mini|Karte des Serbienfeldzugs 1915 Der Serbienfeldzug im Ersten Weltkrieg wurde von den Mittelmächten nach zwei Monaten im Herbst 1915 erfolgreich beendet. Ein Jahr zuvor war der Serbienfeldzug 1914 der österreichisch-ungarischen Armee gegen das Königreich Serbien gescheitert. Am 6. Oktober 1915 begann mit massiver deutscher Hilfe der neue Feldzug, am 14. Oktober griff auch das durch Geheimverhandlungen als Verbündeter gewonnene Zarentum Bulgarien in den Krieg gegen Serbien ein und bedrohte den Gegner von Osten her. Das strategische Kriegsziel der Angreifer war es, die direkte Landverbindung zum verbündeten Osmanischen Reich zu öffnen, Serbien zu besetzen und als Kriegsgegner auszuschalten. Den Serben stand eine erhebliche Übermacht gegenüber, die auch durch die Landung von Entente-Truppen bei Saloniki nicht ausgeglichen werden konnte. Nach dem Fall von Belgrad (9. Oktober) und Niš (5. November) zogen sich die Reste der serbischen Armee in die albanischen und montenegrinischen Berge zurück; sie kam nach ihrer Neuformierung auf Korfu später an der neu entstandenen Front in Makedonien wieder zum Einsatz. Die Fortsetzung des Feldzuges über die Grenze Makedoniens hinweg wurde von der deutschen Heeresleitung unter General von Falkenhayn wegen der griechischen Neutralität Anfang Dezember 1915 untersagt.

Vorgeschichte Im Serbienfeldzug von 1914 gelang es den Serben unter Führung von Armeegeneral Radomir Putnik durch eine am 3. Dezember eingeleitete Gegenoffensive an der Kolubara, die österreichisch-ungarische 5. und 6. Armee bis zum 9. Dezember 1914 erfolgreich zurückzuwerfen. Am 15. Dezember mussten die seit der österreichischen Offensive besetzten Gebiete Serbiens und die kurz zuvor eroberte Hauptstadt Belgrad wieder geräumt werden. Der österreichische Oberkommandierende FZM Potiorek wurde noch im Dezember durch Erzherzog Eugen abgelöst. Der Sieg hatte aber auch der serbischen Armee hohe Verluste eingebracht und für das folgende Jahr 1915 weitere Offensivoperationen unmöglich gemacht. Eine Invasion Bosniens oder Ungarns war von den Serben aber auch nicht zu befürchten, so dass die k.u.k. Armee es sich leisten konnte, größere Teile der Balkanarmee an die Ostfront nach Galizien zu verlegen, um die wankende Front in der Karpatenschlacht zu stützen. Der Kriegseintritt Italiens erforderte den Abzug der k.u.k. 5. Armee an die neu entstandene Isonzofront, so dass der an der Balkanfront zurückbleibenden Armeegruppe des Generals der Kavallerie Tersztyánszky aufgrund ihrer geringen Stärke nur mehr ein Sicherungsauftrag erteilt werden konnte.Österreich-Ungarns letzter Krieg Band III, Wien 1930, S. 200 f.

