Der Gerichtsbezirk Manetin (tschechisch: soudní okres Manětín) war ein dem Bezirksgericht Manetin unterstehender Gerichtsbezirk im Kronland Böhmen. Er umfasste Gebiete im Westen Böhmens im heutigen Okres Plzeň-sever. Zentrum des Gerichtsbezirks war die Stadt Manetin (Manětín). Das Gebiet gehörte seit 1918 zur neu gegründeten Tschechoslowakei und ist seit 1993 Teil der Tschechischen Republik.
Geschichte Die ursprüngliche Patrimonialgerichtsbarkeit wurde im Kaisertum Österreich nach den Revolutionsjahren 1848/49 aufgehoben. An ihre Stelle traten die Bezirks-, Landes- und Oberlandesgerichte, die nach den Grundzüge des Justizministers geplant und deren Schaffung am 6. Juli 1849 von Kaiser Franz Joseph I. genehmigt wurde.Landes-Gesetz- und Regierungs-Blatt für das Kronland Böhmen (Dritte Abtheilung des Ergänzungs-Bandes) 1849, Nr. 110: „Organisirung der Gerichte in dem Kronlande Böhmen.“ Der Gerichtsbezirk Ronsperg gehörte zunächst zum Kreis Pilsen und umfasste 1854 die 59 Katastralgemeinden Augezdl, Bärenklau, Böhmisch Doubrawic, Böhmisch Neustadtl, Brdo, Budsch, Čisotin, Deutsch Doubrawic, Deutsch Neustadtl, Draschen, Foßlau, Hluboka, Hodowies, Hubenow, Hurz, Kalec, Kamenahora, Kasniau, Koreitko, Kotantschen, Krasch, Kraschowic, Kraschtowic, Křečowa, Ladměřic, Leschowic, Lippen, Littau, Lomnicka, Losa, Lukowa, Lusetin, Manetin, Mösching, Mrnik, Netschetin, Oberběla, Ondřejow, Plachtin, Planes, Potok, Preitenstein, Rabenstein, Rading, Radschin (I. Theil), Ratka, Ribniz, Stechowitz, Stradischt, Trnowa, Tschernheit, Voitles, Wilkischau, Wirschin, Wisočan, Wražno, Zahradka und Zwolle.Landes-Regierungs-Blatt für das Königreich Böhmen 1854, I. Abtheilung, XLVII. Stück, Nr. 277: „Verordnung der Ministerien des Inneren, der Justiz und der Finanzen vom 9. Oktober 1854, betreffen die politische und gerichtliche Organisirung des Königreichs Böhmen“
Der Gerichtsbezirk Manetin bildete im Zuge der Trennung der politischen von der judikativen VerwaltungReichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XVII. Stück, Nr. 44. „Gesetz vom 19. Mai 1868 über die Einrichtung der politischen Verwaltungsbehörden in den Königreichen ...“ ab 1868 gemeinsam mit dem Gerichtsbezirk Kralowitz (Kralovice) den Bezirk Kralowitz.Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XLI. Stück, Nr. 101: Verordnung vom 10. Juli 1868, die Durchführung des Gesetzes vom 19. Mai 1868 (Reichs-Gesetz-Blatt Nr. 44) in Böhmen, Dalmatien, Oesterreich unter und ob der Enns, Steiermark, Kärnthen, Bukowina, Mähren, Schlesien, Tirol und Vorarlberg, Istrien, Görz und Gradiska betreffend.
