Der Begriff Mansplaining ist ein Kofferwort aus der englischen Sprache (man = Mann und explain[ing] = erklären) und bezeichnet Erklärungen, Interpretationen, Sprechweisen oder Ähnliches einer männlichen Person, die davon ausgeht, sich besser bei einem Thema auszukennen als die weibliche Hörerschaft, oft ungeachtet der Expertise der Frau. Der Begriff wurde durch den am 14. April 2008 in der Los Angeles Times veröffentlichten Essay "Men Explain Things to Me" (Männer erklären mir die Welt) von Rebecca Solnit geprägt. Der Artikel war die Initialzündung für das Aufkommen des Begriffs und seine Verbreitung. Dieser Neologismus wurde 2010 von der New York Times zum Wort des Jahres erklärt.

Definitionen Im englischen Sprachraum

Das vor allem in den USA häufig verwendete Wörterbuch Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary erklärt den Begriff in einer im März 2018 veröffentlichten Aktualisierung wie folgt: "Mansplaining ist im Kern etwas ganz Bestimmtes. Es tritt auf, wenn ein Mann herablassend mit jemandem (insbesondere einer Frau) über etwas spricht, von dem er nur unvollständiges Wissen hat, und dabei fälschlicherweise annimmt, mehr darüber zu wissen als die Person, mit der er spricht." Lily Rothman, eine freiberufliche Autorin aus New York City, veröffentlichte 2012 in The Atlantic einen Artikel über die Kulturgeschichte des Mansplainings. "Das Wort ist relativ neu, die Idee existiert aber schon seit Jahrzehnten." Bezogen auf den US-Wahlkampf 2012 fährt sie fort: "In diesem Wahlkampf hat das Phänomen des „Mansplaining“ – also das Erklären ohne Rücksicht darauf, dass der Empfänger mehr weiß als der Erklärende, oft von Männern gegenüber Frauen – in der politischen Mainstream-Kommunikation regelrecht Einzug gehalten." Im Cambridge Dictionary lautet die Definition: „Die Handlung, jemandem etwas so zu erklären, dass der Eindruck entsteht, er sei dumm; insbesondere dann verwendet, wenn ein Mann einer Frau etwas erklärt, was sie bereits versteht.“ Mansplaining wird im Oxford English Dictionary definiert als .

Im deutschen Sprachraum Im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache wird der Begriff wie folgt definiert:"abwertend unerwünschtes, als herablassend oder bevormundend empfundenes Erklären von Sachverhalten, mit dem ein Mann die Überzeugung zum Ausdruck bringt, dass er über größeres Wissen verfügt als die (meist weiblichen) Gesprächspartner."

Etymologie und verwandte Wortschöpfungen Der Neologismus Mansplaining ([man-spleyn] / ˈmænˌspleɪn /) setzt sich aus dem Wort "man" (dt. Mann) und "splain" (Kurzform von "explain", dt. erklären) zusammen. Die Wortzusammensetzung „-splain“ wird wie ein Suffix verwendet und bedeutet „etwas auf herablassende oder überhebliche Weise zu erklären oder zu kommentieren“. In den meisten Fällen beschreibt der erste Teil des Wortes die Perspektive des „Erklärenden“. Mansplaining hat sich in der englischen Sprache etabliert und tritt in verschiedenen Formen auf: als Verb , als Gerundium "to mainsplain" und als Adjektiv "mansplainy."

Schon seit etwa 1800 wird "splain" in nicht hochsprachlichen englischen Texten für explain verwendet. Das Wort „Mansplaining“ ist nicht neu. Es wird seit mindestens einem Jahrhundert in informellen Texten oder – wie etwa in Ricky Ricardos Ermahnung seiner Geliebten in „I Love Lucy“ – in fehlerhaftem Englisch für „erklären“ verwendet.

Die Verbreitung des Ausdrucks Mansplaining führte dazu, dass sowohl "man" als auch "splaining" im Englischen mit anderen Morphemen kombiniert werden.

