Der Kornmann ist ein männlicher Korndämon und Kinderschreck der deutschen Sage, der sich im Feld und Acker aufhält.Wilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 23.

Namen

Der Kornmann hat verschiedene Namen. Einige davon haben mit Feldfrüchten zu tun, so Hafermann, Roggenmann, Weizenmann, Gerstenmann, Weizenalter, GerstenalterWilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 24., KornvaterRichard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 61., ErdäpfelmannWilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 25. und Fruchtmann.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 66.

Weitere Namen beziehen sich auf andere Feldpflanzen oder auf die Ernte selber, so Grummetkerl, GrasteufelWilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 23., FeldmannRichard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 66., Erntemann und Schewekerl.Wilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 24.

Der Kornmann wird auch im Diminutiv benannt, was auf seine manchmal zwergenartige Gestalt hinweist. Zu den entsprechenden Namen gehören Kornmännchen, Kornmännlein, KornmannlRichard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 61., GetreidemännchenWilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 23., Troadmannl, Hafermännchen, Holmmandl, FeldmännleinRichard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 66., KleemännchenWilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 23. und Graamannl.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 67.

Aussehen und Wesen

Aussehen

Der Kornmann trägt einen großen schwarzen Hut und einen gewaltig großen Stock.Wilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 24. Er hat rote Augen und einen feurigen Mund.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 61. Der Kornmann wird auch hellweiß gedacht.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 67. Er hat ein schwarzes Gesicht, wird daher auch als schwarzer Mann bezeichnet.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 68.

Der Kornmann wird oftmals auch als von zwergenhafter Gestalt gedacht, worauf Namen im Diminutiv hinweisen.Wilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 23. Als Zwerg ist er ein schwarzes oder graues Männchen, das einem Zwerg ähnlich ist.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 61. Der zwergenhafte Kornmann trägt ein rotes Käppchen. Sein Gesang ist das Zirpen der Grillen.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 67.

Der Kornmann ist außerdem eine greisenhafte Gestalt. Darauf beziehen sich Namen wie der Alte, GroßvaterWilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 24. und alter Mann.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 61.

Wesen

Der Kornmann wohnt in einer unterirdischen Höhle.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 67. Er umwandelt die Kornhaufen auf dem Feld. Wo er sich setzt, da liegt das Getreide zu allen vier Seiten geglättet. Der Kornmann lockt und neckt die Wanderer, führt auch solche, die ihm begegnen, durch die Luft hinweg, so wie es auch der wilde Jäger macht.Wilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 24. Dazu passt, dass er als schwarzer Mann auch mit dem Wetter verbunden ist. Zieht bei der Ernte ein Gewitter auf, so kommt der schwarze Mann.Wilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 23.

Es heißt, der Kornmann, auch Säemann genannt, habe den Saathahn. Daher werden Kinder bei Salzwedel in der Saatzeit mit einem Sach grünen Gesträuchs auf die Felder geschickt um den Saathahn zu holen.Wilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 18. Andernorts vertreiben die Kinder am ersten Fastentag den bösen Sämann mit brennenden Strohwischen aus dem Feld.Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Wiesbaden 2014, S. 1321.

Jacob Grimm erwähnt in seiner Deutschen Mythologie den Heidmann, einen Geist, der des Nachts durch die Fenster der Häuser hineinsieht. Wen er dabei anblickt, der muss über Jahr und Tag sterben.Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Wiesbaden 2014, S. 870. Der Name Heidmann erinnert stark an Heidemann und Heidemänneken, zwei Namen des Kornmanns.Felix Dahn, Therese Dahn: Germanische Götter- und Heldensagen. Wiesbaden 2010, S. 593.

Auch der wilde Mann haust im Korn. Er wirft mit eisernem Knüttel.Wilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Bremen 2014, S. 23.

Kornmann als Kinderschreck

Der Kornmann fängt die Kinder und nimmt sie mit.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 61. Er steckt Kinder in seinen Sack und bringt sie in seine unterirdische Höhle.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 67. Manchmal nimmt der Kornmann die Kinder nur für begrenzte Zeit mit, verschleppt sie etwa in den Wald und bringt sie nach Jahresfrist wieder zurück auf den Acker. Häufiger nimmt er sie dauerhaft mit.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 61.

Manchmal nimmt der Kornmann Kindern ihre Mützen weg. Er haut oder beutelt die Kinder auch.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 67. Es heißt von ihm, dass er die Sommersprossen verursache.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 68.

Mancherorts übernimmt der Kornmann oftmals auch Kinderschreckfunktionen von verschiedenen Erscheinungen der Roggenmuhme oder der Kornhexe. So schlägt der Kornmann den Kindern den Kopf ab, erwürgt sie oder drückt sie an seiner eisernen Brust zu Tode.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 61. Er steckt Kinder ins Butterfass oder schlägt ihnen Zwecken in den Hosenboden. Auch blendet der Kornmann die Kinder oder schlägt sie mit Lahmheit.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 67. Der Roggenmuhme ähnelt der Kornmann auch dadurch, dass er mit Sicheln, Sensen oder Messern auftritt. Daher heißt er Sichelmann, Sensenmann oder Sesselmann. Er schneidet den Kindern die Beine oder andere Körperteile ab. Manchmal schlachtet der Kornmann die Kinder sogar.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 37. Dazu passt, dass der Kornmann Kinder frisst oder ihnen ihr Blut aussaugt.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 67.

Teilweise nimmt der Kornmann auch die Natur eines Irrlichts an.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 67. Der Kornmann tritt zudem als Aufhocker auf.Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Münster/New York/München/Berlin 2007, S. 67.

Literatur Jacob Grimm: Deutsche Mythologie: Vollständige Ausgabe. Berlin, 1844, Nachdruck im Marix-Verlag, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-86539-143-8. Wilhelm Mannhardt: Die Korndämonen: Beitrag zur germanischen Sittenkunde. Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin 1868, Nachdruck bei bremen university press, Bremen 2014, ISBN 978-3-95562-798-0. Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes: herausgegeben von Bernd Rieken und Michael Simon. Teilw. zugl.: Berlin, Univ., Habil.-Schr. R. Beitl, 1933, Waxmann Verlag, Münster/New York/München/Berlin 2007, ISBN 978-3-8309-1809-7. Felix Dahn, Therese Dahn: Germanische Götter- und Heldensagen. Leipzig, 1919, Nachdruck im Marix-Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-937715-39-1.

Einzelnachweise

Kategorie:Naturgeist Kategorie:Deutsche Sagengestalt