mini|hochkant=1.66|Der Elsterwerdaer Marktplatz an Weihnachten 2015. mini|Stadtzentrum von Elsterwerda
Der Marktplatz der südbrandenburgischen Kleinstadt Elsterwerda befindet sich unmittelbar im Stadtzentrum. Der seit Jahrhunderten bestehende historische Teil im Osten des Areals umfasste etwa eine Grundfläche von 40 × 40 Metern. Nach 1945 kamen weitere westlich gelegene Flächen hinzu, nachdem die hier gelegene Bebauung einer Brandstiftung zum Opfer fiel und nicht wieder aufgebaut wurde.
Seine gegenwärtige Gestalt erhielt er durch Umgestaltungsmaßnahmen zwischen den Jahren 2007 und 2015.
Lage und Größe Der Elsterwerdaer Marktplatz befindet sich im historischen Stadtzentrum. Der heutige Marktplatz besteht aus zwei durch die Hauptstraße getrennte Flächen. Der rechtsseitig gelegene nahezu quadratische Teil umfasst eine Grundfläche etwa von 40 × 40 Meter. Er bildet den ursprünglichen seit Jahrhunderten bestehenden Marktplatz. Eine weitere etwas größere Fläche befindet sich zwischen Hauptstraße und Lange Straße. Diese kam nach 1945 hinzu.
Umschließende Straßen sind die Hauptstraße, welche den Markt im Bereich des 2007 umgesetzten Elsterbrunnens durchquert, die Lange Straße, die Böttcherstraße sowie die Straße Am Markt. Im Bereich des Marktes einmündende Straßen sind die Bürgermeister Wilde-Straße, die Marktstraße, die Rosenstraße, Wiesenstraße und die Friedrich Engels-Straße.
Geschichte und Entwicklung Frühgeschichte mini|Kennzeichnung von im Untergrund vorhandenen Fundamentresten der einstigen Bebauung mini|Standortkennzeichnung eines auf dem nördlichen Marktplatz gefundenen Brunnens mini|Inbetriebnahme des Bürgermeister-Wilde-Brunnens 1906. Im Hintergrund ist das einstige Zentral-Hotel zu erkennen.
Bereits von 1991 bis 1994 wurden bei archäologischen Grabungen auf einer 3,8 Hektar großen Fläche auf dem Gelände des Gewerbegebietes Ost etwa 1500 Jahre alte Siedlungsüberreste entdeckt, welche vermutlich dem germanischen Stamm der Semnonen zuzuordnen sind. Die bei den Ausgrabungen erfolgte Freilegung eines Verhüttungsfeldes mit fast 200 Eisenschmelzöfen, so genannten Rennfeueröfen, sowie Kohlemeilern und Arbeitsgruben, weisen darauf hin, dass diese Germanen sich auf die Eisenverhüttung spezialisiert hatten und den in der Gegend vorkommenden Raseneisenstein verarbeiteten.Luise Grundmann, Dietrich Hanspach: Der Schraden. Böhlau, September 2001, ISBN 978-3-412-10900-4, S. 82/83
Mit den nach der Wende im Zuge von umfangreichen Umgestaltungsmaßnahmen in der Elsterwerdaer Innenstadt einhergehenden archäologischen Untersuchungen, gab es auch in diesem Bereich Funde, welche ebenfalls auf die Verarbeitung beziehungsweise Verhüttung von Raseneisenstein hinweisen. Es fiel vor allem eine bis zu etwa 0,2 Meter mächtige hochmittelalterliche Eisenschlackeschicht auf, die sich soweit bekannt, zwischen der Hauptstraße und der Friedrich-Engels-Straße von der Kirche über den Markt hinweg bis zur Rathausstraße auf einer Fläche von etwa 16.500 m² erstreckte. Es handelt sich hier vermutlich um eine einstige Schlackehalde, welche nach der Aufgabe eines bisher nicht lokalisierten Verhüttungsplatzes ausgebreitet wurde. Einen Großteil der gefundenen Strukturen in Form von Überresten von Zäunen oder Pfostenhäusern, fand man im Bereich des heutigen Marktes und an der Hauptstraße gegenüber dem heutigen Hotel Weißes Ross, so dass man davon ausgeht, dass dieser Teil einst am stärksten frequentiert wurde.
Zunächst entwickelte sich in Nord-Süd-Richtung westlich der heutigen Hauptstraße ein Dorf mit lockerer aber geschlossener Bebauung. Die von der Schlacke überdeckte Fläche östlich dieser Linie, diente möglicherweise als Dorfanger. Beeinflusst durch die unmittelbare Nähe zur Burg entwickelte sich dann im Spätmittelalter schließlich eine Stadt, woraufhin im Jahre 1364 Elsterwerda das Stadtrecht verliehen bekam.
