Dieser Artikel behandelt die französische Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft 2016. Dabei nahmen Frankreichs Männer zum neunten Mal an einer Europameisterschaftsendrunde teil, davon zum dritten Mal nach 1960 und 1984 als Ausrichter des Turniers. Als Gastgeber waren die Franzosen automatisch für die Teilnahme qualifiziert. Die Bleus wurden 2016 Vizeeuropameister.
Vorbereitung Der Landesverband FFF hatte zur Vorbereitung auf die EM-Endrunde vier Spielvereinbarungen abgeschlossen. Dabei kam es zunächst Ende März 2016 zu einem Auswärtsspiel gegen die Niederlande; vier Tage später empfing Frankreich Russland und gewann beide Partien (mit 3:2 beziehungsweise 4:2).
Im unmittelbaren Vorfeld des Turniers standen noch Begegnungen mit Kamerun (30. Mai in Nantes) und Schottland (4. Juni in Metz) auf dem Programm, die die Franzosen gleichfalls für sich entschieden (mit 3:2 beziehungsweise 3:0).
Zwischen dem Kamerun- und dem Schottlandspiel reiste der Kader zu einem Rekreationsaufenthalt nach Neustift im Stubaital. Dort handelte der Mannschaftsrat (Lloris, Matuidi, Mandanda und Evra) mit FFF-Präsident Noël Le Graët die Prämienregelung für die EM aus. Sie ist stark erfolgsbezogen: erst ab dem Viertelfinale werden Spieler und Trainer Zahlungen erhalten, und zwar je 165.000 Euro, wenn sie die Runde der letzten Acht nicht überstehen, 210.000 für ein verlorenes beziehungsweise 250.000 für ein gewonnenes Halbfinale und 300.000 Euro im Falle des Titelgewinns. Hinzu kommen je Spieler, unabhängig davon, wie weit ihre Elf bei der EM kommt, pro Partie, in der sie zum Kader gehörten, 15.000 Euro für die Überlassung ihrer persönlichen Bildrechte („Fotoprämie“); diese schließt auch die zehn dem Endturnier vorangehenden Freundschaftsspiele der Saison 2015/16 ein, so dass bei Erreichen des Endspiels bis zu 255.000 Euro hinzukommen. Auch die Reservisten (siehe den Kaderabschnitt hierunter) und die wegen Verletzung gestrichenen Spieler gehen nicht leer aus, falls die Bleus das Achtelfinale überstehen; sie erhalten rund 45.000 Euro pro Person, wenn der Europameister 2016 Frankreich heißt.Grosse polémique et petites bestioles. In: France Football, 7. Juni 2016, S. 48/49, zur „Fotoprämie“. In: France Football, 28. Juni 2016, S. 39
Aufgebot Nationaltrainer Didier Deschamps hat am 12. Mai 2016 eine Liste von 31 Spielern bekanntgegeben; dabei hat er bereits differenziert, indem er acht von ihnen als mögliche Nachrücker (réservistes) gekennzeichnet hat.siehe das Aufgebot der französischen Nationalmannschaft auf der Verbands-Website. Auch zwei Jahre zuvor hatte er sich anlässlich der Weltmeisterschaft in Brasilien sehr frühzeitig auf den endgültigen 23er-Kader festgelegt. Am 31. Mai musste er Lassana Diarra verletzungsbedingt durch Morgan Schneiderlin ersetzen.„Schneiderlin ersetzt Diarra im Frankreich-Kader“, uefa.com
Nr.„Gignac aura le numéro 10“, lefigaro.fr Name Verein Geburtsdatum SpieleStand: 4. Juni 2016 Tore Letzter Einsatz EM-Sp.Stand: Vor Beginn der EM-Endrunde Min. 10px 15px 10px Torhüter 23 Stade Rennes 0 0 1 Tottenham Hotspur 75 004.06.2016 4 (2012) 7 660 16 Olympique Marseille 22 0 25.03.2016 Abwehr 17 AS Rom 12 0 29.03.2016 3 Juventus Turin 73 004.06.2016 2 (2008), 1 (2012) 7 660 1 2 Olympique Lyon 11 1 25.03.2016 21 FC Arsenal 29 104.06.2016 1 (2012) 7 642 (1) 1 13 Manchester City 7 0 11.10.2015 1 18 4 FC Sevilla 28 104.06.2016 4 (2012) 4 360 (2) 19 Manchester City 57 004.06.2016 7 660 22 Olympique Lyon 0 0 3 300 (1) 1 Mittelfeld 6 Crystal Palace F.C. 46 404.06.2016 3 (2012) 2 91 5 Leicester