Der Mandarin ist ein österreich-ungarisches Stummfilmdrama aus dem Jahre 1918 von Fritz Freisler nach dem gleichnamigen Theaterstück von Paul Frank (1916).

Handlung Bei Wien. In der Irrenanstalt Steinhof erzählt der Anstaltsleiter dem Schriftsteller Kristinus von einem merkwürdigen Fall, der sich einst hier zugetragen hatte: Der sehr reiche Lebemann Baron von Stroom hatte sich bis über beide Ohren in die Schauspielerin von Gaalen verliebt. Doch die holde Schöne wies ihn regelmäßig zurück, und so fiel der erfolgsverwöhnte Galan Stück für Stück dem Wahnsinn anheim. Eines Tages begegnete dem Freiherrn ein Hausierer, der ihm eine chinesische Tonfigur mit dem Titel eines chinesischen Mandarin verkaufte. Plötzlich wurde die Tonfigur, golemgleich, lebendig und bot dem Edelmann an, ihm alle Frauen, die er sich wünsche, herbeizuschaffen. Keine Frau werde ihn jemals wieder zurückweisen können, so das verlockende Versprechen. Von Stroom lässt sich auf diesen diabolischen Pakt, mit dem er seine Seele preisgibt, ein.

Der Mandarin wird fortan zum zweien Schatten Strooms; mal dient der Asiate seinem europäischen Herrn als Chauffeur, mal als Bursche und mal als Leibwächter. Der chinesische Sonderling hält sein Versprechen: alle Frauenherzen fallen Baron Stroom zu. Den Anfang macht die Schauspielerin Gaalen, gefolgt von der Gattin des Eisenbahnkönigs Webster und der Prinzessin von Amarkand. Doch eines Tages weist der Adelige in einem Anflug an wiedererwachter Hybris bezüglich der eigenen, erotischen Ausstrahlungskraft die Hilfe seines Talismans zurück. Im Nu ist alle Magie verschwunden, keine Frau lässt sich mehr von Stroom erobern. Sogar die billigsten Huren in den heruntergekommensten Kaschemmen weisen ihn ab. Bald sieht der Verzweifelte nur noch die hässliche Fratze seines einstigen Glücksbringers, die ihn in den Wahnsinn zu treiben beginnt. Kaum in Steinhof eingeliefert, meint der Edelmann selbst in dem Anstaltsdirektor den Mandarin zu erkennen. Damit endet dessen Geschichte, die Kristinus Stoff für einen aufregenden, psychologisch durchdachten Roman geben wird.

Produktionsnotizen Der Film, einer der letzten Produktionen Österreich-Ungarns, entstand kurz vor dem Untergang des Habsburger-Reiches 1918. Er ist in der heutigen Fassung 1115 Meter, verteilt auf vier Akte, lang und wurde am 22. November 1918 uraufgeführt. Urfassungen besaßen eine Länge von 2017 resp. 2079 Meter, die sich in der deutschen Fassung auf sechs Akte verteilten. Dort hatte Der Mandarin im Mai 1919 seine Premiere im Berliner Uraufführungstheater Alexanderplatz. Der gerade erst 19-jährige Karl Hartl assistierte Regisseur Freisler.

Der nach 1945 verschollen geglaubte Film gilt als Vorläufer des expressionistischen Kinos in Deutschland wie etwa Das Cabinet des Dr. Caligari. Erst spät wurde er in den USA wiederentdeckt und von 2002 bis 2004 im Zuge eines gemeinsamen Projekts des Österreichischen Filmmuseums (Wien) und des George Eastman House (Rochester) restauriert.

Kritik

Einordnung

Einzelnachweise

Weblinks Der Mandarin auf stummfilm.at

Kategorie:Filmtitel 1918 Kategorie:Österreichischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Stummfilm Kategorie:Fantasyfilm Kategorie:Filmdrama Kategorie:Thriller