Die Bundesdruckerei Gruppe GmbH (kurz: bdr) ist ein deutsches bundesunmittelbares Unternehmen, das Dokumente und Geräte zur sicheren Identitätsfeststellung herstellt und entsprechende Dienstleistungen anbietet.Neue Organisationsstruktur der Bundesdruckerei-Gruppe, abgerufen am 26. April 2022. Sie hat ihren Sitz im Berliner Ortsteil Kreuzberg.

Der Ursprung des Unternehmens liegt in der ehemaligen Reichsdruckerei. Nach der Privatisierung 1994 und verschiedenen Eigentümerwechseln befindet sich das Unternehmen seit 2009 im Staatsbesitz der Bundesrepublik Deutschland.

Die Sicherheitsdruckerei bietet neben kompletten Pass- und Ausweissystemen auch Personaldokumente, Hochsicherheitskarten, Dokumentenprüfgeräte, Sicherheitssoftware sowie Trustcenter-Leistungen an. Darüber hinaus fertigt die Bundesdruckerei Banknoten, Briefmarken, Visa, Fahrzeugdokumente, Tabaksteuerzeichen sowie elektronische Publikationen.

Geschichte Gründung mini|Siegelmarke der Reichsdruckerei Die heutige Bundesdruckerei wurde am 6. Juli 1879 in der Kreuzberger Oranienstraße 91 als Reichsdruckerei gegründet. Sie ging seinerzeit aus zwei Druckereien hervor, die auf Initiative des damaligen Generalpostdirektors Heinrich von Stephan in ein einziges Unternehmen zusammengeschlossen wurden: der von Georg Jacob Decker bereits im Jahr 1763 übernommenen Königlich Geheimen Oberhofbuchdruckerei des Verlegers Rudolf Ludwig Decker und der 1851 gegründeten Königlich-Preußischen Staatsdruckerei. Bundesdruckerei (offline)

Ab 1880 produzierte die Reichsdruckerei neben sämtlichen staatlichen Druckerzeugnissen auch das erste Berliner Telefonbuch, Reproduktionen von Kunstwerken,Die damaligen „Reichsdrucke“, später „Kunstblätter der Bundesdruckerei“ Postwertzeichen und Patentschriften.

Im Jahr 1905 wurde eine eigene Farbenreiberei gegründet, um eine gleichbleibende Qualität der Druckfarben zu gewährleisten.

Während der Kriege Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurden große Mengen des umlaufenden Münzgeldes eingezogen und der Reichskriegskasse zugeführt. Um Edelmetalle für die Geldproduktion einzusparen, wurden zusätzliche Darlehnskassenscheine zu einer und zwei Mark sowie große Mengen anderer Reichsbanknoten ausgegeben. Damit wurde eine Umstellung vom aufwendigen Kupferdruck hin zum leistungsfähigeren Hochdruckverfahren nötig. Vor dem Hintergrund der steigenden Inflation wurden ab 1922 allein in der Banknotenproduktion über 8600 Mitarbeiter beschäftigt. Die 57 verschiedenen Reichsbanknoten wurden als „Massenware“ auf riesigen Papierrollen im Rotationsdruck produziert.

Der Zweite Weltkrieg richtete auf dem Gelände der Reichsdruckerei große Schäden an. Dennoch konnte die Produktion bis zum 21. Juni 1944 aufrechterhalten werden, bis ein alliierter Luftangriff sämtliche Papiervorräte in Brand setzte. Bei einem schweren Bombenangriff am 3. Februar 1945 griffen rund 1500 US-amerikanische Flugzeuge Berlin an und vernichteten dabei etwa die Hälfte aller Verwaltungs- und Produktionsanlagen der Reichsdruckerei.

Nachkriegszeit mini|hochkant|Briefmarke 1979 aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Bundesdruckerei

Nach dem Ende des Krieges wurde die Staatsdruckerei in Magistratsverwaltung zur schnellstmöglichen Wiederaufnahme ihrer Arbeit verpflichtet. Im Zuge der immer angespannteren Situation zwischen den Siegermächten drängten die britischen und amerikanischen Alliierten auf die Gründung einer zweiten staatlichen Druckerei im Westen. Es entstand eine Frankfurter Außenstelle, die später nach Neu-Isenburg verlegt wurde. Am 1. September 1949 übernahm die Hauptverwaltung Post- und Fernmeldewesen die Leitung der Dienststellen Berlin und Frankfurt der Staatsdruckerei der Bundesrepublik Deutschland. Im Jahr 1951 ratifizierten die Bundesrepublik und der Magistrat von Berlin den offiziellen Übernahmevertrag und aus der Staatsdruckerei der Bundesrepublik Deutschland wurde die Bundesdruckerei. 1952 kam noch die Dienststelle Bonn mit über 150 Mitarbeitern dazu.Projekt QuaMoMo. Technik & Leben e. V.; zur Abwicklung der Bonner Dienststelle (1996)

