mini|Friedrich Holthaus, um 1917 mini|„Der Schauspieler Friedrich Holthaus“; Porträt-Zeichnung von August Heitmüller, um 1919

Friedrich Holthaus (* 29. Juli 1847 in Osnabrück; † 18. November 1928 in Hannover) war ein deutscher Lehrer, Schauspieler,Franz Rudolf Zankl: Der Schauspieler Friedrich Holthaus in den Rollen des Königs Johann (links) und des Mephisto (rechts). Fotografie von Carl Michelmann. Um 1880, in ders. (Hrsg.): Hannover Archiv, Band 8 (1986), Blatt K 18 Opernsänger und Heldentenor. Der „Altmeister des deutschen Schauspiels“Ilsetraud Lindemann: Friedrich Holthaus, in dies.: Stadtgeschichte in Straßennamen, Osnabrück: Selbstverlag der Verfasserin, circa 1972; war erfolgreich in zum Teil nahezu vergessenen Stücken von Ernst von Wildenbruch, aber auch in klassischen Rollen etwa in Stücken von Shakespeare, Goethe und Schiller.Hugo Thielen: Holthaus, Friedrich. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 306.

Leben Friedrich Holthaus wurde zur Zeit des Königreichs Hannover und der beginnenden Industrialisierung geboren in der Osnabrücker Johannisstraße 114 als Sohn eines Fabrikarbeiters und der Catharina Regina, geborene Evening. Durch seine Mutter lernte schon der sechsjährige Knaben das Stadttheater Osnabrück kennen beim Besuch einer Vorstellung von Halévys Oper La Juive. Auch später hatte der Jugendliche Kontakt zur Osnabrücker Theaterszene. Doch beruflich wählte Friedrich Holthaus zunächst eine vorgezeichnete, sichere bürgerliche Laufbahn als Lehrer in Bremen. Als solcher erlebte er dort eine Aufführung des Theaterstückes Kabale und Liebe von Friedrich Schiller, die ihm – nach seinen eigenen Erinnerungen – endlich den entscheidenden Anstoß gab, seiner schauspielerischen Berufung nachzugeben:

Ulbrich riet Holthaus, sich zunächst die hannoversche Aussprache des „st“ abzugewöhnen sowie Tanz- und Fechtunterricht zu nehmen – und nahm ihn schließlich als Schüler an. 1867 erhielt Holthaus sein erstes – unbezahltes – EngagementHugo Thielen: Holthaus, Friedrich. In: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 177; online über Google-Bücher „[...] im Sommertheater auf dem Berggarten zu Celle“ bis ihn sein Lehrer, der unterdessen Theaterdirektor in Augsburg geworden war, ebenfalls in die süddeutsche Stadt holte. Rund drei Jahre blieb Holthaus dort, spielte „[...] Kraut und Rüben“ und sang in rund zwanzig Opern. Nach einem Gastspiel in Hannover in der Rolle des Narziss im Jahr der Deutschen Reichsgründung 1871 verpflichtete ihn Hans Bronsart von Schellendorf für das hannoversche Hoftheater. Im selben Jahr war Holthaus Gründungsmitglied der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger. Ein Viertel Jahrhundert spielte Holthaus nun in Hannover, von dort berichteten Kritiker, dass sich „vor allem [...] die Herzen der Jugend dieser starken Persönlichkeit willig hin[gaben].“ Zwischendurch gastierte er bei Heinrich Laube am Wiener Stadttheater und 1881 in München.

Unterdessen war Holthaus 1874 dem Hannoverschen Künstlerverein beigetreten.

mini|Holthaus als Mephisto am Albert-Theater (Dresden) Nach seinem Engagement in Hannover, wo er bei seinem Fortgang zum Ehrenmitglied des Hoftheaters ernannt und Carl Friedrich Peppler sein Nachfolger wurde,Eduard Noack: Hoftheater-Erinnerungen. Auslese hervorragender Theatervorstellungen und Concerte aus circa 13000 Gesammtaufführungen des Königlichen Theaters zu Hannover zum 50-jährigen Jubiläum herausgegeben und mit zahlreichen historischen Anmerkungen versehen, Hannover: Schaper, 1902, S. 74; trat Holthaus im Frühjahr 1895 dem Verband des Dresdner Hoftheaters bei. Rund drei Jahre später wechselte er nach Berlin, wo er unter anderem den Heldentenor spielte und auf den Bühnen des Schillertheaters, des Neuen Theaters und zuletzt am Deutschen Theater unter Max Reinhardt auftrat.

1910 beendete Friedrich Holthaus seine Schauspielkarriere. 1914 kehrte er nach Hannover zurück und gab dort Schauspielunterricht. Einer seiner Schüler wurde Theo Lingen.

