mini|Severinstraße, Blickrichtung Norden mini|Südliches Ende der Severinstraße (Severinstorburg) mini|Flug entlang der Severinstraße (Juli 2024) Severinstraße (in Kölsch: Vringsstroß) ist der Name einer 995 Meter langen Straße in Nord-Süd-Richtung, die zwischen Chlodwigplatz und Waidmarkt in der Kölner Altstadt-Süd verläuft.
Geschichte Der Ursprung der Severinstraße geht auf die Römerzeit zurück.
Römerzeit Die Severinstraße war eine römische Heeres- und Ausfallstraße, daher ist sie zugleich auch Gräberstraße gewesen. Die Friedhöfe aus dem 1. bis 4. Jahrhundert lagen seitlich tiefgestaffelt und führten zu zahlreichen Funden. Die Severinstraße begann am römischen Südtor „Porta Jovis“, das an der heutigen Hohe Pforte lag und führte nach Bonn (). Innerstädtisch setzte sie sich im „Cardo maximus“ mit einer Breite von 20 römischen Fuß (5,92 Meter) fort, an dessen Endpunkt sich im Norden die Pfaffenpforte (nach Neuss = Novaesium) befand.Gerd Biegel, Köln, Band 1, 1980, S. 65. Sie war die größte Gräberstraße Kölns.Hans Gebhart/Konrad Kraft, Die Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland, 1984, S. 529. Bei Ausgrabungen unter der naheliegenden Kirche St. Georg in den Jahren 1928–1931 stieß man auf römische Gebäudereste. Ausgrabungen an Severinstraße Nr. 64 führten zur Erfassung von 16 römischen Gräbern. Es handelt sich um zehn Brand- und sechs Körperbestattungen des 2. bis 3. Jahrhunderts. Eines der Körpergräber zeichnete sich durch reichere Beigaben (Münze, Bronzearmreif und Goldring) aus.Gebr. Mann, Kölner Jahrbuch für Vorgeschichte und Frühgeschichte, Band 25, 1992, S. 537. Die Bekrönung eines Grabmals mit zwei Löwen, die eine Sphinx flankieren, kam in Nr. 78 zutage. Das aus Kalkstein gefertigte Lararium (22 cm hoch und 64 cm lang), von dem in der Severinstraße ein Giebelrelief zutage kam, datiert in die zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. und zeigt Mercurius Arvernus. Mercur[io] / [A]rvern[o] / [s]acru[m] / Iulius Iu / [e]x imp(erio) i[ps(ius)] Der wichtigste Fund an der Severinstraße (Chlodwigplatz Nr. 24) ist das durch Amateure ab April 1965 freigelegte Grabmal des Poblicius.Susanne Willer, Römische Grabbauten des 2. und 3. Jahrhunderts nach Christus im Rheingebiet, 2005, S. 82. Zwischen Waidmarkt, Severinstraße und Georgstraße befand sich auch ein Töpferbezirk. Im 4. Jahrhundert entstand unter dem heutigen Mittelschiff von St. Severin ein kleiner rechteckiger Saalbau (cella memoriae) mit Apsis nach Westen. Nach Erweiterungen im 6. und 8. Jahrhundert begann hier der Neubau einer romanischen Basilika (fertiggestellt um 900).
