Luther auf dem Totenbett bzw. Luther im Tode oder Luther auf dem Sterbebett ist Motiv und Titel mehrerer Kunstwerke, die den verstorbenen Reformator Martin Luther zeigen. Mindestens eine Zeichnung wurde unmittelbar am Leichnam Luthers geschaffen und könnte die Vorlage für ein Bild gewesen sein, das wohl in der Cranach-Werkstatt ausgearbeitet wurde und in zahlreichen Kopien verbreitet wurde.

Harald Meller beschreibt diese Konterfeis wie folgt: Der tote Luther liege „mit friedlich entspannten Gesichtszügen und in ein weißes faltenreiches Totenhemd gekleidet mit übereinander geschlagenen Händen auf einem angedeuteten weißen Kissen.“ Es sei für Luthers Zeitgenossen und Anhänger wichtig gewesen, zu beweisen, dass Luther friedlich und im Einklang mit Gott heimgegangen und nicht etwa vom Teufel geholt worden sei. Damit sei der „Beweis für die Legitimation der Reformation“ erbracht worden.

Übersicht über die bekannten Gemälde

StandortMaße, Material, TechnikLiteratur Beschreibung und Literatur Bild Hannover, Niedersächsisches Landesmuseum, Inv. Nr. Städtische Galerie KM 107 33,5 × 25,3 cm, Eichenholz Ficker 283, Stuhlfauth 8, Dieck 1 Bezeichnet mit Cranach-Signet.

Halbrechts geneigter Kopf, sichtbar ist der ganze Oberkörper, die ganze rechte Hand und die Handwurzel der linken Hand. Das Hemd hat eingenähte Hemdärmel, schmales Band zwischen Ärmelkrause und Hemd, aber nicht zwischen Halskrause und Hemd, und ist links am Hals offen.

Das dem älteren Cranach bzw. dessen Werkstatt zugeschriebene Bild in Hannover gilt als ältestes und bestes Exemplar unter den zahlreichen Wiederholungen des Motivs. Es kam über verschiedene Privatsammlungen im 19. Jahrhundert in den Besitz der Städtischen Galerie Hannover.Michael Wolfson: Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Landesgalerie, Die deutschen und niederländischen Gemälde bis 1550, Hannover 1992, S. 63–65, Nr. 14.

Das Bild in Hannover und die heute im DHM befindliche Darstellung gehören nach Stuhlfauths Ansicht zusammen. Als Kriterium nennt er die Gestaltung des Totengewandes, das Luther auf diesen Bildern trägt: Während die Ärmel dieses Kittels auf den anderen Bildern ohne Naht oder sonstigen Übergang aus dem Mittelteil des Gewandes hervortreten, sind sie auf diesen beiden BildernSchuster-Woldans Gemälde könnte demnach mit dem heutzutage im DHM befindlichen Bild identisch sein, vgl. die Abbildungen. genau wie auf dem Guldenmundt-Druck eingenäht. Ferner ist bei diesen beiden Bildern die Halskrause unmittelbar an dem Totenkittel angebracht, während sich bei den anderen Bildern ein kleines Bändchen zwischen Krause und Kittel befindet. Aufgrund dieser Beobachtungen weist Stuhlfauth diesen beiden Bildern den Status der frühesten Totenporträts Luthers zu und datiert sie auf das Jahr 1546. Von diesen beiden Bildern wiederum gebührt dem Gemälde in Hannover laut Stuhlfauth die Palme, weil es, z. B. in dem leicht schiefgestellten Mund, das durch die Augenzeugenberichte belegte Leiden Luthers viel deutlicher darstelle als das Berliner Bild. Stuhlfauth sieht in diesem Gemälde ein nach dem Bild des unbekannten Malers aus Eisleben geschaffenes Kunstwerk, ob von der eigenen Hand es Unbekannten, lässt er dahingestellt.Stuhlfauth, S. 44 ff. (Digitalisat) Die jüngere Forschung sieht die Tafel ebenfalls größtenteils als Kopie nach der Zeichnung des unbekannten Eislebeners.Martin Warnke: Cranachs Luther, Entwürfe für ein Image, Frankfurt a. M. 1984, ISBN 978-3-596-23904-7, S. 59.Niedersächsisches Landesmuseum Hannover: Verzeichnis der ausgestellten Gemälde in der Niedersächsischen Landesgalerie Hannover, Hannover 1989, Nr. 37.

Johannes Ficker geht noch einen Schritt weiter und weist das Bild in Hannover direkt dem Eislebener Maler zu. Die Skizze dazu sei am frühen Morgen zwischen sieben und neun Uhr vor Beginn der Totenstarre entstanden.Johannes Ficker, Die Bildnisse Luthers aus der Zeit seines Lebens, in: Luther-Jahrbuch XVI, München 1934, S. 140mini|hochkant|Niedersächsische Landesgalerie Hannover, Inv. Nr. SG KM 107Deutsches Historisches Museum Berlin, Inv. Nr. Gm 2010/140,5 × 29,6 cm, HolzFicker 284, Stuhlfauth 9, Dieck 2Bezeichnet mit Cranach-Signet.

