mini|Die ehemalige Wentworth-Kaserne und hinten links neben den Wohnhäusern Teile der ehemalige Hammersmith-Kaserne im Mai 2020 mini|Kasernengebäude in Herford Die Militärgeschichte der Stadt Herford lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In der ostwestfälischen Stadt Herford waren Einheiten der preußischen Armee (ab 1871 im Rahmen des deutschen Heeres), des Heeres der Wehrmacht und nach dem Zweiten Weltkrieg der Britischen Rheinarmee stationiert. Die Bundeswehrverwaltung unterhielt hier ein Kreiswehrersatzamt. Seit 2016 befindet sich keine militärische Einrichtung mehr in der Stadt.
Preußische Armee Das 1683 in Ostpreußen aufgestellte Regiment mit dem späteren Namen Altpreußisches Infanterieregiment No. 10 (1806) lag ab 1714 in der westfälischen Grafschaft Ravensberg in Garnison: Je ein Bataillon in Bielefeld und in Herford. Seinen Ersatz bezog es aus der Grafschaft Ravensberg, zum Teil auch aus dem benachbarten Fürstentum Minden.
Herford war auch einer der Stationierungsorte des Altpreußischen Infanterieregiments No. 13, das zwischen 1685 und 1806 bestand.
Das Magdeburgische Husaren-Regiment Nr. 10 wurde im Juni 1814 nach Westfalen abkommandiert, wo es unter Führung des Generals Tauentzien stand. Es war im Raum Minden, Ravensberg und Lippstadt stationiert, später verlegte es in die Gegend von Höxter und Herford.
Das Füsilierbataillon des Infanterie-Regiments „Prinz Friedrich der Niederlande“ (2. Westfälisches) Nr. 15 wurde Anfang 1816 von Saarbrücken nach Herford verlegt.
Das 1860 aufgestellte Infanterie-Regiment „Graf Bülow von Dennewitz“ (6. Westfälisches) Nr. 55 lag unter anderem auch in Herford in Garnison.
Im Ersten Weltkrieg wurde im September 1914 das Infanterie-Regiment „Graf Barfuß“ (4. Westfälisches) Nr. 17 stationiert und 1915 wurden Massenquartiere für Soldaten in Schulen, Fabriken, Gaststätten und im Stadttheater eingerichtet. Zeitweise waren bis zu 2400 Soldaten in der Stadt untergebracht.
Ab August 1914 gab es auch mehrere Lazarette in Waisenhäusern, im Schützenhof und in den Krankenhäusern.
Das 1. Westfälische Feldartillerie-Regiment Nr. 7 wurde nach Kriegsende ab 13. Dezember 1918 in Herford demobilisiert.
Wehrmacht Im Oktober 1934 wurde bei der Aufrüstung der Wehrmacht mit dem Bau der drei heute noch bestehenden Kasernenanlagen begonnen.
Estorff-Kaserne In die Kaserne zwischen Vlothoer Straße und Stiftskamp zog am 3. Oktober 1935 das 1. Bataillon des Infanterie-Regiments 58 der 6. Infanterie-Division ein. Regimentskommandeur war Oberst von Döhren, ihm folgte am 1. Februar 1937 bis Kriegsbeginn Oberst Windeck. Es handelte sich um ein ehemaliges Ausbildungsbataillon des Infanterieregiments Osnabrück. Das Regiment war schon ab Oktober 1934 provisorisch in zwei leerstehenden Herforder Fabrikgebäuden untergebracht. Am 17. Juli 1938 erhielt die Kaserne den Namen Estorff-Kaserne nach einem Kommandeur des ehemaligen Infanterie-Regiments 17 Generalleutnant Ludwig von Estorff, das während des Ersten Weltkriegs in Herford stationiert war.
Stobbe-Kaserne Die Kaserne zwischen der Vlothoer Straße und der Stadtholzstraße wurde in den Jahren 1936/37 errichtet. Im Herbst 1937 zogen dort zwei Ergänzungsbataillone des Infanterie-Regiments 58 ein. Die Kaserne wurde ebenfalls nach einem Kommandeur des ehemaligen Infanterie-Regiments 17 benannt, dem Generalleutnant Otto Stobbe.
Otto-Weddigen-Kaserne In der Kaserne an der Mindener Straße war ab 16. Oktober 1935 die Panzer-Abwehrabteilung 6 der 6. Infanterie-Division stationiert. Sie erhielt im Juli 1938 in Anwesenheit der Familie Weddigen und einer Marineabordnung den Namen Otto-Weddigen-Kaserne.
Britische Rheinarmee Übernahme der drei vorhandenen Kasernen Am 3. April 1945 erreichte die 5. US-amerikanische Panzerdivision auf ihrem Vormarsch die heutige Bundesautobahn 2 auf der Höhe von Herford und setzte ihren Weg Richtung Weser fort. Damit endete im Ravensberger Land das nationalsozialistische Regime. Ihnen folgten die britischen Alliierten.
