Die Kondor war ein Torpedoboot der Raubvogel-Klasse (Torpedoboot 1923). Seit 1927 im Dienst der Reichsmarine, kam das Boot im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz. Das nicht mehr einsatzbereite Torpedoboot wurde am 28. Juni 1944 in Le Havre von der Besatzung nach 127 Einsatzfahrten gesprengt.
Geschichte Die Kondor wurde am 17. November 1925 bei der Reichsmarinewerft Wilhelmshaven zusammen mit dem Schwesterboot Falke auf Kiel gelegt, die beide am 22. September 1926 vom Stapel liefen.Hildebrand u. a.: Die deutschen Kriegsschiffe, Bd. 4, S. 51. Die Indienststellung bei der Reichsmarine erfolgte am 15. Juli 1927.Whitley: Zerstörer im Zweiten Weltkrieg. S. 29. Nach dem südamerikanischen Vogel benannt worden war schon von 1892 bis 1914 der ungeschützte Kreuzer Condor der Kaiserlichen Marine.
Einsatzgeschichte Die Kondor wurde als fünftes Torpedoboot des Typs 1923 fertiggestellt und am 15. Juli 1928 in Dienst gestellt. Wie das Schwesterboot Albatros hatte es seine Antriebsanlage von den Schichau-Werken in Elbing erhalten. Nach Probefahrten unter Oberleutnant zur See (OLzS) Schöne kam das neue Boot am 5. Oktober 1928 bei der 4. Torpedoboots-Halbflottille in Dienst, wo OLzS Hagen das Kommando über das Boot übernahm. Die Halbflottille bestand in der Regel aus vier Booten der Raubvogel-Klasse. Im April/Mai 1929 nahm die Kondor an der Auslandsreise der Flotte teil. Die Linienschiffe Schleswig-Holstein, Schlesien, Hessen und Elsass wurden auf ihrer Reise in spanische Gewässer neben der Kondor von den Torpedobooten Wolf (Flottillenführerboot II.T-Flottille, Korvettenkapitän (KK) Otto Schniewind) und Greif sowie Möwe und Albatros begleitet. Die Kondor besuchte mit den Linienschiffen und der Greif Caramiñal an der Arosabucht und mit der Greif Sevilla. Nach Rückkehr von der Auslandsreise Mitte Mai und normalen Ausbildungsdienst wurde das Boot am 15. Oktober 1930 außer Dienst gestellt und durch das Schwesterboot Seeadler ersetzt.
Am 21. September 1931 wurde die Kondor erneut unter Kapitänleutnant (KL) Hagen bei der 4. Torpedoboots-Halbflottille in Dienst gestellt und ersetzte dort ihr Schwesterboot Greif. Im Juni 1932 gehörte die Kondor zum Verband des Befehlshabers der Aufklärungsstreitkräfte (B.d.A), Konteradmiral Conrad Albrecht, der mit dem Leichten Kreuzer Königsberg und den Torpedobooten Albatros, Falke, Möwe und Seeadler das Deutsche Reich in Stockholm bei den Feierlichkeiten zur Verlobung des schwedischen Erbprinzen Gustav Adolf mit der deutschen Prinzessin Sibylla von Sachsen-Coburg und Gotha vertrat. 1933 besuchte die Kondor noch Kristiansand und Malmö. Am 1. Oktober 1935 wurde aus der Halbflottille die 4. Torpedobootsflottille in Wilhelmshaven, zu der neben der Kondor noch die Schwesterboote Greif, Möwe und Falke gehörten. Erster Kommandeur war Korvettenkapitän Hans Henning (1895–1948).
Ab August 1936 bis März 1938 erfolgten drei Einsätze des Bootes im Rahmen der sogenannten Neutralitätspatrouillen vor den spanischen Küsten. Der erste Einsatz erfolgte vom 11. August bis zum 15. September 1936 zusammen mit der Möwe. Abgelöst wurden die Kondor und die Möwe durch die Tiger und die Iltis der 3. Flottille. Ein zweiter Spanien-Einsatz der Kondor erfolgte wieder zusammen mit der Möwe sowie der Greif und der Falke und dem Leichten Kreuzer Nürnberg sowie zeitweise mit dem Panzerschiff Admiral Graf Spee erst vom 17. Juni bis zum 6. August 1937 nach dem Angriff rotspanischer Flugzeuge auf das vor Ibiza liegende Panzerschiff Deutschland. Die deutschen Schiffe dienten nun in ihrem Überwachungsabschnitt an der südspanischen Ostküste im Mittelmeer. Der dritte Einsatz des Bootes begann im Oktober 1937 mit der 4. Flottille (Greif, Möwe und Falke). Das Boot besuchte auf diesem Einsatz zusammen mit der Greif im November Gaeta in Italien und verbrachte Weihnachten und den Jahreswechsel in Neapel. Flaggschiff des deutschen Verbandes vor Spanien war während dieser Zeit überwiegend das Panzerschiff Deutschland. Erst am 14. März 1938 traf die Kondor von diesem Einsatz wieder in Wilhelmshaven ein. Der Rückruf der Boote war einen Tag vor dem deutschen Einmarsch nach Österreich (12. März) erfolgt. Am 1. Juli 1938 wurde das Boot dann außer Dienst gestellt.
