mini|Kärcher-Hochdruckreiniger
Die Alfred Kärcher SE & Co. KG ist die Konzernobergesellschaft eines Herstellers von Reinigungsgeräten und -systemen mit Hauptsitz in Winnenden. Kärcher gilt in diesem Segment als Weltmarktführer. Der Konzern ist mit 170 Gesellschaften in 87 Ländern präsent.
Anteilseigner (Stand: Dezember 2024) SKB GmbH (vormals: Susanne Kärcher Beteiligungsgesellschaft mbH), Winnenden – 50 % Johannes Kärcher Beteiligungsgesellschaft mbH, Winnenden – 50 %
Geschichte Anfänge in Stuttgart und Kriegszeit Alfred Kärcher (1901–1959) stieg 1924 nach seinem Diplom-Abschluss an der Technischen Hochschule Stuttgart in das Geschäft seines Vaters ein, der im heutigen Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt Großkoch- und Wäschereianlagen vertrieb. In der folgenden Zeit begann Alfred Kärcher, Gerätschaften wie elektrische Tauchheizkörper und Tiegelöfen für den industriellen Einsatz zu entwickeln, was eine Grundlage für die eigene Firmengründung wurde. 1935 gründete er in Bad Cannstatt die Alfred Kärcher Kommanditgesellschaft, sein Vater Emil war bis zu seinem Tode Partner.
Zu den ersten wirtschaftlichen Erfolgen zählte ein Salzbadofen zum energiesparenden Härten und Veredeln von Leichtmetallen. Das Patent hierfür verkaufte Kärcher, dessen Unternehmen zu diesem Zeitpunkt nur geringe eigene Produktionskapazitäten hatte, an die Siebert GmbH in Frankfurt am Main. Die Anlage verkaufte sich bis 1945 über 1.200-mal, vor allem in der Luftfahrtindustrie.
Aus Platzgründen erfolgte 1939 der Umzug mit 120 Mitarbeitern nach Winnenden, wo das Unternehmen seitdem seinen Hauptsitz hat.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges war das Unternehmen in die Rüstungswirtschaft eingebunden und produzierte für die Luftwaffe unter anderem Kabinenheizgeräte sowie Apparate zur Enteisung von Tragflächen und Leitwerken. Bereits ab 1934 hatte Alfred Kärcher im Auftrag der Lufthansa benzinbetriebene Heißluftbläser entwickelt, mit denen Flugzeugmotoren im Winter vorgewärmt wurden, um das Anlassen zu erleichtern. Im Zweiten Weltkrieg wurden diese mobilen Heizgeräte auch zum Vorwärmen von Motoren bei der Wehrmacht verwendet. In der Produktion wurden Kriegsgefangene eingesetzt. Bei Kärcher befanden sich ein Russenlager, Polenlager, Franzosenlager und das Lager Ruitzenmühle.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit baute Kärcher vor allem Produkte wie Ofenkocher, Kleinherde, Handkarren und Anhänger für die Bevölkerung. Später wurden auch beheizbare Betonverschalungen und Frischluftheizgeräte hergestellt, die für Wiederaufbauarbeiten in den durch den Krieg zerstörten Städten gedacht waren. 1948 erhielt die Firma den Auftrag, die Dampfreiniger der amerikanischen Armee in Stand zu setzen.
1950–1989: Reinigungstechnik und Internationalisierung 1950 wurde mit der Entwicklung des ersten europäischen Heißwasser-Hochdruckreinigers die Sparte Reinigungstechnik gegründet. Von Mitte der 1950er Jahre bis in die 1970er Jahre war die Herstellung von Dampferzeugern für Industrie und Bauwirtschaft ein Schwerpunkt des Unternehmens; die Reinigungstechnik entwickelte sich hierbei erst später zum Hauptumsatzgebiet von Kärcher.
Am 17. September 1959 starb Alfred Kärcher im Alter von 58 Jahren an einem Herzinfarkt. Er hinterließ seine Frau Irene Kärcher (1920–1989) und die zwei gemeinsamen Kinder Johannes und Susanne.Anja Müller: In: Handelsblatt, 15. Dezember 2008, abgerufen am 2. März 2024. Irene Kärcher übernahm fortan die Verantwortung für das mittelständische Unternehmen. Der Umsatz stieg unter ihrer Führung im ersten Jahr um 70 %. 1962 wurde die erste Vertriebsgesellschaft außerhalb Deutschlands in einem kleinen Vorort von Paris gegründet, danach folgten weitere Vertriebsgesellschaften in Österreich und Schweiz.