Nach dem Tode seiner Ehefrau wurde es einsam um Friedrich Holthaus. Die Deutsche Hyperinflation hatte ihn verarmen lassen. Lediglich eine bescheidene Rente blieb ihm bis zum Tod. Posthum erfuhr der Genossenschaftler durch das Jahrbuch der Deutschen Bühnengenossenschaft eine Ehrung für sein Engagement für die jüngeren Künstler und deren Umwälzungen in den beiden vorangegangenen Jahrzehnten.

Weitere Schüler Alwine Wiecke (1869-), deutsche SchauspielerinIngrid Bigler-Marschall (Hrsg.): Wiecke, Alwine (geb. Halberstadt). In: Deutsches Theater-Lexikon, Bd. VI, S. 3316; online über Google-Bücher

Gedenken Noch zu Lebzeiten von Holthaus schlug der Osnabrücker Oberbürgermeister Erich Gaertner am 19. März 1928 bei einer für Holthaus veranstalteten „Morgenfeier“ im Stadttheater Osnabrück für ein Neubaugebiet die Benennung der heutigen Friedrich-Holthaus-Straße vor. Das Ehrengrab für den Hofschauspieler findet sich auf dem Stadtfriedhof Engesohde in Hannover in der Abteilung 23 E, Grab-Nummer 37Karin von Schwartzenberg (Verantw.), Stephanus Fischer (Text): Ehrengräber auf den Friedhöfen der Landeshauptstadt Hannover (Faltblatt), Herausgeber: Landeshauptstadt Hannover – Der Oberbürgermeister, Fachbereich Umwelt und Stadtgrün – Bereich Städtische Friedhöfe – Sachgebiet Verwaltung und Kundendienst, Hannover: 2010, PDF-Download von der Seite hannover.de

Archivalien In der Stadtbibliothek Hannover findet sich in der Sammlung Frank Wedekind eine Handschrift ohne Jahr auf den 6. September von Holthaus an eine unbekannte PersonVergleiche die Angaben vom Kalliope-Verbund In der Österreichischen Nationalbibliothek findet sich in der Sammlung von Handschriften und alten Drucken, Nachlass Otto Rub, ein zweiseitiger Brief von Holthaus vom 4. Januar 1879 Die Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz besitzt zahlreiche Theaterzettel (ornamentierte Einblattdrucke) ab dem Jahr 1900 zum Lustspiel Die goldene Eva aus dem Schillertheater in Berlin mit den Schauspielern und ihren Rollen, darunter Holthaus als Graf ZeckVergleiche die Angaben der SBB Das Historische Museum Hannover besitzt zwei Atelieraufnahmen des Fotografen Carl Michelmann aus der Zeit um 1880 mit Holthaus in der Rollen-Kleidung als König Johann und Mephisto aus Goethes FaustZum Besitz der Fotografien vergleiche die Angaben im Inhaltsverzeichnis vom Hannover Archiv

Siehe auch Liste von Mitgliedern des Hannoverschen Künstlervereins

Literatur Georg Asso Peters: Hofschauspieler Friedrich Holthaus. Zum 90. Geburtstag am 29. Juli 1937. In: Land und Leute, Beilage zum Osnabrücker Tageblatt vom 30. Januar und 13. Februar 1960 August Heitmüller: Hannoversche Köpfe aus Verwaltung, Wirtschaft, Kunst und Literatur (Zeichnung), Band 1, Osterwald, Hannover 1929. Ilsetraut Lindemann: Friedrich Holthaus, in dies.: Stadtgeschichte in Straßennamen, Osnabrück: Selbstverlag der Verfasserin, circa 1972; online auf der Seite vom Kulturverein Chronos (Associazione Culturale Chronos a Roma) Deutsches Theater-Lexikon, Bd. 1, S. 837 Brigitta Weber (Hrsg.), Carsten Niemann, Ludwig Hoerner (Vorw.): Auf Wiedersehn hier u. „dort“. Bühnenkünstler auf frühen Photographien (= Prinzenstraße, Heft 3), 1. Auflage, Begleitschrift zur Sonderausstellung Im Photoatelier vom 13. November 1994 bis 15. Januar 1995 im Kurt-Söhnlein-Raum des Theatermuseums Hannover, Hrsg.: Theatermuseum und -archiv der Niedersächsischen Staatstheater, Hannover, Hannover: Revonnah-Verlag, 1994, ISBN 3-927715-43-3, passim; Vorschau über Google-Bücher Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Nachträge / Personenregister, in ders.: Deutsche Biographische Enzyklopädie, 2., überarbeitete und erweiterte Ausgabe, Bd. 11, München: K. G. Saur, 2008, S. 493; online über Google-Bücher

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