkartenverkauf wurde am 11. Mai 2017 eingestellt.

Linie

mini|Unterwegs auf der Güterumgehungsbahn Hannover in Richtung Süden mini|Premierenfahrt am 14. Dezember 2016: Locomore in Heidelberg Hauptbahnhof

Das Unternehmen schloss mit DB Netz einen Rahmenvertrag über Trassen, der über fünf Jahre bis 2020 läuft. Dazu wurden mehrere Fahrplankapazitäten reserviert. In: locomore.com, abgerufen am 15. Januar 2017. Ein Zugpaar auf den reservierten Trassen fuhr ab dem 14. Dezember 2016, weitere Verbindungen sollten frühestens im Frühjahr 2018 dazukommen.Zugverbindung Berlin-Rügen frühestens ab 2018. In: ndr.de, abgerufen am 7. April 2017. Dabei lag der Schwerpunkt nach Aussage des Unternehmens klar auf Berlin.Fernzugunternehmen Locomore will bald schwarze Zahlen schreiben. In: Yahoo Nachrichten. (AFP) vom 6. April 2017, abgerufen am 9. April 2017.

Das Zugpaar startete am 14. Dezember 2016 und fuhr morgens von Stuttgart nach Berlin-Lichtenberg und nachmittags wieder zurück. Der Locomore fuhr dabei an fünf Tagen in der Woche je Richtung; in Wochen mit allgemeinen Feiertagen bot Locomore auch sieben Verbindungen je Richtung an, somit täglich. Die Fahrzeit von Stuttgart nach Berlin Hauptbahnhof betrug sechs Stunden und 26 Minuten (Südrichtung) beziehungsweise sechs Stunden und 47 Minuten (Nordrichtung).

Die Zugbildung (Anzahl und Typ der eingesetzten Wagen) ergab sich aus den vorab erfolgten Buchungen und konnte je nach Wochentag stark variieren. An Spitzentagen mit hoher Fahrgastnachfrage waren Züge mit bis zu zwölf Wagen möglich. In: locomore.com, abgerufen am 7. April 2017.

Der Zug hielt unterwegs in beiden Richtungen in Vaihingen an der Enz, Heidelberg, Darmstadt, Frankfurt am Main Süd, Hanau, Fulda, Kassel, Göttingen, Hannover und Wolfsburg.Konkurrenz für Deutsche Bahn – Locomore startet zwischen Stuttgart und Berlin. In: rp-online.de, Rheinische Post, 13. Dezember 2016, abgerufen am 23. Dezember 2016. Während in Stuttgart nur ein Halt am Hauptbahnhof stattfand, wurden in Berlin die Stationen Zoologischer Garten, Hauptbahnhof, Ostbahnhof und der Endbahnhof Lichtenberg angefahren. In: locomore.com, abgerufen am 23. Dezember 2016. Eine Besonderheit war dabei das Ballungsgebiet Rhein-Main. Hier hielt der Locomore öfter, was auch an den passenden morgendlichen beziehungsweise abendlichen Verkehrszeiten lag – diese waren für nur dort fahrende Berufspendler geeignet.

Die Auslastung der Züge wurde nach den ersten 100 Tagen in einer ersten Bilanz als zufriedenstellend beschrieben, lediglich der Abschnitt zwischen Frankfurt und Stuttgart sei eher schwach nachgefragt gewesen.Locomore fährt ab Freitag wieder täglich. In: Mannheimer Morgen. Abgerufen am 7. April 2017.

Fahrzeuge

mini|Wagen vom Typ Bmz 3, präsentiert auf der InnoTrans 2016 mini|Themenabteil

Es wurden hauptsächlich acht für Locomore modernisierte Reisezugwagen der Bauartenbezeichnungen Bmz und Bbmvz eingesetzt. Bei den Wagen handelt es sich um ehemalige Abteilwagen der Bauart Bm235 mit jeweils zwölf Abteilen, die bis 2009 von den Nederlandse Spoorwegen eingesetzt wurden. Dabei sind drei Modernisierungsvarianten Bmz 1 (vier Wagen), Bbmvz (zwei Wagen) und Bmz 3 (zwei Wagen) entstanden. Im Normalbetrieb sollten sieben dieser Wagen unterwegs sein, an verkehrsstarken Tagen auch mehr. Eigentümer der Reisezugwagen ist die SRI Rail Invest GmbH.SRI übergibt Intercity-Wagen an Locomore In: sri-rail-invest.de, 20. Dezember 2016, abgerufen am 14. März 2017. In: eurailpress.de, 23. September 2016, abgerufen am 23. Dezember 2016. In: InnoTrans.de, abgerufen am 23. Dezember 2016.