In den 1960er- und 1970er-Jahren kam es zur internationalen Expansion des Unternehmens. Das Kärcher-Sortiment umfasste in dieser Zeit auch Bauschalungen, Spielzeug oder Doppelrumpfboote, ehe sich das Unternehmen ab 1974 vor allem auf Hochdruckreiniger spezialisierte. 1974 wechselte die Firmenfarbe von Blau nach Gelb und der Schwerpunkt wurde komplett auf Hochdruckreiniger gelegt, die nun in Gelb gefertigt wurden. 1975 wurde in Brasilien die erste Produktionsstätte des Unternehmens außerhalb von Deutschland eröffnet. Seit Ende der 1970er Jahre betreibt Kärcher weltweit Reinigungsprojekte an Kunstwerken und denkmalgeschützten Gebäuden 1984 erschien der erste Hochdruckreiniger für den privaten Gebrauch im Einzelhandel.
1989 starb Irene Kärcher nach drei Jahrzehnten in der Führung des Unternehmens, danach übernahm eine angestellte Geschäftsleitung die Leitung des Unternehmens. Kinder und Enkelkinder von Alfred und Irene Kärcher sind in dem Unternehmen weiterhin involviert, unter anderem im Aufsichtsrat.
Ab den 1990er-Jahren: Neue Geschäftsfelder, Übernahme anderer Unternehmen In den 1990er-Jahren stieg Kärcher verstärkt in die Geschäftsfelder der gewerblichen Bodenreinigung und der Kommunaltechnik ein. Im Bereich der privaten Reinigung brachte das Unternehmen verschiedene Geräte wie Staubsauger oder Dampfreiniger auf den Markt. 2003 brachte Kärcher seinen ersten vollautonomen Reinigungsroboter für Konsumenten auf den Markt, wonach sich das Unternehmen verstärkt dem Bereich Robotik zuwandte. 2005 wurde die Tochterfirma Kärcher Futuretech GmbH in Schwaikheim gegründet, die den militärischen Markt sowie den Bereich des Zivil- und Katastrophenschutzes abdeckt.Broschüre: In: Kärcher Futuretech GmbH, 13. April 2011, (PDF; 16 S., 1,3 MB). Mitte der 2000er-Jahre stieg Kärcher verstärkt in den Gartenbereich und die Produktion von Gartenpumpen ein.
Laut DWDS wird das vom Unternehmensnamen abgeleitete Verb „kärchern“ als Begriff für das Arbeiten mit Hochdruckreinigern seit der Jahrtausendwende im deutschsprachigen Raum verstärkt verwendet. In Frankreich wurde das Wort „karcher“ 2006 in den Le Petit Robert aufgenommen, nachdem der damalige französische Innenminister Nicolas Sarkozy 2005 in einer umstrittenen Äußerung gesagt hatte, er wolle die Pariser Banlieues „kärchern“. Seit 2018 steht „kärchern“ als Begriff im Duden, auch im Österreichischen Wörterbuch wird er aufgeführt.
Ende 2011 kaufte das Unternehmen das Gelände der ehemaligen Ziegelei Pfleiderer in Winnenden, wodurch sich die Betriebsfläche fast verdoppelte. Im September 2012 wurde die ehemalige Ziegelei abgebrochen und die Bauarbeiten für eine Erweiterung von Kärcher begonnen. Auf dem Gelände wurde im September 2014 ein neues Bürogebäude für 700 Mitarbeiter und ein Veranstaltungsgebäude für bis zu 800 Personen eröffnet. Seit 2016 ist ein neues Kundenzentrum in Winnenden in Betrieb. Der Komplex ist mit einer Brücke über dazwischenliegende Zuggleise mit dem seitherigen Standort verbunden.
Seit den 2000er-Jahren ist Kärcher in verschiedene Unternehmen eingestiegen. Anfang 2011 übernahm Kärcher den schwedischen Kommunaltechnikanbieter Belos. 2017 gründete Kärcher mit der Zoi TechCon GmbH eine eigene IT-Beratung. Ende September 2019 gab Kärcher bekannt, sämtliche Geschäftsanteile der Max Holder GmbH, Reutlingen, einem Hersteller von Kommunalfahrzeugen und Weinbergtraktoren, übernommen zu haben. Seit Januar 2021 firmiert die Max Holder GmbH unter der eigens gegründeten Kärcher Municipal GmbH.
2013 wurde erstmals in der Geschichte des Unternehmens mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz erzielt, im Geschäftsjahr 2021 wurden die Drei-Milliarden-Marke beim Umsatz überschritten. In den 2010er-Jahren wurden verstärkt akkubetriebene Produkte für den Haus-und-Gartenbereich eingeführt. 2022 wurde erstmals eine autonom arbeitende Kehr- und Schauersaugmaschine für die professionelle Anwendung auf den Markt gebracht.
