310px|rechts mini|Rekonstruktionsversuch des Kastells und des Vicus (2. Jahrhundert), Ansicht aus Südost mini|Münzporträt des Hadrian mini|Befundskizze des Steinkastells, 2. bis 3. Jh. n. Chr.

Pons Aelius war ein römisches Brückenkopfkastell mit angeschlossener Zivilsiedlung auf dem Stadtgebiet von Newcastle upon Tyne (Metropolitan County), Tyne and Wear, England.

Es gehörte zu der aus insgesamt 16 Kastellen bestehenden Festungskette des Hadrianswalls (per lineam valli), sicherte dessen östlichen Abschnitt und eine Brücke über den Fluss Tyne. Das Lager wurde etwa 300 Jahre, vermutlich von 122 bis 400 n. Chr., vom römischen Militär genutzt. Vom Kastell und der Brücke ist heute nichts mehr erhalten.

Name Der antike Name des Militärstandortes wurde nur in der Notitia dignitatum, einem Verzeichnis der spätrömischen Verwaltung aus dem 4. Jahrhundert, überliefert. Er bedeutet „Brücke des Aelius“ und leitet sich vom lateinischen pons (= Brücke) und dem Gentilnamen Aelii (nomen gentile) des Kaisers Hadrian ab. Er wurde mit ziemlicher Sicherheit auch für das Kastell und das Lagerdorf verwendet. Der Fluss wurde von den Römern als Tinea bezeichnet.A. L. F. Rivet, Colin Smith 1979, S. 441.

Lage Pons Aelius war das zweite Glied in der Festungskette des Hadrianswalls (vallum aelium). Das Kastell stand westlich von Segedunum (Wallsend) und Arbeia (South Shields), nördlich von Concangis (Chester-le-Street), und östlich von Condercum (Benwell) und Coriosopitum (Corbridge). Es befand sich auf einem Hügel über dem nördlichen Flussufer, heute überdeckt von Gebäuden des Stadtzentrums, der normannischen Burg von Newcastle (Wohnturm Castle Keep) und den Resten einer angelsächsischen Kirche, die zum Teil aus Steinen des Walls erbaut gewesen sein soll. Von dort aus hatte man einen ausgezeichneten Blick über das Flusstal des Tyne. Die Brücke und das Kastell standen am nördlichen Ende der heutigen Cade’s Road, die wiederum über einer ehemaligen Römerstraße liegt. Man nimmt an, dass sie von Brough-on-Humber, über Eboracum (York) nach Concangis führte. Es gab in der Nähe oder direkt beim Kastell auch eine Reihe von kleinen Bächen (Pandon Burn, Ouse Bourne, Skinner Burn, Lort Burn), die dem Tyne zuflossen. Einer wurde direkt durch einen Düker unter der Mauer durchgeleitet. Im späten 2. Jahrhundert gehörte die Region zur Provinz Britannia inferior, ab dem 4. Jahrhundert zur Provinz Britannia secunda.

Forschungsgeschichte In den 1870er Jahren wurden beim Bau der Swing Bridge Reste von antiken Holzbalken aus dem Fluss geborgen, die von der Fundamentierung der römischen Brücke stammten. 1872 stieß man auf einen ihrer Brückenpfeiler. Das Kastell konnte wegen der dichten Überbauung nur punktuell untersucht werden. Um seinen Umfang festzustellen, führte Frank G. Simpson zwischen 1928 und 1929 eine Ausgrabung durch. Dabei kamen südlich und westlich des Wohnturmes Teile der Umwallung und Mauerzüge des Kommandantenhauses und Hypokaustenpfeiler ans Tageslicht. In weiterer Folge konnten bei dieser Grabung noch Steine von der Umwehrung, Dachziegel, Mörtelbruch aus dem 2. Jahrhundert und einige Lederstücke geborgen werden. Die Reste einer Steinpflasterung stammten aus dem 2. Jahrhundert. Von 1960 bis 1961 stieß man an der Südmauer auf Keramik aus demselben Zeitraum. Die Lehmschicht über den Pflastersteinen enthielt Keramik aus dem 2. und 4. Jahrhundert. 1973 legte man bei einer Sondierung am Stadttor Black Gate eine von Nord nach Süd verlaufende römische Straße frei. Möglicherweise handelte es sich um einen Abschnitt der umlaufenden Wallstraße (via Sagularis) des Kastells. Bei der Grabung von 1978 konnten die einzelnen Bauphasen des Lagers bestimmt werden. 1994 stieß man beim Hilton Hotel in Gateshead auf die Reste einer römerzeitlichen Siedlung und einer Straße, möglicherweise die südliche Zufahrt zur römischen Brücke.