Unter anderem bedingt durch zahlreiche Stadtbrände sind letztlich nur wenige schriftliche Aufzeichnungen und aussagefähige Dokumente zur älteren Geschichte der Stadt und des Marktplatzes erhalten geblieben. Eines der ältesten Dokumente, erwähnt das Vorhandensein eines Brunnens um 1413 auf dem Markt.
Das Elsterwerdaer Rathaus befindet sich seit 1879 etwas südlich des Marktes in der Hauptstraße.Flyer: Rathaus-Chronik Ursprünglich befand sich allerdings am Markt ein entsprechend genutztes Gebäude. Im aus dem Jahre 1711 stammenden Stadtbuch wird als dessen Standort die 77. Wohn- und Feuerstätte angegeben, die sich an der Nordseite des Marktes befand. Jedoch wurde dieses Rathaus bei einem durch die Brandstiftung einer Magd in der Nacht zu Allerheiligen verursachten Stadtbrand im Jahre 1621 wie auch 44 Wohnhäuser vollständig zerstört und nicht wieder aufgebaut, so dass bereits 1711 nur noch die Fundamente vorhanden waren.
Der nahezu quadratische historische Marktplatz ist rechtsseitig beziehungsweise östlich der Hauptstraße gelegen. Bauliche Veränderungen dürfte es immer wieder durch die zahlreichen Stadtbrände gegeben haben. 1905 wurde anlässlich der Inbetriebnahme der neuen städtischen Wasserleitung zur Erinnerung mit Hilfe von freiwilligen Spenden der Elsterwerdaer Bürger in der Mitte des Marktes ein elektrisch mittels vierer damals hochmoderner Nernstlampen beleuchteter Springbrunnen errichtet, der Wilde-Brunnen oder auch Bürgermeister-Wilde-Brunnen getauft wurde.Manfred Reuschel: Die Wasserversorgung von Biehla und Elsterwerda in vergangenen Jahrhunderten. In: Heimatkalender für den Altkreis Bad Liebenwerda, das Mückenberger Ländchen, Ortrand am Schraden und Uebigau-Falkenberg. Bd. 53, 2000, , S. 248–258. Im September desselben Jahres beschloss man den Bau von Bürgersteigen am Markt.
Erweiterung und Umgestaltungsmaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Lange Zeit prägten die inzwischen abgerissene Ruine der Bäckerei Selkmann und die sich anschließende Brachfläche der abgerissenen Buchbinderei Runge das Bild des Marktes. mini|Grünanlage am Markt vor den 2007 beginnenden Umgestaltungsarbeiten
Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel ein linksseitig der Hauptstraße und dem Markt westlich angrenzendes Geschäftsviertel einem durch Brandstiftung verursachten Großbrand zum Opfer. Während auf dem im Osten gelegenen Trümmergrundstück des ebenfalls zerstörten Cafés Vaterland später ein Wohn- und Geschäftshaus mit Friseursalon entstand, wurde das Trümmerfeld des Geschäftsviertels ab 1951 unter Beteiligung der Bevölkerung beseitigt. Der Wunsch der ehemaligen Eigentümer, die Gebäude wieder aufzubauen, wurde von der Stadtverwaltung nicht genehmigt und es entstand 1967 im Zuge einer abermaligen Umgestaltung des gesamten Marktbereiches eine Grünfläche mit Ziersträuchern. Der Bürgermeister-Wilde-Brunnen wurde während dieser Bauarbeiten abgebaut. Fortan prägte ein mit Blumen umpflanztes Ensemble aus vier großen Straßenlaternen das Zentrum des Marktplatzes, in dessen Kopfsteinpflaster Parkbuchten gekennzeichnet waren.