Am 4. April 1939 stellte die Kondor für die 5. Torpedobootsflottille unter Korvettenkapitän Rudolf Heyke (1898–1940) wieder in Dienst. Bei Kriegsausbruch 1939 gehörten zu dieser in der Nordsee eingesetzten Flottille fünf Boote der Raubvogel-Klasse; nur die Seeadler gehörte zur 6. Flottille.
Kriegseinsätze Die erste Aufgabe der Kondor und ihrer Schwesterboote der 5. Torpedobootsflottille nach Kriegsbeginn war die Sicherung der Verlegung defensiver deutscher Minensperren in der Nordsee zusammen mit Zerstörern. Als Minenleger waren die ehemaligen Seebäderschiffe Cobra, Kaiser und Roland sowie Zerstörer im Einsatz. Später sicherten die Boote der Flottille die verschiedenen Einsätze der Flotte in der Nordsee ab.
mini|Die Olav Tryggvason
Beim deutschen Angriff auf Norwegen (Unternehmen Weserübung) im April 1940 war die Kondor mit ihren Schwesterbooten Albatros und Möwe Teil der von Konteradmiral Oskar Kummetz geführten Kriegsschiffsgruppe 5 mit den Schweren Kreuzern Blücher und Lützow (ex Deutschland), dem Leichten Kreuzer Emden, den acht Booten der 1. Räumbootsflottille und zwei umgerüsteten Walfängern. Diese Gruppe sollte die norwegische Hauptstadt Oslo besetzen. Dies gelang nicht wie geplant, da die Norweger die Blücher in der Dröback-Enge versenkten und die Lützow erheblich beschädigten. Die Albatros und die Kondor sollten mit zwei Räumbooten die norwegische Marinebasis in Horten besetzen. Der dort liegende norwegische Minenleger Olav Tryggvason und der Minensucher Rauma eröffneten das Feuer auf die deutschen Angreifer. Sie beschädigten die Albatros und versenkten das Räumboot R17. Die Olav Trygvason, die nur leichte Schäden erlitt, erzielte später noch einen Treffer auf der zur Unterstützung kommenden Emden. Die Rauma wurde von den Deutschen schwer beschädigt. Die Basis kapitulierte, als die Deutschen Luftangriffe androhten, die wohl erhebliche Opfer unter der nahe an der Basis lebenden Zivilbevölkerung gefordert hätten.
Am 29./30. April 1940 sicherten die Torpedoboote Kondor, Leopard, Wolf und Möwe sowie die Zerstörer Richard Beitzen und Bruno Heinemann die Minenleger Roland, Cobra, Kaiser und Preußen beim Ausbringen der Minensperre 17 nördlich der Great Fisherman’s Bank zur Verlängerung der Westwall-Sperren in der Nordsee. Beim Anmarsch zur Wurfposition wurde im Skagerrak die Leopard nach Ruderversager von der ehemaligen Ostpreussen-Fähre Preußen gerammt und sank, nachdem die Wolf deren Besatzung übernommen hatte. Bei der Kollision starb der Sohn Gernot des Flottenchefs Wilhelm Marschall.
Vom 20. bis zum 23. Juni 1940 sicherte die Kondor mit der Greif sowie den Zerstörern Hans Lody, Erich Steinbrinck und Hermann Schoemann die Überführung der durch einen Torpedotreffer der Acasta beschädigten Scharnhorst von Drontheim nach Kiel. Zwei britische Luftangriffe auf das Geleit wurden abgewehrt und dabei zwei Fairey Swordfish abgeschossen.
Vom 25. bis zum 28. Juli 1940 gehörte die Kondor mit der Iltis, der Jaguar, der Luchs und T 5 zur Sicherung des durch einen Torpedotreffer der Clyde beschädigten Schlachtschiffs Gneisenau. Zum Sicherungsverband gehörten auch der Leichte Kreuzer Nürnberg sowie die Zerstörer Hans Lody, Paul Jacobi, Friedrich Ihn und Karl Galster. Am 26. Juli versenkte das britische U-Boot Thames südwestlich von Bergen das sichernde Torpedoboot Luchs, das in die Schusslinie zur Gneisenau lief und mit mehr als 100 Mann unterging.Hildebrand u. a. Die deutschen Kriegsschiffe. Bd. 5, S. 88.
