Der Dobra-Gneis (früher mit der heute Granodioritgneis von Spitz genannten Gesteinsserie zum Spitzer Gneis zusammengefasst) ist ein im mittleren Kamptal verbreiteter Orthogneis.

Typisierung Als Dobra-Gneise bezeichnet man homogene, klein- bis grobkörnige Biotitgneise mit leukogranitischer, granitischer bis granodioritischer Zusammensetzung. Der Begriff wurde von Christof Exner im Jahr 1953 geprägt. Die als typisch für den Dobra-Gneis geltenden und häufig eingeschalteten, scharf begrenzten Amphibolit- und Biotitschiefer-Zwischenlagen mit Mächtigkeiten im Dezimeter- und Meter-Bereich verdeutlichen die intensive Faltung, die in vielen Bereichen des Dobra-Gneises zu beobachten ist und die auch eine häufige Striemung hervorruft.

Teile des Dobra-Gneises weisen große Ähnlichkeiten zum Bittescher Gneis des weiter östlich liegenden Moravikums auf. Zusammen mit der Bunten Serie bildet der Dobra-Gneis jedoch eine tektonische Einheit des Moldanubikums innerhalb des Granit- und Gneisplateaus des Waldviertels.

Entstehung Die mineralische Zusammensetzung und die geochemischen Eigenschaften lassen auf eine magmatische Entstehung schließen. Mit einem Alter von 1377 Mya wurde der Dobra-Gneis lange Zeit als das erdgeschichtlich älteste frei liegende Gestein Österreichs betrachtet. Ein auf 1400 Mya datiertes Gestein, der Hauergraben-Gneis (nach einem im Osten der Katastralgemeinde Mottingeramt gelegenen Zubringer zur Gernitz benannt), gilt zur Zeit als ältestes Gestein Österreichs.Martin Lindner, Wolfgang Dörr, Christoph A. Hauzenberger, Daniel Reither, Fritz Finger: In search of the oldest rock of Austria: The Hauergraben Gneiss, a 1.40 Ga old mafic quartz-monzonitic inlayer in the Dobra Gneiss (Drosendorf Unit, Bohemian Massif) as a new candidate. In: Austrian Journal of Earth Sciences. Band 114, Wien 2021, S. 29–45 (). Dieser Hauergraben-Gneis, welcher sich chemisch vom Dobra-Gneis unterscheidet, liegt in diesem als kleine Linsen vor.

Verbreitung Dobra-Gneis ist im Gebiet zwischen Artstetten, Ottenschlag, dem namensgebenden Dobra, Allentsteig und bis nördlich von Schwarzenau bzw. bis südlich von Waidhofen an der Thaya zu finden.

Literatur Gerhard Fuchs und Alois Matura: Zur Geologie des Kristallins der südlichen Böhmischen Masse. In: Jahrbuch der Geologischen Bundes-Anstalt. Band 119, Wien 1976 (). Geologische Bundesanstalt (Hrsg.): Der Geologische Aufbau Österreichs. Springer, Wien 1980, ISBN 978-3-7091-3745-1, S. 127.

Einzelnachweise

Kategorie:Gneissorte Kategorie:Metamorphes Gestein Kategorie:Waldviertel Kategorie:Böhmische Masse