Kriegseintritt Bulgariens Zu Beginn des Weltkrieges hatte sich Bulgarien für neutral erklärt. Sowohl die Mittelmächte wie auch die Entente bemühten sich in der Folgezeit um ein Bündnis mit Bulgarien, das wiederum seine Kriegsbeteiligung vom jeweiligen Angebot abhängig machen konnte. Hierbei waren die Mittelmächte in der besseren Ausgangssituation, da sie den territorialen Interessen Bulgariens auf Kosten Serbiens und gegebenenfalls Rumäniens und Griechenlands leichter entgegenkommen konnten. Den Bulgaren wurde von den Mittelmächten die Angliederung von Makedonien, der Dobrudscha und Ostthrakiens zugesagt, und nach langwierigen Verhandlungen hatten sie sich am 6. September zur Zusammenarbeit mit den Mittelmächten bereit erklärt, die durch einen Angriff auf Serbien auch die Landverbindung zum Osmanischen Reich herstellen sollte. Bulgarien verpflichtete sich, nach dem Beginn des deutsch-österreichischen Angriffs auf Serbien die Verbündeten mit mindestens vier Divisionen zu unterstützen. Ermöglicht wurde dieser Durchbruch durch die türkische Entscheidung, den Bulgaren einige Gebiete an der Mariza abzutreten. Serbien, das Kenntnis von den Verhandlungen der Mittelmächte erlangt hatte, reagierte Anfang September 1915 vorbeugend mit der Verlegung von Truppen an die bulgarische Grenze. Zugleich bat Serbien die Entente um Hilfe gegen die zu erwartende Invasion, da man nicht allein einem kombinierten Angriff der Mittelmächte und Bulgariens standhalten könne. Vorbereitende österreich-ungarische Truppenverlegungen in den Raum Temesvár waren seit Ende August zu beobachten. Am 7. September 1915, einen Tag nach dem endgültigen Abschluss des Vertrages mit Bulgarien, wurde General Tersztyánszky vom geplanten Aufmarsch der Truppen gegen Serbien in Kenntnis gesetzt. Am 22. September machte Bulgarien mobil, was tags darauf zur Mobilmachung Griechenlands führte. Die bulgarische Regierung erklärte beschwichtigend, die Maßnahme diene der Verteidigung der Neutralität des Landes. Am 2. Oktober legte Ministerpräsident Venizelos förmlich Verwahrung gegenüber der Neutralitätsverletzung der Entente ein, teilte aber am 4. Oktober mit, dass Griechenland seiner Bündnispflicht gegenüber Serbien nachkommen werde. Kaiser Wilhelm II. versuchte seinen ganzen Einfluss gegenüber seinem in Griechenland regierenden Schwager Konstantin geltend zu machen. Er verbürgte sich persönlich dafür, dass kein bulgarischer Soldat griechischen Boden betreten werde. Am 5. Oktober wurde Ministerpräsident Venizelos verabschiedet, die neue Regierung verneinte darauf ein Hilfsangebot für Serbien. Griechenland versicherte, neutral zu bleiben, die Landungen in Saloniki wurden weiterhin toleriert.Janusz Piekalkiewicz: Der Erste Weltkrieg, Econ Verlag, Düsseldorf 1988, S. 236.

Aufmarsch der Mittelmächte Als Oberbefehlshaber der gegen das Königreich Serbien aufgebotenen Truppen wurde am 18. September Generalfeldmarschall von Mackensen bestimmt. Der Heeresgruppe Mackensen wurden für den Serbienfeldzug zunächst die neu aufgestellte 11. Armee unter von Gallwitz und eine österreichisch-ungarische Armee unter Kövess unterstellt, zu denen Mitte Oktober noch die bulgarische 1. Armee hinzukommen sollte.

Generalfeldmarschall von Mackensen traf am 20. September in Temesvár ein. Der Aufmarsch der deutschen 11. Armee ging planmäßig voran, wobei zusätzlich noch die Kommandos des IV. Reserve-Korps und des III. Armee-Korps, der 6. und 107. Infanterie-Division und der 25. Reserve-Division herangezogen wurden. Mittlerweile war auch General der Kavallerie Tersztyánszky durch General der Infanterie von Kövess abgelöst worden. Das Armeekommando der k.u.k. 3. Armee erhielt vorerst außer der am 21. September erlassenen Aufmarschanweisung keine operativen Befehle aus Temesvár.

Mackensen und sein Stabschef Generalmajor von Seeckt verfügten in der ersten Phase über etwa 23 Divisionen (acht deutsche, vier bulgarische und sechs österreichisch-ungarische) mit insgesamt etwa 495.000 Mann und 1.400 Geschützen.

Der k.u.k. 3. Armee wurde unter Sicherung ihrer rechten Flanke die Hauptstoßrichtung gegen die Kolubara auf Kragujevac zugewiesen, während die 11. Armee ins Moravatal vorstoßen würde. Die bulgarische 1. Armee sollte vom Osten her mit ihren Hauptkräften gegen Nisch in den Rücken der Serben vorrücken, während die direkt der bulgarischen Heeresleitung unterstellte 2. Armee im Vardartal vorzugehen hatte, um dem Gegner den möglichen Rückzug nach Süden zu versperren und die Bahnlinie nach Saloniki abzuschneiden.

