mini|hochkant=1.1|Das Gutshaus im Jahr 2007 aus nordwestlicher Richtung.
Das Gutshaus Lancken ist ein Herrenhaus in Lancken, einem Ortsteil von Dranske im Landkreis Vorpommern-Rügen. Der zweigeschossige Backsteinbau wurde 1608 errichtet und verblieb fast 300 Jahre im Besitz der Familie von der Lancken. Es befindet sich heute trotz reizvoller Lage und Architektur in einem äußerst desolaten Zustand. Die Gutshaus-Ruine ist ebenso wie der dazugehörige Park mit seiner Hauptallee in der Liste der Baudenkmale im Landkreis Vorpommern-Rügen erfasst.Auszug aus der Kreisdenkmalliste – Baudenkmale in Lancken (PDF), Stand Juli 2017.
Geschichte Das Gutshaus wurde im Jahr 1608 im Auftrag von Christoph von der Lancken an seiner heutigen Stelle als Teil eines neu geschaffenen Hofguts erbaut. In zwei weiteren Bauphasen, um 1680 und um 1720 wurde das Gebäude zweigeschossig ausgebaut und erhielt seine heutige Gestalt.Gutshaus Lancken bei Dranske auf Rügen, Gutshäuser.de, Abruf am 21. Dezember 2015. Gutsherren waren u. a. Philipp Friedrich von der Lancken, verstorben 1724, sowie der Major (Adolf) Philipp sen. von der Lancken (1717–1758). Dieser war als eine Art Vormund Teil eines im Februar 1756 zu Stralsund beschlossenen internen Vertrages (Pactum Successorium) zur Absicherung einer vorbestimmten Lehnsfolge vieler Besitzungen, Lancken mit Mattschow wurde explizit nicht erwähnt, derer von der Lancken. Es folgten in direkter Erbfolge Philipp jun. von der Lancken (1752–1824), der noch weitere Güter hinzukaufte. Philipp Karl Ludwig von der Lancken (1778–1860) auf Lancken war schwedischer Hauptmann der Garde.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1903. Vierter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1902, S. 477 f.
Das Gutshaus war ein gesellschaftlicher MittelpunktWalter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1977. Band XIV, Band 66 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1977, , ISBN 3-7980-0766-7, S. 310. der Besitzerfamilie, noch 1872 heiratete hier Julie von der Lancken-Lancken (1849–1880) den späteren Generalmajor Gustav von der Lancken-Zürkvitz (1833–1895). Letzter Vertreter dieser Familie vor Ort war die Vorgeneration, Hermann von der Lancken (1811–1874), verheiratet mit Emma geborene von Platen-Parchow. Das Gut befand sich nachweislich bis 1874/1878 im Besitz der Familie von der Lancken, bevor es an Max Wendhausen verkauft wurde. Dieser wurde erstmalig ab 1880 als Rittergutsbesitzer genannt und führte teils den Namen Wendhausen-Lancken, war MitgliedBericht über die Verhandlungen der XVIII. Generalversammlung der Vereinigung der Steuer- und Wirthschafts-Reformer. 1893. Berlin. Selbstverlag der Vereinigung der Steuer- und Wirthschafts-Reformer, Berlin 1893, S. 215. in mehreren Fachverbänden.Siehe: Fr. Mann, Th. Mann: Molkerei-Zeitung. Fachblatt. Jahrgang 14-1900, Nr. 12, Verlag von August Lax, Hildesheim 1900, S. 189. Rittergut Lancken mit Anteil Kreptitz blieb nicht stabil in der Größendordnung, für 1883 gesamt 686 ha,Paul Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche. I: das Königreich Preussen. Band 2 (II. Lieferung): Provinz Pommern. 2. Auflage, Nicolaische Verlags-Buchhandlung Rudolf Stricker, Berlin 1884, S. 238/239. zu 1913 noch 396 ha.Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Pommern. 1914. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 4. Auflage, Reichenbach'sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig Mai 1914, S. 278 f.
Durch Heirat gelangte das Gut in den BesitzVgl. H. Seeliger (Hrsg.): Landwirtschaftliches Adreßbuch der Provinz Pommern. 1939. Verzeichnis von ca. 20000 landwirtschaftlichen Betrieben von 20 ha aufwärts mit Angabe der Besitzer, Pächter und Verwalter, der Gesamtgröße des Betriebes und Flächeninhalt der einzelnen Kulturen; nach amtlichen Quellen. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 9. Auflage (Hier: Letzte Ausgabe Niekammer), Selbstverlag von Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1939, S. 47. der Familie Klincke, die in den Folgejahrzehnten namhafte und erfolgreiche Züchter wurden.Vgl. Heinrich Ulrich von Oertzen-Strehlow, Kurt Hering: Tierzucht in Pommern. 19. und 20. Jahrhundert. In: Göttinger Arbeitskreis: Ostdeutsche Beiträge aus dem Göttinger Arbeitskreis. Band 44; sowie: Göttinger Arbeitskreis: Veröffentlichung. Nr. 379; Holzner, Würzburg 1969, S. 87. 1938/1939 war Frau Else Klincke die Gutsherrin der 385 ha. Das Gut in Dranske gehörte seit einigen Jahrzehnten auch dieser Familie,Königlich Preussisches Ministerium der Öffentlichen Arbeiten: Eisenbahn-Verordnungs-Blatt. Jahrgang 36-1913, Julius Sittenfeld-Carl Heymanns Verlag, Berlin 1913, S. 247. zeitgleich einem Carl Klincke. 1945 wurde die Enteignung vollzogen und das Gut gelangte somit in den späteren Staatsbesitz der DDR. Nach 1945 wurde das Gut aufgesiedelt und das Herrenhaus als Flüchtlingslager benutzt.
