Das Prinzregententheater ist ein freistehender Theaterbau am Prinzregentenplatz des Stadtteils Bogenhausen im Osten Münchens und wurde nach Prinzregent Luitpold benannt.

Der von 1900 bis 1901 errichtete Bau wurde von dem zu dieser Zeit äußerst erfolgreichen Architekten Max Littmann entworfen. Dieser orientierte sich bei seinen Plänen besonders am Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth und übernahm beispielsweise den amphitheatralischen Zuschauerraum.

Geschichtlicher Hintergrund Entstehung der Idee Die „Idee eines Festspielhauses für die Wagneropern“ in München kam 1865 unter König Ludwig II. auf. Der Entwurf und die Bauplanung wurde auf Wunsch Richard Wagners dem Architekten Gottfried Semper übertragen. Dieser musste jedoch einige Zeit später aufgrund „seiner politischen Intrigen [die Stadt] München verlassen“.Braunmüller/Schläder 1996, S. 13 Der am Isarhochufer gedachte, bereits in Plänen festgehaltene Monumentalbau kam in München aus mehreren Gründen nicht zu Stande: Der Bau sei aus finanzieller Sicht nicht realisierbar gewesen,s. Braunmüller/Schläder 1996, S. 12–14. und Richard Wagner schien andere Aufgaben dem Theaterprojekt vorzuziehen, so „die Gründung einer Musikschule oder einer Zeitung“. mini|Das 1865 von Semper geplante, nicht realisierte Münchner Festspielhaus an der Isar Im Jahre 1892 wurde die Idee durch Karl von Perfall, „de[m] für die Oper wohl bedeutendste Intendant[en] Münchens im 19. Jahrhundert“Braunmüller/Schläder 1996, S. 15. wieder aufgegriffen. Er unterbreitete sein Konzept eines von der Hofbühne unabhängigen Theaters, das hochrangiges Schauspiel aufgrund klein gehaltener Preise der breiten Masse zugänglich machen sollte, zwar „den Vertretern des Münchner Magistrats“,Braunmüller/Schläder 1996, S. 16. jedoch wurde das Projekt aus Platzmangel und Kostengründen nicht weiter verfolgt. Noch im Winter desselben Jahres wurde Karl von Perfall aus dem Amt entlassen.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 25.

Sein Nachfolger Ernst von Possart arrangierte noch im Jahre seiner Berufung zum Intendanten 1893 einen Wagner-Zyklus, der bei den Besuchern und der Presse durchaus gute Resonanz erhält. Zur Zeit der Aufführungen erschien in den Münchner Neuesten Nachrichten ein namenloser, knapper Bericht über das in Vergessenheit geratene Projekt Richard Wagners und Ludwigs II. eines eigenen Münchner Festspielhauses. In kurzem Abstand wurde dort ein weiterer, wesentlich detailreicherer Artikel veröffentlicht. Es war von „einem neuen Theater mit modernster Bühnentechnik sowie amphitheatralischem Zuschauerraum und verdecktem Orchester, die beide für eine adäquate Aufführung Wagnerscher Werke unabdingbar seien“Braunmüller/Schläder 1996, S. 17 die Rede. So „könne der sommerliche Zyklus alljährlich wiederholt werden.“Braunmüller/Schläder 1996, S. 17–18. Ob der damalige Intendant Possart diese Artikel in die Wege leitete, kann bis heute nicht gesagt werden. Die Idee eines eigenen Richard-Wagner-Festspielhauses fand bei der Münchner Bevölkerung jedoch positiven Anklang. Die Leser unterbreiteten der Zeitschrift in Briefen mögliche Standorte: neben dem später tatsächlich gewählten Standort am Prinzregentenplatz, wurde beispielsweise eine Positionierung am Englischen Garten von den Lesern diskutiert. Weiterhin wurde daran erinnert, dass das ursprüngliche Modell von Semper aus dem Jahre 1863 noch vorhanden sei. Während das Journal Die Gesellschaft sich ebenfalls positiv dem Bau des Festspielhauses äußerte, fürchtete Cosima Wagner, die Witwe Richard Wagners und Leiterin der Bayreuther Festspiele, eine Konkurrenz zu Bayreuth. „Sie betrachte[te] Sempers Projekt als geistiges Eigentum Richard Wagners und beabsichtig[t]e mit juristischen Schritten gegen Possarts Projekt vorzugehen“.Braunmüller/Schläder 1996, S. 19. Dies war jedoch nicht erforderlich, da die Umsetzung des Festspielhauses erneut an finanziellen Mitteln scheiterte.Braunmüller/Schläder 1996, S. 17–19.

Zwei Jahre später, 1895, erfolgte eine Zusammenkunft Ernst von Possarts mit den „Vertretern der Hofverwaltung und des Magistrats“, wo der Intendant abermals die positiven Aspekte eines Festspielhauses beleuchtete. Neben den finanziellen Vorzügen sei es für München entscheidend, vor Berlin ein eigenes Richard-Wagner-Festspielhaus zu erbauen.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 25–26. Die Hofverwaltung erklärte sich einverstanden, Possart in seinem Anliegen zu unterstützen, sofern die Erben und die Witwe Wagners ihr Einverständnis gäben, da der Prinzregent zu dieser Zeit „als Protektor der Bayreuther Festspiele fungier[t]e“.Braunmüller/Schläder 1996, S. 20 Hier scheiterte das Projekt des Prinzregententheaters 1895 abermals.Braunmüller/Schläder 1996, S. 19–20.

