Birmanisch, auch Burmesisch, ist die Amtssprache in Myanmar und wird von etwa 35 Millionen Menschen gesprochen. Darüber hinaus wird das Birmanische von vielen ethnischen bzw. sprachlichen Minderheiten in Birma als Zweitsprache neben der Muttersprache verwendet. Birmanisch verfügt über eine eigene Schrift, die sich aus der indischen Brahmi-Schrift entwickelt hat.
Die Eigenbezeichnung der Sprache ist မြန်မာစာ (mranma ca, oder ) für die geschriebene Sprache und မြန်မာစကား (mranma ca.ka:, oder ) für die gesprochene Sprache.
Grammatik Die Verben und Nomina sind meist einsilbig und werden nicht konjugiert bzw. dekliniert. Das Verb steht in der Regel am Ende des Satzes, gefolgt von einem End-Marker. Es gibt eine große Anzahl Lehnwörter aus dem Pali, einer mittelindischen Sprache, die im Unterschied zu den einsilbigen birmanischen Wörtern meist mehrsilbig sind.
Phonologie Die Transkriptionen in diesem Abschnitt folgen dem Internationalen Phonetischen Alphabet.
Konsonanten Die Konsonanten des Birmanischen sind wie folgt:
Bilabial Dental Alveolar Postalveolar und Palatal Velar undLabiovelar Glottal Ortlos Plosive und Affrikaten Nasal Frikative Approximanten Lateral
Die Approximanten und sind selten, besteht nur als stimmhaftes Allophon von .
Der ortlose Nasal /ɴ/ wird als Nasalierung des vorangehenden Vokals oder als zum folgenden Konsonanten homorganischer Nasallaut, // „Sturm“ wird also [] ausgesprochen.
Vokale Die Vokale des Birmanischen sind:
Monophthonge Diphthonge
Die Monophthonge , , und stehen nur in offenen Silben (also denen ohne Silbenkoda), die Diphthonge //, //, // und // nur in geschlossenen Silben (denen mit Silbenkoda).
Töne Birmanisch ist eine Tonsprache, d. h. durch den Ton eines Vokals können phonemische Kontraste erzeugt werden. Im Birmanischen beziehen diese Kontraste nicht nur die Tonhöhe mit ein, sondern auch Phonation, Intensität (Lautstärke), Dauer und Vokalqualität. Das Birmanische kennt vier kontrastive Töne. In der folgenden Tabelle werden die Töne auf dem Vokal beispielhaft gekennzeichnet, die phonetischen Beschreibungen kommen von Wheatley (1987). Tonname Symbol(auf a gezeigt) Beschreibung Tief Normale Phonation, mittlere Dauer, niedrige Intensität, tiefe (oft leicht steigende) Tonhöhe Hoch Manchmal leicht gemurmelt, relativ lange Dauer, hohe Intensität, hohe Tonhöhe; oft mit Abstieg vor Pause Geknarrt Gespannte oder geknarrte Phonation (manchmal mit ungespanntem Knacklaut), mittlere Dauer, hohe Intensität, hohe (oft leicht fallende) Tonhöhe Gehemmt Zentralisierte Vokalqualität, Knacklaut am Ende, kurze Dauer, hohe Tonhöhe (in Zitationsform; kann je nach Umgebung variieren)
Die folgenden Wörter unterscheiden sich beispielsweise nur durch den Ton: Tief „schütteln“ Hoch „bitter sein“ Geknarrt „Gebühr“ Gehemmt „abziehen“
In auf endenden Silben kommt der gehemmte Ton nicht vor: Tief „erfahren“ Hoch „austrocknen“ Geknarrt „ernennen“
Silbenstruktur Die Silbenstruktur des Birmanischen ist C(G)V((V)C), wobei C = Konsonant, G = Halbvokal, V = Vokal bedeutet. Der Silbenansatz besteht also aus einem Konsonanten, dem fakultativ ein Gleitlaut folgt, und der Silbenreim besteht aus einem Monophthong allein, einem Monophthong mit einem Konsonanten oder einem Diphthong mit einem Konsonanten. Die einzigen Konsonanten, die in der Silbenkoda stehen dürfen, sind und . Als Beispielswörter dienen:
CV (Koseform für Frau) CVC „begehren“ CGV „Erde“ CGVC „Auge“ CVVC (Anredeform für junge Männer) CGVVC „Graben“
Eine Silbe, bei der den Nukleus bildet, hat einige Beschränkungen: Sie muss eine offene Silbe sein (es darf kein Konsonant in der Koda stehen) Sie darf keinen Ton tragen Sie hat nur einen einfachen (C) Ansatz (es darf kein Halbvokal dem Konsonanten folgen) Sie darf nicht die letzte Silbe des Wortes sein
Beispiele für Wörter mit -Silben: „Taste“ „Flöte“ „verspotten“ „üppig sein“ „Reiswasser“
Geschichte mini|Ursprung und Verbreitung der sinotibetischen Sprachen. Rotes Oval ist die späte Cishan- und die frühe Yangshao-Kultur. Schwarzer Pfeil ist der vermutete Pfad der nicht-sinitischen Expansion. Nachdem die historisch-vergleichende Methode auf die von Laurent Sagart im Jahr 2019 entwickelte Datenbank mit vergleichenden Sprachdaten angewendet wurde, um Lautkorrespondenzen zu identifizieren und Kognaten zu ermitteln, werden phylogenetische Methoden verwendet, um Beziehungen zwischen diesen Sprachen abzuleiten und das Alter ihrer Herkunft und ihres Heimatlandes zu schätzen.