Im Zuge der Aufteilung der Besatzungsgebiete wurde das Stadtgebiet von der Britischen Rheinarmee übernommen. Sie zog in die drei Kasernen ein, die anschließend zu Hammersmith-Hammersmith-Barracks (vormals Estorff-), Wentworth-Wentworth-Barracks (vormals Stobbe-) und Harewood Barracks (vormals Otto-Weddigen-Kaserne) umbenannt wurden.
Die Hammersmith Barracks wurden nach dem Londoner Stadtteil Hammersmith im Borough of Hammersmith and Fulham benannt. Die Wentworth Barracks erhielten ihren Namen nach General Thomas Wentworth, 1. Earl of Cleveland (1591 – 25. März 1667), der im englischen Bürgerkrieg für König Charles I. gefochten hatte. Die Harewood Barracks wurden nach General Henry George Charles Lascelle, 6th Earl of Harewood, KG, GCVO, DSO, TD benannt, der im Ersten Weltkrieg das 3rd Bn Grenadier Guards befehligte; er war der Ehemann Princess Mary, der einzigen Tochter von König Georg V.
Hauptquartier des Britischen Geheimdienstes in der britischen Zone Mitte 2018 fand ein Forscher der Universität Leeds heraus, dass sich in Herford zwischen 1946 und 1951 das Hauptquartier des britischen Geheimdienstes in der britischen Zone befunden haben soll. Das geht aus Unterlagen des Herforder Kommunalarchivs sowie aus britischen Geheimakten hervor, die zum Teil erst wenige Monate zuvor freigegeben worden waren. Der Sitz der Einheit war im Haus Bielefelder Straße 6, von wo aus mehrere große Aktionen gesteuert wurden. Die Geheimdienstmitarbeiter, die sowohl in zivil, als auch in normalen Soldatenuniformen auftraten, sollten in der Nachkriegszeit die politische Stimmung in ganz Deutschland erfassen.
Ausgewertet wurden die Daten im Hauptquartier der britischen Einheit, die sich damals auf dem Gelände der Wentworth-Kaserne befand. Regelmäßigen Austausch gab es auch mit dem britischen Auslandsgeheimdienst MI 6, der damals einen Sitz im benachbarten Bad Salzuflen hatte.Westfalen-Blatt vom 7. Juli 2018, Jan Gruhn: Arbeitete hier der britische Geheimdienst?
Britische Adresse des Standortes Herford Wie alle britischen Militärstandorte erhielt auch Herford ein Militärpostamt. Die Adresse lautete BFPO 15, wobei BFPO die Abkürzung für British Forces Post Office ist. Weitere Informationen siehe unter Britische Feldpost in Deutschland im Kalten Krieg.
Beschlagnahme von Privathäusern und Bau von Wohnsiedlungen Der Stiftberg, in der Nähe der Kasernengelände an der Vlothoer Straße, wurde 1945 vom Stadtgebiet abgesperrt und sodann eine große Anzahl Privathäuser für die Familien der Soldaten und Offiziere beschlagnahmt. Sie wurden erst bis 1957 wieder zurückgegeben, nachdem in der Stadt mehrere Wohnsiedlungen für die Briten entstanden waren. Die erste Siedlung wurde 1949 an der Goethestraße errichtet. Weitere Wohngebiete gab es in den Bereichen Adlerstraße, Glatzer Straße, Birkenstraße und Alter Postweg. Einzelobjekte an der Lüderitzstraße, am Kattenschling, an der Brahmsstraße, am Stiftskamp und an der Schumannstraße wurden überwiegend von Offizieren mit ihren Familien bewohnt.Britische Wohnsiedlungen
Neubau Maresfield Barracks Das 1952 von der Britischen Rheinarmee mitten im Stuckenberger Wald (Stadtholz) neu gebaute vierte Kasernengelände beiderseits der Stadtholzstraße in direkter Nachbarschaft zum Tierpark Waldfrieden wurde Maresfield Barracks genannt. Etwa ein Drittel des Kasernengeländes befand sich nordöstlich der Stadtholzstraße und zwei Drittel südwestlich, wobei die beiden Teile eine Fußgängerbrücke aus Stahl verband. Auf dem Gelände standen meist eingeschossige barackenähnliche Gebäude. Außerdem wurden dort die Panzer gewartet und gereinigt, die in den anderen Herforder Kasernen stationiert waren. Sie fuhren dafür häufig quer durch die Stadt. Von 1952 bis zuletzt war dort das 7th Signal Regiment stationiert.