Zwischen 1977 und 1992 legten die Archäologen nahe dem Eisenbahnviadukt sowie westlich und nördlich des Wohnturms über 660 angelsächsisch-christliche Bestattungen frei. Die Toten waren in einfachen Löchern, bedeckt mit Leichentüchern, in mit Holz eingefassten Gruben, in Holzsärgen und Steinkisten bestattet worden. Die Gräber waren teilweise durch Steine oder Holztafeln am Kopf- oder Fußende markiert. Einige waren mit dekorierten Steinplatten bedeckt, in einem Fall mit einem wiederverwendeten römischen Meilenstein. Der Friedhof war vom 8. bis ins 10. Jahrhundert belegt.David J. Breeze, Brian Dobson 1976, S. 272, Frank Gerald Simpson 1976. S. 170, 175, 188–192.

Entwicklung Der Stanegate, der bis zur Errichtung des Hadrianswalls die Nordgrenze markierte, beginnt östlich von Coriosopitum/Coria und kreuzt sich hier mit der Dere Street, in der Antike die Hauptverbindungsstraße nach Schottland. Möglicherweise führte der Stanegate von Coriosopitum noch weiter östlich bis nach Pons Aelius, bislang konnten dafür aber noch keine archäologischen Beweise beigebracht werden. Im Jahre 122 befahl Kaiser Hadrian, im Norden Britanniens eine Sperrmauer, verstärkt durch Wachtürme und Kastelle, vom Tyne bis zum Solway-Firth zu errichten, um die britischen Provinzen vor den ständigen Einfällen der Pikten aus dem Norden zu schützen. Der Wall wurde größtenteils durch Soldaten der drei in Britannien stationierten Legionen und der Classis Britannica errichtet.

Nach den ursprünglichen Plänen sollte der Wall im Osten schon bei Pons Aelius enden. Zwischen 125 und 127 entschlossen sich die römischen Bauherren aber, die Mauer noch ein Stück weiter Richtung Osten zu verlängern, um das Umland der Brücke bei Pons Aelius und die hier siedelnden Briganten besser schützen zu können. Der neue Wallabschnitt reichte von Byker, dem östlichsten Stadtbezirk von Newcastle, bis Wallsend. Man nimmt an, dass das Brückenkopfkastell ein älteres Kastell bei Gateshead, südlich des Tyne, ersetzte. In der Regierungszeit des Septimius Severus (193–211) wurde das alte Holz-Erde-Lager abgetragen und ein Steinkastell errichtet. Die Archäologen vermuten, dass zwischen 270 und 360 auch Markttage im Lager abgehalten wurden. Um 410 zog die römische Armee vom Hadrianswall ab. Danach hatte Nordbritannien wieder vermehrt unter Einfällen der Pikten und Angelsachsen zu leiden.

Was nach dem endgültigen Zusammenbruch der römischen Ordnung, vermutlich um 450, in der Region rund um Newcastle geschah, liegt weitgehend im Dunkeln. Der angelsächsische Mönch und Chronist Beda Venerabilis, der im Kloster St. Paul in Jarrow lebte, erwähnte im 8. Jahrhundert in seinen Schriften einen Ort namens „Ad Murum“ (= bei den Mauern), womit möglicherweise das nahegelegene Newcastle gemeint sein könnte. Vom normannischen Chronisten Symeon ist der angelsächsische Name von Newcastle überliefert worden, „Monkchester“ (das angelsächsische Wort „chester“ bedeutet „befestigter Ort“). Seit dem 8. Jahrhundert nutzte man das Areal des römischen Lagers als Friedhof. Im Jahre 1066 passierte der Normannenherzog Wilhelm I. die Brücke auf seinem Zug nach Norden. Nach 1080 wurde über den Ruinen des römischen Lagers von den Normannen eine Motte errichtet, das „New Castle upon Tyne“ (= die neue Burg über dem Tyne).Barbara Harbottle 1977, S. 1.