Altbirmanisch bzw. Altburmesisch wurde im mittleren Irawaddy-Tal spätestens seit dem 9. Jahrhundert gesprochen. Seine Verbreitung erfolgte vom Nordosten her, wo verwandte Sprachen gesprochen werden oder wurden. Unter König Anawrahta (reg. 1044 bis 1077) in Bagan dehnte sich das Verbreitungsgebiet des Altbirmanischen nach Westen bis nach Arakan aus, das bis zum 18. Jahrhundert ein unabhängiges Königreich blieb, sowie in das südliche Irawaddy-Tal. Dort verdrängte es die Pyu-Sprache und trat neben das Mon. Heute sind die wenigen verbliebenen Sprecher des Mon auch des Birmanischen mächtig. Doch wurde dieses auch durch jenes beeinflusst. Die birmanische Schrift, das Vokabular des Buddhismus, der Politik und die Phonetik sind dem Mon entnommen.
Infolge der Ausbreitung der birmanischen Herrschaftsräume von Bagan, Ava, Amarapura und Mandalay nach Westen, Süden und Osten wurde das Birmanische zur Sprache der Herrschenden und der Diplomaten. Im 16. Jahrhundert wandelte sich die Sprachform zum Mittelbirmanischen.
Als ältestes Schriftzeugnis des Altbirmanischen galt die viersprachige Myazedi-Inschrift in Bagan aus dem Jahre 1112. 2013 wurde jedoch eine ältere birmanische Inschrift entdeckt, die Sawlumin-Inschrift aus dem Jahr 1079 oder 1054.Paul Sidwell, Mathias Jenny: MSEA epigraphy. In: dieselben (Hg.): The Languages and Linguistics of Mainland Southeast Asia. A Comprehensive Guide. Berlin/Boston: De Gruyter Mouton, 2021; S. 855–878, hier S. 867.
Der Druck mit Lettern der birmanischen Schrift begann 1816/17 auf einer Druckerpresse der Missionsgesellschaft der American Baptist Churches, nachdem der Missionar Adoniram Judson und dessen Frau Ann Hasseltine Judson die Sprache ab 1812 erlernt und ein Wörterbuch erstellt hatten. Die Bibel übersetzte er bis 1834. Erste Zeitungen von nichtchristlichen Organisationen erschienen 1868 in Rangun.
Die birmanische Sprache ist heute Amtssprache von Birma und dient für Regierung, Verwaltung und Armee als Lingua franca. Der Grundschulunterricht findet hingegen noch häufig in einer der Minderheitensprachen statt.Dalby (2004), S. 103
Siehe auch Birmanischer Name
Literatur Wissenschaftliche Untersuchungen
Lehrbücher Es gibt eine Reihe Bücher zum Erlernen der birmanischen Sprache. Einige davon auch in deutscher Sprache:
In englischer Sprache:
Wörterbücher Miǎn-Hàn cídiǎn 《缅汉词典》 / မြန်မာ-တရုတ်အဘိဓာန်. Beijing, Shāngwù yìnshūguǎn 商务印书馆 1990, ISBN 9787100010382. (Größtes zweisprachiges Wörterbuch, birmanisch-chinesisch, ca. 60 000 Einträge) Myanmar Language Commission (Hg.): Myanmar-English Dictionary / မြန်မာ-အင်္ဂလိပ်အဘိဓာန်. Yangon, 1993, ISBN 1-881265-47-1. (Größtes birmanisch-englisches Wörterbuch, ca. 25 000 Einträge)
Weblinks
Online-Material der Northern Illinois University Geschichte zum Wörterbuch Deutsch – Myanma: von Thomas Kean in The Myanmar Times, 6. Juni 2011 (englisch).
Einzelnachweise
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