Manspreading (spreading dt. ausbreiten) entwickelte sich ebenfalls zu einem populären Begriff für die breitbeinige Sitzposition, die viele Männer einnehmen. Allgemeiner steht der Ausdruck für das männliches Sich-Breitmachen. Besonders in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln stößt dies inzwischen sogar bei Männern auf harsche Kritik. Die New Yorker U-Bahn startete im Dezember 2015 sogar eine entsprechende Plakataktion. Manslamming (slamming, dt. zuschlagen, stoßen od. rammen) bezeichnet das Phänomen, dass Männer auf Gehwegen häufig nicht ausweichen und meist Passantinnen anrempeln, wenn diese nicht Platz machen. Ähnlich zu Manspreading beschreibt die Bezeichnung das ungefragte Einnehmen von Raum. Manterrupting ist ein Phänomen im Kommunikationsverhalten, bei dem Männer Gesprächsbeiträge von Frauen unterbrechen, dominieren oder deren Redezeit verkürzen, indem sie unangemessen oft oder aufdringlich das Wort ergreifen.

Neologismen, die "splaining" im gleichen Sinne wie in Mansplaining verwenden, sind z. B. Whitesplaining, das herablassende Verhalten, bei dem weiße Personen Menschen of Color (PoC) ungefragt rassistische Erfahrungen oder Strukturen erklären. Straightsplaining (straight engl. umgangssprachlich für dt. Heterosexuell) bezeichnet das herablassende Erklären von LGBT-Themen oder -Verhaltensweisen durch eine heterosexuell orientierte Person gegenüber einer LGBT - Person.

Femsplain (auch womansplain) wird nach dem Vorbild von Mansplaining angewendet, um auszudrücken, dass auch Frauen gegenüber Männern herablassend über geschlechterbezogene Themen, wie z. B. Feminismus, sprechen können.

Der Begriff Germansplaining beschreibt u. a. die Tendenz vieler Deutscher, beliebige US-Amerikaner ungefragt über die Verhältnisse in den USA aufklären zu wollen. Er findet aber auch Anwendung in der Politik und bezeichnet in der Europäischen Union das Phänomen, dass Deutschland – oft als stärkste Wirtschafts- und Politikmacht – anderen EU-Mitgliedstaaten ungefragt Ratschläge erteile.

Entstehung Der Ausdruck entstand maßgeblich durch den im April 2008 veröffentlichten Essay „Men Explain Things to Me“ (dt. "Wenn Männer mir die Welt erklären") der US-amerikanischen Autorin Rebecca Solnit. Auf der Website tomdispatch.comRebecca Solnit: Men Explain Things to Me. Facts Didn’t Get in Their Way. In: tomdispatch.com. Überarbeitete Version vom 19. August 2012, abgerufen am 23. Januar 2016. erzählte sie eine Anekdote, die sie 2003 erlebt hatte. Auf einer Party sagte ihr der Gastgeber, ein älterer, wohlhabender Mann, er habe gehört, dass sie einige Bücher geschrieben habe. Sie begann, über ihr kurz vorher veröffentlichtes Buch über Eadweard Muybridge zu sprechen. Daraufhin unterbrach ihr Gegenüber sie mit der Frage, ob sie von dem kürzlichen Erscheinen eines ausgesprochen wichtigen Buchs über Muybridge gehört habe, und erging sich, ohne eine Antwort abzuwarten, in Auslassungen über das Buch, das er – so stellte sich später heraus – nur aus Rezensionen kannte. Der wiederholte Einwurf von Solnits ebenfalls anwesender Freundin, es handle sich dabei um Solnits Buch, fand erst beim dritten oder vierten Mal Gehör, verschlug dem Herrn jedoch nur einen Moment lang die Sprache.Rebecca Solnit: Men Explain Things to Me. Facts Didn’t Get in Their Way. In: commondreams.org. 13. April 2008, abgerufen am 23. Januar 2016.Rebecca Solnit: Wenn Männer mir die Welt erklären. Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum und Bettina Münch. Mit Bildern von Ana Teresa Fernández. Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-455-50352-4, S. 12–13.