Als die Minenschiffe Roland, Cobra und Brummer (ex Olav Tryggvason) am 7./8. August 1940 in der südwestlichen Nordsee die Minensperre „SW 1“ mit ca. 600 Minen legten, wurden sie von der 5. Torpedoboots-Flottille unter Korvettenkapitän Henne mit der Falke, der Kondor, der Jaguar, T 2, T 7 und T 8 gesichert. Auf diese Sperre liefen am 1. November der britische Zerstörer Express und die zur Hilfe kommenden Esk und Ivanhoe. Die Esk sank, die Kelvin konnte die Express aus dem Minenfeld schleppen, Abschleppversuche der beschädigten Ivanhoe scheiterten und die Kelvin versenkte daraufhin den Flottillenführer mit einem Torpedo.
Vor diesem Erfolg hatten die Minenschiffe Tannenberg, Roland und Cobra und die Zerstörer Paul Jacobi und Karl Galster eine weitere Minensperre mit ca. 600 Minen am 14./15. August 1940 in der südwestlichen Nordsee gelegt, wieder von der 5. T-Flottille mit der Greif, der Kondor, der Falke, der Iltis, der Jaguar sowie T 2 und T 3 gesichert.
Am 6./7. September 1940 sicherten die 1. Torpedoboots-Flottille mit der Kondor, T 1, T 2 und T 3 sowie der Zerstörer Karl Galster ein weiteres Minenunternehmen nördlich von Terschelling, bei dem über 1400 Sprengmittel von der 5. T-Flottille mit der Greif, der Falke, der Iltis und der Jaguar und den Minenschiffen Togo und Kaiser ausgebracht wurden. Nach dem Werfen der Sperre kehrte der gesamte Verband nach Den Helder zurück.
Einsatz im Westen Die 5. T-Flottille wurde dann an der französischen Kanalküste stationiert und legte in der Nacht zum 1. Oktober 1940 Minen vor Dover mit der Kondor, der Falke, der Greif und der Seeadler. Am 8./9. Oktober 1940 stieß die Flottille mit der Greif, der Seeadler, der Kondor, der Falke, der Wolf und der Jaguar ins Seegebiet um die Isle of Wight vor. Ein zweiter Vorstoss am 11./12. mit der Greif, der Kondor, der Falke, der Seeadler und der Wolf führte zu Gefechten mit leichten britischen Streitkräften, bei denen die frei-französischen U-Boot-Jäger Ch 6 und Ch 7 sowie die Trawler Listrac (778 BRT) und Warwick Deeping (445 BRT) versenkt wurden. Auf dem Rückmarsch entzog sich die Flottille einem Gefecht mit den britischen Zerstörern Jackal, Jaguar, Jupiter, Kelvin und Kipling.
In der Nacht zum 18. Oktober 1940 plante der Führer der Zerstörer (F.d.Z.), Kapitän zur See Erich Bey, mit den fünf inzwischen in Brest stationierten Zerstörern einen Vorstoß gegen den Westausgang des Bristolkanals, um den alliierten Handelsschiffsverkehr anzugreifen. Frühzeitig durch die britische Luftaufklärung entdeckt, wurden die Zerstörer von zwei Kreuzern und fünf Zerstörern gestellt. Ein auf große Distanz geführtes Gefecht erbrachte keine Ergebnisse, da die deutschen Zerstörer ihren Vorstoss abbrachen und die Briten sie wegen technischer Probleme nicht verfolgten. Luftangriffe beider Seiten auf die rückmarschierenden Verbände erbrachten auch keine Erfolge. Die als Unterstützungsgruppe der deutschen Zerstörer mit der Kondor sowie der Greif, der Seeadler, der Falke, der Wolf und der Jaguar in See befindliche 5. T-Flottille wurde nicht entdeckt und lief ohne Feindberührung zurück.
Am 8. November kollidierten die Kondor und die Falke in der Quiberon-Bucht. Wegen der erheblichen Schäden musste die Kondor in die Werft. Vom 28. bis zum 30. Januar 1941 verlegte der Zerstörer Richard Beitzen mit den Torpedobooten Kondor, Iltis und Seeadler von Rotterdam nach Brest. Als am 1. Februar 1941 der Schwere Kreuzer Admiral Hipper zu seiner zweiten Atlantik-Unternehmung in Brest auslief, gaben ihm in der Biskaya die Richard Beitzen, die die Kondor und Seeadler Geleitschutz. Als der Kreuzer am 15. Februar wieder zurückkehrte, wurde er von denselben Booten wieder in See aufgenommen und nach Brest begleitet.
Überholung und weiterer Einsatz