Gertie Hampel-Faltis (geborene Faltis, * 5. Oktober 1897 in Wekelsdorf, Bezirk Braunau, Böhmen; † 21. Oktober 1944 ebenda)Jenny Schon: Verlorene Geschichten wieder entdeckt. Zum 70. Geburtstag der Dichterin Gertie Hampel-Faltis (1897–1944). In: Adalbert-Stifter-Verein (Hrsg.): Stifter Jahrbuch 2014. München, Neue Folge Band 28, S. 214.Anmerkung: Lebensdaten wurden unterschiedlich angegeben: 1.) bei Josef Mühlberger: 1895–1944; 2.) Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 1937/38, S. 274: 5. X. 1898; 3.) von Kürschner abgeschrieben: Giebisch u. a.: Kleines österreichisches Literaturlexikon, 1948, S. 153: 5. Oktober 1898; 4.) erneut Josef Mühlberger: Geschichte der deutschen Literatur in Böhmen. 1900–1939. München 1981, S. 348–349: 1895–1944; 5.) von Mühlberger abgeschrieben: Dieter Sudhoff (Hrsg.): Holunderblüten. Wiesbaden 2005, S. 285: 1895–1944; 6.) aus Kürschner und Giebisch abgeschrieben: Kosch, Bd. 14, 2010, Sp. 59: 5. Oktober 1898–1944. war eine Dichterin und Gutsbesitzerin.

Leben Gertie Faltis Eltern waren Friedrich Wilhelm Faltis (1868–1921) und Johanna, geb. Hooser, aus Trautenau. Sie war die Enkeltochter des Großindustriellen Johann Faltis, dem Begründer der österreichischen Flachsindustrie,In: Reinhard Lamer: Trautenau. Geschichte einer deutschen Stadt. Volkstum-Verlag, 1971, S. 187. und Cousine der Pianistin und Komponistin Evelyn Faltis.Ilse Korotin (Hrsg.): biografıA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 1: A–H. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 777 (). Faltis wuchs im barocken Schloss Wekelsdorf, dem Niederschloss in dem Ort, auf (Dolní Zámek in Teplice nad Metují) und war das jüngste von drei Kindern. Sie erhielt Privatunterricht und spielte Klavier. Daneben besuchte sie gerne Theater und Konzerte und unterhielt zahlreiche Kontakte mit Künstlern, z. B. dem Schriftsteller Josef Mühlberger. Ihr Bruder Fritz Faltis junior starb als junger Mann am Stochid im Ersten Weltkrieg.

Sie heiratete den sechs Jahre jüngeren Schneidermeistersohn Kurt Hampel aus Trautenau und bekam 1929 eine Tochter, Renate Hampel-Faltis. Nach dem Tod ihres Vaters übernahm sie die Arbeit im Gutshof und Schloss Wekelsdorf, das ihr anlässlich der Hochzeit 1927 vom Vater überschrieben worden war.

Im Alter von 43 Jahren erkrankte sie an Krebs und starb im Oktober 1944 im Schloss. Zu diesem Zeitpunkt war ihr Ehemann als Soldat im Krieg und ihre Tochter Renate erst 15 Jahre alt. Sie wurde 1945 aufgrund der Beneš-Dekrete enteignet und 1946 vertrieben.

Das Grab von Gertie Hampel-Faltis auf dem Friedhof Wekelsdorf wurde in den 1960er Jahren aufgelöst.

Schriftstellerische Tätigkeit Hampel-Faltis verfasste Gedichte, vereinzelt auch Erzählungen und Stimmungsbilder, die von 1929 – zunächst noch unter ihrem Mädchennamen – bis 1934 regelmäßig in der Zeitschrift Ostböhmische HeimatFranz Babel: Alphabetisches Verzeichnis von Literatur zum Riesengebirge, Ziff. 116–120 und 175–197. PDF-Datei, S. 14 & S. 17/18 und gelegentlich in Witiko: Zeitschrift für Kunst und DichtungJahrgang 1929, Zweiter Band, S. 55; Jahrgang 1931, Zweiter Band, S. 56 erschienen. Auf diese Veröffentlichungen wurde mitunter positiv hingewiesen.Monatsschrift Für Das Deutsche Geistesleben, Jahrgang 1930, S. 355: „Ein erquickend zu lesendes Gedicht ‚Frühlingswiese‘ von Gertie Hampel-Faltis. Ein starkes und zartes Naturgefühl, höchst persönlich und doch unmittelbar überzeugend, dazu eine Musik der Sprache, wie sie heute, soviel ich sehe, unmodern geworden ist.“Witiko: Zeitschrift für Kunst und Dichtung, Jahrgang 1931, Zweiter Band, S. 231: „Des Lebens bunter Strom, dessen tiefste Süße Liebe ist, fließt durch die Verse der Gertie Hampel-Faltis“ Im Jahr 1931 veröffentlichte die Literarische Adalbert-Stifter-Gesellschaft in Eger einen Sammelband mit einer Gedichtauswahl aus den Jahren 1918 bis 1929 unter dem Titel Das große Rauschen, der von Josef Mühlberger in einer Voranzeige als „Das Buch einer unserer besten sudetendeutschen Dichterinnen“ bewertet wurde.Franz Babel: Alphabetisches Verzeichnis von Literatur zum Riesengebirge, Ziff. 462. PDF-Datei, S. 31 Bis 1938 erschienen gelegentlich weitere Gedichte, zumeist aus dem Gedichtband nachgedruckt, in der Heimat, der Beilage zum Volksbote, gedruckt in Trautenau.

