mini|Philip Doddridge, Kupferstich von George Vertue nach einem Porträt von Andrea Soldi mini|United Reformed Church, Doddridge Street, Northampton, wo Doddridge Pfarrer war mini|Innenraum der Kapelle mit Volksgestühl und Emporen Philip Doddridge DDDoctor of Divinity, meist ehrenhalber auf Grund besonderer Leistungen verliehener Doktorgrad in der Theologie (* 26. Juni 1702 in London; † 26. Oktober 1751 in Lissabon) war ein englischer Dissenter, Pfarrer einer nonkonformen, kongregationalistischen KircheNorman Mable: Philip Doddridge, 1702-1751. Notes from Popular Hymns and their Writers, Website stempublishing.com (englisch, abgerufen am 22. August 2026) sowie Erzieher und Hymnendichter zur Zeit des Barock.
Leben und Wirken Herkunft Philip Doddridge wurde in London als letztes von zwanzig Kindern des Daniel Doddridge († 1715), eines Speiseöl- und Sauergemüsehändlers, geboren. Sein Großvater John Doddridge (1621–1689), Rektor in Shepperton, wurde im Zuge des Act of Uniformity von 1662 seines Amtes enthoben und wurde protestantischer „Nonkonformist“. Philips Mutter Elizabeth war die hinterbliebene Tochter des Geistlichen John Bauman († 1675),TNA Records of the Court of Chancery, C 5/472/72, C 5/83/25. eines lutherischen Geistlichen, der im Dreißigjährigen Krieg vor religiöser Verfolgung aus Prag floh.
Erziehung und Ausbildung Noch bevor Philip lesen konnte, erklärte seine Mutter ihm das Alte und Neue Testament anhand der blauen holländischen Bildkacheln am Wohnzimmerkamin. In seiner Jugend wurde Philip Doddridge zu Hause erzogen, später an einer Londoner Privatschule. 1712 besuchte er die Grammar School in Kingston-upon-Thames, wo sein Großvater mütterlicherseits bereits Rektor war.
Doddridges Mutter starb am 12. April 1711, als er acht Jahre alt war. Vier Jahre später, am 17. Juli 1715, starb sein Vater. Sein Vormund Downes versetzte ihn an eine andere Privatschule in St Albans, wo er durch den presbyterianischen Pfarrer Samuel Clark geprägt wurde. Downes verschwendete Doddridges Erbe und ließ den dreizehnjährigen Vollwaisen Philip Doddridge mittellos in St. Albans zurück. Clark nahm ihn an Kindes statt auf und begleitete seine Erziehung. Er ermutigte ihn, die geistliche Laufbahn einzuschlagen. Sie blieben lebenslange Freunde und bei Clarks Beerdigung predigte Doddridge mit den Worten: To him under God I owe even myself and all my opportunities of public usefulness in the church (deutsch: Ihm verdanke ich nach Gott überhaupt mich selbst und alle meine Möglichkeiten in der Kirche zu wirken.)Meditations on the tears of Jesus over the grave of Lazarus: eine Grabrede in St Albans, 16. Dezember 1750, on occasion of the much lamented death of the late Reverend Samuel Clark, … von P. Doddridge. London 1751.
Familie Am 22. Dezember 1730 heiratete er Mercy Maris († 1790) (1709–1790), Tochter des Richard Maris, Bäcker und Mälzer in Worcester, und seiner zweiten Frau Elizabeth Brindley. Die Heirat fand in Upton upon Severn statt, wo Mercys Familie lebte. Sie hatten neun Kinder. Bereits das erste, Elizabeth or Tetsey (1731–1736), starb vor ihrem fünften Geburtstag und wurde unter dem Altar von Doddridge Chapel begraben. Lediglich vier Kinder wurden erwachsen: Philip Doddridge († 1785), Mary Doddridge Humphreys († 1799), Mercy Doddridge († 1805) und Anna Cecilia Doddridge († 1811). (5. Oktober 2009, englisch, abgerufen am 21. August 2026)
Beitrag zu Bildung und religiösem Leben Aufgrund seiner unabhängigen religiösen Neigungen lehnte Philip Doddridge Angebote, die ihn zu einem anglikanischen Priesteramt oder einer juristischen Karriere geführt hätten, ab. 1719 entschied er sich stattdessen mit Unterstützung Clarks, die Dissenter-Akademie in Kibworth in Leicestershire zu besuchen. Hier wurde er von John Jennings unterrichtet, dem Doddridge kurz darauf 1723 nachfolgte. Kurz darauf wurde Doddridge in einer Hauptversammlung der nonkonformistischen Geistlichen gewählt, die Akademie im neu gegründeten einige Meilen entfernten Market Harborough zu führen. Die Akademie zog viele Male um und wurde als Northampton Academy bekannt. Als Doddridge 1751 starb, bestand die Akademie weiterhin.
