mini|X-2400-Triebwagen der CFTA im Bahnhof Carhaix, 1990 Die Chemins de Fer et Transports Automobiles, kurz CFTA, waren ein französisches Eisenbahn- und Straßenverkehrsunternehmen, das 1966 durch die Fusion der Société générale des chemins de fer économiques (SE) und der Companie des chemins de fer secondaires et transports automobiles (CFSTA) entstand. Die CFTA waren im Güter- und Personenverkehr sowie als Infrastrukturbetreiber tätig.
Am 30. Januar 2019 wurde das Unternehmen zunächst in Transdev Rail Bretagne und am 15. März 2019 in Transdev Rail umbenannt, um die Zugehörigkeit zum Transdev-Konzern darzustellen. Die meisten Aktivitäten der CFTA im Schienengüterverkehr waren bereits 2003 in eine Tochterfirma CFTA Cargo ausgegliedert und 2009 an Europorte verkauft worden.
Firmengeschichte SE und CFSTA Die 1880 gegründete Société générale des chemins de fer économiques (SE) war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Frankreichs größtes, aber bei Weitem nicht einziges privatwirtschaftliches Unternehmen zum Betrieb von Nebenbahnen. Ab den 1930er-Jahren erwuchs diesen Strecken jedoch ernsthafte Konkurrenz durch den aufkommenden motorisierten Straßenverkehr, dem die SE auch durch die Einrichtung zahlreicher Omnibusverbindungen zu begegnen versuchte. 1963 wurde diese Entwicklung auch in der Firmenbezeichnung deutlich, als die SE in Société générale des chemins de fer et de transport automobile (SGCFTA) umbenannt wurde.
Verschiedene kleinere Bahngesellschaften im Norden und Osten Frankreichs schlossen sich in mehreren Schritten bis 1956 zur Compagnie de chemin de fer du Nord-Est (nicht identisch mit der nahezu gleichnamigen, im 19. Jahrhundert tätigen Compagnie des Chemins de fer du Nord-Est) zusammen. Ab 1. März 1960 bildete dieses Unternehmen zusammen mit der Compagnie de chemin de fer secondaires (CFS) die Compagnie des chemins de fer secondaires et transports automobiles (CFSTA).
Gründung der CFTA Mehrheitseigentümer der SGCFTA und der CFSTA war der Versicherer La Paternelle. Um weitere Synergieeffekte erzielen zu können, beschloss die Paternelle 1966, diese beiden Verkehrsunternehmen ebenfalls zu kombinieren. Das so entstandene Unternehmen erhielt die Bezeichnung Société générale de chemins de fer et transports automobiles (CFTA).
Wie bereits im Firmennamen ersichtlich, bestand die CFTA aus einem Eisenbahn- und einem Straßenverkehrsbereich. Die Bahnsparte war auf zahlreichen Strecken in Frankreich tätig, die in drei Gruppen eingeteilt werden konnten:
Strecken, die sich im direkten Eigentum der CFTA befanden, Strecken anderer Eigentümer, die die CFTA in deren Auftrag oder in Pacht betrieb, Leistungen auf Strecken des staatlichen Netzes (lignes d'intérêt général) auf Basis von Pacht- oder Traktionsvereinbarungen mit der SNCF
Die ersten beiden Gruppen umfassten ausschließlich Nebenbahnen, unter denen 1966 zum Gründungszeitpunkt der CFTA zahlreiche Strecken nur noch geringes Verkehrsaufkommen aufwiesen und in den folgenden zwei Jahrzehnten überwiegend stillgelegt wurden. Stattdessen konnte die CFTA auf Korsika und in Südfrankreich neue Betriebsführungsaufträge gewinnen und die Zusammenarbeit mit der SNCF ausbauen.