mini|Der im April 2007 abgerissene Elsterbrunnen am Markt. Zunächst wurde 1967 in Form eines rechteckigen Bassins ein Springbrunnen aus Beton auf der Grünanlage errichtet. In dessen Inneren sich fünf fontänenförmige Wasserspiele befanden. Während der Amtszeit des Bürgermeisters Wolf-Dieter Schwarz (1975–1991) wurden später Figuren aus Bronze integriert. Gestaltet wurden diese vom 1995 verstorbenen Hohenleipischer Bildhauer Hans Eickworth nach dem Vorbild des bis 1994 verwendeten Elsterwerdaer Stadtwappens. Hauptfigur des Springbrunnens ist eine Elster aus Bronze. Zwei weitere ebenfalls bronzene Figuren stellen Lilien dar. Die Lilien stammen ursprünglich aus dem Wappen des Adelsgeschlechts von Köckeritz, die von 1367 bis 1512 die Grundherren von Elsterwerda waren. Sie wurden später auch in das Elsterwerdaer Stadtwappen übernommen.Lexikon der Städte und Wappen der DDR, 1985
mini|Historischer Marktplatz vor der Umgestaltung 2008 Historische heute verschwundene Bebauung im Marktbereich Adresse Bezeichnung Lage, Schicksal Hauptstraße 15Schuhmachermeister Dieckmann Westlicher Marktbereich, 1945 niedergebrannt Hauptstraße 16Wollhaus Galle Westlicher Marktbereich, 1945 niedergebrannt Hauptstraße 17Gaststätte Mampe (Inhaber Hempel) Westlicher Marktbereich, 1945 niedergebrannt Hauptstraße 18Grünwarengeschäft LingeWestlicher Marktbereich, 1945 niedergebrannt Ecke Hauptstraße/Böttcherstraße Lebensmittelgeschäft TrandorfWestlicher Marktbereich, 1945 niedergebrannt Ecke Böttcherstraße / Lange StraßeKorbwaren / Blumen- und Grünwarenhandlung GrödelWestlicher Marktbereich, 1945 niedergebrannt Lange Straße Kolonialwarengeschäft MüllerWestlicher Marktbereich, 1945 niedergebrannt Wiesenstraße 1 Wohnhaus KniescheÖstlicher Marktbereich, 1945 durch Brandstiftung niedergebrannt Hauptstraße 34 Bäckerei SelkmannSüdlicher Marktbereich, 2012 abgerissen, heute FreiflächeFrank Claus: in Lausitzer Rundschau, Regionalteil Elsterwerda, 27. März 2010„Abriss an ehemaliger Bäckerei Selkmann hat begonnen“ in Lausitzer Rundschau, 15. September 2012 Hauptstraße 35 Ehemalige Buchbinderei Heinrich RungeSüdlicher Marktbereich, nach 1990 abgerissen, heute Freifläche
Umgestaltung nach der Wende Erster bis dritter Bauabschnitt mini|Der umgestaltete Elsterbrunnen im April 2015.
Begleitet von archäologischen Grabungen wird seit Februar 2007 der gesamte Marktplatz in vier Bauabschnitten umgestaltet; der dort errichtete Springbrunnen wurde am 19. April abgerissen. Nachdem zunächst einhergehend mit dem Abriss des Elsterbrunnens die Umgestaltung der Grünfläche in Angriff genommen wurde, besitzt der Markt seit November 2007 einen neuen Springbrunnen im Zentrum des Areals. In ihm wurden die Figuren des alten Brunnens integriert. Die Hauptstraße führt in diesem Bereich durch das Areal des Brunnens und linksseitig befindet sich ein weiteres Wasserspiel. Die Straße ist in diesem Bereich für Kraftfahrzeuge gesperrt und im Alltag nur noch für Fußgänger und Radfahrer nutzbar. Das Areal der einstigen Rasenfläche wurde im Zuge des ersten Bauabschnittes entfernt und mit Betonplatten ausgelegt. Am Rand zur Böttcherstraße wurden Hochbeete angelegt. Lediglich im südlichen Bereich blieb ein vorerst geschotterter Bereich, die sogenannte Südspitze bestehen, da deren zukünftige Gestaltung noch offen war. Im Dezember 2007 konnte dann der erste Bauabschnitt übergeben werden. Im Folgejahr wurde schließlich im Zuge der Bauarbeiten des zweiten Bauabschnitts die Fläche des alten Marktes umgestaltetMona Claus: „Markt: Mildes Wetter erlaubt Baubeginn“ in Lausitzer Rundschau, 22. Februar 2008, in einer dritten Bauphase, dann die Lange Straße zwischen der Hauptstraße und der Kreuzung Lange Straße/Böttcherstraße/Bürgermeister-Wilde-Straße.„Dritter Bauabschnitt am Markt: alles im Zeitplan“ in Lausitzer Rundschau, 19. Mai 2009
Vierter Bauabschnitt mini|Die Bauarbeiten auf der Südspitze im April 2015
Für Diskussionen sorgte seit Beginn der Marktplatzumgestaltung im Jahre 2007 immer wieder die Nutzung der sogenannten Südspitze im Mündungsbereich der Langen Straße in die Hauptstraße. Bereits der ihr gegenüberliegende Komplex um die Bäckerei Selkmann bewegt bis in die Gegenwart seit Jahren die Gemüter. Verschiedene Projekte und Ideen wurden seither der Öffentlichkeit vorgestellt. Einer der Höhepunkte war dabei der Vorschlag, im August 2008 an dieser Stelle ein 40 Meter hohes zwölfgeschössiges Hochhaus zu errichten. Neben einem multifunktionalen Veranstaltungsraum, einer öffentlich zugänglichen WC-Anlage und Geschäften im Untergeschoss, sollten hier unter anderem ein Restaurant, Wohnungen und Büroräume entstehen.Gabi Böttcher: „Ein Hochhaus für Elsterwerda“ in Lausitzer Rundschau, 8. August 2008 Zunächst von Bürgermeister Dieter Herrchen in der parlamentarische Sommerpause den Gewerbetreibenden und später den Stadtverordneten vorgestellt, sorgte dieses Vorhaben für reichlich Diskussionsstoff.Gabi Böttcher: „Elsterwerdaer Bürgermeister hält an Hochhaus-Projekt fest“ in Lausitzer Rundschau, 22. August 2014