Im gleichen Jahre 1723 erhielt Doddridge die Aufforderung zum Pastor der unabhängigen Gemeinde in Northampton zu kandidieren, die er auch akzeptierte. Seine Popularität als Prediger soll dort vor allem auf seiner „hohen Empfindsamkeit, gepaart mit physischen Vorteilen und perfekter Aufrichtigkeit“ beruht haben. Seine Predigten waren meist praktischen Charakters. Sein Ziel war es in seinen Zuhörern eine spirituelle und andächtige Haltung zu kultivieren.
In den 1730er und 1740er Jahren setzte Philip Doddridge seine Lehr- und pastorale Arbeit fort. Er knüpfte zahlreiche enge Beziehungen zu unabhängigen religiösen Denkern, so zum Beispiel Isaac Watts. Doddridge war ein überaus aktiver Autor und Hymnendichter. Doddridge schrieb über 400 Hymnen, die sich meist auf seine Predigten bezogen.Biography. Christian Classics Ethereal Library 1736 verliehen ihm sowohl das King’s College, Aberdeen als auch Robert Gordon’s College den Doctor of Divinity.
Sein The Rise and Progress of Religion in the Soul (deutsch: Der Aufstieg und der Fortschritt der Religion in der Seele) von 1745, Isaac Watts gewidmet, wurde oft nachgedruckt und wurde in sieben Sprachen übersetzt und weithin einflussreich. Der Prediger Charles Spurgeon schätzte dieses Buch sehr.Lewis A. Drummond: Spurgeon. Prince of Preachers. Kregel Publications, Grand Rapids 1992, ISBN 0-8254-2473-9, S. 21 (). William Wilberforce, den Anführer im Kampf gegen die Sklaverei und den Sklavenhandel, soll das Buch zum Christentum bewegt haben.
Tod und Erbe Im Jahr 1751 verschlechterte sich Philip Doddridges Gesundheitszustand erheblich. Er segelte am 30. September desselben Jahres nach Lissabon. Die Ortsveränderung war vergeblich und er starb dort an Tuberkulose. Er wurde in Campo de Ourique auf dem British Cemetery, einem Friedhof, der der British Factory in Lissabon angeschlossen war, beigesetzt; sein Grab ist erhalten.
Schriften (Auswahl) Practical Discourses on Regeneration, um 1740; 1803. The Evil and Danger of Neglecting the Souls of Men, 1741; H&E Publishing, 2021. The Rise and Progress of Religion in the Soul. Illustrated in A Course of Serious and Practical Addresses Suited to Persons with a Devout, 1745; FQ Pub Books, 2010. Anfang und Fortgang wahrer Gottseligkeit, in der menschlichen Seele. Johann Christoph Richter, Hannover 1750; John S. Wiestling, Harrisburg 1828 (doi:10.25673/68920). Christ Formed in the Soul: The Only Foundation of Hope for Eternity, 1749; Curiosmith, 2017, ISBN 978-1-9461-4521-5. The Evidences of Christianity. Briefly Stated and the New Testament Proved to Be Genuine. In Three Judicious and Excellent Sermons, 1752. Paraphrastische Erklärung der sämtlichen Schriften Neues Testaments, übersetzt von Friedrich Eberhard Rambach, 4 Bände, Verlag Seidel und Scheidhauer, Magdeburg/Leipzig 1751–1758; Nabu Press, 2012, ISBN 978-1-2735-1236-0. Herrn Philipp Doddridge, der heiligen Schrift Doctors, und öffentlichen Lehrers zu Nordhamton, Betrachtungen über die Macht und Gnade Jesu. Übersetzt von Friedrich Eberhard Rambach. Verlag Seidel und Scheidhauer, Magdeburg/Leipzig 1755–1758, 1767.
Kirchenlieder (Auswahl) Doddridge hat Texte für Hunderte von Liedern geschrieben. Einzelne seiner Texte wurden in andere Sprachen übersetzt, so in Arabisch, Cheyenne, Chinesisch, Dakota, Deutsch, Esperanto, Hawaiianisch, Malagasy, Malayalam, Oromo, Portugiesisch, Sinhala, Spanisch, Tamil, Walisisch und Yoruba.