Mittelalter mini|350px|links|Severinstraße – mit den ehemaligen Teilabschnitten „Voir dem Duitschen hause“ (Vor dem deutschen Hause) und „Vor St. Jan“ in der Kölner Stadtansicht von 1570 des Arnold Mercator mini|Karmeliterkirche – Ausschnitt aus Anton Woensams Kölner Stadtansicht von 1531 Erst nach Abzug der Römer erhielt die Severinstraße den lateinischen Namen „Platea Severini“. In einer Urkunde hieß sie 1261 „Lata platea“ (breite Straße), deren Name sich aber für die Breite Straße durchsetzte. Im Mittelalter fungierte die Severinstraße als Torstraße und stellte als solche bereits die Lebensader des Viertels dar. Sie gehörte innerhalb des Vorstadtbezirks Oversburg zum Kirchspiel St. Severin und ist benannt nach dem heiligen Severin von Köln († 23. Oktober 399), dem dritten namentlich bekannten Bischof der Stadt, der zwischen 365 und 399 regiert hatte. Er stiftete die gleichnamige Kirche um 378 und wurde dort begraben.Friedrich Everhard von Mering/Ludwig Reischert, Die Bischöfe und Erzbischöfe von Köln nach ihrer Reihenfolge, 1844, S. 27. Erzbischof Wichfried fügte ihr 934 ein Oratorium hinzu, Erzbischof Brun weihte sie im Jahre 948. Nach seinem Tod begann der Bau der nach Severin benannten Kirche in Nr. 35–37, die heutige Kirche St. Severin geht auf die Jahre 1300–1312 zurück. Der unmittelbar südlich anschließende Severinshof (Fronhof des Propstes) gehörte ebenfalls zum Stift St. Severin. St. Johann Baptist (Nr. 1) wurde 948 erstmals erwähnt und ist seit 1080 als Pfarrkirche bezeugt. Zu ihr gehörte der Elendfriedhof,„Elend“ entstand aus ali-lenti, „aus einem anderen Land“ die letzte Ruhestätte der Armen und Fremden. mini|Severinstraße 255–257 – Karmeliterkloster und Kirche (um 1643), Kupferstich mini|links|Severinstraße 35–37 – St. Maria Magdalena (aus Arnold Mercators Kölner Stadtansicht von 1570) mini|links|Severinstraße – St. Katharinen und St. Johann Baptist (aus Arnold Mercators Kölner Stadtansicht von 1570) mini|350px|Severinstraße – Häuserfronten und Bauwerke zwischen „Voir dem Duitschen hause“ und „Der Weismarckt“ (aus Arnold Mercators Kölner Stadtansicht von 1570)
Nach den beiden Kirchen entstand als erster Profanbau wohl ein Hospital. Seit 1218 ist das Deutschorden-Hospital auf der Severinstraße belegt;Eduard Hegel, Das mittelalterliche Pfarrsystem und seine kirchliche Infrastruktur in Köln um 1500, 1992, S. 24. es befand sich im mittleren Teil der Straße. Henricus Videlere mit der Berufsbezeichnung „joculator“ (Spaßvogel) hatte seinen Wohnsitz zwischen 1246 und 1276 in der Severinstraße,Hans Vogts, Strukturwandlungen der Kölner Stadtteile St. Severin und St. Alban im Verlauf von 800 Jahrhunderten, in: Aus kölnischer und rheinischer Geschichte, 1969, S. 351. Edelvogt Gerhard erwarb nach 1290 mehrere Häuser in der Severinstraße. Rutger Overstolz wohnte 1297 auf der Severinstraße, zu jener Zeit auch Burgstraße genannt, weil sie von der Hohe Pforte zur alten Burg („Burgum vetus“) in Marienburg führte.Johann Jakob Peter Fuchs, Topographie der Stadt Köln, Band IV (M-Z), 1840, S. 203. Der an der Nordseite gelegene heutige Waidmarkt diente den Waidhändlern als Handelsplatz und bildete einen verbreiterten Teil der Severinstraße; wie diese führte er seit 1261 den Namen „lata platea“. Später (1316) nannte man den Markt „super weitmarte“, dann (1320) „forum xandicis“ und 1408 „weydtmarkt“. Bei Arnold Mercator heißt er „Der Weismarkt“.Adam Wrede, Neuer Kölnischer Sprachschatz, Band III, 1984, S. 267. Er ist nach der Färberpflanze Waid benannt, die insbesondere die Blaufärber nutzten.
Die ersten Kölner Karmeliter erwarben 1256 einen 1/2 Anteil von einem Haus auf der Severinstraße mit Garten, die andere Hälfte wurde ihnen um 1272 durch Bruno und Jutta de Bunregassen (vom Bonnerhof) vererbt, fünf weitere Käufe tätigten sie dort zwischen 1259 und 1297.Ludwig Röhrscheid-Verlag, Rheinisches Archiv, Band 103, 1977, S. 125 Umstritten ist das Gründungsjahr des Klosters, das Hermann Keussen mit 1256,Hermann Keussen, Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Band II, 1910, S. 37/39. Helga Johag zwischen 1260 und 1270Helga Johag, Die Beziehungen zwischen Klerus und Bürgerschaft in Köln zwischen 1250 und 1350, 1977, S. 111. und Hans Vogts vor 1238 annimmt.Historisches Seminar der Universität zu Köln, Geschichte in Köln, Bände 9–12, 1981, S. 57. 1280 wurde jedenfalls der dreischiffige Kirchenbau von 53 Metern Länge und 23 Metern Breite geweiht.Hermann Keussen, Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Band II, 1910, S. 37 b 1 Im Kloster verhandelten ab 28. Juni 1673 Bevollmächtigte der Könige von Spanien, England und Schweden und der Kölner Erzbischof Maximilian Heinrich von Bayern über die Beilegung des Französisch-Niederländischen Krieges.Peter Fuchs (Hrsg.), Chroniken zur Geschichte der Stadt Köln, Band 2, 1991, S. 82. Die Gespräche wurden am 16. April 1674 ergebnislos durch die Abreise der französischen Delegierten abgebrochen; der Krieg dauerte noch bis 1678.