Halbrechts geneigter Kopf. Sichtbar sind der ganze Oberkörper, beide Hände (links ohne Fingerspitzen). Die Hemdärmel sind eingenäht, die Ärmelkrausen weisen Bändchen auf, das Hemd ist links am Hals offen.

Luthers Totenhemd ist in dieser Version etwas weniger schlicht als z. B. auf dem Dresdener Bild dargestellt, die Bündchen sind stärker gefältelt.Martin Luther auf dem Sterbebett wird auf www.dhm.de noch Lucas Cranach dem Älteren zugeschrieben.

Das Bild befand sich 1927 in der Sammlung von Raffael Schuster-Woldan in Berlin-Charlottenburg, sein späterer Verbleib ist weitgehend unbekannt, es wurde 2010 vom DHM erworben.mini|hochkant|DHM, Inv. Nr. Gm 2010/1Leipzig, PrivatbesitzFicker 285, Stuhlfaut –, Dieck 3Halbrechts geneigter Kopf. Sichtbar sind der ganze Oberkörper, beide Hände (links ohne Fingerspitzen). Die Hemdärmel sind eingenäht, die Ärmelkrausen weisen Bändchen auf, das Hemd ist links am Hals offen.Halle, LandesmuseumFicker 286, Stuhlfauth –, Dieck 4Halbrechts geneigter Kopf. Sichtbar sind der ganze Oberkörper, die ganze rechte Hand und die Handwurzel der linken. Die Hemdärmel sind eingenäht, die Ärmelkrausen weisen Bändchen auf, das Hemd ist möglicherweise offen.HelmstedtFicker 287, Stuhlfauth –, Dieck 5Halbrechts geneigter Kopf. Sichtbar sind der ganze Oberkörper, die ganze rechte Hand und die Handwurzel der linken. Die Hemdärmel sind nicht eingenäht, die Ärmel- und Halskrausen weisen keine Bändchen auf, das Hemd ist geschlossen.Leipzig, Universitätssammlung, Inv. Nr. 1951:18063,5 × 48,8 cm, auf LindenholzFicker 288, Stuhlfauth 10, Dieck 6Halbrechts geneigter Kopf. Sichtbar sind der ganze Oberkörper, die ganze rechte Hand und die Handwurzel der linken. Die Hemdärmel sind nicht eingenäht, die Halskrause weist ein Bändchen auf, das Hemd ist geschlossen.

Das Gemälde stammt aus altem Besitz der Universitätsbibliothek. Es war in der Mitte des 19. Jahrhunderts „gänzlich zerfallen“Julius Leopold Pasig: Dr. Martin Luthers letzte Lebenstage, Tod und Begräbniß. Eine Denkschrift zur dritthundertjährigen Gedächtnißfeier des Todestages Luther's. Nach den Quellen herausgegeben. Leipzig 1846, S. 54. und wurde zwischen 1895, als es noch wurmstichig war,Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, 17./18. Heft: Stadt Leipzig, Dresden 1895/96, S. 260. und 1927 umfassend restauriert, da es Stuhlfauth einen sehr glatten und gänzlich intakten Eindruck vermittelte.Stuhlfauth 1927, Nr. 10, Taf. VI.

Dieses größere der beiden Lutherporträts in Leipzig wurde einst als eigenhändiges Werk Furtenagels angesehen, nachdem sich in einer Ecke des Bildes die Datierung 1574 gefunden hatte, wurde die These aber wieder verworfen.Stuhlfauth, S. 17 f. (Digitalisat) Die Datierung wird heute allerdings als sekundär betrachtet. Statt Furtenagel schreibt man das qualitätvolle Gemälde heute der Cranach-Werkstatt zu.mini|hochkant|Leipzig, Universitätssammlung, Inv. Nr. 1951:180Leipzig, Universitätssammlung, Inv. Nr. 0633/9050 × 34 cm, HolzFicker 289, Stuhlfauth 21, Dieck 7Halbrechts geneigter Kopf. Sichtbar sind der ganze Oberkörper, die ganze rechte Hand und die Handwurzel der linken. Die Hemdärmel sind eingenäht, die Halskrause weist ein Bändchen auf, das Hemd ist geschlossen.

