mini|hochkant=1.1|Yvette Fontaine 1969 Yvette Fontaine (* 3. Juni 1946 in Hasselt) ist eine ehemalige belgische Automobilrennfahrerin. Sie wurde 1969 im Tourenwagensport belgische Meisterin und war die erste Frau, die in Belgien einen solchen nationalen Motorsportsieg errang. Bis heute ist sie die einzige Frau, die die Gesamtwertung der belgischen Tourenwagen-Meisterschaft für sich entscheiden konnte.
Leben Yvette Fontaine wurde in Hasselt geboren; ihre Familie zog später nach Viversel in die Nähe des späteren Circuit Zolder, wo ihr Vater ein Bauunternehmen betrieb und sie als Jugendliche regelmäßig Motorsport erlebte. Wann immer es möglich war und es eine Veranstaltung auf dem knapp vier Kilometer langen Rundkurs gab, war Fontaine im Jugendalter als Zuschauerin zugegen.
Nach Versuchen im Kartsport bestritt sie 1964 im Alter von 18 Jahren ihre erste Rallye, an der sie eher zufällig in ihrer Umgebung teilnahm. 2018 lebte sie in Grez-Doiceau in Wallonisch-Brabant.
Im Jahr 2016 wurde im Autoworld Brussels die von Frank Rameckers verfasste Biografie Yvette Fontaine. Mijn passie – Ma passion – My passion vorgestellt; sie erschien bei BVN Vintage Race Cars und war als dreisprachiges, reich bebildertes Buch angelegt.
Karriere im Motorsport Nach ersten Rallye-Erfahrungen wechselte Fontaine in den Tourenwagensport. 1966 stieg sie in den Tourenwagensport ein und fuhr in der belgischen Meisterschaft einen Alfa Romeo Giulia Ti Super 1600. Im selben Jahr bestritt sie ihr erstes 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps, das sie als 19. der Gesamtwertung beendete.24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps 1966 1967 wurde sie Zweite der belgischen Tourenwagen-Meisterschaft, zwei Jahre später gewann sie den Titel am Steuer eines Ford Escort Twin Cam GR 5.
Im Jahr 1969 wechselte sie von Alfa-Romeo-Modellen zu Ford, wo sie einen Vertrag bei Ford Belgien erhielt. Auf einem Ford Escort 1300 GT – 1969 kam für einige Rennen auch ein Ford Lotus Cortina zum Einsatz – sicherte sie sich 1969 und 1970 die Gesamtwertung der belgischen Tourenwagen-Meisterschaft. Der Erfolg von 1969 und die Wiederholung 1970 machten sie zu einer Ausnahmefigur in einer damals nahezu ausschließlich männlich besetzten Meisterschaft.
In ihrer weiteren Karriere verband sie nationale Tourenwagen-Erfolge mit großen Langstreckenrennen; in Überblicksquellen werden neun Starts bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps und zwei Starts bei den 24 Stunden von Le Mans genannt. Zweimal war Fontaine beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans am Start, wobei die reinen Damenteams beide Male erfolgreich waren. 1974 gewann sie in Le Mans gemeinsam mit Christine Beckers und Marie Laurent auf einem Chevron B23 die Klasse S 2.0 und belegte Rang 17 in der Gesamtwertung; es war der erste Klassensieg eines vollständig weiblichen Teams in der Geschichte des Rennens. 1975 erzielte sie in Le Mans mit Anny-Charlotte Verney und Corinne Tarnaud auf Porsche 911 Carrera RS den elften Gesamtrang und damit das beste Ergebnis eines weiblichen Teams in jener Austragung; Verney erklärte später, belgische und französische Sponsoren hätten damals ein vollständig weibliches Team gewünscht.
Ihr größter internationaler Erfolg war der zweite Rang beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps 1975. Partner im BMW 3.0 CSi war ihr Landsmann Noël van Assche; das Rennen gewannen die Markenkollegen Jean Xhenceval, Pierre Dieudonné und Hughes de Fierlant. BMWs Rückblick nennt einen Rückstand von neun Runden auf den siegreichen Luigi-BMW, während DailySportsCar ihre Platzierung als eine der seltenen zweiten Gesamtplätze von Frauen in der Geschichte des Rennens einordnet.
Fontaines Bedeutung liegt damit weniger in einer einzelnen Saison als in der Gesamtschau aus nationalem Titelgewinn, Le-Mans-Klassensieg und ihre Leistungen in einer Zeit, in der Frauen im Motorsport oftmals marginalisiert wurden.
Statistik
Le-Mans-Ergebnisse Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Teamkollege Platzierung Ausfallgrund 1974 Ecurie Seiko Chevron B23 Christine Beckers Marie Laurent Rang 17 und Klassensieg 1975 Anne-Charlotte Verney Porsche 911 Carrera RS Anne-Charlotte Verney Corinne Tarnaud Rang 11
24-Stunden-von-Spa-Ergebnisse Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Teamkollege Platzierung Ausfallgrund 1966 Alfa Romeo Benelux Alfa Romeo 1600 TI Nicole Sol Rang 19 1967 Team Lucien Bianchi Alfa Romeo 1600 GTA Jean-Marie Lagae Ausfall Pleuelstange 1969 Ford-Chevron Racing Team Ford Escort TC John Fitzpatrick Rang 11 1971 Racing Team BP British Vita Ford Escort RS 1600 Han Akersloot Ausfall Antriebswelle 1972 Ford BP Racing Team Belgium Ford Escort RS 1600 Gill Fortescue-Thomas Ausfall Zylinderschaden 1973 Norman Reeves Ltd. Ford Escort RS 1600 Frans Lubin Ausfall Motorschaden 1974 Ford BP Racing Team Ford Capri II 3.0 Claude Bourgoignie Ausfall Zylinderschaden 1975 Atlas Racing Team BMW 3.0 CSi Noël van Assche Rang 2 1976 Team Zip-Up Chevrolet Camaro Stuart Graham Reine Wisell Ausfall kein Öldruck
Literatur Christian Moity, Jean-Marc Teissèdre, Alain Bienvenu: 24 heures du Mans, 1923–1992. Éditions d’Art, Besançon 1992, ISBN 2-909413-06-3. Frank Rameckers: Yvette Fontaine. Mijn passie – Ma passion – My passion. BVN Vintage Race Cars, 2016.
Weblinks
Offizielle Website Yvette Fontaine bei Racing Sports Cars
Einzelnachweise
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