Der Schweriner Grenzvertrag ist ein sowjetisch-polnisches Abkommen über die Festlegung der Westgrenze Polens im Abschnitt Swinemünde – Greifenhagen und als solches ein bilateraler völkerrechtlicher Vertrag zu Lasten Dritter. Das Abkommen wurde am 21. September 1945 in Schwerin von Vertretern der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland und Vertretern des Lubliner Komitees unterzeichnet. Dadurch kam es Durch dieses Vertragswerk wurde der Verlauf des nördlichen Teiles der Oder-Neiße-Grenze festgelegt.
Der Grenzvertrag Am 19. September 1945 wurde dem Bevollmächtigten der Volksrepublik Polen, dem im April 1945 ernannten Woiwoden Leonard Borkowicz und dem Präsidenten der Stadt Stettin, Piotr Zaremba in Berlin durch Georgi Konstantinowitsch Schukow eine eigens für das Treffen aus Moskau herbeigeschaffte Landkarte im Maßstab 1:500.000 übergeben, die den Stettiner Zipfel nach Polen verschob. Die Landkarte trug die russische Überschrift Die Grenze Polens gemäß der Potsdamer Konferenz, 3. August 1945. An der rechten unteren Ecke der Karte war eine Beglaubigung vermerkt: Moskau, 14. September 1945.
Am 20. September 1945 wurde der Grenzverlauf von sowjetischen Topographen der sowjetischen Delegation in Anwesenheit polnischer Delegierter in Greifswald in eine Stabskarte 1:100.000 übertragen. Bei einer Ortsbesichtigung am Nachmittag wurden nur geringe Korrekturen durchgeführt. Die polnische Seite versuchte vergeblich, die gesamte Insel Usedom unter ihre Verwaltung zu bringen, scheiterte aber an der kategorischen Weigerung von sowjetischer Seite, von dem aus Moskau genehmigten Plan abzuweichen.Bernd Aischmann: Mecklenburg-Vorpommern, die Stadt Stettin ausgenommen. S. 118. Am 21. September 1945 kam es in Schwerin, in einer Villa in der Werderstraße, zum Abschluss des Grenzvertrags zwischen Polen und der Sowjetunion. Hierbei konnte die polnische Seite noch aus verkehrstechnischen Gründen Verbesserungen in ihrem Sinne durchsetzen. Es ging hierbei um die Landstraße vom Dorf Böck zum Dorf Stolzenburg, die sich bogenförmig nach Westen dehnt und nach der polnischen Intervention mit ihrem Gebiet vollständig zu Polen kam. Um 16 Uhr erfolgte die Unterzeichnung des in russischer Sprache verfassten Abkommens, dem noch eine polnische Übersetzung beigefügt wurde. Es unterzeichneten: General Iwan Chabarow, im Namen von Marschall Georgi Konstantinowitsch Schukow, der Militäradministration Leonard Borkowicz, im Namen der Übergangsregierung der nationalen Einheit Piotr Zaremba, Stadtpräsident von Stettin
Entgegen der Forderung Polens auf eine sofortige Übergabe wurde die Übergabe des Stettiner Zipfels auf den 4. Oktober 1945 festgelegt. Auch nach der Übergabe des Stettiner Zipfels blieben aber Pölitz mit seinen Hydrieranlagen und ebenso große Teile des Stettiner Hafens unter sowjetischer Kontrolle. Er wurde als Militärhafen für die sowjetische Besatzungszone in Deutschland sowie zum Abtransport von Beutegut genutzt und konnte erst Ende 1947 von den polnischen Behörden übernommen werden.
