mini|Ingrid von Kruse (2013) Ingrid von Kruse (* 1935 in Hamburg) ist eine freischaffende Fotografin mit dem Schwerpunkt Portraitfotografie.

Leben Ingrid von Kruse, 1935 in Hamburg geboren, studierte von 1954 bis 1958 zunächst Grafik und Design an der Landeskunstschule Hamburg, dann Grafik, Malerei und Textilentwurf an der benachbarten Meisterschule für Mode. Danach war sie viele Jahre als freie Designerin für verschiedene Textilfirmen tätig, unter anderem in Krefeld,Dirk Fröse: Ingrid von Kruse. In: Sabine Selchow (Red.): Künstler im Wuppertal. 76 Porträts. Herausgegeben vom Kulturamt der Stadt Wuppertal. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1983, S. 80. und nahm einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Niederrhein in Mönchengladbach wahr.

Von 1981 bis 1983 absolvierte sie ein Studium der Fotografie an der Gesamthochschule Essen bei den Professoren Inge Oswald und Erich vom Endt. Seither betätigt sie sich ausschließlich als freischaffende Fotografin. Es folgten weitere Reisen, vor allem nach Venedig. Dort verändert sich ihre Bildsprache, wurde freier und formal vielfältiger. Parallel dazu kristallisierte sich mit der Portraitfotografie ein zweiter Schwerpunkt heraus. Ihre ersten Ausstellungen zeigten Ansichten von Rom, Sizilien, Venedig oder der Nolde-Landschaft. Seit 1984 steht die Porträtfotografie im Mittelpunkt, nicht zuletzt angeregt durch eine große Porträtauftragsarbeit für die Max-Planck-Gesellschaft in München.

1985 zeigte das Augustinermuseum in Freiburg ihre Arbeiten unter dem Titel „Persönlichkeiten unserer Zeit“, 1988 ging die große Wanderausstellung „Zeit und Augenblick: Photo-Porträts“ durch viele deutsche Museen und fand zugleich ihren Niederschlag in einem gleichnamigen Bildband. Sie hatte sich in wenigen Jahren zu einer wichtigen und angesehenen Fotografin in Deutschland und weit darüber hinaus entwickelt. Bei Repräsentativausstellungen zur europäischen oder deutschen Fotokunst im In- und Ausland ist Ingrid von Kruse regelmäßig vertreten.

1992 erschien Europa beim Wort genommen, ein Porträtwerk mit 115 Portraits prägender Persönlichkeiten von europäischem Rang, begleitet von einer Ausstellung durch Europa und die USA. Vier Jahre später erschien ihr Buch Venedig – Stimmen zwischen Stein und Meer mit der dazugehörigen Ausstellung in der „Casa di Goethe“ in Rom. Die seit 1984 entstandenen Fotografien des Bandes, so ein Rezensent, „blicken zurück in ein anderes mediales Zeitalter“Marc Peschke: Leise Experimente. Die Hamburger Fotografin Ingrid von Kruse porträtiert Venedig: Eine Schau in der Lübecker Kunsthalle St. Annen. In: taz, 4. März 2004, S. 23. Tatsächlich lag und liegt bei Ingrid von Kruse alles in eigener Hand. Sie entwickelte und vergrößerte alle Aufnahmen selbst und fotografiert nur analog und nach Möglichkeit nur bei Tageslicht, und – mit wenigen Ausnahmen – bis heute ausschließlich in Schwarzweiß.

Eine dieser Ausnahmen ist der 2000 erschienene Bildband Dasein-In, Ein Zen Tempel des 16. Jahrhunderts in Kyoto. Darin hat sie Minimalismus und Bescheidenheit ins Bild gesetzt, es scheint der „Gegensatz zwischen Form und Leere aufgehoben“.NZZ, 5. August 2000 2004 veröffentlichte sie ihr Buch Magische Rosse mit Aufnahmen, die zwischen 1989 und 2003 in der Stierkampfarena, beim Trabrennen, auf Gestüten, im Zirkus oder beim Palio in Siena entstanden sind. Die begleitende Ausstellung wurde 2006 im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg sowie in den Staatlichen Antikensammlungen in München gezeigt. 2011 erschien ihr Buch Eminent Architects, die begleitende Ausstellung wurde unter anderem im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt gezeigt. 2015 folgte der Band Charakterbilder – Begegnung unter fünf Augen, in dem sie über ihre Begegnungen mit berühmten Porträtierten berichtet. Wie genau und zaghaft sich von Kruse den Portraitierten nähert, durch Recherche, Brief, Bild und Nacharbeit, vermittelt auch der Folgeband Begegnungen von 2019. Geschichten und Anekdoten, abenteuerliche oder skurrile Aufnahmesituationen lassen die Arbeitsweise der in Hamburg-Harvestehude lebenden Fotografin erkennen. Mit dem Satz „staunend und dankbar blicke ich zurück“ beschließt sie die letzte Seite ihrer Charakterbilder.