Benannt waren die Maresfield Barracks nach dem Ort Maresfield in der Grafschaft Sussex.
11. Britische Panzerdivision 1952 war Herford Garnison der 11. britischen Panzerdivision (11th (UK) Armoured Division). Ihr unterstanden die Life Guards in Wolfenbüttel, die 3rd Hussars in Bielefeld, das 2nd Field Regiment RHA in Hildesheim, das 5th Field Regiment RHA in Osnabrück, das 53rd LAA Regiment RA in Lippstadt, das 26 Engineer Regiment in Hameln, das 11 Armoured Divisional Signal Regiment, die 33 Armoured Brigade (33. Panzerbrigade), Paderborn (später in Bad Lippspringe), 9th Lancers in Detmold, das 1st Royal Tank Regiment in Detmold, das 8th Royal Tank Regiment in Paderborn, das 1st Bn King’s Royal Rifle Corps, die 91st Lorried Infantry Brigade in Hilden, das 1st Bn Royal Lincolnshire Regiment, das 1 Bn Sherwood Foresters und das 1 Bn Royal Irish Fusiliers.
4. Britische Panzerdivision Von Anfang der 1960er Jahre bis 1993 war in der Hammersmith-Kaserne das Hauptquartier der 4. Britischen Panzerdivision (4th Armoured Division) stationiert.
Royal Scots Dragoon Guards Von 1971 bis 1973 waren die Royal Scots Dragoon Guards in Herford stationiert, die mit dem Musikstück „Amazing Grace“ am 15. April 1972, die Spitzenposition der Singles-Charts in Großbritannien (und auch in Australien) erreichten. Ihr offizieller Name auf der Single war The Pipes and Drums and Military Band of the Royal Scots Dragoon Guards.
Weitere britische Einheiten Die meisten britischen Einheiten blieben nur zwischen einem und sechs Jahren in Herford stationiert. Daher waren im Laufe der 70 Jahre, in denen die britischen Streitkräfte in Herford waren, noch viele weitere Einheiten hier stationiert. So waren zum Beispiel die Royal Horse Guards von 1962 bis 1966 und das 1st Royal Tank Regiment von 1976 bis 1982 in der Harewood-Kaserne stationiert.Auflistung der von 1955 bis 1994 in Herford stationierten Truppenteile
Gallow’s Folk Club Von 1972 bis 1984 befand sich in der Wentworth-Kaserne der „Gallow’s Folk Club“, wo zunächst nur britische Folkmusiker auftraten. Als im Laufe der Zeit immer mehr deutsche Gäste in den Club kamen, wurde der Begriff Folkmusik etwas weiter gefasst und es traten auch deutsche Musikgruppen auf, die neben englischsprachigen Songs auch deutsche Lieder vortrugen, die in die Rubrik Folklore fielen. Eine Zeit lang gehörte der Club zur Herforder Musikszene.Neue Westfälische vom 1. Dezember 2015, Thomas Hagen: Fast wie einst im Gallows Folk Club
Britische Streitkräfte in Deutschland mini|BFBS-Antenne auf dem Gelände der Wentworth-Kaserne mini|Haupttor zur Wentworth-Kasernean der Liststraße, rechts das später gebaute Konferenzzentrum mit Garnisons-Kino „Globe“ mini|Offizierskasino an der Liststraße Wentworth-Kaserne Bebauung Auf einer Fläche von 9,6 Hektar zwischen der Vlothoer Straße, der Stadtholzstraße und der Ulmenstraße befanden sich sieben Kasernengebäude, die als Mannschaftsunterkünfte und für die Verwaltung genutzt wurden, eine Schule, ein Konferenzzentrum sowie weitere kleine Gebäude.
1. Britische Panzerdivision Im Jahre 1994 wurde die Britische Rheinarmee in Britische Streitkräfte in Deutschland umbenannt. Seitdem befand sich in der Wentworth-Kaserne an der Liststraße (zwischen Vlothoer Straße und Stadtholzstraße) das Hauptquartier der 1st (UK) Armoured Division (1. Britische Panzerdivision) unter der Leitung eines Generalmajors. Von dort wurden die britischen Einsatztruppen in Deutschland befehligt.
BFBS Von Oktober 1990 bis Juli 2009 befand sich in einem Gebäude die Deutschlandzentrale des britischen Soldatensenders British Forces Broadcasting Service.
Konferenzzentrum, Kino und Schule Innerhalb des Kasernengeländes gab es ein großes Divisionskonferenzzentrum mit dem britischen Kino „Globe“. Außerdem war bis Mitte Juli 2015 auf dem Gelände die Grundschule „Lister School“ mit zuletzt 260 Schülerinnen und Schülern angesiedelt.Internetseite der Lister SchoolNeue Westfälische vom 16. Juli 2015: Schulschluss an der Lister School
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