Auch das kleinere Leipziger Bildnis wurde zeitweise als Original von Furtenagels Hand angesehen, was Stuhlfauth aber ebenfalls ablehnt.Stuhlfauths Begründung, auch auf das größere Leipziger Gemälde bezogen, lautet, der Reformator sei hier auf dem Bett liegend dargestellt, Furtenagel aber habe den Toten ja nur im Sarg liegend gesehen und ihn infolgedessen nicht im Bett liegend malen können. Vgl. Stuhlfauth S. 18 (Digitalisat) Angesichts der Tatsache, dass als Hintergrund der Bilder äußerstenfalls ein Kissen erkennbar ist, dem nicht anzusehen ist, ob es sich auf einem Bett oder in einem Sarg befindet, angesichts der Tatsache ferner, dass ein Maler auch einen im Sarg liegenden Menschen gesehen, ihn aber trotzdem auf einem Bett liegend dargestellt haben kann, erscheint diese Begründung allerdings nicht sehr stichhaltig, ebenso wie Stuhlfauths Theorie, es gebe Sarg- und Bettbilder des toten Luther. Stichhaltiger ist seine Argumentation mit der nicht gerade überragenden Qualität des kleineren Leipziger Bildes, das daher unmöglich von einem so virtuosen Künstler wie Furtenagel herrühren könne. Vgl. Stuhlfauth S. 21 ff. () Er hält es aber für möglich, dass das kleinere Leipziger Gemälde eine schülerhafte Kopie einer Vorlage darstellt, die auf Furtenagel zurückgeht, und dass Furtenagel tatsächlich, wie der Apotheker berichtete, zwei Bilder geschaffen hat. Die Cranach-Werkstatt allerdings habe von dem Bildnis des unbekannten Malers aus Eisleben profitiert und nicht von Furtenagel.Stuhlfauth, S. 52 ff. (Digitalisat)

Dieses Gemälde fand über einen Stich von Johann Martin Bernigeroth (Totenbildnis Martin Luthers im Sterbehemd) 1746 zum 200-jährigen Todestag des Reformators als Buchschmuck Verbreitung.mini|hochkant|Leipzig, Universitätssammlung, Inv. Nr. 0633/90Wittenberg, Lutherhaus, Inv. Nr. G 3765,6 × 48,2 cm, HolzFicker 290, Stuhlfauth 12, Dieck 8Halbrechts geneigter Kopf. Sichtbar sind der ganze Oberkörper und die rechte Hand. Die Hemdärmel sind nicht eingenäht, die Halskrause weist ein Bändchen auf, das Hemd ist geschlossen. Links oben auf dem Gemälde ist außerdem die Lutherrose zu sehen.

Das Gemälde kam aus der Sammlung des 1853 verstorbenen Oberkonsistorialrats Augustin in den Besitz der Lutherhalle.Unbekannt, Privatbesitz. Ehem. München, Slg. Dreher63 × 51 cm, HolzFicker 291, Stuhlfauth 13, Dieck 9Halbrechts geneigter Kopf. Sichtbar sind der ganze Oberkörper, die ganze rechte Hand und die Handwurzel der linken. Die Hemdärmel sind nicht eingenäht, die Halskrause weist ein Bändchen auf, das Hemd ist offen. Eine dreizeilige lateinische Inschrift über Luthers Kopf nennt den Todeszeitpunkt und das Alter des Verstorbenen, links neben dem Kopf befindet sich noch in kleinerer Schrift ein achtzeiliges lateinisches Lobgedicht.

Die Tafel stammt möglicherweise aus der Kirche in Rheinfelden,Provenienzangaben bei Ficker 1934 fraglich, da mit der Tafel in Karlsruhe vermengt. befand sich um 1910 in der Sammlung von Konrad Dreher und wurde am 1. Oktober 1919 bei Helbing in München als Cranach zugeschriebenes Gemälde verauktioniert.Hugo Helbing (Hrsg.): Gemälde alter Meister, Skulpturen sowie einige Zeichnungen und Stiche aus dem Besitz des Herrn Stallforth Wiesbaden und aus anderem meist süddeutschem Privatbesitz: Versteigerung in München: Mittwoch, den 1. Oktober 1919, München 1919, Lot 21 (Digitalisat) Seitdem ist die Tafel in unbekanntem Privatbesitz.Dresden, Staatl. Kunstsammlungen, Gemäldegalerie Alte Meister, Inv. Nr. 195564 × 50,5 cm, LindenholzFicker 292, Stuhlfauth 11, Dieck 10Halbrechts geneigter Kopf. Sichtbar sind der ganze Oberkörper, die ganze rechte Hand und die Handwurzel der linken. Die Hemdärmel sind nicht eingenäht, die Halskrause und die Ärmelkrausen weisen Bändchen auf, das Hemd ist geschlossen.

Die Tafel stammt wohl aus dem Besitz des Hofarchitekten Giovanni Maria Nosseni (1544–1620) und kam von diesem in die Kunstkammer, wo sie ab 1621 belegt ist. Im frühen 18. Jahrhundert befand sich das Bild auf der Moritzburg,Inventar Moritzburg 1722–1728, Nr. B 1574. im 19. Jahrhundert kam es in die Dresdner Gemäldegalerie.