Das Amt Göttingen war ein historisches Verwaltungsgebiet und Eingangsgericht des Königreichs Hannover bzw. der preußischen Provinz Hannover.
Geschichte Das Amt ging aus dem Gericht Leineberg hervor, einem Land-, Go- und Hochgericht, das seit dem Mittelalter bestand und die Dörfer im Umland der Stadt Göttingen umfasste. Seit 1743 übte das Gericht auch die Amtsbefugnisse aus und war damit faktisch den welfischen Ämtern gleichgestellt. 1823 wurde das Gericht um acht Dörfer des aufgeteilten Amts Harste vergrößert. Nach der Bereinigung der Rechtsverhältnisse gegenüber der Stadt Göttingen (Bekanntmachung vom 28. Dezember 1831) führte es die Bezeichnung Amt Göttingen.
Als Amt war es für Verwaltungsangelegenheiten und auch als Gericht erster Instanz verantwortlich. Als Verwaltungsbehörde war es der Landdrostei Hildesheim nachgeordnet, als Gericht der Justizkanzlei Göttingen. Es war daneben in Kriminalsachen auch das Untersuchungsgericht für die Stadt Göttingen.Georg Heinrich Oesterley: Darstellung der Gerichtsverfassung in Göttingen, 1833, S. 43 f., Digitalisat
1839 wurde es um das frühere Gericht Geismar erweitert. 1852 wurden ihm außerdem die Ortschaften Lemshausen und Reinshof des Amts Friedland zugelegt. Hingegen musste das Amt Göttingen die Ortschaften Bösinghausen, Volkerode und Obernjesa abgeben.
Nach der Revolution von 1848 wurden im Königreich Hannover die Rechtsprechung von der Verwaltung getrennt und die Patrimonialgerichtsbarkeit abgeschafft.Gesetz über die Gerichtsverfassung vom 8. November 1850 () Das Amtsgericht Göttingen wurde daraufhin mit der Verordnung vom 7. August 1852 die Bildung der Amtsgerichte und unteren Verwaltungsbehörden betreffend als königlich hannoversches Amtsgericht gegründet. Es umfasste Stadt und Amt Göttingen.Hannoversche Gesetzgebung über Staats- und Gemeinde-Verwaltung, 1852, S. 32, 46 online Die Verwaltung blieb im Amt Göttingen.
Im Zuge der Verwaltungsreform von 1859 wurde das Amt Göttingen noch einmal wesentlich vergrößert: Hinzu traten die Gemeinden des Amts Bovenden (Herrschaft Plesse) und des Amts Radolfshausen sowie die Gemeinde Gladebeck des ehemaligen Amts Moringen, die Gemeinden Emmenhausen und Esebeck des ehemaligen Amts Adelebsen und die Gemeinde Klein Wiershausen des ehemaligen Amts Dransfeld.
Seit 1867 bildete das Amt Göttingen mit den Ämtern Münden und Reinhausen sowie den amtsfreien Städten Göttingen und Münden den Steuerkreis Göttingen. 1885 wurde aus den Ämtern Göttingen und Reinhausen der Kreis Göttingen gebildet.
Umfang Bei seiner Aufhebung (1885) umfasste das Amt folgende Gemeinden: Angerstein (*) Bösinghausen (**) Bovenden (*) Ebergötzen (**) Eddigehausen (*) Ellershausen Elliehausen Emmenhausen (+) Esebeck (+) Falkenhagen (**) Geismar Gladebeck (+) Grone Harste (*) Herberhausen Hetjershausen Holtensen Holzerode (*) Klein Wiershausen (+) Knutbühren Landolfshausen (**) Lemshausen Lenglern (*) Mackenrode (**) Mengershausen Nikolausberg Oberbillingshausen (*) Olenhusen Parensen (*) Potzwenden (**) Reinshof Reyershausen (*) Roringen Rosdorf Settmarshausen Spanbeck (*) Waake (**) Weende
(*) Aus dem ehemaligen Amt Bovenden; (**) aus dem ehemaligen Amt Radolfshausen; (+) aus den Ämtern Adelebsen, Moringen und Dransfeld.
Amtmänner 1818–1818: Friedrich Wilhelm Christian Zachariae, Amtmann 1820–1853: Friedrich Georg Kern, Gerichtsschulze und Gräfe, ab 1832 Oberamtmann 1853–1863: Friedrich Wilhelm August Zachariae, Oberamtmann 1863: Carl Johann Friedrich Meister, Amtmann 1863–1865: Carl August Freiherr von Grote, Amtmann 1865–1868: Carl Wilhelm Ferdinand Eduard Rüppel, Amtmann 1868–1873: Valerian Graf von Pfeil und Klein-Ellguth, Amtmann 1873–1885: Georg Dieterichs, Amtmann, 1885–1900 Landrat des Kreises Göttingen
Literatur Iselin Gundermann, Walther Hubatsch: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Reihe A: Preußen, Band 10: Hannover. Marburg (Lahn) 1981 Manfred Hamann: Übersicht über die Bestände des Niedersächsischen Hauptstaatsarchivs in Hannover. Dritter Band: Mittel- und Unterbehörden in den Landdrostei- bzw. Regierungsbezirken Hannover, Hildesheim und Lüneburg bis 1945. Göttingen 1983, S. 272–277.
Einzelnachweise
Gottingen Kategorie:Göttinger Geschichte Kategorie:Aufgelöst 1885 Gotting