Aktuelle Bestände Ingrid von Kruses Arbeiten gehören zum Bestand der Sammlung Preußischer Kulturbesitz in Berlin sowie anderer öffentlicher und privater Sammlungen, wie dem Deutschen Historischen Museum in Bonn, der Hamburger Kunsthalle, dem Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, dem Museum of Fine Arts, Houston, der Sammlung Gruber im Museum Ludwig Köln, der Sammlung Helmut Gernsheim, der Sammlung Gabriele Henkel und der Sammlung der Langen Foundation.

Der fotografische Vorlass Ingrid von Kruses wurde 2022 von der Deutschen Fotothek übernommen. Enthalten sind 887 meist großformatige Prints sowie rund 5.000 Negative und zugehörige Kontakte.

Ausstellungen (Auswahl) 1982: Photographien aus Rom und Sizilien, Von der Heydt-Museum, Wuppertal 1988: Zeit und Augenblick, LVR-landesmuseum Bonn; Quadrat Joseph Albers Museum, Bottrop; Tonhalle Düsseldorf; Aalto-Theater, Essen 1992: Deutsches Historisches Museum Berlin, Zeughaus 1993: Museum of Fine and Commercial Arts, Hamburg State Parliament North Rhine Westphalia International Cultural Center, Krakau Goethe Institute, Warsaw Prague Castle, Prague State Museum, Braunschweig House of Artists, Moscow 1994: Centre Borschette, Brüssel 2002: Horst Janssens „Geliebte – Musen – Kinder“, Kunsthalle Hamburg 2003: Horst Janssen in Focus Kunsthalle Hamburg 2003: Ritrato di Venezia, Casa di Goethe, Rom 2004: Ein Venedig-Porträt, Kunsthalle Museum St. Annen, Lübeck 2005: Magische Rosse – Schwarz und Weiß Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg 2006: Magische Rosse Glyptothek, München 2011: Emiment Architects, Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt/Main 2014: Emiment Architects Venedig, Palazzo Flangini 2015: Arquitetos Eminentes. Fotografias de Ingrid von Kruse, Museo Mude, Lissabon, 25. April – 16. August 2015 2016: Punto in Aria. DEAR Photography, Hamburg, 20. April – 24. Juni 2016 2021: Zwischen Stein und Meer. aquabitArt Galerie Berlin, 4. Juni – 4. Juli 2021 (Virtuelle Ausstellung) 2022: Window Watching. aquabitArt Galerie Berlin, 20. – 30. Mai 2022 2025: Ingrid von Kruse. Das Raunen der Vergangenheit. Fotografien aus Italien. loungeaffairs#8, SLUB Dresden, Bib-Lounge, 15. Dezember 2025 – 26. Juni 2026 2026: eminent architects. Johanna Breede PHOTOKUNST Berlin, 25. April – 18. Juni 2026

Veröffentlichungen (Auswahl) Zeit und Augenblick. Photo-Portraits, DuMont, Köln 1988, ISBN 3-7701-2144-9. Europa beim Wort genommen, 1992 im Prestel Verlag Venedig – Stimmen zwischen Stein und Meer, 1996 im Hirmer Verlag Dasein-In, Ein Zen Tempel des 16. Jahrhunderts in Kyoto, 2000 im Hirmer Verlag Magische Rosse, 2004 im Nicolai Verlag Eminent Architects, 2011 im Jovis Verlag Charakterbilder – Begegnungen unter fünf Augen, 2015 im zu Klampen Verlag Begegnungen. Porträts und ihre Geschichten. Osburg, Hamburg 2019, ISBN 978-3-95510-201-2. Cosimo – Mein Enkel und ich. Berg & Feierabend, Hamburg 2021, ISBN 978-3-94827-216-6. Das Raunen der Vergangenheit. Fotografien aus Italien. loungeaffairs #8. Hg. von Jens Bove. 2025 bei publish&print, Dresden. ISBN 978-3-946339-63-2 Rom – Stadt der Götter und Gelehrten: Erinnerungen. Morio Verlag, Heidelberg 2026, ISBN 978-3-94974-930-8.

Literatur Zeitgenossen: Autographen und Portraits. Fotografien von Ingrid von Kruse, Auktionskatalog Galerie Bassange, Berlin 2022. Dirk Fröse: Ingrid von Kruse. In: Sabine Selchow (Red.): Künstler im Wuppertal. 76 Porträts. Herausgegeben vom Kulturamt der Stadt Wuppertal. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1983, ISBN 3-87294-230-1, S. 80–81. Eva Schäfers: Zwischen Gesprächen und Schweigen und Stille. Die Fotografin Ingrid von Kruse im Porträt, in: Berührungspunkte No. 25 (Februar 2014), S. 6–13 (Digitalisat).

Weblinks

Website von Ingrid von Kruse Künstlerbiografie auf den Seiten der Deutschen Fotothek Über 1.100 Fotos auf den Seiten der Deutschen Fotothek Sachsen. Deutsche Fotothek würdigt Fotografin Ingrid von Kruse am 6. Januar 2026 auf tagesschau.de

Einzelnachweise

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