Erstmals wurden 1955 wieder – mit dem 5-DM-Wert – Banknoten gedruckt. Bis dahin wurde die Währung der Bundesrepublik in Großbritannien, den USA und Frankreich produziert. Zwei Jahre später erfolgte die endgültige Verlegung des Hauptsitzes nach Berlin. (im Abschnitt: Zum Hintergrund), Pressemitteilung der Bundesdruckerei vom 26. Januar 2006 Ab 1959 wurden die 50-DM- und später auch die 10-DM-Noten in Berlin gedruckt. Alle übrigen Banknotenwerte druckte das Typographische Institut Giesecke & Devrient in München.

Mit der Einführung des Bundespersonalausweises im Jahr 1960 produzierte die Bundesdruckerei auch wieder Ausweisdokumente. Gleichzeitig wurde ein Auslandsgeschäft – vornehmlich mit Venezuela – in den Bereichen Briefmarken, Alkoholsteuerzeichen, Postwertmarken und Pässe aufgebaut.

Im Jahr 1979 feierte die Bundesdruckerei unter dem damaligen Präsidenten Klaus Spreen ihr 100-jähriges Bestehen. Es wurde mit der Einführung von internationalen ICAO-Standards für fälschungssichere Identitätsdokumente begonnen. Am 1. April 1987 wurden die ersten Personalausweiskarten im ID-2-Format und zum 1. Januar 1988 der damals neue Reisepass mit integrierter Passkarte ausgegeben, die seitdem zentral in Berlin gedruckt werden.

Die vierte und letzte Serie der D-Mark wurde 1989 ausgegeben. Die Gestaltung der gesamten Serie mit zahlreichen neuen Sicherheitsmerkmalen oblag dem seinerzeitigen Chefgrafiker der Bundesdruckerei Reinhold Gerstetter.

Gegenwart mini|Ansicht der Bundesdruckerei von der Kommandantenstraße, 2005

Im Jahr 1997 wurde der Auftrag zur Herstellung des europäischen Modells des deutschen Kartenführerscheins an die Bundesdruckerei vergeben. Die Ausgabe der ersten Führerscheinkarten erfolgte zu Beginn des Jahres 1999.

Ebenfalls 1999 wurde die Bundesdruckerei mit dem Druck eines Teils der deutschen Euro-Banknotenserie beauftragt. Hierfür wurde eine neue Banknotenproduktionslinie errichtet.

Im Rahmen der europäischen Harmonisierung von Kfz-Dokumenten begann am 1. Oktober 2005 die Ausgabe von fälschungssicheren deutschen Fahrzeugbriefen und -scheinen in Form der Zulassungsbescheinigungen Teil I und Teil II. Am 1. November 2005 wurde der elektronische Reisepass (ePass) in Deutschland eingeführt. Die Bundesdruckerei stellt als Generalunternehmer weiterhin den Reisepass her und rüstete rund 5500 deutsche Meldebehörden mit der hierfür notwendigen technischen und logistischen Infrastruktur aus.

2007 wurde mit der Ausgabe der zweiten Generation der ePässe für Deutschland begonnen. Zum Schutz der darin gespeicherten zwei Fingerabdrücke wird weltweit erstmals der erweiterte Zugriffsschutz Extended Access Control (EAC) verwendet. Auf der CeBIT 2008 wurde die „Innosec-Fusion“-Karte präsentiert, die besonders für den – von verschiedenen europäischen Staaten geplanten – elektronischen Personalausweis geeignet ist. Damit soll die Transaktions- und Identitätssicherheit in elektronischen Kommunikationsprozessen verbessert werden.

Seit April 2008 liefert die Bundesdruckerei elektronische Dienstausweise für Bundesbehörden, die Polizeien des Bundes und die Bundeswehr.

mini|Sitz der Bundesdruckerei in Berlin

Am 1. November 2010 begann die Produktion des scheckkartengroßen deutschen Personalausweises, der elektronische Komponenten beinhaltet. Seit 1. September 2011 stellt die Bundesdruckerei den elektronischen Aufenthaltstitel für in Deutschland lebende Ausländer (Nicht-EWR-Bürger) her, der zuvor bereits als Klebeetikett produziert worden war.

Seit 1. März 2017 produziert die Bundesdruckerei den „Reisepass 3.0“. Zur umfangreichen Änderung der Gestaltung gehören neben der Abkehr vom bisherigen Hardcover hin zu einem flexiblen, biegsamen Einband auch die Abschaffung der laminierten Datenseite zugunsten einer Vollkunststoffkarte aus Polycarbonat. Der neue Reisepass enthält zudem zahlreiche neue Sicherheitsmerkmale und grafische Anpassungen.