Kastell Oberirdisch ist vom Kastell nichts mehr zu sehen. Seine Überreste liegen heute größtenteils unter der normannischen Stadtburg. Bekannt sind die Positionen des Kommandantenhauses (Prätorium), des Stabsquartiers (Principia) und zweier Lagerhäuser (Horreum). Es handelte sich wohl um Lagerhäuser des Typs B – freistehend im Kastellinneren. Sie sind durch Pflastersteinreihen im Norden und Westen des Wohnturms und beim Eisenbahnviadukt markiert. Die Lagerhäuser befanden sich im Vorderteil des Kastells (praedentura), Stabsquartier und Kommandantenhaus im rückwärtigen Teil (raetendura). Das Lager hatte vermutlich einen quadratischen Grundriss mit abgerundeten Ecken (Spielkartenform), wie es für mittelkaiserzeitliche Kastelle typisch war. Es maß ca. 100 × 100 Meter und bedeckte eine Fläche von 1,1 ha. Damit zählte es – neben Drumburgh – zu den beiden kleinsten Wallkastellen. Insgesamt konnten vier Bauphasen festgestellt werden. Es gibt auch Hinweise auf eine Zeitperiode, in der das Kastell offensichtlich stark vernachlässigt wurde oder verlassen war. Die Umwehrung bestand aus einem Steinwall, an seiner Rückseite war wohl ein Erdwall aufgeschüttet worden, der sie zusätzlich abstützte und als Wehrgang diente. Möglicherweise verfügte das Kastell auch über vier Zugangstore. Südlich des Kastells, beim Prätorium, stieß man auf Spuren eines v-förmigen Wehrgrabens (fossa). Ein Teil des Grabens konnte auch westlich des Lagers, beim Clavering House beobachtet werden.

Phase I: Das frühe Holz-Erde-Kastell wurde durch ein Feuer zerstört und Ende des 2. Jahrhunderts durch einen Steinbau ersetzt. Im Kastell standen zwei 6,52 Meter breite Lagerhäuser, das westliche war mit drei langgestreckten Zwischenwänden versehen. Die Seitenwände der Gebäude waren mit Pilastern verstärkt. Es war über der älteren Holz-Erde-Mauer angelegt worden. Die Keramik aus dem Gebäude wurde ins 2. oder frühe 3. Jahrhundert datiert. Nördlich des Lagerhauses fanden sich eine Aschengrube, eine mit Stein ausgelegte Rinne und ein etwas erhöhtes Areal, vielleicht ein offener Hof. Am östlichen Ende passierte eine Straße das Gebäude. Das unterkellerte Stabsquartier wurde im späten 2. oder frühen 3. Jahrhundert erbaut. Im Stabsgebäude stand eine Weiheinschrift für die Kaiserin Julia Domna. Phase II: Entlang der Südmauer wurde eine Ost-West-Straße angelegt. Das Haus des Kommandanten wurde renoviert und mit einer Hypokaustenheizung versehen. Phase III: In der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts wurde das Kastell vorübergehend aufgegeben. Phase IV: Im 4. Jahrhundert wurde das Kastell wieder besetzt. Das westliche Horreum und die Gebäude am nördlichen Ende der Lagerhauptstraße (via Praetoria) wurden abgerissen. Quer durch die Ruine des östlichen Horreums wurde ein Kanal zu einer Zisterne gegraben. Am oberen Ende der Ost-West-Straße stand eine Struktur unbekannter Funktion aus massiven Steinblöcken.Guy de la Bedoyere 1998, S. 41

Hadrianswall Der genaue Verlauf des Hadrianswalls in der Nähe der römischen Festung konnte noch nicht bestimmt worden. Man weiß daher nicht, ob die Kastellmauer – wie beim Kastell in Wallsend – mit dem Wall verbunden war. Es könnte sein, dass er etwas weiter nördlich an Pons Aelius vorbeiführte (südlich der heutigen St. Nicolas Church). Zwischen Benwell und dem Stadtzentrum von Newcastle markiert größtenteils die Westgate Road den Verlauf des Walls. Die Straße überdeckt den nördlichen Graben des Hadrianswalls. Die Linie der Mauer entlang der Westgate Road setzt sich bis zu einer Verkehrsinsel fort, wo sie unter der Statue von George Stephenson, dann über die Neville Street (vor dem Bahnhof), bis zum Gebäude des Mining Institute weiterläuft. Dort ist auch eine Tafel mit Angaben zum Wall angebracht. 1826 fand man in den Fundamenten des Low Gosforth House in Newcastle eine Bauinschrift, die vom 6,4 km entfernten Wall stammte. Sie nennt eine VII. Kohorte, die wohl für den Bau des Wallabschnitts in dieser Region verantwortlich war. Spuren des südlichen Grabens (vallum) konnten bei Arthur Hill, westlich des Stadtzentrums, beobachtet werden.RIB 1324

Garnison