Der zunehmende Verfall der Anlage veranlasste die letzten Bewohner des Hauses dieses 1963 zu verlassen. Es steht seitdem leer und verfällt zusehends. Pläne, das Herrenhaus zu einem Feriendomizil mit Golfresort auszubauen wurden (bisher) nicht in die Tat umgesetzt. 2007 wurde das Dach notdürftig mit Planen und Holzlatten witterungsbeständig gemacht. Trotz angefangener Sanierungsarbeiten verfällt das Gebäude weiterhin, obgleich es zu den ältesten erhaltenen Gutshäusern des von vielen Kriegen verheerten Vorpommern gehört. Der Gutspark wurde ebenfalls von der Familie von der Lancken angelegt.
Gebäude Das Gutshaus ist ein zweigeschossiger, traufständiger Backsteinbau der Spätrenaissance, Golfresort-Lancken.de, Abruf am 21. Dezember 2015. mit Krüppelwalmen an beiden Giebeln. Beide Geschosse verfügen über acht Fensterachsen. Im Obergeschoss schließen die Fenster rechteckig ab; im Erdgeschoss mit Rundbogen. Zwei der Erdgeschossfenster wurden durch ein großes Eingangsportal ersetzt. Am südwestlichen Giebel sowie an die südöstliche Traufseite des Hauses schlossen sich ehemals Anbauten an, die heutzutage fast vollständig abgegangen sind. Den Abschluss des Daches bildet ein steiles Sparrendach mit mehreren Fledermausgauben auf beiden Hauptdachflächen.
Von der einst reichen Ausstattung des Herrenhauses blieb nichts erhalten. Im Inneren führte eine dreiläufige Treppe in das Obergeschoss, die Holzbohlendecke, noch 1991 erhalten, der Eingangshalle war mit Malereien versehen und in einzelnen Räumen waren Stuckaturen angebracht, die um 1800 gefertigt worden waren. Erhalten haben sich im Inneren des Gebäudes lediglich die Fachwerk-Innenwände, teils noch mit Ausfachung sowie einige schmucklose Holzdecken.
Park
Dem Gebäude südöstlich vorgelagert befindet sich der barocke Gutspark. Die ungefähr 35.000 m² große Anlage wurde in den Jahren 1720 bis 1730 angelegt und im 19. Jahrhundert erweitert. Das Gutshaus befindet sich am nordwestlichen Ende der Mittelachse. Der Gutspark ist eine herausragende Schöpfung von 1720 bis 1730, die im Falle einer Sanierung den bekannteren Park Juliusruh, der ebenfalls von der Familie von der Lancken ab 1795 angelegt wurde, aufgrund vieler rudimentär erhaltener Details qualitativ übertreffen könnte.
Literatur Walter Ohle, Gerd Baier: Die Kunstdenkmale des Kreises Rügen. VEB E. A. Seemann, Leipzig 1963. Sabine Bock, Thomas Helms, Norbert Buske: Schlösser und Herrenhäuser auf Rügen. Edition Temmen, Bremen April 1993, ISBN 3-86108-408-2, S. 64/65. Hans-Christian Feldmann, Gerd Baier, Dietlinde Brugmann, Antje Heling, Barbara Rimpel: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Band: Mecklenburg-Vorpommern. 2. Auflage, Hrsg. Georg-Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2016. ISBN 978-3-422-03128-9. Sabine Bock: Rügen. Burgen und Schlösser, Kirchen und Kapellen, Rittersitze und Herrenhäuser. In: Beiträge zur Architekturgeschichte und Denkmalpflege in Mecklenburg und Vorpommern. 16; sowie: Beiträge zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern. 3; Thomas Helms Verlag, Schwerin 2022. ISBN 978-3-944033-42-6.
Sekundärliteratur Ernst Heinrich Wackenroder: Altes und Neues Rügen. Das ist Kurtzgefaßte und umständliche Nachricht, Von demjenigen, Was […] Mit dem Fürstenthum Rügen, Von Anfang an, biss auf gegenwärtige Zeit sich zugetragen. Nebst Richtigem Verzeichniss der IV. Praeposituren, Greifswald 1732. Otto Heinemann: Geschichte des Geschlechts von der Lancken. 1. Band: Urkundenbuch. PDF, Verlag Paul Niekammer, Stettin 1908, u. a. S. 415, Nr. 811., ff. Gustav von der Lancken-Wakenitz: Geschichte des Geschlechts von der Lancken. 2. Band: Familiengeschichte mit Stamm- und Ahnentafeln. Vor: 1935; Teil 1 / Teil 2. Regesta Imperii. Neu: Teil 1 Hrsg. Axel von der Lancken, Darmstadt 1957. Wolfgang Urban: Verfall als einzige Perspektive?, In: Der Rüganer („Rüganer Anzeiger“). Bergen, 19. Mai 1999. Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern, Gesellschaft für Wirtschaftsförderung: (Hrsg.): 1. Immobilienkatalog Schlösser und Gutshäuser Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin 1994.
Quellen (Auszug) Landesarchiv Mecklenburg-Vorpommern / Greifswald, Matrikel, Band 18 Landesdenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern: Gutsanlagen, Stand 28. November 2021
Weblinks
Alle Burgen: Gutshaus Lancken Deutscher Verband für Kunstgeschichte: Herrenhausruine und Park Lancken
Einzelnachweise
Kategorie:Herrenhaus im Landkreis Vorpommern-Rügen Lancken Kategorie:Bauwerk auf Rügen Kategorie:Baudenkmal in Dranske Kategorie:Bauwerk in Dranske