Unternehmen Die Bundesdruckerei Gruppe GmbH agiert als Konzernmutter für die Tochtergesellschaften und ist zudem für das Management der Minderheitsbeteiligungen zuständig. Die Unternehmensgruppe beschäftigte 4577 Mitarbeiter im Jahr 2024 und erzielte im gleichen Jahr einen Umsatz von 1,11 Milliarden Euro.

Kennzahlen Laut Lagebericht der Bundesdruckerei zählen als interne Mitarbeiter alle Arbeiter, Angestellte und Beamte, ohne Auszubildende, Praktikanten und Werkstudierende: Umsatz in Mio. € Jahresüberschuss in Mio. € Gesamt Mitarbeiter davon Arbeiter davon Angestellte davon Beamte Auszu­bildende2008 – –1354 – – – –2009 – –1459 – – – –2010348,7 –1613 – – – –2011405,6 –1650 – – – –2012453,7 –1837 – – – –2013398,3 –1761 – – – –2014453,4 –176473710216422015464,74,8189580010905412016457,04,6190076211353362017493,06,8204484411982372018526,44,9200782511802402019549,52,4201080412051382020568,123,8297688320921742021774,079,3323877124661592022907,2128,93664791287215920231036,2160,44107815329116020241111,9173,343848393544168

Zusammensetzung der Bundesdruckerei-Gruppe Daten aus den offiziellen DNK-Erklärungen der Bundesdruckerei. Aufschlüsselung in der Form von Gesamtanzahl und in die Geschlechter männlich/weiblich/divers: Geschäftsführung Aufsichtsrat Leitende Angestellte Führungskräfte (1. und 2. Führungsebene) Gewerbliche Mitarbeiter inkl. Auszubildende Angestellte und Beamte inkl. Werksstudierende, Auszubildende und Praktikanten20192 (2/0/–)12 (9/3/–)48 (35/13/–) –830 (541/289/–)1641 (1050/591/–)20202 (2/0/–)12 (9/3/–)43 (30/13/–) –817 (556/261/–)1666 (1039/627/–)20212 (2/0/–) 12 (6/6/–)55 (37/18/–) – 765 (526/239/–) 2685 (1726/959/–)20222 (2/0/–) 12 (6/6/–) –138 (94/44/–) 811 (568/243/–) 3060 (1963/1096/1)20232 (2/0/0)12 (5/7/0) –146 (101/45/0)831 (593/238/0)3471 (2107/1363/1)20242 (2/0/0)12 (5/7/0) –144 (100/44/0)4630 (3055/1574/1)

Beteiligungen Im Folgenden eine Übersicht der Beteiligungen der Bundesdruckerei GmbH im Jahr 2015: (PDF) Gesellschaft Anteil am Stamm­kapital Umsatz(in T€) Ergebnis vorErgebnis­abführung(in T€) Ergebnis(in T€) BIS Bundesdruckerei International Services GmbH, Berlin100,00 % 6.312 4.145 0 D-TRUST GmbH, Berlin100,00 % 10.986 452 0 Maurer Electronics GmbH, München100,00 % 15.755 99 0 iNCO Sp. z o.o., Wawrów, Polen100,00 % 1.701 240 240 genua GmbH, München100,00 % 12.712 994 994 xecuro GmbH, Berlin100,00 % – – – Emirates German Security Printing LLC, Abu Dhabi, VAE49,00 % 2.917 109 109 cv cryptovision GmbH, Gelsenkirchen35,10 % 5.686 546 546 Shanghai MITE Speciality & Precision Printing Co., Ltd., Shanghai, China25,00 % 57.237 18.284 18.284 Dermalog Identification Systems GmbH, Hamburg22,43 % 37.112 1.901 1.901 Veridos GmbH, Berlin40,00 % – – –

Als Stammhaus übernimmt die Bundesdruckerei GmbH wesentliche Teile des operativen Geschäftes ihrer Tochterunternehmen. Die BIS Bundesdruckerei International Services GmbH ist die Vertriebs- und Projektgesellschaft für das ID-Auslandsgeschäft. Die D-TRUST GmbH ist das akkreditierte Trustcenter der Bundesdruckerei GmbH. Die Maurer Electronics GmbH ist als Entwicklungs- und Servicegesellschaft der Bundesdruckerei GmbH für ID-Systeme und Systemkomponenten tätig. genua ist Hersteller von Firewall- und VPN-Lösungen, die sich an behördliche und mittelständische Kunden richten. Elektronische Publikationen werden bei der iNCO Spółka z o.o. in Polen produziert. Dermalog ist Hersteller für automatische Fingerabdruck-Identifikationssysteme (AFIS). Die cryptovision GmbH stellt Verschlüsselungstechniken her. Die Veridos GmbH nimmt an internationalen staatlichen Ausschreibungen teil.

Geschäftsfelder und Produkte mini|Logo des Webauftritts