City 4 104.06.2016 4 244 (2) 1 14 Paris Saint-Germain 44 804.06.2016 7 583 1 15 Juventus Turin 31 504.06.2016 7 602 1 1 12 Manchester United 15 0 17.11.2015 18 Newcastle United 38 104.06.2016 6 382 Angriff 20 FC Bayern München 5 104.06.2016 6 272 10 UANL Tigres 27 704.06.2016 6 204 9 FC Arsenal 49 1704.06.2016 3 (2012) 6 456 3 (1) 7 Atlético Madrid 27 7 04.06.2016 7 555 6 11 Manchester United 9 0 04.06.2016 3 68 8 West Ham United 19 304.06.2016 7 506 3 TrainerDidier Deschamps 103Als Spieler 4 2012 3 (1992), 4 (1996), 6 (2000) Reserve (Übersicht der möglichen Nachrücker) FC Villarreal 0 0 OGC Nizza 15 2 17.11.2015 2 (2012) FC Sevilla 8 1 11.11.2011 Olympique Lyon 10 1 11.10.2015 Paris Saint-Germain 0 0 OSC Lille 0 0
Spieler, die nur im vorläufigen Kader standen Mitte Mai 2016 wurde bei Raphaël Varane eine Oberschenkelverletzung diagnostiziert. Er wurde durch Adil Rami ersetzt.„Varane verpasst Königsklassen-Endspiel und EURO“, uefa.com Am 28. Mai 2016 wurde Jérémy Mathieu durch Samuel Umtiti ersetzt, da Mathieu aufgrund einer Verletzung nicht rechtzeitig fit wurde.„Mathieu forfait, Umtiti dans les 23“, fff.fr
Position Name Verein Geburts-Datum Länderspiel-einsätze Länderspiel-tore Letzter Einsatz EM-Spiele Abwehr FC Barcelona 5 0 29.03.2016 Abwehr Real Madrid 29 2 29.03.2016 Mittelfeld Olympique Marseille 34 030.05.2016 Anmerkungen:
Spiele der französischen Mannschaft
Gruppenphase In der EM-Gruppenphase traf Frankreich auf Rumänien (EM-Eröffnungsspiel), Albanien und die Schweiz.
Die Eidgenossen zählen zu den häufigsten Gegnern der französischen Länderspielgeschichte (bisher 37 Begegnungen, die letzte ein 5:2-Sieg bei der Weltmeisterschaft 2014); auf die Rumänen ist Frankreich 16 Mal getroffen und auf Albanien sechsmal. Gegen alle drei ist die Bilanz der Bleus positiv.
Allerdings standen die Franzosen zum Zeitpunkt der Gruppenauslosung lediglich auf Platz 25 der FIFA-Weltrangliste. Entsprechend skeptisch war die Erwartung hinsichtlich ihres Abschneidens im eigenen Land. Das Fachblatt France Football veröffentlichte im Dezember 2015 eine Umfrage, nach der 10 % der Befragten davon ausgingen, dass die Nationalelf bereits nach der Gruppenphase ausschiede, während ihr nur 9 % das Erreichen des Endspiels und 5 % den Titelgewinn zutrauten. Ihren entsprechenden Themenschwerpunkt überschrieb die Zeitschrift mit der Feststellung „Équipe de France: Zehn Jahre voller Missgeschicke“.France Football, 9. Dezember 2015, S. 20–29; Umfrageergebnisse auf S. 25 Erst nach den erfolgreichen Testspielen verbesserte sich die Stimmung in Frankreich; unmittelbar vor Turnierbeginn wurde das Team bei den dortigen Buchmachern sogar als einer der heißesten Titelanwärter geführt.
In diesen drei Begegnungen hatte Deschamps in der Abwehr durchgehend auf Torhüter Lloris und die Viererkette mit Sagna, Rami, Koscielny und Evra – an dessen Stelle die Fachpresse gegen die Schweiz vergeblich den Einsatz von Digne forderte – vertraut; diese Defensivformation ließ bis auf einen Elfmetertreffer kein gegnerisches Tor zu. Auch in Mittelfeld und Angriff kristallisierte sich eine Stammbesetzung heraus, die der Trainer freilich im letzten Gruppenspiel gehörig veränderte, insbesondere, weil die Franzosen bereits qualifiziert waren und auch, um einigen Spielern vor der K.-o.-Runde eine Ruhepause zu verschaffen. Dabei zeigte sich, dass Frankreich hier über einen qualitativ hochwertigen „zweiten Anzug“ (Cabaye, Sissoko, Coman, Gignac) verfügt, der die Stammreihen Pogba–Kanté–Matuidi und Griezmann–Giroud–Payet adäquat zu ergänzen vermochte.
