mini|alt=Das Foto zeigt ein schwarz-rot-weißes Schiff, an dem zwei tote Wale vertäut sind.|Getötete Finnwale am isländischen Walfänger Hvalur 9 der Hvalur hf in der Bucht von Hvalfjörður 2009 Der Walfang vor Island hat eine lange Geschichte. In den isländischen Gewässern um den 66. Breitengrad kommen vor allem Zwergwale und die vom Aussterben bedrohten Finnwale vor. Beide Arten werden bejagt, seit 2020 nur noch von einem aktiven Walfangunternehmen. Der kommerzielle Walfang erreichte seinen Höhepunkt um 1900. Im 21. Jahrhundert war der Walfang vor Island von 2019 bis 2021 und von 2024 bis 2025 komplett ausgesetzt.
Ökologie und Lebensräume In dem kalten und dadurch sauerstoffreichen Nordatlantik leben überproportional hohe Populationen von Fischen aller Größenklassen. Diese bilden die Nahrungsgrundlage für die Meeressäuger um Island.
Meeressäuger Verschiedene Arten der Furchenwale (Balaenopteridae), einer Familie der Bartenwale, kommen um die Insel vor. Die Arten der Familie der Furchenwale haben eine markante Rückenflosse und deutlich kürzere und breitere Barten als andere Walfamilien sowie die namengebenden Kehlfurchen. Aus der Familie kommen Finnwale und Zwergwale sowie die größeren Buckelwale und Blauwale um Island vor.
Finnwale (Balaenoptera physalus) können bis zu 26 Metern Länge erreichen und sind nach dem Blauwal das zweitgrößte Säugetier der Welt. Finnwale kommen in allen Ozeanen vor, am häufigsten jedoch in gemäßigten und küstennahen Gewässern der südlichen Hemisphäre. Diese Walart ist auf der sogenannten Roten Liste der gefährdeten Arten als in ihrer Population „stark gefährdet“ eingestuft und im Anhang I (absolutes Handelsverbot) des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gelistet.
Zwerg- oder Minkewale (Balaenoptera arcutorostrata) sind die kleinste und am häufigsten vorkommende Furchenwalart. Sie leben in drei geographisch isolierten Populationen im Nordpazifik, im Nordatlantik und in der Südhemisphere. Die Zwergwale vor Island gehören zur nordatlantischen Population.
Lebensräume Wale kommen rund um Island vor.
Die Faxaflói-Bucht in der Nähe von Reykjavík ist ein beliebtes Wal- und Walbeobachtungsgebiet. Dort finden parallel auch 80 Prozent des isländischen Zwergwalfangs statt.
Die wesentlich größeren Finnwale werden auch außerhalb der 15 Meilen Küstengewässer gejagt. Die Tiere sind zu groß, um sie direkt zu verarbeiten, und werden nach der Tötung längsseits am Schiff vertäut und in den Hafen geschleppt.
Geschichte mini|alt=Das Schwarz-Weiß-Bild zeigt etwa sieben in seichtem Wasser liegende tote Wale, daneben ein Schiff und ein Ruderboot; im Hintergrund ist ein schneebedeckter Berg zu sehen.|Getötete Wale in den isländischen Westfjorden zu Beginn des 20. Jahrhunderts Seit dem Mittelalter wurden nicht nur gestrandete Wale in Island verwertet, sondern auch opportunistisch Wale gejagt, um ihr Fleisch als Nahrung zu nutzen. Über Jahrhunderte hinweg erlegten ausländische Schiffe Wale vor Island, bis isländische Unternehmen selbst in den Walfang einstiegen. Statistiken zufolge lag die Zahl der Walfangschiffe in den 1880er Jahren sowie von 1935 bis 1989 im einstelligen Bereich, doch um 1900 erreichte der Walfang vor Island einen Höhepunkt mit bis zu 30 Walfangschiffen und 1305 getöteten Walen in einem Jahr (1902). Die ersten kommerziellen Jagden auf Wale um Island fanden hauptsächlich statt, um Öl zu gewinnen. In den 1950er Jahren jedoch wurde begonnen, das Walfleisch als Futtermittel für Haus- und Nutztiere zu verwenden.
1982 einigten sich die Mitglieder der Internationalen Walfangkommission (IWC) darauf, sämtliche kommerziellen Walfangaktivitäten ab der Jagdsaison 1986 zu verbieten (Walfang-Moratorium). Island legte – im Gegensatz zu anderen Ländern – damals keinen Einspruch gegen diese Entscheidung ein. Nachdem das Moratorium in Kraft getreten war, tötete Island im Rahmen eines „wissenschaftlichen Walfangprogramms“ in kleinem Maßstab weiterhin Wale vor seinen Küsten. Auf diese Weise erlegten isländische Walfänger bis 1989 ca. 60 Wale pro Jahr. 1992 trat Island aus der IWC aus. Zehn Jahre später, 2002, trat das Land allerdings erneut bei. Dieses Mal jedoch mit einem rechtlich bis heute umstrittenen Vorbehalt gegen das Moratorium. Viele Länder lehnten diesen Versuch Islands, internationale Vertragswerke und die daraus resultierenden Vorschriften zu umgehen, strikt ab. Einige Länder erkennen Islands Mitgliedschaft daher bis heute nicht an.