Verkauf an CGEA (Vivendi/Veolia)
Der CFTA-Mehrheitseigentümer, die Paternelle, wurde 1975 Teil der Assurances du Groupe de Paris (AGP), die wiederum 1989 mit der Axa-Gruppe fusionierte. Dabei wurde die zuletzt 92% der Anteile umfassende CFTA-Beteiligung an die Compagnie générale d'entreprises automobiles (CGEA) abgegeben, ein im ÖPNV tätiges Tochterunternehmen der Compagnie Générale des Eaux (CGE). Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte die CTFA 1250 Mitarbeiter, die einen Jahresumsatz von 275 Millionen Francs erwirtschafteten. Auf den Bahnbereich entfielen davon 540 Mitarbeiter bzw. 88 Millionen Francs. 1980 waren es noch etwa 2200 Mitarbeiter, davon knapp 1000 im Bahnbereich.
Die CGEA firmierte ab dem Jahr 2000 unter dem Namen Connex und ab 2005 infolge eines Namenswechsels der Muttergesellschaft Vivendi Environnement zu Veolia Environnement als Veolia Transport; die CFTA behielt als Tochterunternehmen aber ihre bisherige Bezeichnung.
Aufspaltung der CFTA
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die CFTA durch rückläufige Transportmengen im ländlichen Güterverkehr mit sinkenden Einnahmen im Kooperationsverkehr mit der SNCF konfrontiert. Zugleich stand u.a. durch das erste Eisenbahnpaket die Öffnung des öffentlichen Zugangs zum staatlichen französischen Schienennetz der damaligen RFF bevor. Die CGEA gründete daher Ende 2002 das neue, 2003 an die CFTA übertragene Tochterunternehmen CFTA Cargo. Zunächst übernahm CFTA Cargo mit Ausnahme der Leistungen in der Bretagne die in Kooperation mit der SNCF erbrachten CFTA-Güterverkehrsleistungen auf dem staatlichen Netz. Am 13. Juni 2005 beförderte die CFTA Cargo jedoch auch Frankreichs ersten Güterzug in direkter Konkurrenz zur SNCF und baute diesen Geschäftsbereich in den folgenden Jahren aus.
Die nicht ohnehin bereits aufgrund rückläufiger Frachten aufgegebenen Kooperationsvereinbarungen zwischen CFTA und SNCF wurden daraufhin mit Ausnahme der Leistungen im Réseau Breton nicht mehr verlängert und liefen bis September 2008 schrittweise aus. 2009 verkaufte Veolia seine im Schienengüterverkehr tätigen Unternehmen. Die CFTA Cargo wurde zum 1. Dezember 2009 durch die Groupe Eurotunnel übernommen und in Europorte Proximité umfirmiert.
Bei der CFTA verblieben somit nach 2009 im Wesentlichen die Aktivitäten im ÖPNV, der Bahnbetrieb in der Bretagne sowie die Betriebsführung mehrerer Strecken für Dritte. Der CFTA-Mehrheitseigentümer Veolia schloss sich 2011 mit seinem bisherigen Konkurrenten Transdev zusammen. Das Gemeinschaftsunternehmen firmierte zwei Jahre als Veolia-Transdev und trägt seit 2013 den Namen Transdev Group. 2015 beschäftigte das Unternehmen noch etwa 90 Personen. Die CFTA wurde schließlich am 30. Januar 2019 zunächst in Transdev Rail Bretagne und am 15. März 2019 in Transdev Rail umfirmiert.