Bei der k.u.k. 3. Armee erfolgte der Aufmarsch infolge der Rückschläge auf dem russischen Kriegsschauplatz, wo das k.u.k. VI. und das XVII. Korps weiterhin festgehalten wurden, nicht so reibungslos. Dieser Ausfall wurde durch die deutsche Heeresleitung durch vier Divisionen ausgeglichen, wobei das XXII. Reserve-Korps mit der 43., der 44. Reserve-Division und der 26. Infanterie-Division der 3. Armee unterstellt wurden. General der Kavallerie Tersztyánszky ließ gleichzeitig das k.u.k. VIII. Korps mit der 57. und der 59. Infanterie-Truppendivision im Raum von Semlin zusammenziehen, um den Angriff auf die Hauptstadt Belgrad führen zu können. Deshalb wurde das XXII. Reserve-Korps in Richtung Westen verschoben. Nachdem Oberstleutnant Hentsch die OHL informierte, dass die k.u.k. 3. Armee wegen eines hohen Anteils an Landsturmtruppen nur über eine geringe Angriffskraft verfüge, bestand von Mackensen darauf, den Aufmarsch des k.u.k. XIX. Korps ebenfalls in Syrmien und nicht wie geplant in Nordostbosnien anzusetzen. Zusätzlich zog er zu den dort befindlichen drei Landsturmbrigaden (205., 206. Landsturm-Brigade und Brigade Schwarz) auch die k.u.k. 53. Infanterie-Truppeniedivision nach Višegrad.

Am 29. September beschloss das Oberkommando der Heeresgruppe Mackensen, dass der Übergang der 11. Armee zwischen Semendria und Bazias angesetzt werden soll.

Die Heeresgruppe Mackensen verfügte insgesamt über 350 Bataillone und 1.400 Geschütze, die k.u.k. 3. Armee über rund 120.000 Mann und 500 Geschütze. Der Angriffsgruppe gegen Belgrad standen 66 Bataillone und 273 Geschütze zur Verfügung, der an der Drina 202 Bataillone (davon 85 Bataillone Landsturm) und 990 Geschütze.

mini|hochkant|General Kövess (links) hier mit dem deutschen General Georg Fuchs

Nördlicher Abschnitt Die k.u.k. 3. Armee bildete den rechten Flügel und marschierte im Raum nördlich der Donau zwischen Mitrowitza und Belgrad auf. Die vor Belgrad stehenden Brigaden Mrázek und Haustein wurden dem k.u.k. VIII. Korps unterstellt. Von der Isonzofront zog man die 57. und 59. Infanterie-Truppendivision (k.u.k. VIII. Korpskommando) heran. Dem k.u.k. Armeekommando 3 unterstand zusätzlich auch die Donauflottille mit sechs Monitoren.

VIII. Korps unter Feldzeugmeister von Scheuchenstuel 57. Infanterie-Truppendivision (FML Goiginger) (2. und 6. Gebirgs-Brigade) 59. Infanterie-Truppendivision (FML Snjaric) (9. und 18. Gebirgs-Brigade)

Deutsches XXII. Reserve-Korps unter General der Kavallerie von Falkenhayn 26. Infanterie-Division - Generalleutnant von Urach 43. Reserve-Division - Generalmajor von Runckel 44. Reserve-Division - Generalleutnant von Dorrer

mini|hochkant|General Max von Gallwitz

Die k.u.k. 3. Armee bildete zusammen mit der noch durch zwei weitere Divisionen zu verstärkenden deutschen 11. Armee unter General von Gallwitz die Hauptangriffsmacht der Mittelmächte. Die 11. Armee bildete den linken Flügel und war an der Donau zwischen Pancsova und Ram aufmarschiert.

Generalkommando III. Armee-Korps (Lochow) mit der 6. Infanterie-Division und der 25. Reserve-Division, gegenüber von Semendria; Generalkommando IV. Reserve-Korps (Winckler) mit der 11. bayerischen, 105. und 107. Infanterie-Division, gegenüber und auf der Insel Temessziget; Generalkommando X. Reserve-Korps (Kosch) mit der 101. und 103. Infanterie-Division, gegenüber Ram und Veliko Gradište; k.u.k. Landsturmtruppen (Grenzschutz Banat), welche bisher den Grenzschutz an der Donau versahen, verschob man als Gruppe FML Fülöpp an den äußersten linken Flügel der 11. Armee zur Sicherung von Veliko Gradište bis Orsova.Der Weltkrieg von 1914 bis 1918. Band 9: Die Operationen des Jahres 1915. Die Ereignisse im Westen und auf dem Balkan vom Sommer bis zum Jahresschluß. Mittler & Sohn, Berlin 1933, S. 208. Ende Oktober wurde der Armee zusätzlich das deutsche Alpenkorps unter Krafft von Dellmensingen zugeführt.

Östlicher Abschnitt Die bulgarische 1. Armee unter General Kliment Bojadschiew marschierte an der bulgarischen Westgrenze östlich des unteren Timok und im Raum Caribrod mit der 4.,6., 8. und 9. Division auf und sollte nach dem Erfolg der Nordgruppe von Osten her ebenfalls den Angriff einleiten und den serbischen Gegner den Rückzug verlegen.

Westlicher Abschnitt