Island nahm den „wissenschaftlichen Walfang“ 2003 mit einem fünfjährigen „Forschungsprogramm“ wieder auf und tötete auf diese Weise zwischen 2003 und 2007 insgesamt 200 Zwergwale. Ohne den Abschluss des eigenen, sogenannten Forschungsplans abzuwarten, führte Island 2006 den kommerziellen Walfang wieder ein.
Im Januar 2009 wurde die isländische Regierung unter der Fortschrittspartei wegen der großen wirtschaftlichen Probleme des Landes abgewählt. Der scheidende Fischereiminister genehmigte jedoch noch eine massive Erhöhung der Quoten für die kommerzielle Bejagung von Finn- und Zwergwalen und der damals noch neue Fischereiminister Steingrímur J. Sigfússon (Links-Grüne Bewegung) lehnte es ab, die kurzfristige Entscheidung seines Vorgängers rückgängig zu machen.
Im Mai 2011 schlug das isländische Meeresforschungsinstitut HAFRO für 2011/2012 neben neuen Quoten die Option vor, diese um bis zu 20 % der ungenutzten Quoten aus 2010 aufzustocken. Zusätzlich erklärte das Institut, dass isländische Walfänger im Falle der Ausdehnung der Zwergwaljagd auf die offene See auch im sogenannten CM-Gebiet rund um die Jan Mayen jagen dürften. Die Inseln liegen 650 km nordöstlich von Island in der Grönlandsee. Für dieses Gebiet vergibt auch Norwegen Fangquoten.
Zwischen 2013 und 2017 wurde die Größe der Schutzzone um die Faxaflói-Bucht unter den wechselnden isländischen Fischereiministern wiederholt verändert: Nachdem sie Steingrímur J. Sigfússon 2013 ausgeweitet hatte, wurde sie von seinem Nachfolger Sigurður Ingi Jóhannsson verkleinert und Ende 2017 von Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir wieder auf ihre Ausdehnung von 2013 gebracht. Infolge der Ausweitung der Schutzzone sei der Walfang erheblich erschwert worden. Es sei den Walfängern nicht mehr möglich, die Fanggründe von Reykjavík aus in einem Tag zu erreichen, wodurch sie mehr Personal einsetzen müssten.
2016 sagte der einzige verbliebene Finnwaljäger Kristján Loftsson die Jagd auf den Finnwal – trotz behördlicher Genehmigung – ab. Diese Entscheidung traf er auch für die Fangzeit 2017, da – wie der Unternehmer verlauten ließ – der Walfang sich ökonomisch nicht mehr lohne. Als Gründe nannte er die hohen Importhürden Japans und die starke Isländische Krone.
Von 2019 bis 2021 wurde der Walfang vor Island erneut unterbrochen. Als Gründe wurden Exportprobleme mit Japan und die mit der Covid-19-Pandemie einhergehenden Hygienestandards angegeben, die eine Bemannung der Schiffe und Verarbeitung des Walfleisches nahezu unmöglich machten. Der Geschäftsführer eines der beiden noch verbliebenen Walfangunternehmen kündigte den vollständigen Rückzug aus dem Walfang an: „Ich werde nie wieder Wale jagen. Damit bin ich ein für alle Mal fertig.“ Darüber hinaus verändert sich auch die öffentliche Meinung zum Thema Walfang in Island. Mit der steigenden Bedeutung der Walbeobachtungen geht eine sinkende Bereitschaft einher, den Walfang rechtfertigen zu müssen. Das einzig verbliebene Unternehmen Hvalur nahm den Walfang 2022 wieder auf.
Ab Juni 2023 war der Walfang vorübergehend für zwei Monate von der isländischen Regierung gestoppt, um die Vereinbarkeit mit den isländischen Tierschutzgesetzen zu prüfen, ab dem 1. September 2023 war er wieder erlaubt. Im Juni 2024 wurde nach isländischen Medienberichten erneut eine Fanglizenz ausgestellt, jedoch nur für ein Jahr bzw. die laufende Saison und nicht wie sonst üblich für fünf Jahre. Der Inhaber des einzigen aktiven Walfangunternehmens kündigte 2024 an, aufgrund der dadurch entstandenen Unsicherheit in diesem Sommer wahrscheinlich keine Wale zu jagen, und sagte auch 2025 den Walfang ab, nahm ihn 2026 jedoch wieder auf.