Bahnbetrieb Eigene Strecken Netz Strecke Länge Spurweite Seit Bis Somme Noyelles–Le Crotoy 7km 1000mm 1966 (seit 1887 SE) 1970 an Département Somme Somme Noyelles–Cayeux 18km 1000mm/1435mm 1966 (seit 1887 SE) 1973 an Département Somme Réseau de la Gironde Villandraut–Luxey 32km 1435mm 1966 (seit 1873 SE) 1970/1978 Stilllegung Réseau de la Gironde Saint Symphorien–Naujac 79km 1435mm 1966 (seit 1884 SE) 1978 Stilllegung Réseau de la Gironde Hostens–Cabanac 18km 1435mm 1966 (seit 1886 SE) 1978 Stilllegung Réseau de la Gironde Bordeaux–Lacanau 60km 1435mm 1966 (seit 1885 SE) 1978 Stilllegung Réseau de la Gironde Blaye–St. Ciers-sur-Gironde 23km 1435mm 1966 (seit 1888 SE) 1970 Stilllegung Le Meusien Haironville–Robert-Espagne 13km 1435mm 1966 (seit 1922 SE) 1971 Stilllegung
Betriebsführung für Dritte und gepachtete Strecken Netz Strecke Länge Spurweite Eigentümer Seit Bis Réseau Breton Carhaix–Morlaix 49km 1000mm SNCF 1966 (seit 1891 SE) 1967 Stilllegung Réseau Breton Guingamp–Carhaix 53km 1435mm SNCF 1966 (seit 1893 SE) 2019 an Transdev Rail Réseau Breton Guingamp–Paimpol 36km 1435mm SNCF 1966 (seit 1894 SE) 2019 an Transdev Rail Réseau Breton Carhaix–La Brohinière 130km 1000mm SNCF 1966 (seit 1898 SE) 1967 Stilllegung Réseau Breton Carhaix–Rosporden 50km 1000mm SNCF 1966 (seit 1898 SE) 1967 Stilllegung Réseau Breton Carhaix–Châteaulin 57km 1000mm SNCF 1966 (seit 1898 SE) 1967 Stilllegung PO-Corrèze Tulle–Seilhac–Uzerche 32km 1000mm SNCF 1966 (seit 1962 SE) 1972 Stilllegung PO-Corrèze Tulle–Argentat 34km 1000mm SNCF 1966 (seit 1962 SE) Stilllegung 1972 PO-Corrèze Seilhac–Treignac 29km 1000mm SNCF 1966 (seit 1962 SE) 1972 Stilllegung Chemins de fer de l'Hérault Montpellier–Palavas 12km 1435mm Département Hérault 1966 (seit 1929 SE) 1968 Stilllegung Chemins de fer de l'Hérault Béziers–Saint-Chinian 33km 1435mm Département Hérault 1966 (seit 1929 SE) 1968 Maureilhan–Cazouls an SNCFStilllegung der übrigen Abschnitte Chemins de fer de l'Hérault Colombiers–Maureilhan 6km 1435mm Département Hérault 1966 (seit 1929 SE) 1968 an SNCF Chemins de fer de la Corse Bastia–Ajaccio 157km 1000mm Französischer Staat 1972 1983 an SNCF Chemins de fer de la Corse Ponte-Leccia–Calvi 73km 1000mm Französischer Staat 1972 1983 an SNCF Chemins de fer de Provence Nizza–Digne-les-Bains 150km 1000mm Syndicat mixteMéditerranée-Alpes 1976 2014 Übergabe in Eigenbetrieb Chemin de Fer de la Rhune Col de Saint-Ignace–La Rhune 4km 1000mm Département Pyrénées-Atlantiques 1995 2012 Übergabe in Eigenbetrieb Chemin de fer de La Mure Saint-Georges-de-Commiers–La Mure 30km 1000mm Département Isère 1998 2011 Vertragsende Panoramique des Dômes Maison de site–Gare de sommet 5km 1000mm Département Puy-de-Dôme 2013 2019 an Transdev Rail
Leistungen auf lignes d'intérêt général Die CFTA war auf der Grundlage von Vereinbarungen mit der SNCF auf dem staatlichen Eisenbahnnetz, den lignes d'intérêt général, tätig. Einige Bahnstrecken wurden komplett verpachtet, womit auch der Infrastrukturbetrieb in Verantwortung der CFTA lag. Auf anderen Verbindungen übernahm die CFTA als concours de traction die Führung eines Teils oder aller Züge auf der dort unverändert durch die SNCF unterhaltenen Infrastruktur. Außer auf den in langfristigen Verträgen festgeschriebenen Strecken war die CFTA auf einzelnen weiteren Relationen kurzzeitig als Traktionsdienstleister der SNCF tätig, etwa mit Güterzügen nach Vimpelles an der Bahnstrecke Flamboin-Gouaix–Montereau.