Nicht zu verwechseln sind diese Karmeliter mit dem strengeren Orden der „unbeschuhten, barfüßigen“ Karmeliter, die in Köln im Jahre 1614 in Nr. 115 die erste Niederlassung auf deutschem Boden gründeten.Stefan Lewejohann, Köln in unheiligen Zeiten, 2014, S. 223. Für die neue Ordensniederlassung erwarben sie im Januar 1615 zunächst den Hof „im Dau(w)“ der Familie von Hasselt in Nr. 143–147 zum Preis von 8.000 Florin, am 28. Januar 1615 erteilte der Stadtrat bereits die Baugenehmigung.Wilhelm Waetzoldt/Ernst Gall, Zeitschrift für Kunstgeschichte, 1972, S. 199 Im weiteren Verlauf des Jahres 1615 erwarben die Karmeliter zusätzliches Gelände Im Dau zwischen Severinstraße und Ulrichgasse, wo in der Folge Kloster und Kirche entstanden. Dem Klosterbau waren drei Anwesen in den Nr. 137–141 vorgelagert. Das Kloster wollte den von Reiner Broelmann zu erwerbenden Teil gegen ein an der Ulrichgasse gelegenes und der Familie Martin Volpon gehörendes Grundstück tauschen. Der Rat der Stadt Köln beauftragte 1629 den Bildnismaler Franciscus Kessler, einen Plan des Grundstücks anzufertigen, um die Absichten des Klosters zu klären.Kölnischer Geschichtsverein, Jahrbuch, Bände 33–37, 1958, S. 127. Das „Frauenbrüderkloster“ war ein einfacher Bau mit zwei quadratischen Höfen, daneben die mit kurzem Querschiff und geradem Chorschluss versehene einschiffige KircheHiltrud Kier/Ulrich Krings, Stadtspuren: Denkmäler in Köln, Band 1/Band 9, 1984, S. 35 „Maria vom Frieden“ (1643–1692, neue Fassade aus 1716). Eine Bleiplatte aus dem Grundstein der Kirche datiert vom 16. März 1620 und belegt einen frühen Baubeginn. Am 17. August 1635 erteilte der Stadtrat die Genehmigung zur Gründung des Karmeliterinnenklosters.
Johann Gerhard von Sandt bewohnte das nach ihm benannte „Sandische Haus“ nebst Weingarten (Nr. 31–35), das der Erzbischof konfiszierte und abreißen ließ. Zum Andenken an den Sieg in der Schlacht von Worringen im Jahre 1288 wurde dort das Franziskaner-Tertiarinnen-Kloster und die Kapelle St. Bonifacius erbaut.Verband Deutscher Architekten, Koln und seine Bauten, 1888, S. 75. Kloster und Kapelle entstanden Ende 1309 im Auftrage des Rats der Stadt KölnAegidius Gelenius, Colonia, 1634, S. 263, 265 f. unter Einbeziehung des Hofs des Gonder von Mommersloch.Peter Fuchs (Hrsg.), Chroniken zur Geschichte der Stadt Köln, Band 1, 1991, S. 254. Die Kapelle war dem heiligen Bonifatius geweiht, an dessen Gedenktag (5. Juni) die Schlacht stattfand. In der Kapelle trafen sich alljährlich die Ratsherren zum Gedenken.Leonard Ennen, Geschichte der Stadt Köln, Band 3, 1869, S. 786 f. Die Kirchen an der mittleren Severinstraße wie St. Johann Baptist, die im März 1628 geweihte Klosterkirche der Muttergottes und den Heiligen Joseph und Theresia (Im Dau), die Kirche St. Gregorius im Elend („Elendskirche“, 1765–1771 von Balthasar Spaeth erbaut), St. Katharinen (1218) und nicht zuletzt St. Severin trugen dazu bei, dass sich die Severinstraße im Mittelalter zur Straße der Kirchen, Klöster und Kapellen entwickelte, weswegen sie der Kölner „Pfaffengasse“ nannte.Helmut Signon/Klaus Schmidt, Alle Straßen führen nach Köln, 2006, S. 315.