Bei der Kirche in Kuty () handelt es sich um einen Backsteinbau aus dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts. Bis 1945 war sie evangelisches Gotteshaus für die Bewohner des damals Kutten genannten Kirchspiels in Ostpreußen; heute ist sie gottesdienstliches Zentrum der katholischen Pfarrei Kuty im polnischen Bistum Ełk ().
Geographische Lage Das heutige Kuty liegt im Nordosten der Woiwodschaft Ermland-Masuren am Jezioro Czarna Kuta (Schwarze Kutte), 13 Kilometer östlich der Kreisstadt Węgorzewo (Angerburg). Die Kirche steht im Südosten des Ortes unweit der Ausfallstraße nach Jakunówko (Jakunowken, 1938–1945 Jakunen).
Kirchengebäude mini|Der Ostgiebel der Kirche in Kuty Bereits im Jahr 1553 wurde Kutten als Kirchdorf genannt,Kuty – Kutten obwohl für den Baubeginn der jetzigen Kirche erst das Jahr 1576 fest stehtWalther Hubatsch: Geschichte des evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 88–89, Abb. 357.. Damals entstand der heute noch weithin sichtbare Backsteinbau auf Feldsteinsockel mit einem verzierten Ostgiebel und einen dreigeschossigen Westturm.
Im Jahr 1887 war eine Grundrenovierung besonders des Innenraumes erforderlich. Er erhielt statt einer flachen Decke eine spitz zulaufende Holzdecke. Altar und Kanzel, die um 1600 entstanden waren, wurden bereits Anfang des 18. Jahrhunderts zu einem Kanzelaltar vereinigt und mit neuem Schnitzwerk ergänzt. Anlässlich der Renovierungsarbeiten 1887 erhielt die Kirche eine Orgel, die vom Orgelbaumeister Max Terletzki in Königsberg (Preußen) gefertigt wurde. Das Geläut der Kirche bestand seinerzeit aus zwei Glocken.
Die Kirche erfuhr im Zweiten Weltkrieg eine derartige Zerstörung, dass nahezu die gesamte Innenausstattung ihr zum Opfer fiel. Lediglich zwei Hirschleuchter, ein großes Kruzifix und die Figur der Maria auf der Mondsichel sind geblieben.
Im Jahr 1974 folgte ein stilgerechter Wiederaufbau mit moderner und der römisch-katholischen Liturgie angepasster Inneneinrichtung, nachdem das Gotteshaus zur Pfarrkirche einer neuen, katholischen Pfarrei geworden war. Sie trägt den Namen Maximilian Kolbes.
Kirchengemeinde Evangelisch Im Jahre 1570 wurde in Kutten ein evangelisches Kirchspiel gegründet,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 476. das von dem Bezirk der Pfarrkirche in Angerburg () abgezweigt wurde. Bereits 1554 war hier ein eigener Geistlicher eingesetzt.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 79.
Bis 1725 war Kutten der Inspektion Rastenburg (polnisch Kętrzyn) zugeordnet; danach gehörte die Pfarrei zum Kirchenkreis Angerburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahr 1925 zählte sie 3300 Gemeindeglieder, die in einem weitflächigen Kirchspiel wohnten. Das Kirchenpatronat oblag zuletzt staatlichen Stellen.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten nach 1945 dem Leben der evangelischen Kirchengemeinde in Kutten ein Ende. Heute leben nur sehr wenige evangelische Einwohner in Kuty. Sie gehören jetzt zur Kirchengemeinde in Węgorzewo (Angerburg), einer Filialgemeinde von Giżycko (Lötzen) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Römisch-Katholisch Gehörten die – vor 1945 nur wenigen – römisch-katholischen Einwohner noch zur Pfarrei der Kirche Zum Guten Hirten in Angerburg im Dekanat Masuren II im damaligen Bistum Ermland, so sind sie heute in die neu gegründete Pfarrgemeinde am Ort eingegliedert, und das einst evangelische Gotteshaus dient ihnen nun als Pfarrkirche. Sie ist Teil des Dekanats Węgorzewo im jetzigen Bistum Ełk (Lötzen) der Römisch-katholischen Kirche in Polen. Zur Pfarrei gehört auch eine Filialkapelle in Krzywinsken (1938–1945 Sonnheim, polnisch Krzywińskie).
Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Kutten gehörten bis 1945 14 Orte, Ortschaften und Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort. Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Frankenort Jeleni Róg *Kutten Kuty Gassöwen Gąsewo *Przytullen Kleinkutten Przytuły Groß Lenkuk Łękuk Wielki *Schloßbergbis 1925 Grodzisko Heidenberg Grodzisko *Gembalken Gębałka *Steinwaldebis 1923 Groß Pillacken Piłaki Wielkie *Jakunowken Jakunen Jakunówko *Wiesentalbis 1907 Przerwanken Przerwanki Karlsberg Sapieniec Wilkusmühle Wilkus *Klein Strengeln Stręgielek Zabinken Hochsee Żabinkabis 2010 Żabinki
Pfarreiorte (nach 1945) Zur Pfarrei () Kuty gehören 11 Dörfer: Name Deutscher Name Name Deutscher Name Gębałka Gembalken Piłaki Wielkie Steinwaldebis 1923 Groß Pillacken Jakunówko Jakunowken1938–1945 Jakunen Przerwanki Wiesentalbis 1907 Przerwanken Krzywińskie Krzywinsken1938–1945 Sonnheim Przytuły Przytullen1938–1945 Kleinkutten Kuty Kutten Radziszewo Karlsfelde Matyski Steinhof Stręgiel Groß Strengeln Stręgielek Klein Strengeln
Pfarrer (bis 1945) In der evangelischen Pfarrei Kutten amtierten bis 1945 als Geistliche: Valentin Schulz, 1554–1576 Michael Dannovius, 1576–1578 Matthäus Myslenta, 1581–1588 Jacob Schinsky, bis 1625 Albert Gembalowski, 1649 Paul Drygalski, 1650–1655 Andreas Mrosovius, 1655–1678 Christoph Riediger, 1678–1689 Andreas Trantz, 1689–1699 Johann Albert Cibulcowius,1699–1708 Paul Bernhard Drigalski, 1708–1752 Paul Christian Drigalski, 1739–1749 Albrecht Josewich, 1742–1749 Martin Gisewius, 1749–1767 Jacob Sagrobski, 1766–1776 Jacob Gutowski, 1777–1780 Friedrich Ludwig Boretius, 1780–1785 Johann Christoph Schultz, 1785–1791 Albert Pianka, 1791–1797 Salomon Daniel Paulini, 1798–1826 Andreas Gottlieb Paulini, 1826–1869 Anton Emil Willamowski, 1870–1899 Friedrich Ludwig J. Wolter, 1899–1907 Anton Otto Wangnick, 1907–1914 Ernst Hecht, 1915–1921 Karl Venske, 1921–1926 Gottfried Sallet, 1926 Walter Obgartel, 1926–1930 Alfred Vorrath, ab 1930 Erhard Mertens, ab 1934 Rudolf Ehrhardt, bis 1936 Werner Lekies, 1936–1941 Günther Siltmann, 1943
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern des evangelischen Kirchspiels Kutten haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin. Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. 3. Auflage. Berlin 1992, S. 74–75. Taufen: 1691–1733, 1733–1745, 1744–1767, 1780–1784, 1805–1827, 1827–1853 Trauungen: 1710–1721, 1723–1744, 1744–1745, 1751–1754, 1756–1758, 1760–1767, 1795–1798, 1805–1834, 1834–1903 Begräbnisse: 1710–1728, 1730–1741, 1742–1744, 1744–1749, 1751–1756, 1758–1779, 1772–1786, 1830–1838, 1839–1888
Persönlichkeit In Kutten wurde am 27. März 1588 der Pfarrersohn Cölestin Myslenta geboren und in der Pfarrkirche getauft. Er war ein bedeutender lutherischer Theologe und war lange Zeit Rektor der Albertus-Universität in Königsberg († 1653).
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Maximilian-Kolbe-Kirche Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Pozezdrze Kategorie:Kirchengebäude der Backsteingotik Kategorie:Backsteingotik in Polen Kategorie:Erbaut in den 1570er Jahren