Quote + Fangmengen des isländischen Walfangs JahrZwergwal(Balaenoptera acutorostrata)Finnwal(Balaenoptera physalus) 2013 38 134 2014 24 137 2015 29 154 2016 46 0 2017 17 0 2018 6 14620190020200020210020220139/148202302520240020250020260ca. 32
Islands Ministerium für Fischfang und Landwirtschaft bekommt jährlich eine Empfehlung vom staatlichen Institut HAFRO und erlegt dann der eigenen Walfangindustrie eine Quote auf. 2015 durften 239 Zwergwale getötet werden. Die Quote für Finnwale, die jährlich ab Juni bejagt werden, betrug 154 Tiere. 2014 waren 137 Finnwale harpuniert worden.
2016 und 2017 wurden keine Finnwale erlegt, der Zwergwal hingegen weiterhin bejagt. 2016 waren 46 Zwergwale gefangen worden; 2017 sollten zwischen 45 und 55 erlegt werden, wobei die Quote 224 Tiere erlaubte.
Für den Zeitraum 2019 bis 2023 wurden zunächst jährliche Quoten von 217 Zwergwalen und 161 Finnwalen beschlossen.
Für 2019 wurde die Fangquote auf bis zu 209 Finnwale und 217 Zwergwale festgesetzt. Allerdings sagten die zwei damals aktiven Walfangunternehmen erstmals nach 17 Jahren die Fangsaison auf beide Walarten ab.
Für 2020 wurde die Fangsaison erneut abgesagt und der Walfang erst 2022 wieder aufgenommen. Anfang 2022 stellte Islands damalige Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir in Aussicht, die noch bis 2023 geltenden Fangquoten nicht mehr zu verlängern. Der Walfang sei ökonomisch nicht mehr lohnend. Kristján Loftsson kündigte an, den Staat auf Entschädigungen für die entgangene Saison 2023 zu verklagen, da die Jagdlizenz erst nach Beginn der Jagdsaison eintraf und somit die Zeit für nötige Vorbereitungen fehlte.
Im Juni 2024 wurde erneut eine Fanglizenz ausgestellt, jedoch nicht für die üblichen und vom Walfangunternehmen Hvalur beantragten fünf Jahre, sondern nur für ein Jahr bzw. die laufende Saison. Dies führte zu Protesten von Kristján Loftsson, dem Inhaber von Hvalur. Trotz der Genehmigung zum Fang von 128 Finnwalen (99 davon in der Region Grönland/West-Island und 29 in der Region Ost-Island/Färöer) beklagte er die Unsicherheit, die dadurch entstehe, dass die Lizenz nicht länger gilt, und beschuldigte die damals zuständige Ministerin Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir, sein „Geschäft zerstören“ zu wollen. Aufgrund dieser Unsicherheit könne er sich Walfang im Sommer 2024 nicht vorstellen. Kritisiert wurde die Entscheidung andererseits aber auch von Walschützern. Iceland Review berichtete daher, dass mit der Entscheidung der Ministerin „niemand zufrieden“ sei.
Im Dezember 2024 wurde unerwartet eine neue Walfangquote bis zum Jahr 2029 freigegeben: Demnach dürfen jährlich 209 Finnwale sowie 217 Zwergwale erlegt werden. Allerdings wurde vom letzten Walfänger Hvalur für 2025 die Jagd abgesagt.
Für die Jagd 2026 wurde die Fangquote von 168 Zwergwalen und 150 Finnwalen festgelegt.
Walfangindustrie und Export mini|alt=Das Foto zeigt einen geschäftigen Hafen mit mehreren bunten Booten und aufgestapelten Fischkisten unter einem düster bewölkten Himmel.|Fischereihafen von Akranes Die isländische Walfangindustrie ist stark mit der Fischereiindustrie verbunden. Hvalur hf ist Islands größtes Walfangunternehmen und das einzige, welches auch Jagd auf bedrohte Finnwale macht. Das Unternehmen wird von Kristján Loftsson geleitet. Er ist gleichzeitig auch Vorstandsvorsitzender von HB Grandi, einem der größten Fischereiunternehmen Islands. Die Fischmanufaktur Deutsche See GmbH in Bremerhaven ist einer der Hauptabnehmer der Produkte von HB Grandi.
HB Grandi vermietet Fabrikgebäude auf dem Gelände ihrer Fischfabrik in Akranes an Hvalur hf, dort wird das Finnwalfleisch zerlegt und für den Export verpackt. Das Fleisch wird überwiegend nach Japan exportiert. Der Export ist schwierig, da die Länder, die das Walfangmoratorium unterschrieben haben, Schiffen mit Walfleisch teilweise die Einfahrt in ihre Häfen verweigern.