Der Gerichtsbezirk Manetin zählte 1869 15.080 Einwohner in 31 Gemeinden bzw. 59 Katastralgemeinden.Böhmische k. k. Statthalterei (Hrsg.): Orts-Repertorium des Königreiches Böhmen. Mit Benützung der von der k .k. statistischen Central-Commission zusammengestellten Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1869 herausgegeben. Prag 1872, S. 8 Bis 1890 stieg die Einwohnerzahl leicht auf 15.887 Menschen,Böhmische k. k. Statthalterei (Hrsg.): Orts-Repertorium für das Königreich Böhmen. Prag 1893, S. 427 danach sank die Einwohnerzahl bis 1900 auf 15.387 Menschen im Gerichtsbezirk, die auf 322,35 km² lebten. Während die Anzahl der Katastralgemeinden gleich geblieben war, stieg die Anzahl der Gemeinden wibis 1900 wieder auf 47.C.k. místodržitelství (Hrsg.): Seznam míst v Království českém. K rozkazu c. k. místodržitelství na základě úřadních udání sestaven. Prag 1907, S. 632 Der Gerichtsbezirk Manetin wies 1910 eine Bevölkerung von 16.099 Personen auf, von denen 38,2 Prozent Deutsch und 61,7 Prozent TschechischIn der Volkszählung wurden Personen mit böhmischer, mährischer und slowakischer Umgangssprache zusammengefasst als Umgangssprache angaben.k.k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Böhmen. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1915, S. 76
Politisch gehörte der deutschsprachige Teil des Gerichtsbezirks bei den Reichsratswahlen 1907/11 zum Wahlbezirk 120, der tschechischsprachige Teil zum Wahlbezirk 51.
Durch die Grenzbestimmungen des am 10. September 1919 abgeschlossenen Friedensvertrages von Saint-Germain kam der Gerichtsbezirk Manětín zur Tschechoslowakei. Nach dem Münchner Abkommen vom 29. September 1938 wurde das Gebiet teilweise dem Landkreis Luditz im Sudetenland zugeteilt, der andere Teil gehörte ab 1939 zum Protektorat Böhmen und Mähren.
Der Gerichtsbezirk Manětín wurde zum 1. Februar 1949 aufgelöst.Nařízení č. 11/1949 Sb. (Verordnung des Justizministers zur Festlegung der Sitze der Regionalgerichte sowie der Sitze und Bezirke der Bezirksgerichte; vgl. § 4 Abs. 2 und Beil.) Digitalisat Sein Gebiet kam zu den Bezirken Plasy, Toužim und Plzeň.Nařízení vlády č. 3/1949 Sb. (Regierungsverordnung zur territorialen Gliederung der Bezirke in Böhmen; vgl. Anl. zu § 15, 3. Punkt Nr. 7 und 8, 4. Punkt Nr. 10) Digitalisat
Ab 1960 gehörte das Gebiet zum Okres Plzeň-severZákon č. 36/1960 Sb. (Gesetz über die territoriale Gliederung des Staates; vgl. § 6) Digitalisat, dessen Behörden jedoch im Zuge einer Verwaltungsreform 2003 ihre Verwaltungskompetenzen verloren. Diese werden seitdem von den Gemeinden bzw. der Region Plzeňský kraj, zu der das Gebiet um Manetin seit Beginn des 21. Jahrhunderts gehört, wahrgenommen.
Gerichtssprengel Der Gerichtssprengel umfasste Ende 1914 63 Katastralgemeinden bzw. die 47 Gemeinden Aujezdl (Újezd), Bernklau (Bezvěrov), Böhmisch Doubrawitz (Česká Doubravice), Böhmisch Neustadtl (Dolní Bělá), Brdo, Budsch (Bučí), Čisotin (Čestětín), Deutsch Doubrawitz (Německá Doubravice), Draschen (Dražeň), Foßlau (Hvozd), Hluboka (Hluboké), Hodowies (Hodoviz), Hubenow (Hubenov), Hurkau (Hůrky), Kaznau (Kazňov), Kotantschen (Kotaneč), Krasch (Krašov), Kraschowitz (Krašovice), Kraschtiowitz (Chrášťovice), Křečowa (Křečov), Ladměřitz (Ladměřice), Lippen (Lipí), Littau (Lité), Lomicka (Lomička), Losa (Loza), Lukowa (Luková), Manetin (Manětín), Mösing (Mezí), Mrtnik (Mrtníky), Netschetin (Nečtiny), Oberběla (Horní Bělá), Planes (Pláně), Potok, Preitenstein (Nečtiny), Rabenstein (Řabštein), Radschin (Račín), Ratka (Hrádek), Rybnitz (Rybnice), Stichowitz (Štichovice), Stradischt (Strážiště), Trnowa (Trnová), Wilkischau (Vlkošov), Wirschin (Bržín), Wisočan (Vysočany), Wražno (Vražné), Zahradka (Zahrádka) und Zwolln (Stvolny).
Einzelnachweise
Literatur k. k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Böhmen. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1915 (Spezialortsrepertorien der österreichischen Länder)
Ronsperg Kategorie:Manětín