Rezeption Josef Mühlberger urteilt 1981: „Ihre Lyrik (»Das große Rauschen«, 1931) ist stark und tief im Erleben und einfach in der Form.“ 1983 berichtet er in seiner Erzählung Die Tafelrunde von dem beachtenswerten Eindruck, den das Werk unter einigen der Trautenauer Künstler hinterließ.Josef Mühlberger: Die Tafelrunde. In: ders.: Wo ich daheim war. Helmut Preußler Verlag, Nürnberg 1983, S. 71 f. Eine Würdigung in monographischer Form fand bisher nicht statt, da ihr Werk sehr selten ist. Jenny Schon schreibt in ihrem Aufsatz 2014 zu Faltis, dass „... von ihrem einzigen Werk einfach keine Spur mehr zu finden war.“ Sie urteilt: „Das ist gute Dichtung, klare, einprägende Bilder, mit großen Gefühlen, eingebettet in eine expressive Naturbeschreibung, aber noch konservativer Wortwahl.“Jenny Schon: Verlorene Geschichten wieder entdeckt. Zum 70. Geburtstag der Dichterin Gertie Hampel-Faltis (1897–1944). In: Adalbert-Stifter-Verein (Hrsg.): Stifter Jahrbuch 2014. München, Neue Folge Band 28, S. 211. Sie zeige, „dass sie die Versformen beherrscht“, so verwende sie auch Terzinen und hebt z. B. Faltis Können in dem Gedicht Einweihung hervor.

Trivia In Otto Stoessls Novelle Gerti begleitet den Papa aus dem im Jahr 1911 bei G. Müller erschienenen Novellenband AllerleirauhNachweis im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. wird die Urlaubsreise einer ungefähr 12-jährigen Fabrikantentochter mit dem Namen „Gerti Faltis“ geschildert.Otto Stoessl: Gerti begleitet den Papa.

Zu Ehren von Hampel-Faltis wurden Höhlen benannt, die als prähistorisch wichtig eingeschätzt wurden.Zeitschrift für Karst und Höhlenkunde, Jahrgang 1930, S. 16.

Noch nach Hampel-Faltis' Tod ordnete ein französisches Gericht mit Beschluss vom 11. Juni 1956 die Zwangsverwaltung ihres Vermögens an.Journal officiel de la République française, Jahrgang 1956, S. 6665.

Werke Gertie Hampel-Faltis: Das große Rauschen. (Sudetendeutsche Sammlung der Literarischen Adalbert-Stifter-Gesellschaft; Bd. 18). Literarische Adalbert-Stifter-Gesellschaft, Eger 1931. 47 S, kl.8

Literatur Josef Mühlberger: Die Dichter des Braunauer Ländchens. In: Ostböhmische Heimat 1927, S. 117.Franz Babel: Alphabetisches Verzeichnis von Literatur zum Riesengebirge, Ziff. 447. PDF-Datei, S. 31 Gertie Hampel-Faltis In: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, Leipzig 1937, S. 154 (online). Gertie Hampel-Faltis In: Konrad Feilchenfeldt (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Begründet von Wilhelm Kosch. Hrsg. von Lutz Hagestedt. Bd. 14 „Halm – Hauptmann“. De Gruyter, Berlin 2010, ISBN 978-3-11-023160-1, Sp. 59 (online). Josef Mühlberger: Geschichte der deutschen Literatur in Böhmen. 1900-1939. Langen Müller, München 1981, ISBN 3-7844-1879-1, S. 348–349. Online Jenny Schon: Verlorene Geschichten wieder entdeckt. Zum 70. Todestag der Dichterin Gertie Hampel-Faltis (1897–1944). In: Adalbert-Stifter-Verein (Hrsg.): Stifter Jahrbuch 2014. München, Neue Folge Band 28, S. 209–220.

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