Im Sommer 1899 bot sich Possart schließlich die Gelegenheit, sein Vorhaben mit privaten Geldern zu realisieren. So wurde am 16. Dezember 1899 mit einem Startkapital von 800.000 Mark die Prinzregenten-Theater GmbH gegründet, um im städtebaulich noch wenig erschlossenen Münchener Osten ein Opernhaus zu errichten.

Planungs- und Bauphase Nach dem endgültigen Beschluss ein Festspielhaus in München zu errichten, wurde der Architekt Max Littmann im August 1899 mit den Plänen für das Projekt beauftragt.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 10, 29. In kurz aufeinanderfolgender Zeit erarbeitete dieser fünf Skizzen bis zum fertigen Entwurf.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 34. Den ersten legte er im September 1899 vor, im Oktober desselben Jahres den zweiten und zwölf Tage später erfolgte die Präsentation der dritten Ausarbeitung. Skizze vier und fünf unterbreitete er im darauffolgenden November.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 34–37. Wie von seinen Auftraggebern erwünscht, orientierte sich Max Littmann bei seinen Schöpfungen am Bayreuther-Festspielhaus, verweigerte sich aber einer Eins-zu-Eins-Kopie.s. Wolf 1931, S. 40.Braunmüller/Schläder 1996, S. 9–10.

Die Baupläne wurden im Frühjahr 1900 genehmigt und der Bauauftrag dem Geschäft Heilmann & Littmann übermittelt.Braunmüller/Schläder 1996, S. 25.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 38 Am 27. April 1900 begannen die Arbeiten, über welche sich Cosima Wagner öffentlich äußerst unerfreut äußerte. Nach einigen Diskussionen wurde jedoch ein Einverständnis ihrerseits zu diesem Projekt erzielt.Braunmüller/Schläder 1996, S. 27. „[B]ereits im Winter des gleichen Jahr[e]s waren Zuschauerhaus und Bühnenhaus unter Dach.“Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 29. Ab dem Frühjahr 1901 widmete man sich den ausschmückenden Elementen, den Innenräumen und der von Carl Lautenschläger entwickelten Bühnentechnik.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 29, 61. Im August des Jahres wurde der Theaterbau dann wie geplant übergeben, obwohl einige Umstände bei der Realisierung des Restauranttrakts zu Zeitverzögerungen führten. Am 20. August 1901 wurde das Prinzregententheater mit einem Festakt und am darauffolgenden Tag mit einer Inszenierung der Oper Meistersinger von Nürnberg feierlich eingeweiht.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 62.

Zeitlicher Abriss Bereits kurze Zeit nach der Eröffnung des Prinzregententheaters im August 1901 wurden erste kleine Veränderungen vorgenommen.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 54. Beispielsweise entfernte man auf Wunsch Max Littmanns die Statuen der Komponisten und Dramatiker aus den Halbrundnischen der Seitenwände des Zuschauerraumes und ersetzte diese durch einheitliche, vergoldete Dreifußständer. Im Jahre 1919, ein Jahr bevor das Gebäude in staatlichen Besitz überging, hatte das Münchener Festspielhaus die „Funktion als Volksschauspielhaus“ inne.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 66.Braunmüller/Schläder 1996, S. 11.

Ab dem Sommer 1932 wurde der Theaterkomplex geschlossen und ein Jahr später als Theater des Volkes wieder für Besucher geöffnet.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 70. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden entsprechend ideologisierte Stücke aufgeführt (siehe Uraufführungen). Vom 11. November bis 3. Dezember 1937 fanden in den Räumen des Theaters begleitende Veranstaltungen zur Propaganda-Ausstellung Der ewige Jude statt. Die letzte Aufführung vor Kriegsende war die Oper Tiefland. Es erfolgten zu jener Zeit auch eingreifende Umbauten im Bereich der Innenausstattung. So beschloss man beispielsweise aus ästhetischen Gründen und für eine Verfeinerung der Akustik die Halbrundnischen, die sich an den Seitenwänden des Zuschauerraums befanden, zu verkleiden.Braunmüller/Schläder 1996, S. 34.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater o. J., S. 51.

Im Zweiten Weltkrieg wurde bei den Luftangriffen auf München das Restaurant zerstört. Das Theater wurde um eine Achse verkürzt 1957–1958 wieder aufgebaut. Von 1944 bis 1963 beherbergte das Prinzregententheater die von Kriegszerstörungen betroffene Bayerische Staatsoper. Um eine Bespielung möglich zu machen, wurde zunächst der Orchestergraben erhöht, sowie der Schalldeckel abmontiert.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 73.

Am 8. Juli 1945 gaben die Münchner Philharmoniker das erste Konzert nach Kriegsende, am 15. November 1945 begann der offizielle Spielbetrieb mit der Oper Fidelio und 1950 erfolgte die Wiederaufnahme der Münchner Opernfestspiele.

Im März 1964 wurde nach der Eröffnung des Nationaltheaters das Prinzregententheater für baufällig erklärt und für den Spielbetrieb geschlossen. Obwohl der Öffentlichkeit kein Zugang zum Gebäude gewährt wurde, dienten seine Räumlichkeiten derweilen der Bayerischen Staatsoper, der Hochschule für Film und Fernsehen, der Landesbildstelle, sowie der Ballettakademie.Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater. o. J., S. 78.Braunmüller/Schläder 1996, S. 201. Auch die hauseigene Werkstätte waren weiterhin aktiv.s. Wolf 1931, S. 31.