Nach Abschluss der Gruppenspiele war für die französischen Medien und die UEFA, die ihn gegen Rumänien und Albanien jeweils als Player of the Match ausgezeichnet hatte, Dimitri Payet der herausragende französische Spieler; France Footballs Aufmacher beispielsweise lautete auf der Titelseite „Payet, eine Gabe des Himmels“, und die Titelstory war überschrieben „Der erste Euro-Star“.France Football, 14. Juni 2016, S. 1 und 22–31 Die internationale Presse hingegen richtete ihr Augenmerk insbesondere nach dem Schweiz-Spiel eher auf Paul Pogba, was Le Monde griffig unter der Schlagzeile „Pogba, einziger französischer Sonnenstrahl“ zusammenfasste.Artikel. lemonde.fr, 20. Juni 2016 Antoine Griezmann hingegen, in Frankreich inzwischen häufiger Grizou genannt, rückte erst in der K.-o.-Runde in das internationale Medieninteresse.so beispielsweise laut Antoine Griezmann, version internationale. francefootball.fr, 2. Juli 2016
Achtelfinale Gegen Irland hat Frankreich eine positive Länderspielbilanz vorzuweisen. Beide Teams sind zwar zwischen 1954 und 2010 bereits sechsmal in einer Weltmeisterschafts-Qualifikation aufeinandergetroffen, aber noch nie bei der Endrunde eines Kontinentalturniers.
Frankreich begann das Spiel mit derselben Startformation wie im Auftaktmatch gegen Rumänien, also der im Abschnitt hierüber genannten Stammelf. Nachdem es nach zwei Minuten – erneut durch einen, diesmal von Pogba verursachten Foulelfmeter – in Rückstand geraten war, veränderte Deschamps zur zweiten Halbzeit die taktische Ausrichtung. Der Defensivmann Kanté, der aufgrund seiner zweiten gelben Karte im Viertelfinale ohnedies gesperrt ist, wurde durch einen weiteren offensiven Flügelstürmer, Coman, ersetzt. Außerdem rückte Matuidi ab dann von der rechten Seite, wo er „nahezu nicht existierte“, wieder ins zentrale Mittelfeld.France–Irlande, le debrief de France Football. francefootball.fr, 27. Juni 2016 Es war dann Griezmann, der mit zwei Treffern binnen drei Minuten das Weiterkommen der Franzosen sicherstellte. Ein vom Schiedsrichter mit Rot bedachtes Foul des Iren Shane Duffy an dem alleine auf Irlands Torhüter zulaufenden Doppeltorschützen verhinderte einen höheren Sieg der Bleus ebenso wie ein Lattentreffer Gignacs. Im Viertelfinale wird auch Rami aufgrund seiner zweiten gelben Karte fehlen.
Viertelfinale Auch gegen Island ist die Länderspielbilanz positiv, wobei die Franzosen von den insgesamt elf bisherigen Partien acht gewannen und dreimal remisierten, mithin bisher noch ungeschlagen sind. An Pflichtspielen stehen ausschließlich Qualifikationsbegegnungen zu Buche, und zwar für eine Welt- (1958) sowie vier Europameisterschaftsendrunden (1976, 1988, 1992, 2000). In Frankreich wird als gutes Omen angesehen, dass die UEFA für dieses Match den Niederländer Björn Kuipers als Schiedsrichter angesetzt hat: Kuipers leitete schon bei den zwei vorangegangenen Kontinentalturnieren Spiele der Bleus, die diese jeweils siegreich beendeten – das 2:0 gegen Gastgeber Ukraine bei der EM 2012 und das 5:2 gegen die Schweiz bei der WM 2014.
Deschamps hatte auf die Sperren von Rami und Kanté überraschend reagiert, indem er Samuel Umtiti in der Innenverteidigung zu dessen Länderspieldebüt verhalf und Moussa Sissoko ins rechte Mittelfeld beorderte, statt Kanté positionsgenau durch Cabaye zu ersetzen. So spielte Frankreich wieder im bereits aufgegeben geglaubten 4-2-3-1-System, und dies wurde gegen Island frühzeitig mit Leben gefüllt, weil die Elf von Anbeginn an den Torerfolg suchte: 2:0 nach zwanzig Minuten, 4:0 zur Halbzeit. Und selbst, als sie in der zweiten Hälfte einen Gang zurücknahmen und dem Gegner mehr Ballbesitz ermöglichten, vermochten die Franzosen auf den isländischen Ehrentreffer prompt zu reagieren und binnen kürzester Zeit den 4-Tore-Vorsprung wiederherzustellen. Anschließend nahm der Trainer zunächst den zweifachen Torschützen Giroud und etwas später auch Koscielny vom Feld, um beide mit Gelb vorbelasteten Spieler im Halbfinale dabeihaben zu können.
Kicker Sportmagazin benotete Griezmann und Giroud mit einer Eins, Pogba, Matuidi und Payet mit einer Zwei sowie Torhüter Lloris mit einer 2,5. Lediglich Evra und Novize Umtiti wurden mit der Note vier bewertet.Kicker-Noten nach dem 5:2 – „Les Bleus“ beenden isländisches Märchen. kicker.de, 3. Juli 2016
Halbfinale