Konzernstruktur Standorte mini|Kärcher Service Center in Ahorn während der Bauphase, 2022 mini|Nordamerikanische Zentrale von Kärcher in Denver
Kärcher hat seinen Hauptsitz in Winnenden im Raum Stuttgart. Auf den rund 150.000 Quadratmetern ist neben der Hauptverwaltung mit den Zentralbereichen auch die Forschung und Entwicklung aller Produktgruppen untergebracht. In Winnenden ist ebenfalls ein Museum über die Unternehmensgeschichte angesiedelt.
An dem Standort in der Gemeinde Obersontheim in Baden-Württemberg gibt es drei Einheitenvgl. : Das Werk Obersontheim wurde 1965 gegründet. Dort werden unter anderem professionelle Kehrmaschinen gefertigt. Außerdem befindet sich dort die Blechverarbeitung, von der aus die anderen Werke mit Metallkomponenten beliefert werden.Jürgen Stegmaier: In: Haller Tagblatt, 27. Februar 2015, abgerufen am 2. März 2024. Auch Geräte und Anlagen der Tochterfirma Futuretech werden hier angefertigt. Daneben ist auch die Reinigungsmittelfertigung im nahegelegenen Sulzdorf dem Werk Obersontheim angegliedert. Im Werk Obersontheim erfolgt die Beschichtung einzelne Bauteile in einer Beschichtungsanlage.Lisa-Maria Müller: In: Hohenloher Tagblatt, 27. Mai 2015, abgerufen am 2. März 2024. Im Werk Bühlertal werden überwiegend Produkte für Konsumenten wie Hochdruckreiniger, Dampfreiniger und Staubsauger hergestellt. Das Logistikzentrum bei Obersontheim versorgt die weltweiten Gesellschaften von Kärcher und deren regionale Distributionszentren, innerhalb Europas beliefert es in über 20 Ländern Kunden und Händler auch direkt mit Zubehör und Ersatzteilen. Ebenfalls werden Teile der globalen Logistik Kärchers vom Logistikzentrum Obersontheim gesteuert. Ende 2022 wurde ein größerer Anbau des Logistikzentrums für 15 Millionen Euro eingeweiht, der dem gestiegenen Auftragsvolumen des Konzerns Rechnung trägt.
In dem Werk in Illingen in Württemberg werden seit 1983 vor allem Kleinserien und Einzelfertigungen vorgenommen. Zusätzlich werden dort auch Schaltschränke, Kabelbäume und Portalwaschanlagen produziert. Für Anfang 2027 ist die Schließung des Werkes geplant. In Waldstetten werden Industriesauger hergestellt.
Das Service-Center Ahorn im Main-Tauber-Kreis gibt es seit 2023, vormals war es seit 1992 in der benachbarten Gemeinde Gissigheim. Hier werden Endverbraucher-Geräte, aber auch kleinere gewerbliche Produkte aus ganz Zentraleuropa gewartet und repariert. Insgesamt werden in dem 10.000 Quadratmeter großen Werk in Ahorn rund 200.000 Gerätschaften im Jahr repariert.
Daneben unterhält Kärcher weltweit verschiedene Geschäftsstellen, so wurde 2015 die Firmenzentrale für den nordamerikanischen Raum in Denver, Colorado, eingeweiht. Weitere internationale Produktions- und Logistikstandorte sind etwa in Monterrey in Mexiko, Vinhedo in Brasilien und Changshu in China.
Tochtergesellschaften Stand Ende 2024 unterhielt Kärcher 170 Tochtergesellschaften in 87 Ländern.
Kärcher New Venture Über die Kärcher New Venture GmbH mit Sitz in Winnenden investiert das Unternehmen Venture Kapital in Start-up-Unternehmen, insbesondere solche, die an Innovationen in den Bereichen Produkt, Material oder Dienstleistung arbeiten und aus denen heraus Kärcher sich Potential für die Zukunft verspricht. So wurde bislang in Start-ups wie Mitte (Mineralisierung von Leitungswasser), Skyline Robotics (Automatisierte Fensterreinigung) oder Zan Compute (KI-basierte Analyseplattform für das Gebäudemanagement) investiert. Das Team der Kärcher New Venture nimmt regelmäßig an Veranstaltungen wie dem new.new Festival in Stuttgart teil.
Kärcher Futuretech Die Kärcher Futuretech GmbH mit Sitz in Schwaikheim bei Stuttgart beschäftigt rund 140 Mitarbeiter (Stand 2022).