Solnit nimmt die Geschichte zum Anlass, um auf die unverhohlene, konfrontative Selbstsicherheit der völlig Unwissenden im Allgemeinen hinzuweisen, stellt aber auch fest, dass solche Erfahrungen meist geschlechtsspezifisch Frauen betreffen. Als Beispiel für extremere Ausprägungen dieser Haltung nennt sie die Länder des Nahen Ostens, wo die Aussage einer Frau keine rechtliche Bedeutung hat und diese erst männliche Zeugen finden müssten, um ihre Glaubwürdigkeit zu bestätigen.Rebecca Solnit: Wenn Männer mir die Welt erklären. Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum und Bettina Münch. Mit Bildern von Ana Teresa Fernández. Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-455-50352-4, S. 16. Und auch in den USA sei es trotz aller Fortschritte immer noch ein wichtiges feministisches Ziel, „Frauen sowohl Glaubwürdigkeit als auch Gehör zu verschaffen“ und zu erreichen, dass „Vergewaltigungen, auch in Beziehungen und in der Ehe, sowie häusliche Gewalt und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz als Straftaten behandelt werden“.Rebecca Solnit: Wenn Männer mir die Welt erklären. Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum und Bettina Münch. Mit Bildern von Ana Teresa Fernández. Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-455-50352-4, S. 18. Schließlich sei in ihrem Heimatland, den USA, eine der häufigsten Todesursachen von Schwangeren die Ermordung durch ihren Ehemann oder Ex-Ehemann.

Gleichzeitig erschien in der Los Angeles Times der Artikel Men who explain things am 13. April 2008.

2014 veröffentlichte Solnit unter dem Titel Men Explain Things to Me bei Haymarket Books eine Essaysammlung, die sich unter anderem mit den Themen Gewalt gegen Frauen, Gleichheit der Geschlechter sowie Virginia Woolf und Susan Sontag beschäftigen. In dem titelgebenden Essay findet sich ihr Text von 2008. Solnit beschrieb hier zusätzlich Reaktionen auf den Text und präzisierte ihre eigene Position, auch in Bezug auf den Begriff Mansplaining. Hier stellte sie klar, dass sie mit der Kreation des Begriffs nichts zu tun habe, auch wenn ihr Essay wohl eine Initialzündung dafür war, weil er den Zeitgeist sehr gut wiedergebe.Rebecca Solnit: Wenn Männer mir die Welt erklären. Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum und Bettina Münch. Mit Bildern von Ana Teresa Fernández. Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-455-50352-4, S. 26–27. Sie selbst habe Vorbehalte gegen das Wort und verwende es kaum, weil es ihrer Meinung nach nahelege, dass es sich um ein generelles „männliches Fehlverhalten“ handle, wo doch in Wirklichkeit nur manche Männer so handelten.Rebecca Solnit: Wenn Männer mir die Welt erklären. Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum und Bettina Münch. Mit Bildern von Ana Teresa Fernández. Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-455-50352-4, S. 27. Solnit ist durchaus „der Ansicht, dass auch Frauen anderen manchmal auf herablassende Weise Dinge erklären, nicht zuletzt Männern“.Rebecca Solnit: Wenn Männer mir die Welt erklären. Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum und Bettina Münch. Mit Bildern von Ana Teresa Fernández. Hoffmann und Campe Hamburg, 2015, ISBN 978-3-455-50352-4, S. 25. Doch sage dies „nichts über das Machtgefälle, das noch unheilvollere Formen annehmen kann, oder über das Muster, nach dem das Geschlechterverhältnis in unserer Gesellschaft im Allgemeinen funktioniert“. Hieraus lässt sich ableiten, dass die Autorin das von ihr geschilderte Verhalten für die Spitze eines Eisbergs hält:

Ihr habe der Essay verdeutlicht, so Solnit, dass es ein Kontinuum gebe, „das von geringfügigeren gesellschaftlichen Missständen bis zum gewaltsamen Zum-Schweigen-Bringen und zu gewaltsamem Tod reicht“.Rebecca Solnit: Wenn Männer mir die Welt erklären. Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum und Bettina Münch. Mit Bildern von Ana Teresa Fernández. Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-455-50352-4, S. 29.

Solnits verwendet den Begriff "Mansplaining" nicht in ihrem Text. Es ist deshalb falsch, ihr diesen Neologismus zuzuschreiben.Rebecca Solnit: Wenn Männer mir die Welt erklären. Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum und Bettina Münch. Mit Bildern von Ana Teresa Fernández. Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-455-50352-4, S. 26.

Es besteht jedoch ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung der Essay und dem ersten Gebrauch des Wortes, aber Solnit lieferte lediglich die Definition dafür.

Prägung und Verbreitung des Begriffs USA