Alle Wagen erhielten während der Modernisierung Steckdosen und WLAN-Router für kostenloses WLAN.Bahn-Konkurrent Locomore – Der Zug mit dem Retro-Ambiente. In: faz.net, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Dezember 2016, abgerufen am 23. Dezember 2016. Die vier Wagen Bmz 1 sind klimatisiert, die Fenster können daher nicht geöffnet werden. Die Wagen Bbmvz und Bmz 3 sind dagegen unklimatisiert, dafür jedoch beheizbar und die Fenster (neue, zu einem Drittel zu öffnende Übersetzfenster) können geöffnet werden. Druckwellen in Tunneln durch entgegenkommende ICE mit 250 km/h stellen kein Problem dar.

Ansonsten unterscheiden sich die Wagen in den Ausstattungsmerkmalen: Bmz 1 Wagen mit Großraumbereich sowie sieben Abteilen. Die neu eingebaute Großraum-Bestuhlung besteht aus Sitzen mit Lederbezug, während die Polstersitze der Abteile Stoffbezüge aufweisen. Ein Teil der Abteile und des Großraumbereichs enthält klappbare Tische unterschiedlicher Länge. In: Handelsblatt. 15. Dezember 2016, abgerufen am 23. Dezember 2016. Die bei den Ursprungswagen in den Abteilen vorhandene Lücke zwischen Rückenlehne der Polstersitze und Kopfstütze wurde geschlossen. Die sechs Sitze in den Abteilen sind ausziehbar und können zusammengeschoben werden. Die Abteile sind klimatisiert, daher können die Fenster nicht geöffnet werden. Ein Wagen umfasst bis zu 78 buchbare Sitzplätze. Bmz 3 Abteilwagen mit zwölf Abteilen zu je sechs Sitzen. Die Abteile und deren Sitze und sonstigen Merkmale entsprechen denen des Bmz 1. Im Unterschied zum Bmz 1 sind die Abteile jedoch individuell beheizbar und die Fenster können geöffnet werden. Ein Wagen ist mit 72 Plätzen ausgestattet. Bbmvz Wagen mit Sonderfunktionen (Fahrräder, Kinderwagen, Familienabteile, Kinderspielbereich, Rollstuhlplätze, Gastronomie, Zugbegleiter). Der Wagen ist behindertengerecht ausgebaut und weist aufgrund der Sonderfunktionen eine reduzierte Anzahl an normalen Sitzplatzabteilen auf. Diese Sitzplatzabteile und deren Sitze sowie sonstigen Merkmale entsprechen denen des Abteilwagens Bmz 3. Die Bereiche mit den Sonderfunktionen sind teils offene Sitzlandschaften. 31 Sitzplätze waren im Voraus buchbar.

Zu diesen insgesamt acht Wagen kamen sechs Wagen (davon vier ab April 2017), die von HEROS Rail Rent GmbH gemietet wurden. Bei den Wagen handelt es sich um Abteilwagen der Bauart Bimz264:HEROS Reisezugwagen dauerhaft bei Locomore im Einsatz. In: heros-rail.com. 27. Februar 2017, abgerufen am 8. April 2017. Der Einsatz endete mit der Bekanntgabe der Insolvenz im Mai 2017. Bimz Verstärkungswagen mit den typischen Sitzplatz-Anordnungen wie vom Interregio bekannt bei hoher Auslastung. Diese Wagen sind nicht umgebaut/modernisiert worden und verfügen über kein WLAN oder Steckdosen. Die Fenster können geöffnet werden; die Wagen sind unklimatisiert, jedoch natürlich beheizbar. Ein Wagen enthält 60 Sitzplätze.

Alle Wagen sind für eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h zugelassen. Die Lokomotiven sowie die Triebfahrzeugführer stellt das schwedische Unternehmen Hector Rail, die Zugführer kommen teilweise von Talgo Deutschland. Hectorrail setzt als Lok hauptsächlich die eigene 242.517 „Fitzgerald“ vom Typ Siemens ES64U2 mit einer zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h ein. In: locomore.de, abgerufen am 12. Juli 2016. Meist wurde als Lokomotive eine Siemens ES64U2 mit der Ordnungsnummer 242.517 und dem Eigennamen Fitzgerald eingesetzt. In: hectorrail.com, abgerufen am 23. Dezember 2016 (PDF; 1,6 MiB).

Nach der Insolvenz

mini|Flixbus-Logo auf dem Locomore-Zug (2018)