Netz Strecke Länge Art Verkehr Seit Bis Franche-Comté Châtillon-sur-Seine–Gray 119km Verpachtung Personen (bis 1980), Güter 1966 (seit 1934 SE) schrittweise Einstellung; 2005 an SNCF Franche-Comté Culmont-Chalindrey–Gray 45km Traktion Personen (bis 1970), Güter 1966 (seit 1934 SE) 1991 Stilllegung Franche-Comté Troyes–Châtillon-sur-Seine 67km Traktion Personen (bis 1969), Güter 1966 (seit 1934 SE) schrittweise Einstellung; Rest 2005 an SNCF Franche-Comté Brion–Châtillon-sur-Seine 8km Traktion Güter 1966 (seit 1950 SE) 2005 an SNCF Franche-Comté Nuits-sous-R.–Châtillon-sur-Seine 35km Traktion Güter 1975 2008 an SNCF Franche-Comté Vesoul–Gray 56km Traktion Personen (bis 1970), Güter 1966 schrittweise Einstellung; Rest 1989 an SNCF Nivernais Clamecy–Nevers 75km Verpachtung Güter 1966 (seit 1939 SE) schrittweise Einstellung; Rest 2006 an SNCF Nivernais Clamecy–Gilly-sur-Loire 127km Verpachtung Güter 1966 (seit 1939 SE) schrittweise Einstellung; Rest 2006 an SNCF Nivernais Tamnay–Château-Chinon 23km Verpachtung Güter 1966 (seit 1939 SE) 2006 an SNCF Nivernais Clamecy–Entrains 26km Verpachtung Güter 1977 2006 an SNCF Rambervillers Mont-sur-Meurthe–Bruyères 55km Verpachtung Personen (bis 1980), Güter 1966 (seit 1934 CFS/CFSTA) 1988 Stilllegung Wassy St-Dizier–Wassy 23km Traktion Güter (bis 1991) 1966 (seit 1933 CFS/CFSTA) 1994 an CFBD Wassy Wassy–Doulevant 17km Traktion Güter (bis 1991) 1966 (seit 1933 CFS/CFSTA) 1994 an CFBD Wassy Montier-en-Der–Éclaron 17km Traktion Güter 1969 1991 Stilllegung Provins Mézy–Esternay 45km Verpachtung Güter 1966 (seit 1938 CFS/CFSTA) schrittweise Einstellung; Rest 2007 an SNCF Provins Longueville–Provins–Esternay 40km Verpachtung Personen (bis ca. 1990), Güter 1966 (seit 1938 CFS/CFSTA) schrittweise Einstellung; Rest 2007 an SNCF Provins Esternay–Sézanne 16km Traktion Güter 1970 2005 an SNCF Provins Sézanne–Anglure 19km Traktion Güter 1970 2005 an SNCF Provins Esternay–Villenauxe 17km Traktion Güter 1970 1991 an SNCF Provins Esternay–Coulommiers 44km Traktion Güter 1978 1990 an SNCF
Personal Für die Beschäftigten der CFTA galten das allgemeine privatwirtschaftliche Arbeitsrecht (droit commun des salariés) und die Tarifvereinbarungen der Voies ferrées d'intérêt local (VFIL), nicht die in Teilbereichen deutlich großzügigeren Privilegien des SNCF-Personals. Das Betriebspersonal war häufig für verschiedene Aufgabenbereiche ausgebildet und entsprechend flexibel eingesetzt, etwa als Lokführer, Zugführer und Busfahrer.
Fahrzeugwerkstätten