Diese Grenzregelung des Schweriner Grenzvertrags ist bis heute beibehalten worden, bis auf eine Ausnahme: Am 11. Juni 1951 wurde sie wegen des Wasserwerkes von Swinemünde korrigiert. Als Kompensation erhielt die DDR von Polen ein Gebiet entsprechender Größe an der Oder im Bereich Staffelde übertragen Interessanterweise ist es gerade Zaremba, der bei diesem Grenzverlauf auf polnischer Seite federführend war und darin ein Versagen der Potsdamer Konferenz sieht:
Unmittelbare Folgen „Wir halten die Oderwache“ Aber auch in der Volksrepublik Polen blieb trotz des Grenzvertrages lange noch eine Verunsicherung über den Besitz Stettins und seines Umlandes bestehen. Dies entsprang nicht nur der Angst vor einem deutschen Revanchismus, sondern auch der Befürchtung, dass eine neue Entscheidung aus Moskau die Verhältnisse in Stettin mit einem Federstrich wieder ändern könne. Als Beispiel dafür mag die erste öffentliche militärische Demonstration „Wir halten die Oderwache“ in Stettin angesehen werden. Die Idee zu dieser Kundgebung im Februar 1946 hatte der Woiwode von Stettin, Leonard Borkowicz. Die Kundgebung sollte den Willen der Polen demonstrieren, die Stadt zu besitzen. Um den reibungslosen Ablauf der Demonstration zu gewährleisten, war zuvor durch das Sicherheitsbüro der Woiwodschaft eine Fahndung durchgeführt worden, bei der etwa 250 Personen festgenommen worden waren, die keine Papiere besaßen. Die Veranstaltung sollte mit einem Staffellauf von Pfadfindern, Kriegsveteranen und ehemaligen KZ-Insassen am 12. April in Danzig beginnen. Durch die symbolische Stockübergabe sollte die historische Brücke zwischen dem Ereignis an der Westerplatte und dem Besitz von Stettin geschlagen werden. Um die nationale und internationale Akzeptanz zu demonstrieren, waren auf der Ehrentribüne illustre Gäste geladen: Bolesław Bierut, Premierminister Edward Osóbka-Morawski, Verteidigungsminister Michał Rola-Żymierski und der stellvertretende Premierminister Stanisław Mikołajczyk, Minister und Vertreter anderer Länder, darunter der UdSSR, Großbritanniens und Frankreichs. Wegen dieser willkürlichen Verhaftungen im Vorfeld der Veranstaltung kam es jedoch zu Unruhen, die das polnische Regime dazu zwangen, den Ablauf der Veranstaltung abzuändern und die Öffentlichkeit, von staatlichen Jubelmassen abgesehen, weitgehend von dem Ereignis abzuschirmen. Mit dem Slogan „Wir halten die Oderwache“ (Trzymamy Straż nad Odrą) wurde diese Art der Demonstration zu einem jährlichen Ritual.
Unklarer Grenzverlauf auf der deutschen Seite Beim Schweriner Grenzvertrag handelt es sich um ein bilaterales Abkommen zwischen Polen und der Sowjetunion.Schweriner Grenzvertrag: Wie Stettin zu Szczecin wurde. Ein deutscher Vertreter war beim Zustandekommen, anders als bei der Übergabe der Stadt Stettin, nicht anwesend. Daher wusste man lange Zeit in der Sowjetischen Besatzungszone nicht über den genauen Grenzverlauf Bescheid. Am 20. Juli 1946 richtete der Landrat an die Behörde von Johannes Warnke ein Schreiben, in dem über eine „Grenzänderung gegen die Provinz Mark Brandenburg nordöstlich Schwedt“ berichtet wird. Ab dort verläuft westlich der Oder auf deutscher Seite die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, die bei Hohensaaten schließlich in den Oder-Havel-Kanal und die Oder mündet und bildet damit den heutige ungefähren Nationalpark Unteres Odertal. Dieses Gebiet ist bis Mitte 1947 offenbar von Polen beansprucht worden. Es war nicht bekannt, wo gemäß der Grenzfestlegung vom 21. September 1945 in diesem Landstreifen die Grenze verlaufen sollte, der entsprechende Kartenteil des Abkommens war hierzu ist nicht veröffentlicht worden. Im Sommer 1947 sollen sogar polnische Truppen dort einmarschiert sein. Laut Richard Breyer habe Polen erst nach dem Görlitzer Abkommen die Wasserstraße und den östlich dazu verlaufenden, etwa 2 bis 8 Kilometer breiten Streifen an die DDR übergeben.Richard Breyer: Die Oder-Neiße-Linie bei Stettin. In: Göttinger Arbeitskreis (Hrsg.): Recht im Dienste der Menschenwürde. Festschrift für Herbert Kraus. Würzburg 1964, S. 442 f. Dieses Abkommen legte den nördlichen Teil der Grenze mit einer Länge von 102,0 km von der Oderbifurkation entlang der Westoder und damit westlich vom nördlichen Zwischenodergebiet (heute der polnische Landschaftsschutzpark Unteres Odertal), über den Neuwarper See sowie das Stettiner Haff, entlang der Insel Usedom westwärts Swinemünde bis zur Ostsee und weiter in einer gedachten Linie entsprechend den Koordinaten () im Hoheitsgewässer der Ostsee in einer Länge von sechs Seemeilen fest. Heute ist der Grenzverlauf auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens verbindlich festgelegt, das Stettin auf deutscher Seite belässt, sowie des Görlitzer Vertrages, der einen vom Potsdamer Abkommen abweichenden Grenzverlauf beschreibt. Diese widersprüchliche Situation ist Ergebnis der faktischen Entwicklung der Nachkriegsregelung.
Weitere Folgen Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Stettin und dem Umland