Im Jahr 1749 kam eine erste Sammlung unter dem Namen Hymns Suited to Various Texts heraus.John Gadsby, Chris Fenner: Philip Doddridge, 26 June 1702—26 October 1751, Website hymnologyarchive.com (2018–2025, englisch, abgerufen am 23. August 2026) 1755, vier Jahre nach seinem Tod, gab Job Orton in Salop die Sammlung Hymns founded on Various Texts in the Holy Scriptures heraus, die bei Eddowes and J. Cotton gedruckt wurde.Philip Doddridge, Website hymnary.org (625 Liedtexte mehrheitlich in englischer Sprache, abgerufen am 21. August 2026) Weitere sieben Auflagen erfolgten 1759, 1766, 1776, 1779, 1788, 1792, 1793 und 1794. Im Jahr 2010 gab Graham C. Ashworth bei Soli Deo Gloria Ministries The Hymns of Philip Doddridge nochmals heraus. And will the great eternal God. And will the Judge descend? Awake, my soul, stretch every nerve. Awake, ye saints, and raise your eyes. Beset with snares on every hand. Dear Savior! we are Thine, By everlasting bands. Do not I love Thee, O my Lord? Eternal source of every joy. Father of mercies, send thy grace. God of eternity, from thee. God of my life! through all its days. Grace! 'tis a charming sound. Great God, we sing that mighty hand. Hark, the glad sound, the Savior comes. How gentle God's commands! How swift the torrent rolls. Jesus, I love Thy charming Name. Jesus, my Lord, how rich Thy grace. Let Zion's watchmen all awake. Lord of the Sabbath, hear our vows. My God, and is Thy table spread? My God! the covenant of Thy love. My gracious Lord, I own Thy right. Thine earthly Sabbaths, Lord we love. Now let our cheerful eyes survey. Now let your voices join. O God of Bethel, by Whose hand. O happy day, that fixed my choice. O Zion, tune thy voice and raise thy hands on high. Our heavenly Father calls, And Christ invites us near. Remark, my soul, the narrow bounds. Repent, the voice celestial cries. Return, my roving heart, return. See Israel's gentle Shepherd stand. Shine on our souls, eternal God. Sing, ye redeemed of the Lord. The King of heaven His table spreads. Tomorrow, Lord, is Thine. Triumphant Zion, lift thy head. Why will ye waste on trifling cares. Ye golden lamps of heaven, farewell. Ye hearts with youthful vigor warm. Ye humble souls that seek the Lord. Ye servants of the Lord, Each in his office wait. Yes, the Redeemer rose [lives].
Literatur H. Leigh Bennett & John Julian: Philip Doddridge, A Dictionary of Hymnology, London, 1907, S. 305–306.
Faith Cook: Philip Doddridge (1702-1751), Our Hymn Writers and Their Hymns, Evangelical Press, Webster 2005, S. 71–95. Malcolm Deacon: Philip Doddridge of Northampton, Northamptonshire Libraries, Northampton 1980. Françoise Deconinck-Brossard: The Circulation and Reception of Philip Doddridge's Hymns, in: Dissenting Praise: Religious Dissent and the Hymn in England and Wales, ed. Isabel Rivers and David L. Wykes, University Press, Oxford 2011, S. 68–94. John Doddridge Humphreys: Correspondence and Diary, 5 Bände, von seinem Enkel, 1829–1831. John Gadsby: Memoirs of the Principal Hymn-Writers & Compilers of the 17th, 18th & 19th Centuries, 1870, S. 50–51. David Addison Harsha: Life of Philip Doddridge, D.D., 2018. Edwin Hatfield: Philip Doddridge, The Poets of the Church, D. F. Randolph, Anson 1884, S. 201–208. Edwin Long: Philip Doddridge, Illustrated History of Hymns and Their Authors, Joseph F. Jaggers, Philadelphia 1875, S. 128–147. Geoffrey F. Nuttall: Philip Doddridge, 1702–51: His Contribution to English Religion, Independent Press, London 1951. Job Orton: Memoirs of the Life, Character, and Writings of the late Rev. Philip Doddridge, Salop 1766. Isabel Rivers: Philip Doddridge, Oxford Dictionary of National Biography, 2004, online: 2009 (doi:10.1093/ref:odnb/7746). Thomas Stedman: Letters to and from Dr Doddridge. 1790. Charles Stanford: Philip Doddridge, 1880.
J. Waugh: Three sermons on the evidences of Christianity. 1752. books.google.com.mx. Edward Williams & Edward Parsons: The Works of the Rev. P. Doddridge, D.D., 10 Bände, Edward Baines, Leeds 1802–1805.
Weblinks
Alan Clifford: Philip Doddridge – hero or heretic?, Website evangelical-times.org (1. Oktober 2001, englisch). (5. Oktober 2009, englisch). Philip Doddridge, Website hymnary.org (625 Liedtexte mehrheitlich in Englisch).